Das Geheimnis des 13. Apostels von Michel Benoit

Buchvorstellungund Rezension

Das Geheimnis des 13. Apostels von Michel Benoit

Originalausgabe erschienen 2006unter dem Titel „Le secret du treiziéme apôtre“,deutsche Ausgabe erstmals 2007ISBN 3-404-92255-7.Übersetzung ins Deutsche von Monika Buchgeister.

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In Kürze:

Die beiden Mönche Nil und Andrei leben in der französischen Abtei St. Martin, wo sie sich dem Studium der Kirchengeschichte widmen. Obwohl es den Mönchen untersagt ist, tauschen sich die beiden Freunde über ihre wissenschaftliche Arbeit aus. Dabei entdecken sie winzige Spuren in der Geschichtsschreibung, die auf einen 13. Apostel hinzudeuten scheinen. Andrei reist für weitere Recherchen nach Rom – und wird auf der Rückfahrt ermordet. Nil findet einige wichtige Indizien bei der Leiche und beschließt die Arbeit seines Freundes fortzuführen und den Mord aufzudecken. Ein gefährlicher Job – den längst sind die Kirchenväter des Vatikans hellhörig geworden. Doch nicht nur Rom, auch die Geheimdienste von Jerusalem und Mekka wollen keinen 13. Apostel. Zu gefährlich ist das, was der Namenlose gesehen hat. Deswegen wurde er schon von den anderen Jüngern ausgestoßen. Neil stößt auf Anzeichen für eine Verschwörung der Apostel, auf Zwistigkeiten zwischen Peter und Paul, die Geheimgesellschaft der Nazarener, die – Anhänger des 13. Apostels – im 7. Jahrhundert plötzlich verschwinden – dann muss er selbst fliehen …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Wer ist Gott? Wer ist sein Stellvertreter?“59

Mystery-Rezension von Anna Hild

Ein Einsiedler in den italienischen Abruzzen hat eine erstaunliche Geschichte zu erzählen. Es geht um Macht, Spiritualität und die Verfehlungen großer, institutionalisierter Religionen. Und wieder einmal um die eine Frage: wie göttlich sind unsere Götter?

Ein Geistlicher fällt aus dem fahrenden Paris-Rom-Express und stirbt. Ein Unfall oder ein Selbstmord, wie es wider alle Beweise offiziell dargestellt wird? Keinesfalls, denn welcher Selbstmörder zwängt sich aus den schlecht zu öffnenden Fenstern eines fahrenden Zuges. Nein, das Opfer, Vater Andrei, Bibliothekar und gelehrter Mönch aus einem französischen Kloster, hatte ein Geheimnis, welches ihm den Tod brachte. Etwas, das gewisse Kreise und verschiedene Interessengruppen dazu brachte, ihn aus dem Weg zu räumen.

Hier beginnt nun die Odyssee des besten Freundes des toten Mönchs, Pater Nil. Auch er ist ein Gelehrter und schon längst demselben Geheimnis auf der Spur wie sein toter Freund. Er begibt sich auf eine spirituelle und kriminalistische Reise, um den Tod Vater Andreis nicht vergebens sein zu lassen. Sie führt ihn von den verbotenen Flügeln der Bibliothek des eigenen Klosters bis zum Vatikan in Rom, bringt ihn in Berührung mit Welten, welche er kaum in ihrer Funktion verstehen oder nachvollziehen kann. Und bringt ihn schließlich in die gleiche Gefahr wie seinen verstorbenen Freund. Die katholische Kirche, der Mossad, die Fatah, eine Geheimgesellschaft innerhalb des Vatikans, alle sinnen nur darauf, die Entdeckung des Geheimnisses mit allen Mitteln zu unterbinden.

Zeitsprung: der Leser befindet sich im Jahr 30 nach Christus in Jerusalem. Immer wieder wird in eingesprengten Rückblenden eine erstaunliche Geschichte erzählt. Der Tod von Jesus ist keine göttliche Vorsehung, sondern ein grandios gescheitertes Komplott einiger Jünger, um ihn vor Schaden zu bewahren. Jesus stirbt nicht am Kreuz wegen eines einzelnen Verrats. Und sein Grab ist nicht leer wegen eines Wunders …

Von nun an wird die Person Jesus zum Spielball der Machtbestrebungen, welche sich in den aufkeimenden Kirchen und Glaubensströmungen seiner Nachfolge aufbauen. Der Titel gebende 13. Apostel, welcher die Wahrheit verbreiten möchte, wird von den einen Glaubenskanon anstrebenden 12 Jüngern mundtot gemacht. Doch dieser schreibt sein Vermächtnis nieder und löst damit eine Kette von Ereignissen aus, welche bis in die Gegenwartszeit des Romans reicht.

