Schattenspiele von Miriam Pharo

Buchvorstellungund Rezension

Schattenspiele von Miriam Pharo

Originalausgabe erschienen 2010, 248 Seiten.ISBN 3941404415.

»Schattenspiele« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Gefangen in den Eingeweiden der Stadt Die Europäische Föderation im Jahr 2066: Die einstigen blühenden Hansestädte im Norden existieren nicht mehr. Hamburg ist ein Nobelbezirk von Hanseapolis – einer Megacity mit über 20 Millionen Einwohnern -, die Lübecker Region eine riesige Industriezone. Dass die Cops 72 Stunden und mehr am Stück Dienst tun, ist keine Seltenheit. Denn Hanseapolis schläft nie. Der Fall des ermordeten Mädchens im Sumpf wird für Elias Kosloff, Senior Detective beim Morddezernat von Hanseapolis, zum Albtraum: In den Helium-3-Förderminen auf dem Mond kommt er einer Verschwörung ungeahnten Ausmaßes auf die Spur, gleichzeitig holt ihn seine Vergangenheit wieder ein. Ein alter Freund trachtet ihm nach dem Leben … und er ist nicht der Einzige. „Miriam Pharo, die Autorenkollegin, die es meisterhaft versteht SF-Literatur zu schreiben. Die Genres Science-Fiction, Krimi, Thriller, aber auch zarte Gefühle und gesellschaftspolitische Visionen, treffen hier in einem goldenen Schnitt zusammen.“ Michael Milde (Autor von „Das Post Scriptum Gottes“) Auch der zweite Teil des SF-Erfolgskrimis „Sektion 3|Hanseapolis“ besticht durch Tempo und eine dichte Atmosphäre. Fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite!

Das meint Phantastik-Couch.de: „Glaubhafte Zukunftsvision“70

Science-Fiction-Rezension von Elmar Huber

„Versonnen beäugte er die goldene Silhouette, die den Lustgarten auf Level 1 dominierte. Die filigrane Steinmetzarbeit mutete wie Spitze an, trotzdem wirkte der neogotische Glockenturm so kraftvoll und erhaben wie bei seinem Bau vor 200 Jahren.“

Während Louann Marino sich in einem Vitalkokon von dem Anschlag auf ihr Leben erholt, verfolgt Senior Detective Elias Kosloff die Spur des Schützen auf dem Mond. Die Festnahme misslingt, der Verdächtige tötet sich selbst und Kosloff ist sicher, dass der wahre Verantwortliche noch lebt. Die letzten Worte des Sterbenden bringen Kosloff auf eine neue Fährte und er erkennt, dass der Mord an der illegalen Prostituierten nur ein kleines Teil in einem viel größeren Spiel ist. Bald kann er nicht mehr sicher sein, wer Freund und wer Feind ist.

„Wenn du deinen Gegner nicht sehen kannst, zwinge ihn dazu, sich zu zeigen. Wenn ein Kampf unvermeidlich ist, zwinge deinem Gegner deine Zeit und deinen Ort auf.“

Louann Marino, die Sympathieträgerin und Identifikationsfigur des ersten „Hanseapolis“-Bandes, verbringt den größten Teil von „Schattenspiele“ mit ihrer buchstäblichen Neugeburt. So ist sie zwar irgendwie noch präsent, nimmt aber an der Handlung nicht wirklich teil. Selbstredend hat auch Kosloff das explosive Finale von "Schlangenfutter„ überlebt und macht sich nun wie ein rachsüchtiger Dirty Harry auf, die Hintergründe des Prostituiertenmordes aufzudecken und noch mehr, den Todesschützen zu richten, der seine Partnerin auf dem Gewissen hat. Doch wie schon beim nur angedeuteten Tod von Louann Marino, scheint Miriam Pharo die eigene Courage zu fürchten. Denkbar wäre gewesen, den waidwunden Detective weit kompromissloser agieren zu lassen. Einen adäquaten Ersatz für Marino bringt Miriam Pharo leider ebenfalls nicht ins Spiel.

Auch fährt “Schattenspiele„ im Mittelteil einen starken Schlingerkurs und man verliert unwillkürlich das Ziel von Kosloffs Ermittlungen aus dem Augen. Viele Szenen wirken aufgesetzt, nur um dem Leser einen weiteren Storytwist zu bieten, leisten aber keinen tatsächlichen Beitrag zur Handlung. Zum Finale hin gelingt es der Autorin glücklicherweise, den Roman mit der Fokussierung auf ein faszinierendes Rätsel wieder zu “fangen„ und den Kreis zum Beginn zu schließen.

Auf der Habenseite steht wieder die glaubwürdig weiterentwickelte Technik, die die Welt von “Hanseapolis„ zu einer glaubhaften Zukunftsvision macht. Auch die Idee der Infobreaks, kurze “Einblendungen„, mit denen Begriffe aus dem Roman erklärt werden, wird konsequent durchgezogen. Ferner verfügt Miriam Pharo über ein sehr gutes Gespür für Szenenaufbau, Schnitte und Montage, das zweifellos von einer filmischen Erzählweise beeinflusst ist.

Unterstützt wird der Text wieder von einigen Grafiken von Gaby Mammitzsch, die es etwas einfacher machen, sich einzelne Szenen vorzustellen. Das Taschenbuch ist gut verarbeitet und weist auch nach dem Lesen keine Rückenknicke auf. Das Coverbild ist ein nichtssagendes Stockfoto und steht in keinem Zusammenhang zum Inhalt.

Somit ist “Schattenspiele„ im direkten Vergleich zu “Schlangenfutter„ etwas zu konstruiert geraten und man vermisst auf weite Strecken eine Identifikationsfigur. Im Gesamtpaket – und so sollte man die beiden “Hanseapolis„-Bücher lesen – bieten die “Sektion 3"-Thriller für einen Erstling erstaunlich souveräne Unterhaltung in einer überzeugend realistisch dargestellten Zukunftsumgebung.

Ihre Meinung zu »Miriam Pharo: Schattenspiele«

Ihr Kommentar zu Schattenspiele

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.