Severins Gang in die Finsternis - Bibliothek der Nacht Band 1 von Paul Leppin

Buchvorstellungund Rezension

Severins Gang in die Finsternis - Bibliothek der Nacht Band 1 von Paul Leppin

deutsche Ausgabe erstmals 2015, 128 Seiten.ISBN 3903005134.

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In Kürze:

Im Prager Nachtleben findet Severin nicht nur einen Ausgleich zu seinem tristen Büroalltag, es laufen ihm dort auch die Mädchen fast scharenweise hinterher. Bei seinen rastlosen Streifzügen beginnt er halbherzige Affären, die er ebenso schnell wieder beendet, bis mit einem Mal die laszive Mylada in sein Leben tritt – Severin verfällt ihr mit Haut und Haar. Getrieben von seinen Leidenschaften zieht ihn die Prager Nacht mit ihren Gespenstern und ihrem düster-fantastischen Flair immer tiefer in den Bann …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Paul Leppins literarische Liebeserklärung an Prag“83

Horror-Rezension von Carsten Kuhr

Severin lebt als junger Mann in der Stadt der Behème Prag. Tagsüber arbeitet er im Kontor, Nachts sucht er ruhelos nach Zerstreuung, nach der Muse, letztlich nach dem Sinn seines Lebens. Trotz seiner verbalen Zurückhaltung zieht sein Nimbus der Einsamkeit gepaart mit einem ansprechenden Äußeren die Frauenherzen scharenweise an.

Innerlich unsicher, ja unstet beginnt er gleich reihenweise Affären, bricht Herzen und verliert sich in Mordphantasien. Der Tot, Leichen faszinieren ihn, immer wieder stellt er sich vor, wie es wohl wäre, einen Menschen zu töten. Dass er mit seiner gedankenlosen, ja verantwortungslosen Art Andere in den seelischen Ruin treibt, spricht, zunächst unterschwellig, später wahrnehmbar das Böse in seinem Charakter an. Als er in der Spinne, einer Lokalität am Rande des Studentenviertels die laszive Mylada kennen lernt, wandelt sich seine Roller vom Verführer zum Verführten. Er verfällt der Dame, wird von seinen Leidenschaften getrieben und verliert sich in der morbiden Nacht Prags …

Klassischer Text, dessen Aussage inhaltlich höchst aktuell wirkt

Was ist dies für ein Kurzroman, schon eher eine Novelle, als ein Roman, den uns der Verlag in handwerklich vorbildlicher Ausstattung vorlegt?
In Halbleinen gebunden mit einem Lesebändchen versehen, auf gutem Papier gedruckt erwartet den Leser eines, wenn nicht das wichtigste Prosawerk Leppins.

In dem Anti-Helden Severin mag man unschwer Leppins Alter-Ego erkennen, wobei anzumerken ist, dass der Autor deutlich auf Distanz zu seinem Protagonisten bleibt. In, mit und durch ihn zeigt der Autor geradezu exemplarisch die Haltlosigkeit des Individuums auf, der verzweifelt versucht, mittels kurzlebiger Befriedigung eine Art Zufriedenheit in sein Leben zu zwingen. Hier ist die Novelle höchst aktuell, hält sie uns doch einen Spiegel vor, der uns schonungslos mit der Einsamkeit und der Verzweiflung der Individuen konfrontiert, die ihr Leben ziellos führen.

Noch einige kurze Worte zur bislang relativ unbekannten Reihe. Der Verlag stellt diese, durchaus zutreffend, wie folgt dar: „Die “Bibliothek der Nacht„ wird von Thomas Ballhausen unter Mithilfe eines internationalen Boards an BeraterInnen und UnterstützerInnen herausgegeben und möchte phantastische Literatur abseits des Mainstreams in stimmiger Form präsentieren. Dabei wird einerseits von einem etwas weiter gefassten Phantastik-Begriff ausgegangen und andererseits der Fokus auf europäische Literatur gelegt (d.h. wir beschränken uns nicht auf deutschsprachige Literatur, sondern nehmen auch Übersetzungen mit hinein). Die Ausstattung der Bücher soll dem Anspruch dieses Reihenprojekts natürlich entsprechen“.

Nicht nur ein hehres Ziel, auch die bislang erschienen zwei Bände werden diesen Vorgaben gerecht und bieten gehobenen Lesegenuss abseits der ausgetretenen Pfade an.

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