Die gelöschte Welt von Nick Harkaway

Buchvorstellungund Rezension

Die gelöschte Welt von Nick Harkaway

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „The Gone Away World“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 800 Seiten.ISBN 3-492-26704-1.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Die »Große Löschung« hat alle Informationen auf der Welt vernichtet. Die Zivilisation ist beinahe vollständig zerstört. Die Überlebenden scharen sich um die Jorgmund Pipeline, ein gigantisches Röhrensystem, das einen lebenswichtigen Stoff verbreitet. Doch jetzt steht die Pipeline in Flammen. Gonzo Lubitsch, Problemlöser für alle Fälle, wird engagiert, um das Feuer zu löschen. Hinter dem Brand und der Pipeline steckt jedoch weit mehr, als Gonzo ahnen kann. Sein Auftrag führt ihn in die Vergangenheit der zerstörten Welt, in apokalyptische Kriege und Zeiten der Liebe und des Verlusts, zu Politikern, Piraten und ins dunkle Herz der geheimnisvollen Jorgmund Company Nick Harkaways Debüt ist definitiv das ungewöhnlichste Abenteuer unserer Zeit.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Eine schräge Postapokalypse gegen den Strich gebürstet“87

Science-Fiction-Rezension von Verena Wolf

„Die gelöschte Welt“ ist ein Debüt und Harkaway hat das gemacht, was wohl nur ein Neuling so achselzuckend kann, weil er noch nicht glattgezogen ist durch Erfahrungen, Markterwartungen und dem Druck, an alte Erfolge folgsam anzuknüpfen. Darum gleich die Warnung: Der Klappentext führt vollkommen in die Irre. Wer durch ihn denkt, „Die gelöschte Welt“ sei waschechte Science Fiction und/oder typischer Endzeitroman, vielleicht noch mit einer Zeitreise dekoriert: geschnitten! Klar, das erste Kapitel startet brav: Der Ich-Erzähler und sein bester Freund Gonzo Lubitsch, ein knallharter Typ fürs Grobe bekommen in einer recht desolaten Zukunft den Auftrag, den vollkommen außer Kontrolle geratenen Brand der Pipeline schlechthin zu löschen, die den letzten Rest der Zivilisation versorgt. Die Truppe startet aufgedreht Richtung Himmelfahrtkommando:

Das letzte Haus verschwand hinter uns. Vor uns donnerte Brisketts Panzer, und Gonzo trommelte wild aufs Lenkrad:
„Die offene Straße!“ rief ich ins Mikrofon.
„O ja, ja, ja!“ brüllte Gonzo Lubitsch.
Bone Briskett sagte kein Wort, aber er sagte auf eine Weise kein Wort, die uns merken ließ, dass er uns für verrückt hielt.
Bitte, guter Gott. Ich will nach Hause.

Und genau dahin geht es im Kapitel zwei: nach Hause. Die Vergangenheit des Ich-Erzählers und seines besten Freund Gonzo wird aufgerollt, lange, sehr lange. Erst auf Seite 446 sitzt man wieder im Truck und fährt – um einiges schlauer – dem apokalyptischen Brand entgegen.

Immer anders als man denkt

Dass man so lange zurückgeworfen wird, verwirrt zuerst und kann verstimmen. Es ist zugegeben nicht sehr einfach, in das Buch reinzukommen, wegen der Schubladen, die man im Kopf hat! Aber es lohnt sich. Denn die Story hat es in sich. Süffisant, auf den Punkt und mit treffender Flapsigkeit, die keine Gnade mit dem Ich-Erzähler und Gonzo hat, wird von ihrer Schulzeit erzählt, wie sie bei Meister Wu Gong-Fu lernen, sich verlieben, auf die Uni gehen und politisch korrekte Piraten sowie politisch unkorrekte Geheimdienstler kennen lernen. In den Seiten ist ein Wetterleuchten von Karate-Kid, Fightclub und Sincity, aber auch – also doch SF – der Charaktere und Moral von Star Trek und X-Men. Anders gesagt, Harkaway fabuliert drauf los, mischt Brutales, Tiefsinniges, Absurdes und Witziges zu einem erstaunlich einfallsreichen Mix, der durch Harkaways Sprachgewandtheit 1a funktioniert. Es geht um Heldentum in unmöglichen Momenten, Ninjas, Verlust, Freundschaft und man vergisst, dass man ursprünglich was antiseptisch Zukünftiges wollte. Erst langsam – aber sicher – steuert die Welt Richtung Krieg und große Löschung hin. Und wieder erwartet man etwas anderes als Harkaway serviert: Die große Löschung hat nichts mit schickem Datenklau und Internet-Vernichtung zu tun, Harkaway nimmt und meint die Löschung der Welt wörtlich. Und das ist erschreckender als manche glitzernde Computer-Mär.

