Turils Reise von Michael Marcus Thurner

Buchvorstellungund Rezension

Turils Reise von Michael Marcus Thurner

Originalausgabe erschienen 2009, 416 Seiten.ISBN 3-453-52564-7.

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In Kürze:

In einer Zukunft, in der die Menschen auf zahllose außerirdische Völker gestoßen sind, hat Turil den unmöglichsten aller Berufe: Er ist ein interstellarer Bestattungsunternehmer. Er erteilt Sterbesakramente, spricht tröstende Worte oder richtet auch rauschende Feste aus – je nachdem, von welcher Spezies der Verstorbene abstammte. Turil verbringt sein Leben damit, von Planet zu Planet zu reisen. Doch die wundersamste Reise steht ihm erst noch bevor – denn ohne es zu wissen, trägt Turil das Schicksal der galaktischen Zivilisation in sich …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Respektables Solo-Debüt“77

Science-Fiction-Rezension von Holger Schmidt

Perry Rhodan ist nicht nur die (selbsternannt) größte Science-Fiction-Serie der Welt, nein, besonders als Talentschmiede hat sich die deutsche Endlosserie hervorgetan. Beinahe alles, was in der heimischen Szene Rang und Namen hat, hat schon einmal eine Perry-Rhodan-Geschichte verfasst. So auch Michael Marcus Thurner, der mit „Turils Reise“ nun einen selbständigen Roman vorlegt.

Showdown im Kahlsack

Der Kahlsack ist eine Raumregion, die ihrem Namen nicht gerecht wird: Tatsächlich gibt es hier viele intelligente Lebensformen. Doch hat sich erst einmal eine Zivilisation bis zur interstellaren Raumfahrt entwickelt, stößt sie schnell an eine unüberwindbare Grenze: Denn bisher ist es niemandem gelungen, den Raum jenseits des Kahlsacks zu erreichen. Alle Schiffe, die man aussandte, wurden zerstört. Da sie auf diesen Raumsektor beschränkt sind, arrangieren die meisten Spezies sich miteinander – oder meiden die anderen. Nur die fremden Kitar stören den relativen Frieden. Wie eine intergalaktische Plage fallen sie über den Kahlsack her und zerstören ohne ersichtlichen Grund ganze Welten.

Turil ist ein Thanatologe; seine menschenähnliche Spezies fungiert als Bestattungsunternehmer im Kahlsack. Dabei umfasst der Service eines Thanatologen nicht nur die Organisation eines Begräbnisses; wenn es sein muss, leistet Turil auch Sterbehilfe. Als er eines Tages auf einen Kitar trifft, ändert sich Turils bescheidenes Leben von Grund auf: Von den seltsamen Fremden beinahe magisch angezogen, beginnt für Turil eine Reise, die ihn auch weit in die eigene Vergangenheit führen wird.

„Technobabbel“ und „Exospeak“?

Mit viel Schwung beginnt für den Leser ein exotisches Sternenabenteuer. Thurners Stil wirkt sehr locker und ungezwungen. Er versprüht erfrischenden Humor und lockt den neugierigen SF-Leser so tief in sein fantastisches Universum. „Turils Reise“ ist dabei ein SF-Roman, der den Leser mit den ersten Seiten völlig überrumpelt. Thurner schreibt mit grenzenlos anmutender Fantasie und schafft für seine Geschichte die aberwitzigsten Kulissen.

Immer wieder darf der Leser die Welt durch die Augen skurriler Außerirdischer betrachten. Viel Vorstellungsvermögen ist nötig, wenn man auf die verschiedenen Lebensformen des Kahlsacks trifft. Hierbei glänzt Thurner besonders durch seinen Humor, denn die Eigenarten der Aliens sind alles andere als eine bierernste Angelegenheit. Doch bunte Cocktails mit Schirmchen löschen nicht vorrangig den Durst. Den ausschweifenden Schilderungen fehlt es oft an nahrhafter Substanz, z.B an für den terrestrischen Otto-Normal-Leser nachvollziehbaren Konflikten der Figuren.

Die zahlreichen pseudotechnischen Begriffe und verschiedenen Wortschöpfungen für die Wahrnehmungs- und Lebenswelt der Aliens werden auch im Mittelteil des Buches nicht weniger, bzw. beginnen den Erzählfluss zu stören. Das ist eine Form von „Technobabbel“, wie man es von Autoren wie David Brin und nicht zuletzt aus einigen Perry-Rhodan-Romanen kennt. Die Story versumpft stellenweise in der Handlung selbst nicht dienlichen Abenteuern. Erst im letzten Viertel des Buches setzt sich wieder eine klarere Linie durch. Mit etwas umständlichen Erklärungen werden dann die Geheimnisse des Kahlsacks gelüftet. Und auch Turils Vergangenheit offenbart einige dunkle Kapitel, die man nicht als originell, aber doch als spannungsdienlich bezeichnen kann.

Thurners Solo-Debüt macht insgesamt Lust auf mehr, zeigt aber einige Schwächen im Aufbau und der Dramaturgie. Die umständlichen Erklärungen und Offenbarungen des Schlusses hätte man sicher in erklärender und zielgerichteter Handlung im Mittelteil einbauen können. Obwohl sprachlich vorzüglich geschrieben und mit viel Witz angereichert, langweilt die Mitte des Buches doch etwas. Letztlich bekommt Thurner die Kurve jedoch und schließt seine Geschichte mit einem spannenden Finale ab.

Ihre Meinung zu »Michael Marcus Thurner: Turils Reise«

Roman Ritscher zu »Michael Marcus Thurner: Turils Reise«14.12.2010
turils reisen im kahlsack...der beginn eines neuen erzählerischen universums, vergleichbar in kurzweil und spannung mit dem "xelee"-universum von stephen baxter...?

zumindest der zweite roman aus diesem teil des universums (plasmawelt) verspricht nicht der letzte zu sein...

bin durch PR auf MMT aufmerksam geworden...und an unterhaltung, zumindest auch im zweiten eigenständigen roman, nicht enttäuscht worden...

bitte mehr...und schnell!

lg

roman
galaxykarl zu »Michael Marcus Thurner: Turils Reise«22.11.2009
Hallo Holger,
deine Rezi hat mir gut gefallen. Einzig der Einschub zu Perry Rhodan als - selbsternannte - größte SF-Serie der Welt hinterläßt einen schalen Beigeschmack. Perry Rhodan IST definitiv die größte SF-Serie der Welt. Und dies aufgrund knallharter Fakten: Über 2.500 Hefte fortlaufende (!) Romanhandlung, zig-Millionen-Auflagen und in dutzende Sprachen übersetzt. Das hat und wird wahrscheinlich keine andere SF-Serie erreichen. By-the-way: Auch in keinem anderen Genre gibt es diese Rekorde. PR stellt zwar nicht den Gipfel der (SF)-literarischen Romane dar, aber es ist für tausende von SF-Fans ein einfacher Einstieg in das unterhaltsamste Genre, dass ich kenne. Und das sollte man anerkennen.
mfg aus Franken
galaxykarl
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