Splitterwelten von Michael Peinkofer

Buchvorstellungund Rezension

Splitterwelten von Michael Peinkofer

Originalausgabe erschienen 2012, 576 Seiten.ISBN 3-492-70207-4.

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In Kürze:

Gildenmeisterinnen bewahren den fragilen Frieden auf den Welteninseln. Dort haben die Menschen die Vorherrschaft über Animalen und Chimären gewonnen, die als niedere Geschöpfe betrachtet werden. Und die Unterdrückten begehren auf. Es kommt zu tödlichen Angriffen – und die Hinweise mehren sich, dass die Verschwörer sich den endgültigen Sturz der Meisterinnen zum Ziel gesetzt haben. Die Gildenschülerin Kalliope begibt sich mit ihrer undurchsichtigen Meisterin Cedara auf eine Mission, die sie zu den gefährlichsten Geheimnissen der zersplitterten Welt führen wird. Und alle Zeichen deuten darauf hin, dass der Untergang kurz bevorsteht …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Welten unzählig, schwebend wie im dunklen Traum, umgeben vom Nox“75

Fantasy-Rezension von Heike Salzmann

Eine Welt zerborsten in einzelne Fragmente. Wie Inseln schweben die einzelnen Welten im freien, sich weit erstreckenden Raum, dem sogenannten Sanktuarium. Hinter dieser bekannten Welt liegt die noch unerforschte Dunkelheit, das Nox.

Ein Kontakt zwischen den einzelnen Splitterwelten ist nur durch Fliegen möglich. Hier bieten die Schwestern der Gilde, Levitatinnen, in weiten Bereichen des Sanktuariums die einzige Möglichkeit zu anderen Welten zu gelangen. Mit Hilfe einer nur ihnen eigenen, geistigen Gabe, sind sie in der Lage ganze Schiffe samt Besatzung durch die Luft zu befördern. So kommt der Gilde durch die Beherrschung des Luftraumes eine starke und unangefochtene Machtposition zu. Doch scheint es auf vielen Welten zu brodeln. Unmut gegen die Unterdrückung der nicht rein menschlichen Wesen, der sogenannten Animalen und anderer primitiveren Kulturen, scheinen sich zu mehren.

Als auf Jordrak, einer entlegenen Welt im eisigen Norden, eine der Levitatinnen unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, wird Cedara, ein hochrangiges Mitglied der Gilde, mit ihrer Schülerin Kalliope ausgesandt, den Fall zu untersuchen und den Schuldigen zu finden. Ein überaus spannendes und intrigenreiches Spiel beginnt, in dessen Verlauf sich vor allem die junge Gildenschülerin Kalliope mehr als einer unangenehmen Wahrheit stellen muss. Kalliope gerät in ein Ränkespiel um die Macht und den Einfluss der Gilde und muss lernen, ihrem eigenen Urteil zu vertrauen.

Zur gleichen Zeit ereilt in einem anderen Teil des Sanktuariums einen jungen menschlichen Sklaven sein ebenso außergewöhnliches Schicksal. Der junge Kieron wird von dem sich als Dieb verdingenden Croy in einen abenteuerlichen Auftrag verwickelt. Was als kleiner Dienst für Croy beginnt, endet in einer abenteuerlichen Jagd um ein geheimnisvolles Artefakt, für dessen Verbleib sich zum Ende sogar der kaiserliche Geheimdienst interessiert.

So werden die Gefährten Croy, Kieron und auch dessen ehemaliger Besitzer, ein Chamälioid namens Jargo, durch das Schicksal vereint. Wie die junge und unerfahrene Kalliope, wird auch Kieron vom Strudel der Ereignisse mitgerissen und muss sich seinem Schicksal stellen. Von albtraumartigen Visionen geplagt, beginnt Kieron sich Gedanken über seine Vergangenheit und Herkunft zu machen. Wieso kann er im Traum Orte und Begegnungen vorhersehen und welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem mysteriösen von allen gesuchten Artefakt?

Gegensätzliche Weltensplitter

Mit „Splitterwelten“ bietet Michael Peinkofer alles, was High Fantasy ausmacht. Ein detailreiches und stimmungsvolles Universum, eine weit verzweigte, komplexe Handlung und mannigfaltige, teils eigenwillige Charaktere.

