A Princess of Roumania von Paul Park

Buchvorstellungund Rezension

A Princess of Roumania von Paul Park

unter dem Titel „A Princess of Roumania“,deutsche Ausgabe erstmals 2005, 320 Seiten.ISBN 0330452177.

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Das meint Phantastik-Couch.de: „;Die Welt, wie wir sie kennen, ist nur eine Illusion – die Wahrheit steht in einem Buch“86

Science-Fiction-Rezension von Marcel Buelles

Im Alter von drei Jahren hatte Miranda Popescu großes Glück. Das Waisenkind wurde von einem amerikanischen Ehepaar adoptiert und wuchs beschützt in Massachusetts auf. Ihr gesamtes Leben lang kannte sie nur die Idylle einer kleinen Collegestadt und einer intakten Familie. Über ihre Herkunft wusste sie fast nichts, abgesehen von dem, was ihr der Inhalt einer kleinen Schachtel verraten konnte, den man ihr auf den Weg in den Westen mitgegeben hatte. Einige Erinnerungsstücke, Fragmente einer sagenumwobenen Existenz. Ein Buch, dessen Titel auf den ersten Blick nichts besonderes erwarten ließ: The Essential History. Ein geschichtlicher Gesamtüberblick, wie man ihn in jeder gut sortierten Bibliothek finden kann. Aber als Miranda ihre Erinnerungsstücke einer Gruppe neuer Schüler zeigte, verwandelte dieses Buch alles. Es wurde ein Raub der Flammen – und mit ihm Mirandas Welt. Unsere Welt. Sie ist erfunden. Die Wahrheit über sich selbst kann sie nur in Rumänien finden.

Ein Buch schreibt Geschichte – im wahrsten Sinne des Wortes

A Princess of Roumania erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, die zur Retterin ihres Volkes werden soll. Ihre wirkliche Welt entspricht in etwa dem Europa des 19. Jahrhunderts, doch stehen sich hier als Machtblöcke Deutschland und das Kaiserreich Rumänien gegenüber. Die britischen Inseln versanken aufgrund einer Naturkatastrophe unter den Fluten, in den Vereinigten Staaten leben als Ureinwohner englischsprachige Barbaren. Die komplizierteste Technologie in Europa ist die Dampflokomotive, Kavallerieregimenter können Kriege entscheiden. Magie ist eine geheimen Wissenschaft, die unter Androhung drakonischer Strafen verboten ist, aber vor allem in Rumänien noch praktiziert wird. Miranda gelangt nach der Verbrennung ihres Buchs in eine völlig andere Realität, die ihr zuerst nur als böser Alptraum erscheint. Bald schon erfährt sie aber, dass das Buch nur die Illusion einer modernen Welt erschuf – der Erste und Zweite Weltkrieg fanden nur statt, um von ihrer Existenz abzulenken, ihre Feinde zu irritieren und dafür zu sorgen, dass die Hoffnung des rumänischen Volks auf Erlösung nicht verloren geht – die Hoffnung auf den 'weißen Tiger.' Miranda ist diese sagenumwobene Gestalt.

Auf der einen Seite steht der Kurfürst von Regensburg, ein mächtiger Zauberer, der Rumänien erobern und zum Premierminister in Deutschland aufsteigen will. Er will den 'weißen Tiger’ als Erstes finden. Auch Baronin Nicola Ceausescu sucht nach ihr, aber sie treiben der Wille nach persönlicher Bereicherung und Rache an, die sie ein gefährliches Doppelspiel mit dem Feind spielen lässt Auf der anderen Seite steht Aegypta Schenck von Schenck, Mirandas Tante, die selbst eine mächtige Zauberin ist und das Buch geschrieben bzw. beschworen hat, mit dem sie ihre Nichte schützen konnte: The essential History.

Der Roman beschreibt wie Miranda versucht, mit der neuen Situation fertig zu werden. Sie weiß, dass sie von Amerika nach Rumänien reisen muss, denn sie wird dort gebraucht, aber der Weg ist weit. Beide Seiten schicken ihre Handlanger aus, um sie gefangen zunehmen bzw. sie sicher über den Atlantik zu geleiten, während in Rumänien politisches Ränkespiel dafür sorgt, dass die geschwächte Nation den Deutschen wie ein reifer Apfel in den Schoß fällt.

Ein Buch, das überrascht, fasziniert und verwirrt

Paul Park schreibt seit über zwanzig Jahren Science Fiction und überschreitet mit dem ersten Band einer vierteiligen Reihe die Grenze zur Fantasy, bleibt aber genretypischen Elementen treu. Die Ander- oder Parallelwelt, Zeitreisen und die Auseinandersetzung mit Magie und moderner Wissenschaft sowie die von ihm beschriebenen Charaktere stellen Archetypen, Bekanntes dar, aber Park vermag immer wieder zu überraschen mit absurden, geradezu abstrusen Gedankensprüngen, die dem durchschnittlichen Leseverhalten schwer in die Parade fahren. Wo ein dicker Harry-Potter-Band in wenigen Stunden durchgelesen werden kann, verlangen die etwa vierhundert Paperbackseiten Konzentration, Interesse und Nachdenklichkeit ab.

A Princess of Roumania ist kein eingängiger Lesestoff. Die Reaktionen sind entsprechend: Etliche literarische Größen wie etwa Ursula K. Le Guin und Michael Swanwick loben das Buch über den Klee, im Internet finden sich hingegen brutale Verrisse . Das Buch folgt keinem leicht nachvollziehbaren roten Faden, weder in Inhalt, noch Form, noch Charakterentwicklung, noch bietet es eine klare Aussicht auf die nächsten Bände. Es ist durch und durch ungewöhnlich – und allein deshalb sticht es aus dem alltäglichen Einheitsbrei heraus. Es besitzt auf jeden Fall etwas, was gerade im Fantasybereich nur noch wenige Autoren auf die gedruckte Seite bringen: den Anspruch, mehr als nur leicht lesbare Unterhaltung zu sein, die Forderung an den Leser, sich in die Welt einzuarbeiten, an manchen Stellen zu kämpfen, immer im Gedanken, dass es da draußen noch eine andere Welt geben muss Die Benotung erfolgt unter Vorbehalt der Lektüre der weiteren Bände und als Reaktion auf den oftmals vorgetragenen Vorwurf, die Geschichte sei langweilig, die Charaktere platt und das Buch im Allgemeinen völliger Unsinn. Dieses Buch verdient auf jeden Fall eins: Beachtung.

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