Macht und Ohnmacht

Michel Benoît geht in seinem Roman einen etwas anderen Weg als die meisten anderen Autoren, welche das Thema der Göttlichkeit der Figur Jesu behandeln. Er bemüht keine neueren Wissenschaften wie die Gentechnologie, sondern stützt sich nur sehr am Rande auf archäologische Funde. Die kriminalistische und spirituelle Reise seiner Hauptperson verläuft ganz nach den Wegen ‚der alten Schule‘. Pater Nil schöpft sein Wissen aus den Bibliotheken, den alten Medien, der Schrift. Seine Schlüsse lassen sich folglich auch nicht mit harten, körperlichen Fakten beweisen. Insofern ist auch der Schluss, den das Buch nahe legt eine Glaubenssache.

Man gewinnt den Eindruck, Benoît geht es hier um etwas anderes als das Erzählen eines spannenden und handwerklich gut verfassten Plots. Zu häufig sind die Andeutungen und zu direkt dem realen Leben nachgezeichnet sind viele seiner Figuren aus dem Bereich des Vatikans. Benoît, selbst ehemaliger Mönch mit, laut Portrait des Verlags, fünfjähriger Erfahrung innerhalb des Vatikans, übt recht unverhohlen Kritik an der katholischen Kirche. Er zielt auf spezielle Personen im Umkreis seines Papstes, Karol Wojtyla. Dessen Nummer Eins im Vatikan und eigentlicher Regent ist Kardinal Catzinger. Hier fragt man sich wahrhaftig, aus welchen Gründen ein einziger Buchstabe verändert wurde. Offenbar soll hier den Intrigen und Machtspielen, welche der Roman den Figuren zuschreibt, auf recht einfache Weise der Glamour von Authentizität zuteil werden.

Doch das kann über einige Schwächen in der Komposition nicht hinwegtäuschen. Die Intrigen, die hier gesponnen werden sind teilweise oberflächlich, nicht besonders intelligent und oft nicht nachvollziehbar. Beweggründe werden von sehr weit hergeholt und gerade die schlechten Taten der Schurkengestalten machen ab und an den Eindruck, als sei der Autor selbst vor der darzustellenden Bösartigkeit zurückgeschreckt und hätte lieber zum Mittel des Pathos gegriffen, um sie ergreifend genug zu gestalten.

Dafür gibt es hier Schurken in allen drei dargestellten Weltreligionen. Der musisch begabte Agent des Mossad, der fanatische naive Attentäter der Fatah und der dekadente Kardinal des Geheimordens, sowie den kühl berechnenden Catzinger. Dennoch genießen sie nicht alle den gleichen Status beim Autor. Der jüdische Agent wird als tragische Gestalt dargestellt, ein Opfer von Zeit und Umständen, doch mit Ehre und Loyalität selbst gegenüber Andersgläubigen. Bei weitem nicht so gut weg kommt dessen Weggefährte, der andere Teil einer ungewöhnlichen Auftragsmörderpaarung, der moslemische Attentäter. Sein Fanatismus kennt keine Grenzen und kein Mitleid, sein Glaube wird als sehr rückständig dargestellt. Ebenso wie die Bürokratie des Vatikans geht er über Leichen zur Verteidigung eines Weltbildes, nur mit dem Unterschied, dass er sich allzu gerne selbst die Hände schmutzig macht. Eine sehr undifferenzierte Darstellung, welche viel dazu beiträgt, den Plot des Buchs weniger glaubwürdig erscheinen zu lassen.

„;Die Wissenschaft ist nur die Rinde, man muss sie überwinden, um zum Inneren zu gelangen“;

Die Lösung all dieser Machtkonflikte sieht der Autor in einem seiner Schlüsselkapitel in der einzigen Macht, die er als heilsam anerkennt: den Glauben von innen heraus, die Gnosis, eine Erkenntnis ohne Wissen. Somit hat er auch schließlich den Grund verraten, aus welchem er diesen Roman verfasst hat. Dieses Buch hat eine Botschaft. Nur leider keinen wirklich spannenden Inhalt. Schließlich rudert der Autor auch noch von seiner grundlegenden Theorie zurück: „;Die Kirche ist ein notwendiges Übel, mein Sohn: Trotz des permanenten Missbrauchs ihrer Macht darfst du nicht vergessen, dass sie einen ungeheuren Schatz birgt, nämlich die Person Jesu.“;

