Der Stern der Pandora von Peter F. Hamilton

Buchvorstellungund Rezension

Der Stern der Pandora von Peter F. Hamilton

Originalausgabe erschienen 2004unter dem Titel „Pandora\\\\\\\'s Star“,deutsche Ausgabe erstmals 2006, 747 Seiten.ISBN 3-404-23290-9.Übersetzung ins Deutsche von Axel Merz.

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In Kürze:

Wir schreiben das Jahr 2380. Das intersolare Commonwealth, ein etwa 400 Lichtjahre durchmessendes Raumgebiet, birgt über 600 Welten. Sternenschiffe sind überflüssig geworden, denn die Planeten sind durch ein Netz aus Wurmlöchern miteinander verbunden. Am äußeren Rand des Commonwealth beobachtet ein Astronom das Unmögliche: Ein Stern verschwindet einfach – vom einen Moment auf den anderen. Da er zu weit vom nächsten Wurmloch entfernt liegt, wird eigens ein überlichtschnelles Schiff gebaut. Seine Mission: herauszufinden, ob das Phänomen eine Bedrohung darstellt. Bald stellt sich heraus, dass es nie eine größere Bedrohung für die Menschheit gab…

Das meint Phantastik-Couch.de: „Eine Space Opera, die alles hat“92

Science-Fiction-Rezension von Holger Schmidt

Manche Menschen haben merkwürdige Hobbies. Da räumt jemand allen Krimskrams aus seinem dunklen Keller und schließt sich dann Abende lang dort ein. Eine große Arbeitsplatte wird angeschafft, darauf dann künstliche Gebirgswelten angelegt. Mit kleinen Kunststoffbäumen und -sträuchern die Landschaft verziert, künstlicher Schotter ausgelegt. Hinzu kommen Ortschaften aus Miniaturgebäuden und winzige Figuren, mit detailgenauer Kleidung und einmaligen Gesichtszügen. Zum Schluss werden dann die Gleise verlegt und beinahe ehrfürchtig die Lok auf ihre Jungfernfahrt geschickt. Zeitverschwendung finden Sie? Auch der Amerikaner Peter Hamilton hat eine merkwürdige Passion: Er denkt sich Science-Fiction-Geschichten aus.

Eine gefährliche Entdeckung

Dudley Bose ist Professor für Astronomie auf dem entlegenen Planeten Gralmond. Der unscheinbare Mann in den Vierzigern, mit leichtem Bauchansatz und Schlabberlook, ist alles andere als ein Karrieremensch. Seine Ehe ist längst im alltäglichen Trott festgefahren. Für Forschungsgelder muss Dudley ständig kämpfen. Als er jedoch eines Nachts eine überraschende Entdeckung macht, wittert Dudley seine große Chance: Vom einen auf den anderen Moment verschwinden zwei benachbarte Sterne vom nächtlichen Himmel – eine wissenschaftliche Sensation! Das Verschwinden der Sterne, die fortan als Dyson Paar bekannt werden, ist nur durch das Eingreifen einer machtvollen Intelligenz zu erklären. Einer Intelligenz, der die Menschheit bei ihrer Expansion ins All bisher noch nicht begegnet ist.

Die Sensationsnachricht macht im weitverzweigten interstellaren Commonwealth schnell die Runde. Im 24. Jahrhundert hat sich die Menschheit mittels Sternentoren im All ausgebreitet. Die Portale verbinden durch ein Wurmloch weit entfernte Punkte miteinander, doch ihre Reichweite ist begrenzt. In die Nähe des Dyson Paares kann man mit einem Portal nicht gelangen. Um hinter das Geheimnis der Sterne zu kommen, muss eigens für diese Mission ein Raumschiff gebaut werden. Denn längst werden keine Raumschiffe mehr für Reisen benutzt. Und während der Bau der „Second Chance“ beginnt, führen die Lebenswege unterschiedlicher Persönlichkeiten sie an Bord des hochmodernen Schiffes.

Weltenschöpfer

750 Seiten stark ist „Der Stern der Pandora“. Der zweite Roman „Die Boten des Unheils“ umfasst noch einmal knapp 700 Seiten. Die Originalausgabe, die im deutschen auf diese beiden Bände geteilt wurde, ist also weit über 1000 Seiten stark. Wie kommt es, dass ausgerechnet Hamilton solch monumentale Space-Opera-Schmöker schreiben darf, wenn viele seiner Kollegen sich auf Bücher um die fünfhundert Seiten beschränken müssen? Zum einen mag das an der cleveren Kapiteleinteilung dieses Buches liegen. Hamilton beginnt nicht etwa zehn Handlungsstränge, denen er sporadisch immer mal wieder einen Besuch abstattet, die Geschichte aber ein ums andere Mal unbeendet lässt. Gerade die ersten Kapitel des Buches lesen sich wie abgeschlossene kleine Geschichten. Die Buchabschnitte haben einen klaren Anfang, Mittelteil und einen logischen Schluss. Zusätzlich führt Hamilton weitere Handlungsebenen ein, die er konsequent vorantreibt. Während sich ein Mordfall noch in diesem Band aufklärt, vereinen sich die Handlungsstränge in „Der Stern der Pandora“ spät. Der bestens durchdachte und mit Spannungsbögen gespickte Aufbau sorgt dafür, dass niemals Langeweile aufkommt.

