Sternenfeuer von Michael McCollum

Buchvorstellungund Rezension

Sternenfeuer von Michael McCollum

Originalausgabe erschienen 2000unter dem Titel „Gibraltar Earth“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 450 Seiten.ISBN 3-453-52320-2.Übersetzung ins Deutsche von Martin Gilbert.

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In Kürze:

Das 24. Jahrhundert: Die Menschheit hat die ersten Schritte in die Tiefen der Galaxis unternommen – da stoßen ihre Erkundungsraumer auf zwei Alien-Raumschiffe. Es kommt zu einem Gefecht. Nur einer der Außerirdischen überlebt – und erzählt eine sagenhafte Geschichte: Nicht weit entfernt vom Ort der Konfrontation befindet sich ein gigantisches Sternenreich. Und es ist nicht friedlich …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Klassische Space Opera ohne neue Ideen“68

Science-Fiction-Rezension von Peter Kümmel

Gibraltar – eine Festung auf einem Felsen. Oft angegriffen und belagert, doch die Bewohner trotzten den Angriffen und verteidigten ihr Territorium. Nicht umsonst entstand die Redensart, etwas sei „so sicher wie der Felsen von Gibraltar“. Wir befinden uns im 24. Jahrhundert. Mittlerweile musste der Felsen nach einem Angriff mit radioaktiven Waffen zwar aufgegeben werden, die Schlacht aber wurde trotzdem gewonnen und so steht Gibraltar weiterhin als Synonym für eine uneinnehmbare Festung.

„Gibraltar Earth“ – so der wunderbar aussagefähige Originaltitel von Michael McCollums Space Opera, der in der deutschen Übersetzung leider dem ebenso unpassenden wie banalen Titel „Sternenfeuer“ weichen musste. Gibraltar selber spielt in dem Roman nur eine Nebenrolle, steht aber im übertragenen Sinne für unseren Planeten, der für fremde Mächte ebenso uneinnehmbar bleiben soll wie der gleichnamige Felsen. Doch zunächst zum Anfang der Handlung …

Ein übermächtiger Gegner herrscht über ein gigantisches Sternenimperium

Die Raumfahrt hat mittels neuer Techniken die Schranke der Lichtgeschwindigkeit überwunden und breitet sich weiter in die Tiefen des Universums aus. Bislang sprach noch nichts für die Existenz fremder intelligenter Wesen, als die „Magellan“ während eines Erkundungsfluges auf zwei außerirdische Raumschiffe trifft. Als ein Scout-Boot der „Magellan“ zwischen die Fronten der beiden Raumschiffe gerät, wird es abgeschossen. Die „Magellan“ sieht sich unvermittelt in einen stellaren Konflikt hineingezogen. Aufgrund der bislang fehlenden Notwendigkeit fast unbewaffnet gelingt es Captain Landon mittels eines Husarenstücks, eines der Raumschiffe zu zerstören. Das zweite Raumschiff war bereits von seinem Gegner kampfunfähig gemacht worden. Dort finden sich viele Leichen der verschiedenartigsten Kreaturen sowie ein überlebender Außerirdischer.

Geheimhaltung ist nun oberste Devise der Weltregierung unter Leitung der Welt-Koordinatorin Nadine Halström, um eine Massenpanik zu verhindern. Der Außerirdische wird auf einer Raumstation im Erdorbit gefangen gehalten, wo die Linguistin Lisa Arden versucht, mit dem fremden Wesen in Kontakt zu treten. Die Geheimhaltung gelingt zunächst recht gut, doch Mark Rykand, Bruder der auf dem abgeschossenen Scout-Boot umgekommenen Kommandantin, lässt sich nicht mit einer simplen Unfall-Erklärung abspeisen. Unter Einsatz seines Lebens erreicht er die Raumstation, wo man ihn in das Projekt mit einbezieht, da man ihn ja nun nicht mehr laufen lassen kann.

