Dreimal Proxima Centauri und zurück von

Buchvorstellungund Rezension

Dreimal Proxima Centauri und zurück von

Originalausgabe erschienen 2011, 208 Seiten.ISBN 393789747X.

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In Kürze:

Bevor sie an Bord der Stern von Beteigeuze ging, glaubte Mimsy Mimkovsky das Schlimmste, das ihr auf der Reise zum Planeten Proxima Centauri 2 passieren könnte wäre, die Launen von Madame Halcion, ihrer Arbeitgeberin, ertragen zu müssen. Doch die exzentrische Diva und ihr überheblicher Impressario sollten bald das Geringste von Mimsys Problemen sein. Auf dem luxuriösen Kreuzfahrtraumschiff ist kaum einer der Passagiere, was er vorgibt. Als bei den Proben zur traditionellen Bordrevue „Schieß mich zum Mars, Liebling“ eine wichtige Requisite verschwindet, ist dies der Auftakt einer furiosen Space Opera die ihresgleichen sucht.
Die Autorin vermischt Science-Fiction, ebenso schamlos wie stilsicher, mit Elementen der Screwball-Comedy und des viktorianischen Unterhaltungsromans. Abgerundet wird das brisant-amüsante Spektakel mit einem guten Schuss Steampunk.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Zurück in die Zukunft“73

Science-Fiction-Rezension von Sanja Döttling

Myra Çakan legt mit ihrem neuen Buch „Dreimal Proxima Centauri und zurück“, erschienen 2011, eine Neubearbeitung ihres Hörspiels „Schieß mich zum Mars, Liebling“ vor. Es beeindruckt mit deutschem Retro-Futurismus und seltsamen Namen.

Um den Kapitänstisch des luxuriösen Raumschiff-Kreuzers „Stern von Beteigeuze“ hat sich eine illustre Reisegruppe versammelt. Dort speist allabendlich die inkognito reisende Alt-Diva Banamarama Halicon, zusammen mit ihrer Gesellschafterin Mimsy Mimkovsky und Herrn von Luna. Ebenfalls mit von der Partie ist Tunichtgut Schlack von Schnabel, Multimillionär Rufus Plonk und Madame Eloise „Sirene“ Litfass. Die Diva lässt sich bei gutem Essen überreden, die regelmäßig stattfindende Revue „Schieß mich zum Mars, Liebling“ anzuleiten und muss sich im Laufe der Reise mit den Laienschauspielern das Kapitänstisches auseinandersetzen. Währenddessen kämpft die schüchterne Mimsy nicht nur mit ihrer überschwänglichen Arbeitgeberin und ihrer ungewollten Hauptrolle in der Revue, sondern versucht verzweifelt, sich den Annäherungsversuchen Schlack von Schnabels zu erwehren. Natürlich geht die Reise keineswegs friedlich vorbei; ein blinder Passagier, ein wildes Kind und ein verschwundener Dolch versetzen Mannschaft in Passagiere des Luxusliners in helle Aufregung. Und dann passiert auch noch ein Mord!

Weltraum-Oper mit vikrtorianischer Atmosphäre

Die Autorin Maya Çakan hat ein Händchen für skurrile Charaktere. Der Sternenkreuzer wirkt fast zu klein, um all die bunten, unterschiedlichen – und zum Großteil auch äußerst liebenswürdigen – Figuren zu fassen. Der Leser weiß gar nicht, wohin er sich wenden soll bei all dieser schillernden Flattrigkeit: Manchmal wird vor lauter Figurenzeichnung die Handlung ein bisschen konfus, obwohl eigentlich gar nichts passiert; die Handlung beschränkt sich auf die Reise-Erzählung aus der Perspektive verschiedener Charaktere. Auch der Mordfall, der erst in der Mitte des Buches beginnt, ist eher nebensächlich und die Auflösung am Schluss etwas uneinfallsreich.

Was die Handlung missen lässt, machen Welt und Charaktere wieder wett: Wer braucht Handlung, wenn die Hauptfigur den Vornamen „Banamarama“ trägt? Und obwohl die Vergangenheit der Charaktere kaum eine Rolle spielt, fühlt sich der Leser bald als Passagier der „Beteigeuze“. Die Beschreibungen sind detailreich, die Charaktere ausgefeilt und die Dialoge pointiert. Der Stil ähnelt dem Adams in „Per Anhalter durch die Galaxis“, wirkt nur selten etwas bemühter. Dafür kann „Proxima“ mit einem unglaublichen Wortreichtum aufwarten, welcher die knappen Sätze vieler Bücher blass wirken lässt. Die Autorin bedient sich gerne des Französischen und betitelt Frauen mit „Madame“; manchmal mag ein Wörterbuch bei der Lektüre von Vorteil sein.

Doch der Ausflug in die Fremdsprache kommt nicht von Ungefähr. Çakan lässt ihren Roman zwar in der Zukunft im Weltraum spielen, doch die Atmosphäre der Gesellschaft und die Figuren selbst stammen eher aus einem viktorianischen Unterhaltungsroman: Starre Umgangsformen und exzentrische Personen prägen das Bild, gerade so, als wären sie einem Charles-Dickens-Roman entsprungen. Die historische Komponente wird deutlich in Mimsys Beruf als „Gesellschafterin“, der gerade Ende des 19. Jahrhunderts seine Blüte erlebte. „Proxima“ ist also sowohl Science-Fiction als auch viktorianischer Roman; zusammen ergibt sich ein interessanter Retro-Futurismus, der aus beide Genres vereint.

Fazit: Es sind die Charaktere, die den Roman zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. Obwohl sie einem viktorianischen Roman entsprungen zu sein scheinen, fügen sie sich gut in ein Wörterbuch Çakans detaillierte Version der Zukunft ein. Der ausschweifende, wortreiche Stil trägt dazu bei sich schnell in dieser bunten, flatterhaften Gesellschaft wohl zu fühlen. Einziger Wermutstropfen ist die etwas angestrengte Handlung, die lange nicht richtig ins Rollen kommt – und am Ende doch nur Klischees bereit hält. Und trotzdem ist die Geschichte gutes Raumfahrergarn; schrill, etwas übertrieben und kurzweilig.

(Sanja Döttling, Mai 2012)

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