Abyssus - Der Abgrund von Peter Mennigen

Buchvorstellungund Rezension

Abyssus - Der Abgrund von Peter Mennigen

Originalausgabe erschienen 2008, 671 Seiten.ISBN 3939337552.

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In Kürze:

Was passiert, wenn mittelalterliche Magie und die "Magie des Cyber-Zeitalters aufeinander prallen? Was geschieht am Jüngsten Tag und wie könnte ein Leben im Jenseits aussehen? Diese Fragen behandelt der Autor Peter Mennigen in seinem faktenreichen, rasanten und spannenden Mystery-Thriller. Schwarze Magie contra moderne Wissenschaft, Quantenphysik contra Göttliche Schöpfungstheorie – ein Puzzle voller Mysterien und Rätsel, das den Leser bis zum Ende fasziniert.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Apokalypse in Paris“55

Mystery-Rezension von Peter Kümmel

Was kann man von einem Buch erwarten, in dessen erstem Absatz Sätze stehen wie: „Die schorfige Bauchunterseite raschelte scharf über den Steinboden wie grobkörniges Schmirgelpapier auf einer Schiefertafel“? Von einem Buch, dessen erste vier Seiten sich damit befassen, wie ein Mann auf einer Toilette sitzend sich einer Schabe entledigt?

Diese Fagen zu klären bedarf es natürlich mehr als ein paar Seiten von Peter Mennigens Mystery-Thriller. Zumindest geht es nach dem Verschwinden der Schabe gleich in medias res. Denn nachdem sich Alan Osborne auf der Toilette mit diesem Problem rumgeschlagen hatte, belauscht er vor der Toilettentür einen Mord. Doch da sein Flieger bald geht und er der Polizei sowieso nichts berichten kann, beschließt er, sich aus dem Staub zu machen. Aber die fünf Worte, die der Mörder sprach, haben sich in sein Gedächtnis eingebrannt: „Sterben Sie wohl, Monsieur Osborne.“ Sollte der Anschlag etwa ihm gegolten haben?

Doch wer sollte einen Grund haben, ihn umzubringen? Alan Osborne war ein einfacher Software-Entwickler, der keine Feinde hatte. Und der gerade auf dem Weg nach Paris war, um die neue Software seiner Firma auf einer Messe vorzustellen. Das Programm war sein Meisterwerk, mit dem er sich viele Jahre seines Lebens befasst hatte. Ein Programm, das das Gebiet der künstlichen Intelligenz revolutionieren sollte. Doch es geht alles schief, was schiefgehen kann. Das bereits installierte Programm ist fehlerhaft. Osborne ist ratlos und kann den Fehler nicht beheben. Die Präsentation kann nicht stattfinden. Eine Katastrophe für die Firma und eine Katastrophe für Osborne, denn seinen Job ist er nun vermutlich los.

Osborne sah sich damit am Tiefpunkt seines Lebens angekommen. Doch das stellte sich als großer Irrtum heraus. Denn das, was ihm in den nächsten Tagen widerfahren sollte, überstieg seine Vorstellungskraft um ein Vielfaches. Die Bekanntschaft mit der schönen Chantal Dubois schien seine Rettung zu sein, doch sie war nur der Anfang vom Ende. Nach einem Mordanschlag auf ihn in der U-Bahn gelingt ihm die vermeintliche Rettung in die Wohnung von Chantal Dubois. Und ab jetzt folgt nur noch das Grauen …

Von Kapitel zu Kapitel ein neues Themenspektrum

Humorvoll beginnt das Buch nach der bereits erwähnten Eingangsszene mit der Beschreibung des Protagonisten. Die ersten Kapitel liest man mit einem ständigen Grinsen im Gesicht, womit es jedoch schnell vorbei ist. Sehr wortgewaltig schreibt der Autor mit vielen Adjektiven, deren Gebrauch nicht immer Sinn macht. So vermag ich mir unter „tuberkulösem Licht“ nichts vorzustellen. Doch dann ist plötzlich ein Bruch in der Schreibweise. Sie ändert sich, als ob der Autor wechselt – oder als ob verschiedene Teile des Buches zu verschiedenen Zeiten entstanden sind. Völlig daneben ist für mich die Szene in der U-Bahn. Da passt überhaupt nichts.

Bis dahin ist noch wenig von einem Mystery-Thriller zu spüren. Doch dann beginnt ein bunter Genre-Mix. Der Anti-Held Osborne gerät zunehmend in kafkaeske Situationen und muß sich nun in einem Szenario beweisen, das er sich niemals hätte vorstellen können. Der Autor bewegt sich quasi von Kapitel zu Kapitel auf ein neues Themenspektrum zu. Hexenkult wechselt zu blutigen Splatterszenen. Dann erscheinen geheimnisvolle Gestalten. Geheimgesellschaften, Templer, Rosenkreuzer – Gruppen, die schon fast Grundbausteine moderner Mystery-Thriller geworden sind. Und dann wird es plötzlich wieder wissenschaftlich (wenn auch nicht unbedingt logisch) und gipfelt in einem Weltuntergangsszenario, wie es selten beschrieben wurde.

„Abyssus“ ist ein Buch mit vielen guten Ansätzen, aber leider auch mit ebenso vielen Schwächen. Grandiose Szenarien wechseln mit belanglosen Nebensächlichkeiten, tolle Ideen mit unrealistischem Verhalten der Charaktere und schwachsinnigen Dialogen. Die philosophischen Betrachtungen laden immer wieder zu Verschnaufpausen ein. Die Frage nach dem „Abyssus“ ist nur eine von vielen.

„Möglich, dass sich die Hölle auf dem Grund des Abyssus befindet, in den Satan nach dem Engelfall gestürzt und verdammt wurde. Möglich wäre aber auch, dass der Abyssus die Hölle selbst ist. [...]“ – „Ich dachte, dieser Abyssus sei ein gewaltiger Abgrund in einer spirituellen Welt.“ – „Ja, aber das bedeutet nicht, dass dieser keine physische Veränderung erfährt, wenn er von einer höheren Ebene in eine materialistische gebracht wird.“ [...] „Vielleicht ist der Abyssus ja auch die Verkörperung des Jüngsten Tages.“

Nun, was auch immer dieser Abyssus ist, das sollte sich im Verlauf der Handlung noch zeigen. Mennigen kann immer wieder mit Überraschungen aufwarten. Leider jedoch bremst er die Handlung ständig durch die Einführung von neuen Charakteren, die kurze Zeit später das Zeitliche segnen.

Eine abschließende Beurteilung des Romans fällt schwer. Eine Kürzung in gewissen Teilen, aber noch mehr eine Überarbeitung schwächerer Abschnitte hätte aus einem Buch mit guten Ansätzen einen wirklichen Spitzen-Thriller machen können. So bleibt nur ein ungewöhnliches Buch, das teilweise gut unterhalten kann.

Ihre Meinung zu »Peter Mennigen: Abyssus - Der Abgrund«

qbella zu »Peter Mennigen: Abyssus - Der Abgrund«29.06.2009
Ein unterhaltendes, - stellenweise sehr spannendes Buch, das jedoch zu viele unterschiedliche Aspekte anspricht und dadurch die eigentlichen Handlung immer wieder bremst. Zudem sind einige Kapitel dermaßen abgedreht, dass es schwer fällt dem Autor zu folgen. Eine restrikte Kürzung des 671-seitigen Werkes wäre sicherlich angebracht. Nichtsdestotrotz sollte das Buch beim nächsten Urlaub in Frankreich im Reisegepäck sein.
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