Die Meuterer von Mike Resnick

Buchvorstellungund Rezension

Die Meuterer von Mike Resnick

Originalausgabe erschienen 2005unter dem Titel „Mutiny“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 300 Seiten.ISBN 3-404-23326-3.

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In Kürze:

3000 Jahre in der Zukunft führt die Menschheit Krieg gegen die Teroni-Föderation. Der Offizier Wilson Cole hat bereits zweimal sein Schiff samt Crew in der Schlacht verloren. Zur Strafe soll er nun als zweiter Offizier auf einem geradezu schrottreifen Schlachtschiff dienen, noch dazu in einem weit abgelegenen Raumsektor: dem Phoenix-Cluster. Die Reibereien an Bord nehmen zu, die Disziplin sinkt, und Wilson Cole ist kein Mann, der gern träge herumsitzt, während woanders ein Krieg tobt. Doch das Phoenix-Cluster ist der letzte Ort in der Galaxis, den der Feind angreifen würde …oder?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Space-Outlaw“75

Science-Fiction-Rezension von Frank A. Dudley

„Die Meuterer“ (Starship: Mutiny) bildet den Auftakt zu der aktuellen, auf fünf Bände angelegten Space-Opera-Serie von Mike Resnick. Die Geschichte ist im „Birthright“-Universum angesiedelt, in dem ein Großteil von Resnicks Romanen und Kurzgeschichten spielen. Ein ausgesprochen umfangreicher und gut sortierter Anhang schlüsselt dieses Universum auf, ordnet das umfangreiche Werk des Autors chronologisch in die galaktischen Epochen der Republik, der Demokratie, der Oligarchie, der Monarchie und der Anarchie ein, beschreibt die Charaktere und Raumschiffe sowie den Autor selbst. Alle „Starship“-Romane fallen zeitlich in die Endphase der republikanischen Ära. Allein dieser Appendix über eine im Laufe von Jahrzehnten organisch gewachsene Welt lohnt den Kauf des Buches für alle Science-Fiction-Fans.

Wilson Cole, hoch dekorierter Held des gegenwärtigen interstellaren Krieges, wird auf den abgetakelten Raumkreuzer „Theodor Roosevelt“ strafversetzt. Zweimal hatte er bereits das Kommando über ein Kriegsschiff, zweimal wurde er vom Kapitän zum Ersten Offizier degradiert – wegen eigenmächtigen Handelns und Ungehorsam. Weil seine unorthodoxen Methoden der Navy stets zu großartigen Siegen im Kampf gegen feindliche Aliens verholfen haben, wurde er zu einer Art Volksheld der menschlichen Zivilisation und Vorbild für viele Soldaten. Also hat man ihn auch diesmal nicht wie sonst üblich wegen Befehlsverweigerung exekutiert, sondern als Zweiten Offizier an den Rand der bewohnten Galaxie auf einen uralten Pott versetzt. Nun sitzt er mit der gesamten Mannschaft der „Theodore Roosevelt“ wortwörtlich in einem Boot, denn jeder an Bord hat auch Dreck am Stecken.

Kaum an Bord, wird Cole schnell klar gemacht, dass er hier zu funktionieren habe, denn der Kapitän möchte nicht mit irgendwelchem Ärger behelligt werden und der Erste Offizier ist ein linientreuer Prinzipienreiter. Man möchte den Krieg hier schlicht aussitzen (einzugreifen wäre auch kaum möglich, denn die „Theodore Roosevelt“ ist waffentechnisch hoffnungslos veraltet). Cole freundet sich mit der Sicherheitsoffizierin an, die genau wie er noch selbst zu denken vermag, auch wenn sie ihre Gedanken nur selten und unauffällig in die Tat umsetzt.

Bereits die erste Wache, die Cole antritt, bringt ihn dazu, seine Befehle erneut höchst eigenwillig zu interpretieren: Er ortet ein feindliches Raumschiff, und anstatt den schlafenden Kapitän zu wecken, steuert er das eigene Schiff in Richtung Feind, um mehr über dessen Absichten dort am Rand der Galaxis zu erfahren. Weil er weiß, dass er in einem Gefecht keine Chance hätte, vermeidet er einen Schusswechsel und zieht stattdessen an den Strippen der PR- und Medienmaschine, um weitere Unterstützung zu bekommen. Die Aktion gelingt, der Kapitän und Cole erhalten einen Orden, und der Held außerdem intern eine scharfe Zurechtweisung. Aber der militärische Freigeist kann sich nicht zurückhalten, und bei nächster Gelegenheit sieht er sich sogar gezwungen, das Kommando des Schiffes an sich zu reißen – Meuterei! Es folgt ein Tribunal, Cole wird zum Tode verurteilt, kann aber mit Hilfe einiger treuer Matrosen fliehen.

Kompakt, flüssig und voller Elan

Was sich liest, als wäre es schon zig Mal da gewesen, ist in der Tat nicht wirklich neu, und mit knapp 300 Seiten auch kein ausladendes Epos voller Welten-, Technik- und Rassenbeschreibungen. Der Held – stets größer als das Leben – braucht nach amerikanischer Lesart die berühmte „Frontier“, den Wilden Westen der Gesellschaft, gegen deren Regeln er sich regelmäßig auflehnt. Also bricht er mit seinen Getreuen auf, ein gesetzloses Leben zu führen, als Pirat, wie der Titel des zweiten Bandes verheißt. Und was könnte schöner (und romantischer) sein, als ein Dasein als Freibeuter.

Sicher, Wilson Cole ist kein galaktisch-tragischer Prinz von Homburg, der einen Befehl verweigert, die Schlacht gewinnt und schließlich doch das Gesetz anerkennt. Jedenfalls nicht im ersten Band, wenngleich Teil vier der Serie den Titel „Flagship“ trägt, was auf eine Heimkehr in den Schoß der Navy und damit der strengen Befehlshierarchie deutet. Was diese Geschichte besonders macht, ist das erzählerische Talent des Autors, denn er besitzt fraglos die Fähigkeit, kompakt, flüssig und mit Witz zu schreiben. „Die Meuterer“ ist beste SF-Unterhaltung, wenn auch nicht mit großem Tiefgang, so doch voller Elan.

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