Der affenartige Außerirdische erweist sich als intelligenter als die Menschen und schon nach wenigen Wochen gelingt die Kommunikation. Was man von Sar-Say – so nennt er sich – erfährt, löst allgemeines Bestürzen aus. Es gibt weitaus mehr fremde Lebensformen, als man sich vorstellen kann. Eine überlegene Macht namens „Broa“ herrscht über ein gigantisches Sternenimperium. Die Broa haben eine große Anzahl anderer Existenzen unterjocht und machen vor keinem Gegner halt. Die größte Aufgabe der Menschheit ist es nun, ihre Existenz sowie insbesondere die Lage des Planeten Erde vor den Broa geheimzuhalten. Doch zunächst gilt es, den Wahrheitsgehalt von Sar-Says Aussagen zu überprüfen. Und so startet die bislang größte und gefährlicheste Expedition in den Weltraum …

Wirklich ein übermächtiger Gegner?

Michael McCollum bietet in „Sternenfeuer“ mit seiner Routine all das auf, was eine klassische Space Opera ausmacht: Kämpfe im Universum, außerirdische Lebensformen, die Bedrohung unseres Planeten und eine spannende Handlung, bei der auch zwischenmenschliche Beziehungen nicht zu kurz kommen.

Gute Unterhaltung eben, aber mit der Betonung auf „klassisch“. Wirklich Neues bietet uns der amerikanische Raumfahrtingenieur McCollum nicht. Er beweist sein Fachwissen in detaillierten wissenschaftlichen Erklärungen und schmückt das, was sich (noch) nicht erklären lässt, meist mit Standards wie Raumsprüngen aus. Den übermächtigen Gegner hält der Autor (nicht unbedingt logisch) technisch etwa auf dem Stand der Menschheit, damit im weiteren Verlauf Spannung garantiert bleibt.

Absolut nicht zu McCollums Stärken zählt die Darstellung der Charaktere. Diese bleiben, obwohl sehr vielseitig angelegt, durchweg blass. Selbst mit den Protagonisten, der Linguistin Lisa Arden und Mark Rykand, wird der Leser nie so recht warm.

Was bleibt, sind neben einer unterhaltsamen Story ein paar grundsätzliche Überlegungen über die Verantwortung von Regierungen und das Abwägen von Streben nach Wissen auf der einen Seite sowie den Schutz der Menschheit auf der anderen. Warten wir ab, ob Michael McCollum aus der Fortsetzung „Sternenstürme“ mehr machen kann als „klassische Space Opera“.

Ihre Meinung zu »Michael McCollum: Sternenfeuer«

Jürgen Naujoks zu »Michael McCollum: Sternenfeuer«13.06.2017
Als begeisterter Leser klassischer Space-Opera bin ich nun mehr als enttäuscht. Ein eigentlich guter Ansatz wird auf fast 450 Seiten zerredet, gestreckt und sobald einmal ein wenig Spannung aufkommt, wird diese gleich wieder im Keim erstickt. Keiner der Charaktere gewinnt soviel an Profil, dass man ihm gerne folgen möchte. Wenn ich normalerweise für ein Buch, das mich fesselt, 1-2 Tage zum Lesen benötige und mich dann "auf mehr" freue, so habe ich mich durch STERNENFEUER fast eine Woche lang hindurchgequält und bin nun froh, das Buch direkt in die Altpapiertonne werfen zu können. Herausgeworfenes Geld!
Restitutus zu »Michael McCollum: Sternenfeuer«03.02.2010
Perry-Rhodan-Lesern der ersten Stunde wird das Szenario bekannt erscheinen: Die junge, aufstrebende Menschheit stößt im Weltraum auf ein riesiges, bedrohliches Imperium und will/muss verhindern, von diesem geschluckt zu werden. Solche Gemeinsamkeiten gibt es mehrere, vor allem in dem gleichartig eigenwilligen Menschenbild, das McCollum wiederholt mit Sätzen umreißt wie: "Bei der Wahl zwischen Kämpfen und Fliehen sind Menschen (!) immer auf Kämpfen geschaltet."