Hinzu kommt der fantastische Stil des Autors. Zwar kommt Hamilton meist mit einem nüchternen Erzählstil aus, den er mit vielen anderen Hard-SF-Autoren gemeinsam hat, wenn es aber sinnvoll ist, kann der Autor auch sehr eindringlich schreiben. Der halsbrecherische Flug eines Gleiters durch die verschiedenen Atmosphärenschichten eines Planeten wird unter Hamiltons Feder zu einem atemberaubenden Abenteuer, an dem der Leser gefesselt teilnimmt. Hamilton spricht alle Sinne des Lesers an – der Begriff „Kopfkino“ allein wird dem nicht gerecht. Dem einen oder anderen mag das langatmig erscheinen. Die „Großen“ des Genres, zu denen Hamilton zweifellos zählt, setzen ausführliche Weltbeschreibungen jedoch sehr bewusst ein: Seinen zweiten „Endymion“-Band z.B. beginnt Dan Simmons mit einer sehr ausführlichen Beschreibung einer Gebirgswelt. Was sich anfangs etwas anstrengend liest, erweist sich jedoch, wenn diese faszinierende Welt plötzlich zerstört wird, als ein meisterhafter Kunstgriff: Nur mit Mühe und Not kann der Leser sich eine Träne verkneifen. Mehr kann ein Autor kaum erreichen.

Was ist „Der Stern der Pandora“? Eine Space Opera? Ein ambitionierter Zukunftsroman? Ein Thriller oder doch eher eine Abenteuergeschichte? Im Grunde von allem etwas. Hamilton gelingt wieder einmal die Verknüpfung all dieser Genres mit seiner differenzierten Erzähltechnik und beeindruckender Detailfülle. Dieser Roman stellt eine umfassende Erzählung mit dichter Atmosphäre und einer durchweg glaubwürdigen Weltenschöpfung dar. Dabei wirkt die Commonwealth-Saga insgesamt ernster als der oft verspielte und mit kuriosen Charakteren ausgestattete Armageddon-Zyklus. Auch die Charaktere des „Commonwealth“ decken ein breites Spektrum der Gesellschaft ab, haben tiefe, aber keine so ausgeprägten Eigenschaften, wie einige der Figuren anderer Werke des Autors. Hamilton vermittelt seinen Lesern das Gefühl, an etwas Bedeutungsvollen teilzunehmen. In der heutigen schnelllebigen Wegwerfgesellschaft haben seine monumentalen Space Operas einen besonderen Platz im Regal verdient.

Ihre Meinung zu »Peter F. Hamilton: Der Stern der Pandora«

K Rotten zu »Peter F. Hamilton: Der Stern der Pandora«09.05.2017
Tja, was soll man zu so etwas sagen. Ich beziehe mich übrigens auf die englische Originalausgabe, nicht die deutsche Version. Wer weiß, vielleicht haben es die Übersetzer geschafft, der Geschichte mehr Leben einzuhauchen, auch wenn ich daran zweifele.

Charaktere, deren Charakter so kantig, vielschichtig und aussagekräftig ist wie Marshwallow, das man in der Mikrowelle aufgelöst hat.

Langatmige Beschreibungen von Städten, Landschaften und Gesellschaften, die nach ihrer Beschreibung sofort wieder aus dem Gedächtnis verschwinden, weil sie so gut wie keinerlei Einfluß auf die Handlung haben, oder deren Auswirkung nutzlos im Raum verpufft.

Aber das schlimmste sind die Logiklücken.
Ich rede nicht von Problemen mit der realen Physik, oder ähnlichem; nein, ich rede von der Inkonsistenz der dargestellten Sci-Fi Logik.

Wenn sich mir in einer Geschichte auf der einen Seite Wurmlöcher als alltäglich dargestellt werden, diese auf der anderen Seite als so unsäglich teuer und problematisch zur Herstellung dargestellt werden, dann stimmt etwas am Setting der Geschichte nicht.

Auf der einen Seite wandern ganze Völkerscharen durch sie von einem Planeten zum anderen , nur um einen Kaffee auf dem Mutterplaneten Erde zu trinken oder um in der Rushhour zum Job auf einem anderen Planeten zu kommen; auf der anderen Seite werden sie als so komplex und teuer beschrieben, daß es wohl Monate dauert, sie selbst mit Künstlichen Intelligenzen zu berechnen, und der Energieaufwand muß enorm sein, um sie aufrecht zu erhalten.

