Die Lincoln-Maschine von Philip K. Dick

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 1972unter dem Titel „We Can Build You“,deutsche Ausgabe erstmals 1977, 350 Seiten.ISBN 3-453-52270-2.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Sie begannen mit elektronischen Heimorgeln und automatischen Klavieren. Dann verbesserten Sie ihre Technik und stellten Manschen her: keine Roboter, sonder genau programmierte Nachbildungen berühmter Zeitgenossen. Sagen Sie uns, wen Sie haben wollen, den Rest erledigen wir! Aber da war ein entscheidender Denkfehler: Denn die genaue Nachbildung eines berühmten Menschen kann keine lenkbare Marionette sein!

Das meint Phantastik-Couch.de: „Eine vertane Chance“55

Science-Fiction-Rezension von Klaus-Günther Beck-Ewerhardy

Die Geschäftspartner Maury Rock und Louis Rosen vertreiben elektronische Klaviere und Heimorgeln, aber neue Entwicklungen auf dem Elektronik- und Musikmarkt haben ihre Produkte weitestgehend überholt, so dass sie an eine Veränderung denken müssen. Und Maury Rock – zusammen mit seiner psychisch unbalancierten Tochter und einem ebenfalls emotional gestörten Techniker – hat ein menschliches Simulacrum geschaffen, mit dem er in den Markt zu treiben gedenkt. Das erste Modell dieser Simulacra ist ein Edwin-M.-Stanton, eine historische Figur aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. Diese Figur ist absolut übererzeugend in ihrem Auftreten und gibt den beiden Männern große Hoffnung für die weitere berufliche Zukunft.

Verschiedene Interessenlagen

Bei der  Vermarktung möchte die angeblich geheilte ehemalige Schizophrene Pris – Tochter von Maury – gerne einen Self-Made-Mann namens Sam K. Barrow zur Hilfe nehmen, den sie in geradezu ungesunder Art und Weise bewundert. Dieser zeigt sich aber zunächst gegenüber telefonischen und brieflichen Anfragen nicht besonders interessiert und erst als die Stanton-Maschine ihm einen „Hausbesuch“ abstattet bewegt er sich – dann allerdings mit überaus großer Geschwindigkeit. Gerade als der zweite Prototyp – eine Lincoln-Maschine – fertig geworden und eingeschaltet worden ist trifft er in Begleitung eines Anwalts ein – und beeindruckt – und ängstigt – die kleinen Unternehmer stark.

Die weitere Geschichte entwickelt sich vor den verschiedenen Interessen der Beteiligten. Barrow und sein Anwalt haben ihre überaus eigenen betrieblichen Pläne für die Simulacrumstechnologie, die überaus weit gehen. Maury und Louis wollen ihre Firma retten, aber Louis hat auch noch eine gewisse emotionale Last durch den Roman zu schleppen. Und Pris Motivlage ist auf Grund ihres Zustandes nicht wirklich immer nachvollziehbar.

Klappe und Inhalt

Der Klappentext und der Titel dieses Romans stellen die Lincoln-Maschine in den Vordergrund, was sicherlich unpassend ist. Die Schaffung überaus menschlicher Androiden, wie sie auch in „Blade Runner“ im Mittelpunkt stehen ist hier zwar angesprochen und einige der moralisch-ethischen Probleme, die sich daraus ergeben werden hier in diesem Buch auch kurz angedacht, doch zu dieser Thematik bieten „Blade Runner“ und „ST-TNG: The Measure of Man/Wem gehört Data“ wesentlich mehr.

Wichtiger ist, dass die Protagonisten in einer Welt leben, in der psychiatrische Evaluation von Bürgerinnen und Bürgern obligatorisch geworden ist, was zu überaus seltsamen Auswüchsen im Gesundheitssystem geführt hat. Pris ist nur ein Beispiel für diese Entwicklung, die in der zweiten Hälfte des Romans auch überaus starken Einfluss auf Louis haben wird. Denn da muss er nicht nur mit einer Geschäftspartnerin fertig werden, die sowohl in moralischer wie auch in emotionaler Weise stark geschädigt aus diesem System der obligatorischen Psychotherapie hervor gegangen ist, sondern sich diesem auch, aus Liebe zu ihr – selbst unterwerfen. Dabei merkt er, dass typische Schwankungen der Emotionen und des Denkens in der Pubertät – aber auch in der Verliebtheit – von dem gegebenen System meist als pathologisch analysiert und behandelt werden.

Zählt zu Dicks schwächeren konzeptuellen Leistungen

Beide Themenbereiche – der der Klappe und der im Buch – sind überaus komplex und man kann festhalten, dass gerade zum Letzteren in diesem Buch überaus viele Probleme direkt und indirekt thematisiert werden. Dabei ist die indirekte Thematisierung allerdings ein wenig weitläufig, so dass aufmerksame und interessierte Leserinnen und Leser hier zwar eine Menge Ansatzpunkte finden, diese aber – über Andeutungen hinaus – in der Geschichte selbst nicht weiter ausgeführt werden – was eine verschenkte Chance ist. Dies liegt vielleicht an der personalen Erzählinstanz Louis, die niemals verlassen wird, lässt den Roman dadurch aber weniger intellektuellen „Wumm“ haben, als er sonst hätte haben können – und als ihn einige andere Romane Dicks auch haben. Somit ist „Die Lincoln-Maschine“, deren Titel und Klappe der ursprüngliche amerikanische Verlag gegen Dicks Wunsch so aufgelegt haben – zeitweise sogar mit einem „abschließenden erläuternden Kapitel“ nicht wirklich zu dem Buch passend, das durchaus zu Dicks schwächeren konzeptuellen und narrativen Leistungen zählt.

Ihre Meinung zu »Philip K. Dick: Die Lincoln-Maschine«

Kellerling zu »Philip K. Dick: Die Lincoln-Maschine«17.01.2008
Sicherlich nicht Dicks bestes Werk. Die vordergründige Geschichte ist eher lahm, die hintergründige Prämisse zwar um ein vielfaches interessanter, geht jedoch leider bisweilen etwas unter im Wust manchmal allzu banaler, manchmal allzu wirrer Geschehnisse.
Für Dick-Fans natürlich dennoch Pflicht, für Neulinge jedoch vielleicht sogar eher eine Abschreckung, zumal sowohl Titel als auch Klappentext etwas völlig anderes versprechen.
Ihr Kommentar zu Die Lincoln-Maschine

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