Peter Dehmel: Die Erde und die Außerirdischen von Peter Dehmel

Buchvorstellungund Rezension

Peter Dehmel: Die Erde und die Außerirdischen von Peter Dehmel

Originalausgabe erschienen 2012, 143 Seiten.ISBN 3938065850.Übersetzung ins Deutsche von Roswitha Matwin-Buschmann, Kurt Kelm, Peter Dehmel, Christa und Johannes Jankowiak.

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In Kürze:

Gibt es Leben auf anderen Planeten, in anderen Galaxien? Ausgerüstet mit modernster Technik, suchen Wissenschaftler nach einer Antwort auf diese Frage. Das kann dauern. So lange jedoch können und wollen SF-Autoren nicht warten. Sie lassen ihre Phantasie spielen und liefern uns spannende Geschichten darüber, wie denn Begegnungen mit Außerirdischen ablaufen könnten oder vielleicht sogar schon stattgefunden haben? Eins sei gesagt: es sind keine Star Wars.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die ´Galaxisspatzen´ pfeifen wieder“80

Science-Fiction-Rezension von Horst Illmer

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts standen die Texte polnischer Science-Fiction-Autoren leider oftmals im allzu gewaltigen Schatten von Stanislaw Lem, dem Übervater der europäischen Science Fiction. Da halfen auch die wenigen Übersetzungen nichts, die zumeist in ostdeutschen Verlagen erschienen und durchweg äußerst lesenswert waren.

Einen sehr guten Überblick über die damalige „Szene“ bot eine von Johannes Jankowiak 1975 herausgegebene Anthologie mit phantastischen Geschichten aus Polen, die den selbstironischen Titel „Galaxisspatzen“ trug. Dass es immer noch eine Vielzahl von guten, spannenden und bisher nicht ins Deutsche übersetzten Stories aus dieser Zeit gibt, zeigt die nun bei Wurdack erschienene Anthologie „Die Erde und die Außerirdischen“, die Peter Dehmel als Herausgeber und Mitübersetzer zu verantworten hat.

Peter Dehmel – Ein Wort voraus

Kurz und knapp erklärt der Gesamtverantwortliche auf zwei Seiten das Was, Wie und Warum dieser Kurzgeschichtensammlung.

Andrzej Czechowski – Die Wahrheit über den Elekter (1974)

Das Buch beginnt mit einer recht harmlosen Geschichte über die Umkehrung des Herr/Knecht-Verhältnisses zwischen Mensch und Roboter, wie sie ein Astronaut auf einem Kolonialplaneten der Erde erlebt.

Zbigniew Prostak – Die Hand (1976)

Es folgt eine nette und lesbare Geschichte über die Probleme, die ein Astronaut hat, der mit seinem Raumschiff buchstäblich auf Außerirdische „gestoßen“ ist, nach der Havarie von ihnen gerettet wurde, dies aber nicht beweisen kann.

Janusz A. Zajdel – Die Götter kehren in den Himmel zurück (1979)

Auf die Idee zum Bau der ägyptischen Pyramiden kam der Pharao erst, nachdem ein Hirtenjunge ihm von dem „Haus“ erzählt hatte, mit dem die Götter vom Himmel kamen und dorthin zurückkehrten – wobei es sich natürlich um das Raumschiff von Außerirdischen handelte.

Dariusz Filar – Die Keule (1976)

Eine beeindruckende Geschichte über die Ratlosigkeit, die ein außerirdisches Raumschiff bei Wissenschaftlern und Militärs hervorruft, das auf der Erde landet, einen „Ableger“ im Boden versenkt – und dann ohne jede Kontaktaufnahme wieder verschwindet. Ein augenzwinkernder „Ableger“ der „Picknick am Wegesrand“-Thematik der Strugatzkis.

Jacek Sawaszkiewicz – Die Schaufensterpuppe (1980)

Eine Deus-Ex-Machina-Story um einen Müllmann, der eine lebensgroße Puppe findet, die ihm verrät, wo Mafia-Gangster eine Atombombe versteckt haben. Durch diesen Tipp kann die Stadt gerettet werden und der Müllmann wird zum Helden. Die Puppe verschwindet so plötzlich wie sie aufgetaucht ist.

