Das dunkle Feuer von Michael Peinkofer

Buchvorstellungund Rezension

Das dunkle Feuer von Michael Peinkofer

Originalausgabe erschienen 2010, 480 Seiten.ISBN 3-492-70173-6.

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In Kürze:

Es herrscht Krieg im Elfenreich! Der Westen von Erdwelt wird von Orks und Gnomen bedroht, im Ostteil des Reichs haben die Menschen eine vernichtende Niederlage erlitten. Der junge Zauberer Granock steht vor seiner schwierigsten Aufgabe: Auf sich allein gestellt, muss er den Dunkelelfen Margok endgültig zurückschlagen. Überdies sucht Granock nach seiner geliebten Alannah, die ins sagenhafte Elfenreich, die Fernen Gestade, verschwunden ist. Als erster Mensch betritt Granock die Fernen Gestade – und muss erfahren, dass hinter den Geschehnissen auf Erdwelt eine ganz andere, unerwartete Wahrheit steckt.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Steigerung von Band zu Band“91

Fantasy-Rezension von Andreas Kurth

Der Krieg um Erdwelt geht weiter, brutaler und gnadenloser als je zuvor. Im dritten Teil der Trilogie wird nur kurz an das Ende des zweiten Teils erinnert. Es sind vier Jahre vergangen. Aldur und Alannah – die jetzt Rothgan und Thynia heißen – sind zu den Fernen Gestaden aufgebrochen, um diese vor dem Zugriff von Margok zu schützen. Der Westen von Erdwelt wird von Orks, Gnomen und anderen Völkern bedroht, die Margok aus der Modermark und dem Düsterland heranführt. Im Osten sind sich die Menschen uneinig. Kleinere Städte kämpfen gegen die Elfen, das große Andaril hält zwar still, leidet aber unter dem Handelsboykott. Granock soll derweil im Auftrag des Ältesten Farawyn der Fürstin von Andaril ein Bündnis mit den Elfen anbieten. Diese stehen im Westen in schweren Abwehrkämpfen, der schier unendliche Nachschub von Angreifern droht die Elfen auszubluten.

Granock will aber auch seine geliebte Alannah suchen. Deshalb lässt er sich vom gefangenen Elfenfürsten Ardghal unwissentlich manipulieren und reist mit ihm als erster Mensch in die Fernen Gestade – und muss erfahren, dass Aldur und Alannah die Seite gewechselt haben. Im Kerker von Crysalion scheint für ihn das Ende gekommen. Derweil hat Margok den Elfenkönig durch eine List dazu gebracht, die Königslegion in das bedrohte Tirgas Dun tief im Süden zu schicken. Als der König durch die Hilfe der aus Shakara herbei geeilten Zauberer die List erkennt, scheint es bereits zu spät, ein riesiges Heer marschiert auf Tirgas Lan zu.

Auch die Guten müssen sterben

Im Idealfall steigert sich bei einer Trilogie von Band zu Band die Spannung, und der Autor legt am Ende noch mal ordentlich beim Tempo zu. Das gelingt leider nicht allen Schriftstellern, es gibt genug Beispiele, wo der Finalband einer Trilogie – oder eines anderen mehrbändigen Werkes – eher als Pflichtaufgabe „heruntergeschrieben“ wird. Michael Peinkofer ist es bei seinem Werk um die Zauberer von Shakara dagegen gelungen, den dritten Band noch spannender und rasanter als die ersten zwei zu machen. Der Auftaktband führte in das Szenario ein, stellte die wichtigsten Protagonisten vor und bereitete so gewissermaßen den Weg. Im zweiten Band ging es dann schon ordentlich zur Sache, die Helden entwickelten sich weiter, nicht immer zum Positiven, aber das gehörte zur Dramaturgie dazu. Peinkofer hatte auch den Mut, einige wichtige und sympathische Protagonisten sterben zu lassen, an dieser Vorgehensweise hält er auch im dramatischen und hoch rasanten Finalband fest. Mehr soll zu diesem Thema jedoch nicht verraten werden.

Die Variationen des immer wieder in spannenden Büchern auftauchenden Kampfes zwischen Gut und Böse sind vielfältig, die von Peinkofer gewählte Ausprägung mit einer deutlichen Differenzierung bei den „Guten“ ist eine der interessanteren Möglichkeiten. Da gibt es nicht nur strahlende Helden, die reinen Herzens für Gerechtigkeit und die Rettung vor dem Bösen kämpfen. Da sind vielmehr charakterliche Schwächen, Verrat, Eigennutz, aber auch Beharrlichkeit im Streben nach Anerkennung und Freiheit. Insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung der drei jungen Zauberer Granock, Alannah und Aldur hat sich der Autor einiges einfallen lassen.

