Michael Preissl: Rose Noir von Michael Preissl

Buchvorstellungund Rezension

Michael Preissl: Rose Noir von Michael Preissl

Originalausgabe erschienen 2009, 342 Seiten.ISBN 3950270108.

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In Kürze:

Rose Noire – die schwarze Rose. Die Geschichten in dieser Anthologie tragen wie auch diese seltene Blume, dunkle Schönheiten zur Schau; doch der Leser sei gewarnt, Rosen haben stacheln und die der schwarzen sind besonders tödlich. (Lars Maria Maly)

Der Herausgeber

Michael Preissl wurde am 5. Juli 1977 in Mödling geboren, wo er derzeit mit seiner Familie lebt. Er absolvierte eine EDV-Schule und ist seither als Systemtechniker tätig. Seit 2006 schreibt er hauptsächlich unheimliche Phantastik, Horror und Science-Fiction-Erzählungen. Seine ersten Kurzgeschichten wurden in Fanzines wie Welt der Geschichten und XUN veröffentlicht. Im November 2008 gründete er den Voodoo-Press Verlag.

mehr über Michael Preissl:

Das meint Phantastik-Couch.de: „Zweischneidige Visitenkarte“55

Horror-Rezension von Elmar Huber

„Wer mag das Grauen ergründen, das in den unirdischen Abgründen wohnt und in manchen Momenten unsere nackten, ungeschützten Seelen mit seinen langen, schmalen Totenfingern berührt und sich tief in den Verstand einnistet, der in solchen Augenblicken kurz davor steht an den Klippen des Wahnsinns zu zerschellen.“
(Michael Knoke – Das Fenster zur Nachtseite)

Arthur Gordon Wolf – Schwarz-Weiße Tode

Zu seinem Geburtstag soll der junge Derek endlich einmal an einer realen Jagd teilnehmen dürfen, statt in der virtuellen Realität auf Drachenjagd zu gehen.

„Schwarz-Weiße Tode“ ist ein weiterer Beitrag zu Arthur Gordon Wolfs U.M.C.-Projekt, von dem jüngst mit „Das Fest der grauen Mondin“ (in „Dark Ladies 1“, Fabylon-Verlag, 2009) eine anderer Teil erschienen ist. „U.M.C. ist die Abkürzung für “United Merchandise Company„. Die “U.M.C.„ ist ein global tätiger Multi, der sich (...) vor allem der Entwicklung von K.I. (Künstliche Intelligenz) sowie von Hard- und Software für virtuelle Realitäten verschrieben hat. Doch dann läuft etwas schief. Ganz langsam entwickelt sich bei den künstlichen Geschöpfen ein bedrohliches Eigenleben.“ (Quelle: Homepage des Autors).

Für sich alleine gelesen bietet „Schwarz-Weiße Tode“ ein Paintball-Update aus ungewöhnlicher Perspektive. Dabei besticht der Autor durch das Talent, knapp und doch eindringlich zu erzählen.

Sören Prescher – Der Käfig der Seelen

Dem jungen Medizinstudenten Christoph begegnet nachts im Stadtpark eine Frau, die ihn vom ersten Augenblick an fasziniert. Am nächsten Morgen erfährt er von einem Mord in eben diesem Park. Fast unwillkürlich stellt der Student weitere Recherchen an und stößt auf ähnliche Todesfälle in der Vergangenheit.

Die geheimnisvolle (und uralte?) Seelediebin ist eigentlich eine dankbare Figur, doch das meiste Potenzial, das diese Figur bietet, wird absolut verschenkt. Sören Prescher täte gut daran, seine Geschichten noch etwas zu straffen. Viele Formulierungen und Floskeln wirken umständlich und sind unnötig. Ebenso das Schicksal von Christophs Freundin, das wohl als Schock gedacht ist, aber flach und wirkungslos bleibt.