Der positive Unterschied besteht allerdings im viel größeren technischen Realismus bei McCollum. Perry Rhodan, wie er hätte sein können: Mit Ausnahme verschiedener Überlichtantriebe gelten überall die gewohnten Naturgesetze, und zwar stimmig. Raumfahrer kennen also weder eine künstliche Schwerkraft , die ihnen erlaubt, beliebig im All herumzuzischen, noch "magische" Übersetzungsgeräte: Außerirdische Sprachen wollen mühsam gelernt werden!

Weniger gut gelingt dem Autor die politische Seite seiner Handlung. Ideologisch greift er tief in die Kloschüssel eines Donald Rumsfeld: Die Frage einer diplomatischen Koexistenz mit den "bösen" Broa wird erst gar nicht gestellt, sondern die einzig angebotenen Alternativen lauten: "Wegducken, bevor es einen selber trifft" (und bezeichnenderweise sind die Vertreter dieser Linie Russen und Franzosen, vom Autor zusammengefasst als "Agitatoren", "Fanatiker" und "Friedensbewegung") und "der Gibraltar-Erde-Plan", ein aus dem Verborgenen geführter Präventivschlag, der sehr viel mit organisiertem Terrorismus gemeinsam hat. Da so auch der Originaltitel des Buchs lautet, ist klar, welches Vorgehen der Autor befürwortet. Obwohl der Grund letztlich uneinsehbar bleibt: Denn die Broa werden zwar von Ferne als äußerst böse, bedrohlich und gefährlich geschildert, aber als sie dann auftreten, fragt sich der Leser doch irgendwann, was denn im Vergleich zu irdischen Taliban, Kommunisten oder gottgesandten US-Präsidenten an ihnen eigentlich so schlimm sein soll. Immerhin führen sie ihr Reich wie die alten Römer an der langen Leine, und auch den Unterworfenen scheint es nicht unbedingt schlecht zu gehen, so lange sie sich brav benehmen...

Trotzdem: Lesen Sie das Buch! Es lohnt sich! "Sternenfeuer" trägt geradezu entlarvend zum Verständnis der amerikanischen Gesellschaft während der Bush-Jahre bei, aus denen es stammt.

Zwei dicke Minuspunkte gibt es jedoch für die mit vom Heyne-Verlag gewohnter Nachlässigkeit hingeschlampte Automatenübersetzung. McCollums Terminologie überfordert offenbar jeden: "Orbital path" ist nun einmal kein "Orbitalpfad", sondern eine Umlaufbahn; "right ascension" keine "richtige Aszension", sondern eine Rektaszension - ich könnte die Liste fortsetzen. Dass überhaupt kein menschlicher Lektor dies in die Hand genommen hat, ist besonders gut ersichtlich an der Hilflosigkeit, mit der der Übersetzerroboter daran scheitert, dass die deutsche Sprache begrifflich nicht zwischen dem Kern eines Sterns (core) und dem eines Atoms (nucleus) unterscheiden kann. Leider sind aber die Probleme nicht nur terminologischer Natur: Dieselben Personen siezen sich in einer Szene und duzen sich in einer anderen, Sar-Say, dem vom Autor anfangs nur mäßige Sprachkenntnisse zugestanden werden, wechselt ständig zwischen Babysprache und perfektem Deutsch hin und her, und zwischen dem ersten und dem zweiten Teil des Buchs ändert sich die Begriffswelt sogar so abrupt, als hätte an dieser Stelle überhaupt der Übersetzer gewechselt: So wird die "Broa-Souveränität" ganz plötzlich zur "Broanischen Souveränität". Da darf man freilich auch nicht erwarten, dass ein Heyne-Bearbeiter den Autor davor bewahrt, sich unfreiwillig bloßzustellen, indem er Meersburg am Bodensee für eine bayerische Stadt hält...
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