Da gibt es Croy ,einen mysteriösen Meisterdieb mit unverrückbarem Ehrgefühl, den windigen Geschäftsmann Jargo, dem nichts näher steht als der eigene Vorteil, sowie den naiven Sklavenjungen Kierion mit einer geheimnisvollen Vergangenheit. Auf der anderen Seite stehen die kühlen und distanzierten Gildeschwestern Harona und Cedara, welche ein strenges und stark vergeistigtes Weltbild verkörpern. Ihre jungen Schülerinnen, Kalliope und Prisca, lassen die Gilde mit ihren Grundsätzen und Traditionen lebendig erscheinen und zeichnen ein stimmiges Bild dieser mittelalterlich anmutenden Kultur.

Alle Protagonisten besitzen ihre persönliche Vorgeschichte und spezifische Charakterzüge, auf deren Basis ihre Handlungen nachvollziehbar und realistisch erscheinen. Peinkofer gelingt somit eine gute und solide Besetzung der klassischen Fantasyrollen mit ausreichender Tiefe und Entwicklungsmöglichkeiten.

Erzählt wird die Geschichte überwiegend aus der Sicht der jungen Hauptprotagonisten Kalliope und Kieron. Hierbei bedient sich Peinkofer einer eingängigen Sprache, wobei er den genutzten Wortschatz geschickt den jeweiligen Personen und Orten anpasst. Die für das Verstehen der Geschichte wichtigen kulturellen und geschichtlichen Hintergründe des Splitter-Universums sind stimmungsvoll und spannend in die Handlung eingebaut. So bekommt der Leser Stück für Stück einen Einblick in die Traditionen der Nordwelt Jordrak sowie der geschichtsträchtigen Gilde.
Auch die in der Geschichte um Kieron aufgezeigten Gesellschaftsstrukturen sind eindrucksvoll dargestellt.

Insgesamt zeichnet Peinkofer ein äußerst detailliertes und facettenreiches Bild der Splitterwelten.
Wie komplex dieses Universum wirklich ist, lässt sich in diesem ersten Band nur andeutungsweise erahnen. So spielen die zunächst unabhängig erzählten Geschichten um Kalliope und Kieron nicht nur an völlig verschiedenen Orten des Sanktuariums, auch scheinen beide Schauplätze eine beinahe gegensätzliche Gesellschaftsstruktur entwickelt zu haben. Im Einflussbereich der Gilde regiert ein menschlicher König, Animale stellen den unterprivilegierten Teil der Bevölkerung dar. Im Lebensbereich von Kieron herrscht dagegen eine animale Kaiserin. Hier gelten Menschen als niedere Wesen. Die Fortbewegung zwischen den einzelnen Inselwelten geschieht mit Hilfe von flugfähigen Tieren wie Flughaie oder Drachen.

Inwieweit diese unterschiedlichen Gesellschaften miteinander verbunden sind, bleibt eine spannende Frage, die wohl erst im zweiten oder dritten Band abschließend beantwortet wird. Im hier vorliegenden ersten Band lässt Peinkofer die Geschichten um Kalliope und Kieron bis zum Ende parallel verlaufen. Durch den stetigen Wechsel zwischen den einzelnen Handlungssträngen gelingt es dem Autor zusätzliche Spannung aufzubauen. Eine Verbindung der Geschichten zeigt sich erst im überraschenden und überaus spannenden Ende.

Abgerundet wird dieses stimmungsvolle Bild noch durch die wirklich gut gelungenen Konzeptzeichnungen verschiedener Personen, Örtlichkeiten und Gerätschaften. So bieten die mit Bleistift skizzierten Zeichnungen einen visuellen Eindruck, ohne die Fantasie des Lesers einzuschränken. Insgesamt ein wirklich gelungener Auftakt. Einziges, wenn auch nicht sehr wesentliches Manko: Verloren gegangene Waffen werden zu einem späteren Zeitpunkt noch benutzt! Ein Fehler in der Logik, über den man unweigerlich stolpert.

Fazit: Splitterwelten bietet ein stimmungsvolles und detailreiches Universum mit gut gezeichneten, klassischen Fantasy-Charakteren und einer spannenden komplexen Handlung. Alles in allem bietet dieser erste Band einen gelungenen Auftakt zu einer mehrteiligen Erzählung, auf deren Fortsetzung man gespannt sein darf.