Andreas Gruber – Die scharfe Kante des Geodreiecks

Dreiländereck, Dreifaltigkeit, drei erste Buchstaben des Alphabets. Die Zahl drei gewinnt immer mehr Macht über Christians Leben. Da hilft auch seine Dreiecksbeziehung mit zwei Nachbarinnen nicht. Sein Schicksal ist vorgezeichnet.

Wieder einmal erweist sich der Österreicher Andreas Gruber als Garant für hochwertige Unterhaltung, der selbst „kleine“ Ideen konsequent und packend umzusetzen weiß.

Mark Freier – Das schwarze Haus

In rasender Eifersucht tötet Viktor Arbogast seinen Freund und Nebenbuhler Luis und macht sich selbst auf den Weg zu Rebeccas Haus, wo ihn eine Überraschung erwartet.

Mit viel Gefühl für Atmosphäre schildert Mark Freier das bedrückende Äußere des schwarzen Hauses, das tatsächlich wirkt wie einem seiner Bilder entsprungen. Die Story dagegen ist eher zweitrangig und dient dazu, die düsteren Bilder zu transportieren. Scheinbar ist sich der Autor dessen bewusst und dehnt die Geschichte nicht unnötig aus.

Lars Maria Maly – Die Musik des Erich Z.

Die Obdachlose Nicki dreht auf dem Rummelplatz ihre Runden in der Hoffnung, ahnungslose Besucher um ihre Geldbörse erleichtern zu können. In einem Zelt verfolgt sie die Musiknummer zweier Clowns, deren Darbietung sie plötzlich in glücklichere Zeiten entführt.

Mit beachtlichen Geschick gelingt es Lars Maria Maly, die Rummelplatzstimmung zu vermitteln, die im krassen Gegensatz zu der Ödnis steht, die in Nickis Innerem herrscht. Leider wird nicht ganz klar, ob es sich bei dem Finale um eine Vergeltung oder eine Erlösung handelt. Hätte gerne noch länger sein dürfen.

Tobias Bachmann – Briefe von Zion

Nach dem Tod seiner Familie zieht sich der – ohnehin schon als Sonderling bekannte – Autor Zion in die Abgeschiedenheit der Schweizer Berge zurück. Einziger Kontakt zur Außenwelt sind die Briefe, die er an seinen Agenten und Freund schreibt. In diesen berichtet er etwas ganz und gar Unglaubliches.

Tatsächlich gelingt es Tobias Bachmann, dem abgeschmackten Zombie-Genre durch die Form der Geschichte eine neue Facette abzugewinnen. „Der Flüsterer im Dunkeln“ meets „Friedhof der Kuscheltiere“.

Michael Knoke – Das Fenster zur Nachtseite

Der deutsche Student Gerhard Reinhold trifft in Arkham ein, um an der Miskatonic Universität zu studieren. Die Gasse, in der er sein Zimmer hat, wird an ihrem Ende von einem verlassenen Anwesen beherrscht. Doch des Nachts sieht Reinhold immer wieder einen seltsamen Schein in einem der Zimmer. Er beschließt, dieses Rätsel zu ergründen und stößt dabei auf Spuren unheiliger Experimente und eines geheimen Kultes.

Leise plätschert „Das Fenster zur Nachtseite“ dahin, ohne etwas wesentlich neues zu bieten. Michael Knoke spult hier lediglich bekannte Standards der Lovecraft-Kopisten ab, ohne je die Tiefe oder das Grauen des Vorbilds zu erreichen oder auch nur eine gewisse Eigenständigkeit zu erzielen. Noch dazu hätte diese Arkham-Geschichte gut und gerne 20 Seiten kürzer sein können.

David Seinsche – Nacht

Obwohl er sich geschworen hatte, nie mehr etwas derartiges zu tun, schreitet er doch hinaus in die Nacht. Begleitet von den Geistern der Vergangenheit.

Ohne eine Geschichte zu erzählen, versteht es David Seinsche, neugierig zu machen und sogar auf 1½ Seiten zu fesseln. Eine gelungene Fingerübung.

