Das Zeichen des Ran von Paul Kearney

Buchvorstellungund Rezension

Das Zeichen des Ran von Paul Kearney

Originalausgabe erschienen 2003unter dem Titel „The Mark of Ran“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 240 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Christoph Weber.

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In Kürze:

In einer Welt, verlassen von ihrem Schöpfer, existierte einst eine uralte Rasse mit unvorstellbaren Mächten. Einige glauben, dass es die letzten Engel waren; andere halten sie für Dämonen. Rol Cortishane aufgewachsen in einem abgelegenen Fischerdorf, ohne seinen wahren Platz in der Welt zu kennen, und in dessen Adern das Blut jener lang vergessenen Rasse fließt, wird deren gefährliche Bestimmung zuteil.

Vertrieben aus seiner Heimat, der Hexerei und der Ausübung schwarzer Magie angeklagt, sucht Rol Zuflucht in dem Trübsinn verströmenden Turmheiligtum des rätselhaften Michal Psellos. Er wird im Handwerk der Assassinen trainiert und von der schönen, aber sorgenbelasteten Rowen unterrichtet. Ihr Zusammentreffen ist kein Zufall. Die Wahrheit über ihre Vergangenheit ist ein Geheimnis, dessen Enträtselung sie sich erkämpfen müssen.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Macht Appetit auf mehr“71

Fantasy-Rezension von Marcel Buelles

Der Nordire Paul Kearney ist als Fantasyautor kein unbeschriebenes Blatt: Zehn Titel hat er bis dato herausgebracht, von denen sieben auch auf Deutsch erschienen sind, fünf von ihnen in der Reihe 'Die Königreiche Gottes’ bei Bastei Lübbe. Mit 'The Mark of Ran’ beginnt er seine zweite Reihe, die 'Sea Baggers', in der wir das Leben Rol Cortishanes auf seinen Reisen begleiten. Er gehört zum Alten Volk, den Weren, die vor den Menschen auf Umer lebten und von ihnen gefürchtet und geliebt werden: manche halten sie für Engel, andere für Dämonen.

Im unendlichen Wust moderner Fantasyliteratur beschleicht einen oft das Gefühl, dass man schon alles gelesen, alles gesehen und vor allem sehr viel Schlechtes in der Hand gehabt hat. Man nehme Tolkien, Williams und George R.R. Martin, mische vielleicht noch ein wenig Moorcock und Pratchett dazu und ignoriere Eddings, Gemmell und alle Zwerge, Orks und Trolle der letzten Jahre und vielleicht hat man dann wieder etwas in der Hand, das doch noch zu lesen Spaß macht.

Fantasy ist nicht das einzige Genre, das schlechte Bücher hervorgebracht hat, Gott bewahre, aber die schiere Masse, das gesteigerte Interesse an Fantastischem rund um Herr der Ringe, Harry Potter, His Dark Materials und was es sonst noch geben mag, erschlägt selbst den Vielleser, der alles verschlingt, was er in die Hände kriegen kann. Die Erwartungshaltung sinkt und Zufriedenheit stellt sich schon ein, wenn man ein lesbares Buch vorgesetzt bekommt und das ist bei Paul Kearneys 'The Mark of Ran’ hundertprozentig der Fall.

Altbewährtes im neuen Gewand

Es gibt nichts Neues in diesem Buch und eine kurze Liste allseits bekannter Fantasyelemente sollte eigentlich vor dem Kauf warnen: Ein Schwert, das einen eigenen Willen hat und dem es nach Blut gelüstet; Inzest zwischen Bruder und Schwester; Zwillinge, die die Erben eines mächtigen Königreichs sind und eigentlich bei der Geburt hätten sterben sollen; ein Hexenkönig, dessen Macht keine Grenzen kennt und nicht zuletzt das Ältere Volk, dessen Fähigkeiten weit über denen der Menschen liegen und deren Halbblute zu Monstern und wandelnden Albträumen werden.