Alannah, die später in den Ork-Romanen noch eine wichtige Rolle spielen wird, erlebt das für Frauen klassische Dilemma. Sie steht jedoch nicht nur zwischen zwei Männern, sondern muss sich für ihre Rasse oder eine andere entscheiden. Grannock ist dabei der typische Aufsteiger aus einfachen Verhältnissen, der sich nie hätte träumen lassen, einer der besten Zauberer von Erdwelt zu werden. Dabei machen ihn seine allzu menschlichen Schwächen für den Leser und für seinen Ziehvater Farawyn überaus sympathisch. Und auch Aldur steht für zwei klassische Konflikte: Einmal der Kampf eines eher ungeliebten Sohnes um Anerkennung beim Vater, und dann aber auch der Zwiespalt zwischen moralischen Prinzipien und absoluter Macht. Dabei hat sich Aldur scheinbar früh entschieden, aber für den Leser gut nachvollziehbar werden seine inneren Kämpfe geschildert – ungewöhnlich für einen Action-reichen Fantasy-Roman.

Die Elfen bekommen Risse im Image

Bemerkenswert ist auch, dass Peinkofer im dritten Band der Zauberer-Saga nicht nur die krachende Action in den Vordergrund stellt – man kommt mit dem Zählen der Toten auf beiden Seiten gar nicht mehr mit – sondern dem Leser auch wieder ausgefeilte Winkelzüge präsentiert. Und die oftmals als strahlende Überwesen dargestellten Elfen bekommen hier reichlich negative Risse in ihrem Image. Demgegenüber werden die Menschen als scheinbar berechenbar geschildert – und sorgen doch für etliche Überraschungen. Die Persönlichkeit des Dunkelelfen Margok setzt außerdem ganz neue Standards bei seinen dunklen Machenschaften. Er will nicht nur die Kontrolle über Erdwelt, sondern mit Hilfe seiner verbotenen Magie auch ein ewiges Leben. Diesem Ziel opfert er bedenkenlos und ohne jeglichen Selbstzweifel ganze Heerscharen seiner Vasallen und Mitkämpfer.

Die Geschichte der Zauberer von Shakara spielt lange vor der Ork-Trilogie, mit der Michael Peinkofer seine Fans erstmals in den Kontinent Erdwelt einführte. Es ist schon mutig von einem Autor, eine zweite Trilogie so weit in der Zeit zurück zu komponieren, mit Protagonisten, die 1000 Jahre später auch wieder dabei sind. Es ist dem Autor jedoch gelungen, hier eine stimmige Geschichte zu erzählen, die alles bietet, was man sich als Leser von einem Fantasy-Roman erhofft. Sympathische Helden, finstere Bösewichte, knackige Action und eine nette Liebesgeschichte, deren Ausgang allerdings nicht verraten wird. Der zentrale Held Granock ist dabei so liebenswürdig-menschlich geworden, dass man als Leser uneingeschränkt mitfiebert. Die Bösewichter sind aber nicht nur tumbe, hirnlose Orks, sondern eben hochgradig clevere Zauberer, die verbotene Magie einsetzen und listige Täuschungsmanöver ersinnen. Der Roman erfüllt daher ein wichtiges Kriterium für eine hohe Bewertung: Man mag ihn nach einigen Seiten nicht mehr aus der Hand legen, sondern wird geradezu atemlos durch die Geschichte und ihren Fortgang gefesselt.

Peinkofer will nun eine völlig neue Fantasy-Welt zu Papier bringen, hat seinen Lesern aber im Nachwort eine Rückkehr nach Erdwelt versprochen. Darauf wird man zwar warten müssen, kann sich aber dennoch schon auf neue Abenteuer mit Orks, Elfen und Menschen freuen.

Ihre Meinung zu »Michael Peinkofer: Das dunkle Feuer«

christianschaller zu »Michael Peinkofer: Das dunkle Feuer«28.01.2011
Das war es also, das große Finale der Zauberer-Trilogie...
Es war ohne Zweifel episch, der Schreibstil war gut bis sehr gut und auch die Story an sich wusste durch überraschende Wendungen und viele spannende Momente zu glänzen. Im letzten Viertel wollte ich es dann gar nicht mehr aus der Hand legen !!
Ebenfalls wieder schön fand ich, dass es nach dem eigentlichen Finale noch ein Stück weiterging - auch wenn das Ende an sich eigentlich kein klassisches "Happy End" und dementsprechend ernüchternd ist.
Vielleicht wollte man hier einen Übergang zur Ork-Trilogie (die ich nicht gelesen habe) schaffen !?
Nichtsdestotrotz ein gutes Buch, ein guter Trilogie-Abschluss und eine eindeutige Empfehlung. ;)
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