Die Rivalin der Götter von N. K. Jemisin

Buchvorstellungund Rezension

Die Rivalin der Götter von N. K. Jemisin

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „The Kingdom of Gods“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 448 Seiten.ISBN 3-442-26671-8.Übersetzung ins Deutsche von Helga Parmiter.

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In Kürze:

Der Gott Si’eh und die Sterbliche Shahar Arameri verlieben sich. Doch ihre Gefühle zueinander stehen unter einem schlechten Stern, denn ein weltumspannender, endloser Krieg steht bevor. Es gibt nur einen Weg, den Frieden zu wahren. Die junge Frau muss Si’eh verraten und zu ihrer Waffe im Kampf um die Herrschaft machen. Jetzt muss sich Shahar entscheiden zwischen ihren Gefühlen und ihrer Pflicht – zwischen dem Leben von Millionen und der Liebe, die ihr alles bedeutet …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Drei können niemals vier sein“76

Fantasy-Rezension von Anja Helmers

Seit zweitausend Jahren herrschen Angehörige der Arameri Familie über die Welt. Seit sie vor hundert Jahren ihr größtes Machtmittel, die versklavten Gottheiten, verloren haben, schrumpft sowohl ihr Einfluss wie auch ihre Anzahl an Familienmitgliedern. Trotzdem hält Remath Arameri mit eisernem Willen an der Regentschaft fest. Sie plant, ihre Tochter Shahar als Erbin einzusetzen, ohne Rücksicht auf ihren Sohn Dekarta zu nehmen.

Als Yeine, die frisch gebackene Göttin des Todes, sich eines Tages mit Itempas, dem strafversetzten Gott des Lichts, trifft, fühlt Sieh sich von seiner Adoptivmutter verraten. In seinem Liebeskummer flieht er nach Elysium und schmollt in menschlicher Form auf der Nirgendwotreppe. Dort finden ihn Shahar und Dekarta Arameri. Die erst sechsjährigen Kinder haben sich im unbewohnten Unterpalast verlaufen. Aus irgend einem Grund ist Sieh fasziniert von den arroganten Aramerigören, wie er sie bezeichnet. Außerdem hat der Junge ihm mit seinen unschuldigen Aussagen zu zwei Erkenntnissen verholfen. Deshalb verspricht Sieh den Kindern, sich mit ihnen ein weiteres Mal zu treffen. In einem Jahr sollen sie am gleichen Ort und zur gleichen Zeit erscheinen.

Der deutsche Titel ist irreführend, -ebenso wie der Klappen- und Rückseitentext teilweise inhaltlich daneben liegt-, denn der abschließende Band von N.K. Jemisins Inheritance Trilogie hat keine weibliche Hauptfigur wie seine Vorgänger, sondern Sieh ist der Ich-Erzähler und Hauptprotagonist. Der Roman ist zwar in sich geschlossen, baut aber auf den Geschehnissen der ersten beiden Bände auf, und es ist sinnvoll, diese zuvor zu lesen. Alle drei Bücher handeln von Göttern und Sterblichen, von Macht und Liebe, von Tod und Rache. Im letzten Teil dieser Reihe geht es speziell um den Verrat von Freundschaft und dem Konflikt zwischen bedingungsloser Liebe und den Verpflichtungen der Macht.

»In dieser Geschichte wird es keine Tricks geben«

...verspricht Sieh ganz am Anfang des ersten Kapitels, dabei nimmt er die klassische Rolle des ´Tricksers´ ein. Als erstes Kind der Götter und ältestes Wesen nach seinen Eltern, ist seine wahre Natur die personifizierte Kindheit. Deshalb zieht er Stärke aus allem, was mit typisch kindlichem Verhalten verbunden ist. Aber Sieh durchläuft Veränderungen in seelischer wie in körperlicher Beziehung und er erfährt einen deutlichen Reifeprozess. Neben ihm verblassen Shahar und Dekarta, sie werden vom faszinierenden Gott der Kindheit glatt an die Wand gespielt. Shahar, Erbin der Arameri, muss wählen, wem ihre Loyalität gilt. Den Interessen ihrer Mutter, Arameri-Herrscherin mit schrumpfender Macht, oder ihrem geliebten Bruder und dem wenig vertrauenswürdigen Sieh. Ein Dilemma, denn Shahar liebt sowohl ihre Mutter wie auch ihren Bruder und Sieh. Aber Shahar wird schnell zum Nebenschauplatz und ihre Figur wird nicht so ausführlich beleuchtet, ebenso wenig wie die ihres Bruders. Dekarta kommt erst nach mehr als der Hälfte handlungstechnisch zum Zuge. Dann aber auf eine erfreuliche Art und Weise. Jemisin zeigt, wie selbstverständlich und unverkrampft man gleichgeschlechtliche Liebe und Sex darstellen kann. Fans von Oree Shoth aus dem zweiten Band freuen sich sicherlich wie ich über die Rolle, die ihre Tochter Glee im Abschlussband spielt. Wer sich am Ende von Band eins gefragt hat, was wohl aus Nahadoths menschlicher Hülle, seinem Tages-Ich, geworden ist, der wird hier mit einer Antwort belohnt.

Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung

Zurück zu Sieh, denn es geht hauptsächlich um sein Ringen um Erkenntnis, um seine Suche nach dem Geheimnis, das Enefa in seinem Gedächtnis verborgen hat.

In allen drei Büchern gibt es eine wortgewandte, experimentierfreudige Auseinandersetzung mit philosophischen Ideen und verschiedenen Konzepten.

Wer selbst keine Ader für Gedankenspiele hat, wem ausführliche innere Monologe zuwider sind, wird wenig Spaß an der Reihe gewinnen. Das trifft besonders auf den letzten Band zu. Siehs innere Nabelschau, seine ständigen Selbstreflexionen sind manchmal ermüdend. Wer mit Siehs Jammereien, seiner Sprunghaftigkeit und seine Grausamkeit Probleme hat, wird wahrscheinlich schwer Zugang zum Buch finden. Andererseits berührt er, weil er so furchtbar menschlich ist, in seiner verzweifelten Suche nach Liebe, mit seiner Sehnsucht, der Einsamkeit zu entkommen. Sieh, der immer das haben will, was er nicht haben kann, wie eines seiner Geschwister anmerkt.
Warum ich trotz der positiven Seiten dem Buch eine niedrigere Bewertung gebe wie den Vorgängern? Weil Yeines Kampf und Oree Shoths Schicksal insgesamt geradliniger und spannender sind als Siehs Geschichte. Die Rückblenden, die zahlreichen Erklärungen zur Entwicklung der göttlichen Probleme zerreißen den Aufbau der Spannung zu sehr. Es dauert zu lange, bis die Geschichte anzieht. Insgesamt ist die Inheritance-Trilogie eine empfehlenswerte Reihe, und wäre ohne den Abschlussband unvollständig.

Ein Satz noch zum deutschen Cover. Wie auch die der Vorgänger ist es nichtssagend und einfallslos, im Gegensatz zu den amerikanischen Büchern, deren Cover wichtige inhaltliche Schauplätze wiedergeben und wesentlich ansprechender gestaltet wurden.

(Anja Helmers, April 2012)

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