Fledermausland von Oliver Dierssen

Buchvorstellungund Rezension

Fledermausland von Oliver Dierssen

Originalausgabe erschienen 2009, 448 Seiten.ISBN 3-453-26663-3.

»Fledermausland« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Sind Sie schon einmal nackt einer Fledermaus begegnet? – Ein unglaublicher Roadtrip durch die Nacht.
Das ist nur eines der Probleme, mit denen Sebastian Schätz zu kämpfen hat, und langsam weiß er nicht mehr weiter: Die GEZ hetzt ihm eine Bande von Zwergen auf den Hals. Auf einer Toilette wird er von einem depressiven Vampir überfallen. Und dann stellt sich auch noch heraus, dass die Frau, die er liebt, gar kein Mensch ist. Kann es für Sebastian noch schlimmer kommen? Ja, es kann …Willkommen im Fledermausland!

Sebastian Schätz, Anfang zwanzig, treibt eher planlos durch Hannover. Seine Freundin Kim ist zwar überirdisch schön, hält ihn aber noch auf Abstand. Also ist für Sebastian Priorität Nummer eins, Kim ganz für sich zu erobern. Doch auf einmal häufen sich die seltsamen Ereignisse: Zuerst muss er sich nachts gegen eine Fledermaus wehren, und zwar nackt. Dann vermasselt ihm auch noch ein Vampir das langersehnte Date mit Kim. Als er schließlich von einem unheimlichen Hausgeist und ein paar korrupten Zwergen entführt wird, dämmert Sebastian Schätz so langsam, dass er da in etwas hineingeraten ist: Ist die Welt völlig verrückt geworden oder nur er selbst? Für Sebastian beginnt die längste und wildeste Nacht seines Lebens. Er muss nicht nur sein, sondern auch Kims Leben verteidigen – und am Ende ist nichts mehr, wie es einmal war …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der nackte Student und die Übersinnlichen – Welten begegnen sich“80

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Sebastian Schatz ist das, was man gemeinhin als ewigen Studenten bezeichnet. Nun, studieren tut er – noch zumindest – nicht, aber das lockere Studentenleben hat er zumindest schon drauf. Zwar ist Hannover, sein Studien- pardon Lebensort nun nicht eben als kulturelles Highlight weltweit bekannt, doch dafür sind die Mieten günstig, das Bier immer frisch gezapft und Aushilfsjobs keine Mangelware. Dass sein Vater dabei für seine 37 Quadratmeter die Hälfte berappt – na ja, der alte Herr weiß natürlich nicht, dass sein Obolus fast für die gesamte Miete reicht – hilft dabei ebenso wie sein Engagement im lokalen Asia-Shop. Alles könnte ja so schön sein. Jetzt hat Basti drei Wochen Urlaub vor sich, sein baggern an der hinreißenden Kim scheint auch, nach wochenlanger romantischer Werbung und Kinogerenne von Erfolg gekrönt zu sein, da zieht neue Unheil am Horizont auf.

Es ist mitten in der Nacht. Angesichts der drückenden hochsommerlichen Temperaturen schläft Basti bei offenem Fenster. Schwupps hat er einen Zimmergenossen. Während andere von blutsaugenden Moskitos oder nervtötenden Mücken umschwirrt werden, verirrt sich eine Fledermaus in sein Zimmer. Mannhaft, nein eher heldenhaft flieht unser angehender Studiosus, nackt wie Gott ihn schuf, aus dem Zimmer. Doch auf Dauer will er sich nicht vertreiben lassen. Also allen Mut zusammengerafft und das Schlachtfeld betreten. Die Fledermaus scheint sich in den Rolladenkasten verkrochen zu haben. Da kommt es geschickt, dass der Vermieter erst kürzlich einen elektrischen Antrieb spendiert hat. Angemacht, und schon bleibt das Teil stehen. Kurz entschlossen steckt Basti seine Hand hinein und bleibt prompt stecken. Dass die herbeigerufenen Sanitäter ein wenig merkwürdig daherreden, fällt ihm in all der Hektik kaum auf. Und dass sie ein Goldkettchen mit Anhänger verlieren, kommt ihm gerade zupass, kommt dergleichen Geschmeide bei dem holden Geschlecht doch gut an. Damit aber beginnen seine Probleme erst. Auf dem Männerklo im Kino lernt er einen depressiven Vampir kennen, ein Oger sucht bei ihm psychologischen Rat, ein Domowoje zieht in seiner Müllhalde von Wohnung ein und putzt alles blitzeblank, die Zwerge von der GEZ beehren ihn und eine Nymphe ist in Basti verknallt – die entsprechenden Verwicklungen kann man sich vorstellen …

Neue Flügel für die uniforme Urban Fantasy

Was ist das für ein Roman, der der sonst so uniformen Urban Fantasy neue Flügel verleiht? Ja, es gibt abseits unseres gewohnten hektischen Alltags übernatürliche Wesen, die sich vor den Menschen verbergen. Es gibt zwei einander nicht eben grüne Wächterorden, Vampire, Oger, Nymphen, doch damit hört die Gemeinsamkeit a la Dierssen auch schon auf.

Das Buch beginnt ein wenig wie ein Studentenroman mit dem Charme des Bastians. Da stellt sich uns ein junger Mann vor – sensibel, gefühlvoll, mehr Müsli als Macho, der ein Problem hat – nur eines? Na ja, so recht weiß er nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll, gar nicht zu reden von seiner unerfüllten Libido. Und ausgerechnet diesem Loser passiert dann gar Unerhörtes. Er bekommt – ungewollt – Einblick in einer fremde, gefährliche Welt. Dass er nicht schreiend davonläuft – und er ist versucht, das Hasenpanier zu ergreifen, glauben Sie mir das – ist ein Wunder. Doch was tut man nicht alles, der holden Weiblichkeit und ihren verführerischen Reizen zuliebe. Das liest sich einfach nett, ist mit viel Selbstironie und so manchem Seitenhieb auf Hannover, Studenten und die Menschheit als Ganzes garniert. Dazu gesellen sich überraschende Wendungen und Einfälle, liebeswerte Unikate, die so ganz anders sind, als die ständig gleichen, omnipräsenten Werwesen und ihre Artgenossen. Als solches bringt das Buch frischen Wind in ein uniformes Sub-Genre, überzeugt handwerklich wie von den Ideen her durch Eigenständigkeit und liest sich sehr angenehm.

Ihre Meinung zu »Oliver Dierssen: Fledermausland«

Ihr Kommentar zu Fledermausland

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.