Das Graveyard-Buch von Neil Gaiman

Buchvorstellungund Rezension

Das Graveyard-Buch von Neil Gaiman

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „The Graveyard Book“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 312 Seiten.ISBN 3401063561.Übersetzung ins Deutsche von Reinhard Tiffert.

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In Kürze:

Nobody Owens ist noch ein Baby, trotzdem entkommt er als einziger aus seiner Familie einem brutalen Mörder. Zuflucht findet er ausgerechnet auf einem Friedhof, die Geister und Untoten nehmen ihn bei sich auf und ziehen ihn groß. Doch der Feind wartet auf den Tag, an dem Nobody zu den Lebenden zurückkehren wird.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Ein Dance Macabre, den man gern mittanzt!“86

Fantasy-Rezension von Verena Wolf

Das Graveyard Buch spielt vor allem auf einen Friedhof und handelt von Geistern und einem Jungen, der mitten unter ihnen lebt. Wer einige Bücher des Briten kennt, der in den USA lebt und zu Recht als zeitgenössischer Könner der Fantasy gilt, wundert sich über das Thema gar nicht. Neil Gaiman hat es schon x-mal mit brillanter Leichtigkeit geschafft, neue fantastische Welten zu erschaffen. Da gibt es eine geheimnisvolle Stadt unter London, die eine verzerrte Version des realen U-Bahn-Netzes ist (das Thema wurde oft kopiert, nie wieder erreicht), Götter wandeln auf Erden, „Sandman“ sucht Wachende heim und Mädchen gehen durch Spiegel in Parallelwelten. Normalerweise funktionieren Gaimans Einfälle und seine Ideen erwachen zu unglaublich realistischen Leben. Hält das neueste Werk den Erwartungen stand?

Das Buch kommt in einem sehr schönen metallenen Kästchen daher, der Umschlag ist schön gestaltet und ach, nach den ersten Seiten ist einem erleichtert schon klar, wieder fängt einen Gaiman mit der Geschichte ein. Er  hat sich seinen morbiden, charmanten Humor erhalten und viel zu schnell liest man immer weiter, egal wie spät es ist. Gaiman erklärt, dass er durch „Das Dschungelbuch“ zu dem Werk angeregt worden ist und darum ist das Hauptthema vertraut. Ein Junge, der seine Familie verliert, wird auch hier adoptiert, statt von Tieren von Gespenstern. Sein neuer Beschützer ist statt einem Panther im Dschungelbuch ein Vampir. Aber auch Nobody Owens, genannt Bod, muss wie Mogli lernen erwachsen zu werden und sich den Gefahren außerhalb seines neuen sicheren Reichs stellen. Die Konstellation „Kleiner Junge, der ein bisschen Magie lernt“ gegen „Bösen unbekannten Mächtigen“ lässt zudem einen müden Abklatsch von Harry Potter fürchten, aber – einatmen, ausatmen – Gaiman macht etwas Neues daraus. Er zaubert eine spannende, kluge und fesselnde Story, ein wenig melancholisch, märchenhaft und – mit dem richtigen Schuss schwarzen Humor. Grinsen musste ich, als die Geister Bod einschärften, er müsse sich vor Jack, dem Mörder seiner Eltern in Acht nehmen, er wolle auch ihn umbringen und Bod nur achselzuckend erwidert: „Und? Die meisten meiner besten Freunde sind tot!“

Eine spannende Gespenstergeschichte und mehr

Trotz der morbiden Ausgangslage gleitet das Buch nie ins billig Brutale oder Geschmacklose ab, die Toten sind wahre Persönlichkeiten. Bod trifft Keltengeister, ermordete Hexen und auch ganz wohlerzogene „normale“ Gespenster. Das liebevoll geschilderte „Leben“ in der Gruft fasziniert. Auch gibt es – typisch Gaiman – phantastische Wesen wie die graue Dame auf dem Pferd und die Hunde Gottes, die gut skizziert sind und in Erinnerung bleiben. Die schlimmste Gefahr für Bod lauert jenseits der Friedhofsmauern in der ihm viel unheimlicheren Welt der Lebenden. Irgendwann muss er sich ihr stellen.

Klar, es ist ein Buch vor allem für Kinder und Jugendliche, Thema ist das Erwachsenwerden, gespickt mit vielen Abenteuern. Aber trotzdem geht „Das Graveyard-Buch“ absolut in der Modekategorie All-Age-Fantasy durch. Auch das Ende ist gelungen, was bei der Geschichte viele Stolper(grab)steine hätte bieten können. Ach, ich gebe es zu, ich fand es großartig und lobe Gaiman mal wieder gern über den grünen Friedhofsklee!