David Grashoff – Dämonenbrut

Pater Garetty ist unschlüssig, was er von dem Gesandten des Vatikans halten soll. Stanislav Julenko, angeblich ein beispielloser Fachmann für Besessenheit. Schon bei ihrem ersten Treffen wirkt dieser fremdartig und abstoßend auf den Geistlichen. Im Verlauf des Exorzismus offenbart Stanislav Julenko sein Geheimnis.

Was wie ein „Exorzist“-Rip-off beginnt, erhält im Verlauf eine zusätzliche, sehr originelle Komponente. Gerne weitere Einsätze dieses sehr speziellen Kirchendieners, der durchaus Serienpotenzial hat.

Sven Kössler – Das Spiel der Alten

Das alte Bauernhaus, das der namenlose Aussteiger erworben hat, gilt unter der Dorfbevölkerung als verflucht. Unverhohlene Ablehnung schlägt dem neuen Bewohner des Anwesens entgegen. Plötzlich scheinen unerklärliche Dinge im Dorf zu geschehen.

Eine äußerst origineller Plot, der schon fast sträflich nachlässig behandelt wird. Als hätte der Autor Angst vor der eigenen Courage. Bei dem Stoff wäre wesentlich mehr drin gewesen.

Günter Suda – Der Mönchsrabe

Als Rupert vom baldigen Ableben seiner geliebten Frau Hertha erfährt, bietet ihm ein geheimnisvoller Rabe einen Weg, das Schicksal zu wenden. Doch der Preis dafür ist hoch.

„Der Mönchrabe“ ist zu keinem Zeitpunkt wirklich packend. Zu träge und zu vorhersehbar ist diese kurze Geschichte.

Jörg Kleudgen – Mahrenhaar

Eine seltsame Beobachtung lässt den Erzähler aus dem Schlaf schrecken und seine neue Wohnung verlassen. Durch die Nacht folgt er den immer dicker werdenden Tentakeln zu einer Höhle.

Nach einem geheimnisvollen und unwirklichen Beginn gelingt es Jörg Kleudgen leider nicht, diese ungewisse Spannung zu halten und die Story abzurunden. Oftmals beziehen Jörg Kleudgens Geschichten ihren Reiz aus dieser „Unfertigkeit“. „Mahrenhaar“ dagegen ist einfach abgeschnitten.

Rainer Innreiter – Veränderungen

Katrin kann einfach nicht anders, als die einsame alte Frau auf der Bank beim Spielplatz anzusprechen. Auch diese hatte einst einen Sohn, der auf diesem Spielplatz spielte, bevor die „Veränderungen“ begannen.

Zu vorhersehbar und zu beliebig, um wirklich Spannung zu erzeugen. Eine x-beliebige Erscheinung auf einen Spielplatz zu werfen ist bei weitem nicht genug, um Atmosphäre oder Schrecken zu erzeugen.

Torsten Scheib – Urban Heart

Etwas findet dich in der Anonymität des Wohnkomplexes, dringt in dich ein und bringt dich dazu, Dinge zu tun, die bislang nur in deiner Fantasie existierten. Doch es gibt Menschen, die erkennen, dass hier ein Bewusstsein am Werk ist, das ihre Stärke aus den ungebremsten Emotionen bezieht und die sich selbst schützen muss..

Zunächst ohne erkennbaren Zusammenhang reiht Torsten Scheib Beschreibungen sinnloser Gewaltausbrüche aneinander. Erst nach und nach erlangt man die Gewissheit, dass diese Akte nicht willkürlich passieren. Originell in Stil und Thema.

Kealan Patrick Burke – Schneemenschen

Würden die beiden unförmigen Gestalten im Garten sich tatsächlich bewegen, wenn Ryan sich abwandte? Er war davon überzeugt. Und doch muss er jemanden um Hilfe bitten. Doch sein Vater schläft seinen nicht unerheblichen Rausch aus und auch seine Mutter würde ihn vermutlich nicht anhören. Waren da nicht plötzlich leise Geräusche im Haus?