Ihre Meinung zu »Michel Benoit: Das Geheimnis des 13. Apostels«

Doris Becker zu »Michel Benoit: Das Geheimnis des 13. Apostels«20.07.2010
Nicht nur der biblelfeste Leser wird verwirrt, auch der Christ, der sich ernsthaft mit der Person Jesu auseinandersetzt.
Welche Verwundung hat Benoit durch die Kirche erlitten, dass er nun mit alle Macht gegen sie wettert?
Die Menschen, die die Kirche bisher verteufelt haben, werden durch diesen Roman in ihrer Meinung bestärkt, die Gläubigen auf die falsche Fährte geführt. Meiner Meinung nach ist nur ein paar Seiten des Buches wirklich lesenswert, nämlich jene des Protagonisten mit Nil.
Was den Schreibstil anbelangt, so entspricht dieser dem Verlag. Also nicht besonders hoch anzusetzen.
Oft erinnert er an Groschenromane, worin sämtliche Klischees bedient werden.
Ich empfehle jedoch sein teilweise autobiografisches Buch, Gefangener Gottes, das authentischer ist und die Überzeugungen und den Werdegang des Autors beschreiben. Man muss dieses Buch eigentlich zuvor gelesen haben, um verstehen zu können, woher der Hass Benoits auf die Kirche stammt.
Emil Allemann zu »Michel Benoit: Das Geheimnis des 13. Apostels«21.11.2009
Wie aus dem Curriculum vitae des Autors zu entnehmen ist, war er selber einige Jahre im Vatikan tätig. Was er aber da in seinem Roman niedergeschrieben hat, ist für viele gläubige Christen nur schwer nachvollziehbar. Ein Leben in göttlicher Eintracht, in Liebe und im Glauben Gott zu dienen, sind die Idealvorstellungen, wie man sie von solch fürchtigen Gottesmännern erwartet. Doch wie dem Buch zu entnehmen ist, sieht der Alltag aber ganz anders aus. Die Protagonisten aus dem Vatikan sind neidisch, korrupt, machthungerig und in der Person eines Monsignore Calfo sogar krankhaft sexsüchtig. Wenn es um das Geheimnis des 13. Apostels geht,schreckt man auch vor einem Mord nicht zurück. Mönch Andrei, der in dieser Sache recherchiert hatte und dabei recht aktenkundig wurde, ist auf der Heimreise von Rom nach Paris im Nachtzug ermordet worden. Sein Freund Nil, selbst auch Mönch, will dieses heikle Thema weiterverfolgen und bringt sich dadurch selbst in Lebensgefahr. Nebst dem Vatikan wird er auch von einem musisch begabten Agenten der Mossad, sowie einem Attentäter der Fatah in höchste Gefahr gebracht, denen ein 13. Apostel auch nicht in den Kram passt. Michel Benoit wagt sich in seinem Roman zeitweise sehr nahe an die Realitäten heran, wie sie offenbar im Vatikan herrschen.
Für einen Grossteil der Leserschaft ist dieses Buch eine lesenswerte Lektüre, für streng Gläubige hingegen ist es wahrscheinlich dekadent.
Dieter Claßen zu »Michel Benoit: Das Geheimnis des 13. Apostels«09.09.2008
Eine bis zur letzten Seite spannende Geschichte.
Michael Benoit benutzt dieses Buch dazu, der katholischen Kirche eins auszuwischen. Bischöfe des Vatikans werden als verschworene Verbrecher dargestellt, denen die Macht der Kirche und ihre "Irrlehre" wichtiger erscheinen als die Wahrheit. Dabei lässt er den jetzigen Papst, den ehemaligen Cardinal Ratzinger, als Kardinal Catzinger immer wieder in schlechtem Licht erscheinen. Bei jeder Kritik, die Kardinal Ratzinger verdient, grenzt es an Unfairness, Ratzingers Vater als Kriegsverbrecher darzustellen.
Das Buch erinnert an Lessings 'Nathan der Weise'; nur werden hier die drei Weltreligionen als machtgierige ideologiebesessene Institutionen dargestellt, bei denen jeweils die Wahrheit in den Hintergrund geschoben wird. Jedem ist es selbst überlassen, ob er an den Wahrheitsgehalt des Neuen Testamentes glaubt, jedoch wird hier der nicht bibelfeste Leser durch pseudowissenschaftliche Abhandlungen verwirrt. Die positiven Gefühle, die für den "Propheten" Jesus empfunden werden, lassen die Fiktionen dieses Werkes mit den vier Evangelien bewusst verwässern.
Michael Benoit wäre gut beraten, seine Ressentiments gegen die katholische Kirche in offenen Diskussionen auszutragen.
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