Ihre Meinung zu »Neil Gaiman: Das Graveyard-Buch«

tedesca zu »Neil Gaiman: Das Graveyard-Buch«16.05.2012
Dieses Kinderbuch kann ich allen empfehlen, die gerne Fantasy mit Herz lesen. Nämlich nicht mit Liebe und Romantik, sondern mit berührenden Figuren ohne Kitsch. Nobody Owens wird von den Bewohnern eines Friedhofs adoptiert und lernt dort alles, was man wissen muss, um im Umgang mit Ghoulen, Monstern und anderen seltsamen Wesen zu überleben. Und um den Mann zur Strecke zur bringen, der seine Familie getötet hat.

Wenn man will, kann man darin auch eine Parabel für das Erwachsenwerden sehen, für die langsame Abnabelung von den Eltern und dem, was man als Heimat bezeichnet. Einfach für das Selbständigwerden. Aber DAS sehen wohl nur die erwachsenen Leser, die Kinder haben sicher ihren Spaß an Nobodys Abenteuern über und unter der Erde.

Ein ausgesprochen nettes, unterhaltsames und durchaus gruseliges Buch zum Schmunzeln, das ich Kindern im Alter von 10 bis 12 Jahren empfehlen würde. Das Hörbuch ist leider nur gekürzt erhältlich, Jens Wawrczeck liest ganz hervorragend, gibt den Figuren viel Eigenleben und macht das Ganze noch einmal spannender.
ansgar zu »Neil Gaiman: Das Graveyard-Buch«22.11.2010
Ich habe das original gelesen und mich würde interessieren, wie der Macabray übersetzt wurde, sowohl der Titel (oder ist der gleich geblieben?) als auch die einzelnen Zeilen. Sowas ist ja immer schwer übersetzbar! Ich hoffe, daß diese Frage hier noch legitim ist! Es geht ja nicht um eine Inhaltsangabe oder dergleichen sondern nur um ein Detail...

“Gracious lady, this I pray: Join me in the Macabray.”
Klaus Beck-Ewerhardy zu »Neil Gaiman: Das Graveyard-Buch«07.02.2010
Ein allein stehendes Ein-Familienhaus. Ein Mann geht durch die Räume und tötet systematisch die Familienangehörigen, die sich in verschiedenen Zimmern aufhalten. Nur das Baby der Familie schafft es auf unerklärliche Art und Weise aus seiner Krippe zu steigen und das Haus zu verlassen, bevor der Mann Jack seinen Raum erreicht. Eine kurze Verfolgung bringt Jack auf einen nahe gelegenen stillgelegten Friedhof, wo ein seltsamer Mann ihn abfängt und irgendetwas mit seiner Wahrnehmung und seinem Gedächtnis anstellt, das ihn in einer anderen Richtung weitersuchen lässt.

Auf dem Friedhof selbst beginnt zwischen den anwesenden Geistern, die das Kind nicht nur wahrnehmen, sondern sogar berühren kann eine Diskussion darüber, was mit dem Jungen geschehen soll. Die Fürsprache des Wächterwesens Silas, die Bitten der frisch verstorbenen Eltern, die Bereitschaft des Ehepaars Owens, sich des Jungen anzunehmen und ein Einwurf der „Dame auf dem grauen Pferd“, vor der alle toten Respekt haben bewirken schließlich den Beschluss, dem Jungen die „Freiheit des Friedhofes“ zu gewähren. Und so hat er, der ab diesem Tag Nobody Owens heißen soll, ein neues Zuhause gefunden.

Abgeschottet von den anderen lebenden Menschen und wohlbehütet wächst Nobody – kurz Bod – unter der Aufsicht und Fürsorge aller Friedhofsbewohner heran – frei nach der Idee, dass man ein Dorf benötigt um ein Kind richtig großzuziehen – und begegnet erst im Alter von etwa vier bis fünf Jahren der kleinen Scarlett, die für einige Zeit seine Spielgefährtin wird – und deren Eltern ihn für eine besondere Form von eingebildetem Freund halten. Doch leider bekommt Scarletts Vater nach einiger Zeit eine Anstellung in Schottland und die Familie muss fortziehen.

Ein kurzer Ausflug in die Schule, bei dem Bod durch besondere Geisterfähigkeiten zunächst nicht auffällt, erweist sich schnell als gefährlich und da der Mörder seiner Familie nach Silas’ Auskunft immer noch auf der Suche nach ihm ist, wird er wieder zurück auf den Friedhof geholt, wo er vor weiteren Entdeckungen geschützt ist. Aber auch im Umfeld des Friedhofs und der daran angrenzenden halbmagischen Bereiche gibt es allerhand Gefahren zu bestehen.