'The Mark of Ran’ ist aber keine plumpe Aneinanderreihung der oben erwähnten Klischées. Das Buch zeichnet sich vor allem durch eine nicht immer vorhandene Qualität aus: einem schnellen, kräftigen und gut lesbaren Schreibstil. Die Entwicklung der Erzählung, das Tempo, mit dem er seinen Protagonisten vorantreibt, Charaktere hinzufügt, entwickelt und gerne auch sterben läßt sowie ein gesunder Schuß Gewalt, Sex und Seeschlachten vermischen sich zu einer kurzweiligen Lektüre. Ein kurzer Abriss der Handlung mag dies verdeutlichen.

Pirat werden – oder sterben

Die Reihe 'The Sea Baggers’ dreht sich um Rol Cortishane, der als Jugendlicher mit erleben muss, wie seine Familie getötet wird und er gezwungen ist, zu einem völlig Unbekannten zu fliehen, Michael Psellos, der ihn im Gegenzug für Gefälligkeiten ein Heim und eine Ausbildung anbietet. Er ist hart und grausam, denn beide gehören zu den Weren, dem älteren Volk, das vor den Menschen auf Umer lebte und jetzt noch im Geheimen die Geschicke der Welt lenkt, doch dessen Existenz ständig bedroht ist. Bald schon verliebt sich Rol in seine Leidensgenossin Rowen und gemeinsam töten sie nicht nur Psellos, sondern stürzen die Insel Gascar und das Königreich der Sieben Inseln in ein heilloses Durcheinander und erfahren von Psellos kurz vor seinem Tod, dass sie Bruder und Schwester sind.

Ihre Wege trennen sich und Jahre lang dient sich Rol als Seemann hoch, bis er zum ersten Offizier eines Handelsschiffs wird, das in einem Sturm schwer beschädigt und dann von einem Kriegsschiff versenkt wird. Ihm und einigen Männern gelingt die Flucht und ihre einzige Hoffnung zu überleben ist, den Weg durch eine riesige Wüste in Richtung der Versteckten Stadt anzutreten, einem sicheren Hafen für Freiheitsliebende und Piraten, die als Einzige nicht einem der mächtigen Imperien Umers Untertan ist. Einen kleinen Haken gibt es aber auch hier, denn jeder Neuankömmling muss zum Pirat werden -- oder sterben.

Bionar, das mächtigste Königreich Umers, entdeckt die Stadt jedoch und zu einer schrecklichen Seeschlacht herausgefordert, können die Piraten ihr Geheimnis anscheinend noch einmal verteidigen, doch der Schein trügt. Eine unbekannte Feldherrin hat sich in den letzten Jahren eine breite Machtbasis aufgebaut und behauptet, die letzte Tochter des Königs von Bionar zu sein und schwört, die Welt mit Krieg zu überziehen, bis sie ihr Ziel erreicht hat, alle Macht an sich zu reißen. Rol und seine Männer und die Versteckte Stadt sind ihr aber im Weg und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Fazit: lesbar, brauchbar, aber nicht überragend

Ein Rezensent beschrieb 'The Mark of Ran’ als eine Mischung aus 'Master und Commander mit einer gesunden Portion Magie’ und der Vergleich passt. Kearney wagt mit seiner Reihe die Kreuzung von Fantasy mit der Welt der Piraten, Seeräuber, Flibustiere und bietet solide Kost, die den Gaumen des Fantasylesers mit gutbürgerlicher Küche erfreut, zugleich aber auch das eine oder andere neue Gewürz ausprobiert. Überragend ist das Buch nicht, aber temporeich und sauber geschrieben und dank einem ordentlich Schuß Spannung und schwarzem Humor kurzweilig und packend genug, um den Kauf zu rechtfertigen. 'The Mark of Ran’ macht Appetit auf mehr -- und das ist heutzutage schon eine Menge wert.

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