(Heike Salzmann, Juli 2012)

Ihre Meinung zu »Michael Peinkofer: Splitterwelten«

M.Reinsch zu »Michael Peinkofer: Splitterwelten«13.07.2012
Neu ist die Idee mit der zersplitterten Welt nicht (Hickman&Weis - Vergessenen Reiche; J.Michael Reaves - Zerschmetterte Welt), aber Hr. Peinkofer hat ein sich seine eigenen Gedanken gemacht.
Wie bei H.&W., hat jeder Splitter sein eigenes Klima, so dass Welten des Frostes, der Hitze und des Dschungels entstanden sind, die Alle mit Schiffen (auch wie bei H.&W.) miteinander in Verbindung stehen.
Doch hier endet die Gemeinsamkeit, denn in den Splitterwelten werden die Schiffe zwar gesegelt, aber die eigentliche Kraft hinter dem Fliegen sind die sog."Leviataten". Eine Schwesternschaft, die Kraft Ihres Willens Objekte bewegen können. Mit viel Übung können so von einzelnen Leviataten auch ganze Schiffe in die Luft erhoben werden. Der streng hyrarchische Orden hält also ein Monopol auf die Reisen zwischen den Splittern und ist sehr darauf bedacht keine Konkurrenz (in Form von Flugtechniken oder großen Flugtieren) aufkommen zu lassen. Bisher geschah Dies durch sanfte Überredungskünste (Gut), doch nun hat sich eine neue (alte) Splittergruppe im Orden gebildet, die sich die Bekämpfung des Urbösen (des Nox) auf die Fahnen geschrieben hat - und da "Flugtechnik" zu den Widernatürlichkeiten für Sie zählen gehen die "Inquisitorinnen" (Böse) mit aller Härte gegen Ihre "Feinde" vor.
So entstehen die ersten beiden Fäden im Roman, die uns von jeweils einer Meisterin mit Ihrer Schülerin berichten, wobei beide Meisterinnen, den jeweils entgegengesetzten Pfad verfolgen (Gut/Böse).
Neben den Menschen bewohnen auch "Animalen" und "Chimären" diese Weltensplitter.
Hier beginnt der nächste Unterschied zu Hr. Peinkofers Vorgängern...
In der "Menscheneinflusssphäre" sind Animalen (Mischlinge aus Mensch und Tier) Diener und Sklaven, Chimären (Menschen mit bestimmten Tierkörperteilen) gelten als Verbannungswürdig.
In der "Animalensphäre" sind es die Menschen, die zu Sklaven gemacht wurden, und zwischen den Weltensplittern wird hier mit Hilfe von Tieren geflogen.
Leider gibt es bisher keine Hinweise auf die räumliche Lage der Sphären zueinander...
Der Dritte Story faden beschäftigt sich mit "Animalen" (aufrecht gehenden Mensch/Tier-Zwittern, die Kleidung und Waffen nutzen und eine gemeinsame Sprache sprechen).
Hier lernt man Croy kennen, einen "Pantheroiden" (halb schwarzer Panther, halb Mensch)- Dieb (Bei Reaves war es ein Werbär-Dieb) und seine beiden "Side kicks" (Jago - ein Chamälioide und Kiron - ein entflohener Menschensklave).
Diese Drei werden erpresst ein bestimmtes Artefakt auf einem, als Mine benutzen, "Weltensplitter" zu suchen.

Hr. Peinkofer hat sich viel Mühe gegeben, den vielen Charakteren Tiefe zu verleihen, gerade bei den Animalen hat er viel der (seiner Meinung nach zur Rasse gehörenden) Charaktereigenschaften in das Wesen eingeflochten.
Gerade bei Jago fällt mir das sehr auf (Rassenmerkmale wie Hr. Peinkofer sie sieht und ich leider nicht).
Jeder Hauptcharaker wird sehr gut beleuchtet und man erfährt viel über sein Wesen und entwickelt auch ein Wenig Verständnis für so manche Tat.
Die Geschichte lässt sich sehr flüssig lesen und fast immer ist ein Spannungsbogen vorhanden, der einen neugierig macht, wie sich die Erzählung weiterentwickeln wird.
Für mich gibt es leider noch einige Ungereimtheiten, aber das vorliegende Buch ist ja auch der Erste Band einer Triologie - und so verwundert es nicht, dass der Roman mitten im Geschehen abbricht...
Besonders hervorzuheben sind noch die hervorragenden Risszeichnungen von Fr. Iris Compiet, die einem die Hauptcharaktere und einige Wichte Orte und Gegenstände wesentlich näher bringen.
Ein sehr guter Auftakt, bei dem man sich auf weitere Bände freut...
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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