Allerdings ist sich der Autor offensichtlich nicht über die Auswirkungen seiner Technologie bewußt. Denn mit ihr wären Energieprobleme ein Problem der Vergangenheit, da man durch sie direkt die Kraft der Sonne abzapfen könnte. Das zimmertemperatur Supraleiter offensichtlich ebenfalls kein Problem mehr sind, zeigen die sogenannten OCtattoos, die zusammen mit Supraleitern im menschlichen Körper implantiert werden, und dort wohl nach dem Wärmewandler-Prinzip Energie selbst für Ionenwaffen produzieren.
Demnach: Energieaufwand vollständig irrelevant.

Künstliche Intelligenzen scheinen sich aber schnell in Persönlichkeiten zu verwandeln, weshalb der Autor schnell auf sogenannte Restriktive Intelligenzen (Restricted Intelligence = RIs) zugreift, damit es nicht zu einer Überbevölkerung an KIs kommt. Diese RIs scheinen recht allgegenwärtig zu sein, selbst in der Fabrikation. Warum also die Gesellschaft immer noch am Rande der Selbsterhaltungsschwelle wandelt, ist mir ein Rätsel, wenn offensichtlich RIs so viel besser in der Verwaltung und der Produktion sind.

Landwirtschaft, Industrie, selbst Wissenschaft, sollte von RIs kontrolliert sein, sodaß der Menschheit mehr als genug Resourcen auf ihren 600 Planeten zu Verfügung stehen sollten. Die gesamte Menschheit müßte in einem Luxus schwelgen, der uns selbst heute in reichen Industrienationen als nahezu unvorstellbar vorkommen müßte. Anstelle davon lebt ein Großteil der Menschheit in nahezu Sklaven-ähnlichen Zuständen in der Knechtschaft von Großkonzernen, um in verseuchten Slumgebieten auf Industrieplaneten zu viel zu teueren Lohnkosten die Arbeiten zu übernehmen, die RIs ohne Lohnkosten dauerhaft übernehmen könnten.

Dies sind nur einige Bespiele, bei denen der Autor regelmäßig von einer Seite der Möglichkeiten innerhalb seiner Story-Logik zur anderen Seite pendelt. Wenn dies nur ein paar Mal passiert, kann man darüber hinweglesen.

Leider ist Mr. Hamilton nicht in der Lage, auch nur halbwegs konsistent zu bleiben. Nach dem ersten Dutzend Mal dieser Logikumschwünge konnte ich mich nicht mehr entscheiden, ob ich das Buch einfach nur als schlecht editiert, oder als grundsätzlich schlecht geschrieben einstufen sollte.

Wer in der Lage ist, über solche brachialen Brüche in der Buch-Konsistenz hinweg zusehen, mag hieran seine Freude finden. Ich habe mich gezwungen, dieses Buch zu Ende zu lesen, um eine aussagekräftige Rezension dazu schreiben zu können, die sich nicht nur auf einen Teil des Buches bezieht.
Michael Zöllner zu »Peter F. Hamilton: Der Stern der Pandora«25.06.2016
Dieses Buch ... diese Geschichte ist so als ob sie 80 h Fernsehen schauen und alle Serien scheinen sich um die selbe Sache zu drehen.
Die Soapopera genau wie die Westernserie und auch der Krimi und der Familienfilm.... usw.

Personen Konflikte Bilder werden aufgebaut und dann ist Schluß.

Der Subtext lautet: lies die anderen Teile!

Eine schwere Entscheidung weil vieles so absehbar ist. Aber es ist gut interessant komponiert. Der Druck des Unausweichlichen lastet sehr über der Handlung!.....Bis zur unfreiwilligen Tragik - Komik! Etwas wofür man Zeit braucht. In einer Kur in Einem Urlaub oder so.
Beverly zu »Peter F. Hamilton: Der Stern der Pandora«10.03.2012
Nach dem fulminanten Armageddon-Zyklus hoffte ich auf ein vergleichbares Werk und Rezensionen bzw. Klappentext lasen sich recht vielversprechend. Zudem hat die Idee, Planeten mittels "Wurmlöchern" zu verbinden, so dass die Menschen für interstellare Reisen keine Raumschiffe brauchen, einiges für sich. Doch die Welt des "Commonewealth", in der Hamilton seinen Zyklus beginnen lässt, ist so fade, dass ich nach einigen Dutzend Seiten das Lesen aufgab. Gesellschaftliche Widersprüche, die Armageddon-Zyklus den Hintergrund für Konflikte und Action bilden, werden hier als Schicksal dargestellt. Das Commonwealth ist halt konservativ, nur muss es das ohne mich sein.
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