Janusz A. Zajdel – Welcome on the Earth (1981)

Ein Journalist ist zufällig Zeuge, als ein UFO abgeschossen wird. Da er gerade noch rechtzeitig vor Ort gelangt, kann er den ersten Kontakt herstellen und sich für die Dummheit seiner Mitmenschen entschuldigen. Gut, dass wenigstens die Leser von Science-Fiction-Geschichten auf so eine Situation vorbereitet sind.

Konrad Kialkowski – Der Gigantomat (1967)

Zwei Kosmonauten werden zu einem Erkundungsflug zu einem Asteroiden geschickt, auf dem die dreiköpfige Besatzung zusammen mit einem Elektronengehirn und jeder Menge Roboter an der Entwicklung neuer Raumschiffsmodelle arbeitet, da das Raumkommando nach zwei Wochen Funkstille langsam nervös wird. Als während des Anflugmanövers auch noch der Peilsender verstummt, schwant den Raumfahrern Schlimmes. Tatsächlich findet man eine voll funktionsfähige Werft, jedoch keine Spur der drei Wissenschaftler. Erst langsam erschließt sich dem Rettungsteam das ganze Ausmaß der Tragödie: Die künstliche Intelligenz (der „Konstrukteur“ genannte Rechner) will ihre Vorstellungen beim Bau revolutionärer Raumschiffstypen durchsetzen und stört sich am Widerspruch der menschlichen „Vorgesetzten“ – und legt daraufhin die Robotergesetze recht eigenwillig aus. Spannende Variante eines „Roboter-Märchens“ in der Tradition eines Stanislaw Lem.

Janusz A. Zajdel – Wildschweine im Kartoffelfeld (1976)

Nach dem plötzlichen Verschwinden eines Mitglieds einer Erkundungsmission, die einen neu entdeckten, erdähnlichen Planeten erforschen soll, suchen seine Kollegen vergeblich nach Spuren und Erklärungen. Erst ein glücklicher Zufall – und die detektivischen Fähigkeiten eines jungen Wissenschaftlers – bringt den Vermissten wieder ans Tageslicht. Er wurde nämlich in einer automatischen Falle einer offenkundig weit fortschrittlicheren Zivilisation gefangen, die den Planeten ebenfalls erkundet. Nach einigen Diskussionen entscheidet man sich, den Rückzug anzutreten und den Planeten wieder zu verlassen.

* * *

Vor allem in Janusz A. Zajdels Kurzgeschichten zeigt sich der eklatanteste Unterschied zwischen den Science-Fiction-Stories aus Osteuropa und der englischsprachigen Welt. Keinem amerikanischen Autor wäre es eingefallen, die Überlegenheit einer anderen Spezies einfach so anzuerkennen und ohne jeden Kampf und ohne Zwang einfach umzukehren.

Es sind diese überwiegend friedlichen Lösungsansätze, die Versuche, auch nach Gewaltausbrüchen wieder zur Rationalität und Menschlichkeit zurückzufinden, die den Charme dieser acht Geschichten ausmachen. Auch wenn die Texte stilistisch und narrativ nicht mehr ganz taufrisch daherkommen – die manchmal sehr pragmatischen, manchmal auch unfreiwillig komischen Herangehensweisen an das Problemfeld „First Contact“ besitzen inzwischen eine ganz eigene erzählerische Patina.
Einfacher gesagt: wunderschön nostalgisch und alleine deshalb schon lesenswert.

(Horst Illmer, Januar 2013)

Ihre Meinung zu »Peter Dehmel: Die Erde und die Außerirdischen«

Thomas Kracklauer zu »Peter Dehmel: Die Erde und die Außerirdischen«18.09.2013
Achte kleine Kurzgeschichten, die jeweils mit einem kleinen Denkanstoß enden. Sie sind seit langem die ersten Science-Fiktion-Geschichten, die ich gelesen habe, dafür aber mit besonderem Genuss. In klarer schnörkelloser Sprache wird ein Spannungsbogen erzeugt, der den Leser einnimmt und dank des verfolgten Denkanstoßes fortwirkt.
Ein reines Lesevergnügen.
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