Im Wendekreis der Angst von Michael Knoke

Buchvorstellungund Rezension

Im Wendekreis der Angst von Michael Knoke

Originalausgabe erschienen 2008, 233 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

»Im Wendekreis der Angst« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

Das meint Phantastik-Couch.de: „Ein Roman, der wohl vergeblich seinesgleichen sucht“80

Horror-Rezension von Elmar Huber

„Die Rasierklinge will mir nicht aus dem Sinn gehen. Irgendwie passt sie in das Schema all der absurden Ereignisse, und sie passt auch in einen Kontext mit der blutigen Vision, die mich in der Dusche so eiskalt erwischt hat.“

Eine Gruppenreise durch Polen wird für den namenlosen Erzähler zu einer Fahrt voller Erinnerungen. Die erhoffte Zerstreuung ist nur von kurzer Dauer. Immer wieder werden die real erscheinenden Ereignisse durchbrochen von Halbträumen und Visionen.

Die Realität verschmilzt mit Erinnerungen an die Vergangenheit

Auf eine „Spielhandlung“ wartet man in „Im Wendekreis der Angst“ vergeblich. Der Leser folgt 230 Seiten lang „nur“ einem Mann, der Dämonen seiner Vergangenheit mitschleppt, auf einer Gruppenreise durch Polen. Dennoch entwickelt die Geschichte, die aus Sicht des Reisenden dargestellt wird, mit fortschreitendem Verlauf einen Sog, der den bereitwilligen Leser zwangsläufig mitzieht. In nüchterne Städtebeschreibungen mischen sich plötzlich Gedankenfetzen und Wachträume. Kurze Augenblicke werden zu Auslösern, assoziativer, unerwünschter Erinnerungen. Ankerlos treibt der Erzähler in einem ziellosen Strom, gesichtslose Verfolger auf seinen Fersen. Immer wieder zerrinnt die Realität und der Reisende findet sich als Gefangener seiner Vergangenheit wieder. Dabei befreit jede Station der Reise neue Facetten des Zurückliegenden aus seinem Kopf. Und doch werden die vergangenen Ereignisse nicht richtig klar und vollständig.

Die Kunst besteht nun darin, das gewobene Geflecht am Ende wieder aufzulösen, ohne ein schales Gefühl beim Leser zu hinterlassen. Das ist Michael Knoke nur teilweise geglückt. Die eigentlich geschickt aufgebauten wiederkehrenden Auslöser für die Flashbacks (Blondine, Hund) werden letzten Endes nicht vollständig konsequent genutzt. Ich vermute aber, dass das auch nicht die Intention des Autors war. Durch die immer wiederkehrenden Andeutungen eines zurückliegenden Psychiatrieaufenthalts ahnt man bereits, wohin die Reise letzten Endes geht. Dennoch bleibt vieles der Interpretation des Lesers überlassen.

Ebenso wie Michael Knoke sein „Psychogramm einer gequälten Seele (...) in die Beschreibung einer tatsächlich stattgefundenen Reise durch Polen verpackt“ (Buchrückentext), verpackt der Autor in seinem Roman Autobiografisches. Zu erkennen war für mich die kurze Schilderung seiner Freundschaft mit Jörg Kleudgen, die auskommt, ohne Namen zu nennen. Es ist naheliegend, dass im „Wendekreis“ noch wesentlich mehr persönliches vom Autor steckt.

Mutige Veröffentlichung

Michael Knoke ist den älteren Lesern deutscher Phantastik möglicherweise bekannt durch seine Lovecraft-inspirierten Veröffentlichungen in Jörg Kleudgens Goblin Press („Des dunklen Träumers Wiegenlieder“, „Sturmwanderer“). Mit „Im Wendekreis der Angst“ hat der Autor nun etwas absolut eigenständiges geschaffen, das nur schwer zu klassifizieren ist und wahrscheinlich vergebens seinesgleichen sucht.

Das Lektorat vom „Wendekreis“ wurde von Jörg Kleudgen übernommen, womit sich der Kreis zu Knokes Anfängen wieder schließt. Es handelt sich hier nicht um einen phantastischen Roman im klassischen Sinn. Eher um ein experimentelles Drama, dass den finalen Twist gar nicht nötig gehabt hätte, sondern auch einfach hätte ausklingen können. Wer auf eine vollständige Erklärung aller Erinnerungschübe hofft, wird enttäuscht. „Im Wendekreis der Angst“ wirkt ausschließlich über die ungewöhnliche Ausgangssituation und seine zwischen Traum und Realität chargierende Atmosphäre. Sicher wird „Im Wendekreis der Angst“ keine Lesermassen ansprechen. Für die Veröffentlichung muss Eloy Edictions schon ein gewisser verlegerischer Schneid bescheinigt werden.

Das sehr schöne Titelbild – ein absoluter Blickfang – hat mit dem Roman nichts zu tun. Und doch werden durch einzelne Elemente Assoziationen zum Roman geweckt.

Alles in Allem wieder eine überraschende, lohnenswerte Veröffentlichung der mutigen Eloy, die in der Kategorie „Bester deutschsprachiger Horror-Roman“ für den Vincent-Preis 2008 nominiert ist.

Ihre Meinung zu »Michael Knoke: Im Wendekreis der Angst«

Ihr Kommentar zu Im Wendekreis der Angst

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.