Einmal mehr (nach „Der Schildkrötenjunge“) erweist sich Kealan Patrick Burke als Meister des subtilen Grauens, als eine Art moderner M.R. James. „Schneemenschen“ erzielt seine Wirkung nicht durch die – zugegeben lächerliche – Vorstellung lebender Schneemänner, sondern durch Ryans Angst und Hilflosigkeit angesichts seiner desinteressierten Eltern. Hier liegt der wahre Schrecken dieser Erzählung.

Arthur Gordon Wolf – Im Labyrinth der Katzen

Überglücklich zieht der Fotograf Thomas bei der angebeteten Natascha ein. Doch ihr weitläufiges Haus wirkt wie eine ägyptische Grabkammer. Nie scheint es dort ganz Tag zu werden. Natascha verlässt nachts das Bett und scheint noch ein anderes Leben zu leben als das mit Thomas.

Meisterhaft spielt der Autor mit dem Leser, baut eine unwirkliche Atmosphäre in diesem seltsam aufgeteilten Haus auf. Er behält ein angenehm langsames Tempo bei und streut unaufdringlich Hinweise, spricht keine Tatsachen aus. Das Ganze ist als Erinnerung in das Leben das Fotografen Thomas Trait eingebettet und bildet so eine Episode von Arthur Gordon Wolfs Trilogie „Katzendämmerung“.

„Es gibt kein Licht ohne Schatten.“

„Rose Noire“ ist die erste Veröffentlichung und damit die Visitenkarte des neu gegründeten Verlages „Voodoo-Press“, der in Österreich ansässig ist. Weitere Titel deutschsprachiger Autoren, wie auch Übersetzungen, sind in Planung. Die thematische Ausrichtung des Programms scheint nahezu identisch mit der von „Eloy Edictions“.

Inhaltlich ist „Rose Noire“ sehr zweischneidig ausgefallen. Natürlich sind die meisten Anthologien mit verschiedenen AutorInnen durchwachsen. Nicht jede Geschichten kann jeden Leser gleichermaßen ansprechen. Demzufolge bildet auch diese Besprechung nur die persönliche Meinung des Rezensenten ab.

Einige sehr gelungene – weil originell („Briefe von Zion“, „Dämonenbrut“, „Die scharfe Kante des Geodreiecks“) und stilistisch hervorragend („Snowman“, „Im Labyrinth der Katzen“) – Stories werden konterkariert von seichten („Der Käfig der Seelen“) und teils sogar absolut unmotivierten Beiträgen („Der Mönchsrabe“, „Veränderungen“). Dazwischen findet sich das Gros des mehr oder weniger überzeugenden Pflichtprogramms, das zwar nicht weiter stört, das aber das Zünglein auch nicht nach oben schnellen lassen.

Die Optik von „Rose Noire“ stimmt absolut. Mit dem omnipräsenten Grafiker Mark Freier, der sich eine dunkle Rose mit Augapfel im Zentrum erdacht hat, ging man hier auf Nummer sicher. Die Innenillustrationen - eine Grafik zu jeder Geschichte - sind Tusche- und Kohlezeichnungen von Thomas Hofmann, ein alter Weggefährte Jörg Kleudgens, der bereits einige Goblin-Press-Bände illustriert hat und immer wieder für Fanzines und Kleinverlagsveröffentlichungen tätig ist.

Beim Satz gab es einige nicht zu übersehende Ausrutscher. Zum Beispiel erfolgen Zeilenumbrüche mitten im Satz zu früh (es wäre noch Platz für einige Worte der Folgezeile gewesen) und Seiten beginnen mit Leerzeilen. Auch bei den Autorenvitae im Anhang scheint der Satz teils verrutscht zu sein. In einem Fall wurden Geschichten gegenüber der Angabe im Inhaltsverzeichnis vertauscht.

„Rose Noire“ ist auf 100 Exemplare (+ Rezensionsexemplare) limitiert und handnummeriert und dürfte deswegen und aufgrund der doch überwiegend namhaften Beteiligten in absehbarer Zeit zum Sammlerobjekt werden.

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