Das dicke Ende

Je näher die Story dem Brand kommt, desto dramatischer und knapper wird der Stil und Ton der Geschichte. Alle Fäden laufen auf diesen Showdown zu, dem ein Knackpunkt der Erkenntnis folgt. Denn – damit ist nicht zu viel verraten – es läuft beim großen Einsatz am Brandherd einiges für Gonzo aus dem Ruder und die Welt ist nicht mehr wie sie war. Aber erneut ist schlau gelöst, worum es eigentlich geht und zum Schluss denkt man selbstzufrieden: zum Glück ist man dem zu kurz-greifenden Klappentext auf den Leim gegangen!

Ihre Meinung zu »Nick Harkaway: Die gelöschte Welt«

AltersEgo zu »Nick Harkaway: Die gelöschte Welt«20.02.2012
Mir gibt die hohe Punktebewertung im Gegensatz zu amtranik, der scheinbar ein anderes buch gelesen hat als ich, keine Rätsel auf. Die Geschichte ist wirklich gut und originell!
Dass Nick Harkaway gut schreiben kann, wurde hier ja schon mehrmals postuliert, aber ich sags auch noch mal: er kann wirklich gut mit Sprache umgehen und fesselnd schreiben!
Meiner Meinung nach ein gutes Buch, das sich zu lesen lohnt.

Ich würde dem Buch 86 Punkte geben.
Cesair zu »Nick Harkaway: Die gelöschte Welt«09.04.2011
kann mich meinem vorredner nichta nschließen, in den vielen jahren in denen ich schon alle sorten von büchern lese, ist dieses mit abstand das beste und genialste buch, was ich je in den händen hielt. ich hätte am liebsten 110 pkt gegeben.
ich hab keine lust dies jetzt ausführlichst zu begründen.
man sollt es unvoreingenommen lesen.
Amtranik zu »Nick Harkaway: Die gelöschte Welt«08.01.2010
Ich muß gestehn, das mir eine so hohe Punktebewertung von Harkaways Erstling doch
so einige Rätsel aufgibt.

Hätte der Roman 200-300 Seiten, so könnte ich noch
zugestehn das ich Wortgewalt in Form von Halbseitenlangen Schachtelsätzen über Nichtigkeiten durchaus zu goutieren weiß.
Nur bleibt ausser dieser Eigenschaft leider nicht viel übrig vom Roman. Sprich es ist eigentlich kein richtigerRoman Das Ende ist nun wirklich flach und einfallslos. Mit der Holzhammermethode herbeigeschrieben und in Anbetracht der Ultralangen Vorgeschichte ist
der Leser doch wirklich arg enttäuscht, weil ausser Wortakrobatik nichts über bleibt. Keine
Story die den Namen verdienen würde.

Wenn man den Leser schon mit über 400 Seiten
BlaBla, größtenteils bar jeglichen Informationsgehaltes quält, dann sollte es sich
zumindest im Showdown einer Geschichte die über 700 Seiten geht lohnen.

Ich habe ja nichts gegen Originalität, beileibe nichts, aber nur Originell sein ist kein Roman.
Wenn ich keine Ideen für eine richtige Storyline habe jongliere ich halt mit Sprache herum.

Mein Fazit daher:

Hätte der Roman 250 Seiten gehabt hätte ich mich nicht lumpen lassen und 70 Pkt gegeben.
Dieser überlange aufgepumpte 700 Seiter voll
mit Wortwitz und ohne Handlung jedoch höchstens noch 30
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