Als Bod schließlich zwischen sechzehn und siebzehn ist kommt Scarlett zurück auf den Friedhof und sein Leben verändert sich für immer – wenn auch nicht so, wie man vielleicht annehmen möchte.

„The Graveyard Book“ trägt die Medaille der Kinderbibliothekarssektion der amerikanischen Bibliothekarsvereinigung und ist auch vom Autoren als Kinderbuch deklariert – laut einiger Angaben für Kinder ab dem 11. Lebensjahr. Da mögen einige Erwachsene mit einigen Gewalt- und Gruseldarstellungen einige Schwierigkeiten haben, aber wie auch andere Titel des Autoren handelt es sich hier um eine moderne Form von Märchen und „richtige“ Märchen sind oft sehr grausame und gruselige Geschichten. Dafür ist das Moderne hier in den zum Teil sehr fortgeschrittenen Wegen des Konfliktmanagement gesehen, die Bod zum Teil in der Schule zu Beginn einsetzt – und auch die Beurteilung weniger moderner Methoden zu einem späteren Zeitpunkt durch andere. Dies alles ergänzt durch die anschaulichen und in den Text eingearbeiteten Illustrationen von Dave McKean ergibt es ein Buch, dem auch ich eine Medaille geben würde und das auch Erwachsenen Spaß machen kann.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
mase zu »Neil Gaiman: Das Graveyard-Buch«21.10.2009
Das Graveyard-Buch war für mich sprachlich zu sehr Jugendbuch, um mich so zu begeistern, wie die anderen Leser. Alles in allem fehlte mir die Spannung. Das Szenario, das Gaiman hier erschaffen hat, ist einfallsreich und nett zu lesen, war mir aber zu wenig. Z.B. hätte ich gerne vom Kampf zwischen Silas und seinen Kumpanen gegen die Jacks gelesen, aber der wird nur angedeutet. Auch hätte ich gerne mehr über Silas und die Bruderschaft der Jacks erfahren, aber auch diese Dinge wurden nicht angesprochen. All das, das mich interessiert hätte, hat der Gaiman nicht geschrieben. Diese „Friedhofs-Welt“ hätte es verdient gehabt, ausführlicher behandelt zu werden.
Die Kürze dieses Buches wird moniert, für mich war der Umfang jedoch genau richtig bemessen. Hätte dieses Buch mehr Seiten gehabt, hätte ich es wohl nicht zu Ende gelesen.
zugroaster zu »Neil Gaiman: Das Graveyard-Buch«23.03.2009
Wie Frank weiter unten schon sagte, es ist ein tolles Buch und man ist wirklich enttäuscht weil es schon so schnell durchgelesen ist.
Man trifft auf verschiedene phantastische Wesen. Viele davon kennt man und andere sind unbekannt.
Man leidet mit Nob und man freut sich mit ihm.
Glücklicherweise deutet das Ende eine Fortsetzung der Geschichte an.
Auf jeden Fall eine Kaufempfehlung.
Willum zu »Neil Gaiman: Das Graveyard-Buch«24.01.2009
Ich kann mich Frank nur anschließen, das Graveyard-Buch schreit geradezu nach einer Fortsetzung. Ich habe es innerhalb eines Tages, ohne Schlaf, gelesen. Es ist, typisch Gaiman, ein Quell voller Ideen.
Allerdings ist es im Moment nur gebunden und in einer Metallbox (schön gemacht) für stolze 17€ zu erhalten.
Für Gaiman-Fans trotzdem ein Muß.
100%!
Frank zu »Neil Gaiman: Das Graveyard-Buch«24.01.2009
Manchmal beendet man ein Buch und ist traurig dessen Welt zu verlassen. Um so ein Buch handelt es sich bei dem neuen Roman von Neil Gaiman.
Erzählt wird die Geschichte eines Jungen, der -nachdem seine Familie ermordet wurde- von Geistern adoptiert auf einem Friedhof heranwächst. Der Leser trifft auf Ghoule, die Hunde Gottes, längst vergessene Dichter, Hexen und weitere illustre Gestalten. All das untergebracht auf (viel zu wenige) knappen 310 Seiten.
Auf der Rückseite des Buches ist ein Satz zu finden.
"Neil Gaiman ist Kult".
Ja. Ist er.
100%.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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