Das Zeichen des Phönix von Pip Ballantine & Tee Morris

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „Phoenix Rising“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 508 Seiten.ISBN 3802586433.Übersetzung ins Deutsche von Michaela Link.

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In Kürze:

Eine Serie seltsamer Todesfälle erschüttert London: An den Ufern der Themse werden eine Reihe von Leichen entdeckt, denen das Blut abgezapft wurde. Eliza D. Braun, furchtlose Agentin der Krone, deren Markenzeichen ein kugelsicheres Korsett und eine besondere Vorliebe für Dynamit sind, nimmt die Ermittlungen auf. Ihr zur Seite steht der Bibliothekar Wellington Books. Gemeinsam kommen sie einer dunklen Bruderschaft auf die Spur, die ganz Großbritannien unter ihre Gewalt bringen will.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Frischer Wind im Victorianischen London“83

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Wellington Thornhill Books, Esquire, knochentrockener typisch britischer Pedant, arbeitet als Archivar für das Ministerium für eigenartige Vorfälle. Dort untersuchen die Agenten das Seltsame, das Eigenartige und das Unbekannte. Books Reich aber ist nicht die glamouröse Bühne der Reichen und Schönen, er geht nicht an fernen, exotischen Orten seiner Tätigkeit nach, ihm und ihm allein gehört der Keller des Ministeriums. Hier lagert früher oder später alles, was den Agenten im Auftrag der Queen in die Hände fällt. Merkwürdige Relikte, magische Gegenstände, Berichte und Aussagen abgeschlossener oder ungelöster Fälle.

Seitdem Books vor gut zwei Jahren die Aufgabe übernommen hat, hier für Ordnung zu sorgen, hat er Großes geleistet. Mit Hilfe einer von ihm konstruierten analytisch-mechanischen Maschine beseitigte er nach und nach das Chaos und machte aus einem desolaten Keller ein veritables Archiv. Dass er damit die Aufmerksamkeit des Hauses Usher, seines Zeichens immerhin größter Feind des Commonwealth, auf sich zog, ahnte er bis zu seiner Entführung nicht. In der geheimen Festung des Hauses Usher in der Antarktis sollten ihm die Geheimnisse des Ministeriums gewaltsam entrissen werden.

Doch wenn man sich bei der von Dr. Sound geführten höchst geheimen Behörde über eines ganz sicher sein kann dann, dass der Direktor seine Untergebenen nicht im Stich lässt. Um Books zu befreien, entsendet Sound seinen besten Agenten: Miss Eliza Braun, eine Neuseeländerin, eine Kolonistin mit einem Faible für Dynamit und große Kanonen.

Kaum in sein unterirdisches Reich zurückgekehrt aber ereilt Books seine Nemesis. Statt ungestört seiner Passion, dem Sammeln, Bewerten und Ordnen von Fakten nachkommen zu können versetzt Dr. Sound seine Retterin, die einmal mehr zu sehr über die Stränge geschlagen hat, ins Archiv.

Es kommt, wie es kommen muss – nur zu bald stößt Braun auf einen ungelösten Fall ihres früheren Partners und zwingt Books mit den perfiden Mitteln einer skrupellosen Frau, ihr zu helfen. Dass sie dabei auf eine das Empire in seiner Existenz bedrohenden Geheimgesellschaft stoßen, ist beileibe nicht das Schlimmste für Books. Dass er seiner Partnerin so manches Mal ins und aus dem Korsett helfen muss, verursacht ihm weit größeres Unbill – schließlich hat sie ihre Unterwäsche mit Dynamitstangen und Waffen aufgepeppt …

Die Dame übernimmt das Kommando

Wenn eine Autorin aus Neuseeland und ein Yankee zusammen eine Steampunk-Reihe aus der Taufe heben, dann kann sich der Leser auf ein ganz besonderes Buch gefasst machen.

Die Ingredienzien sind bekannt – es gibt die gewohnten dampfbetriebenen Erfindungen, fiese Bösewichte, ein victorianisches London als Setting und die so anheimelnd wirkenden typischen britischen Bestandteile – Earl Grey Tee, die Clubs der Gentlemen, Backenbärte, Reifröcke und aufmerksame Bedienstete.

Eigentlich könnte man also annehmen, dass sich der Auftakt der Books & Braun-Titel damit ganz im Bereich des Üblichen bewegen würde. Dass dem nicht so ist, verdankt der Roman einer interessanten Abwandlung vom Gewohnten. Statt dass der männliche Agent das Heft des Handelns fest in seinen Händen hält, übernimmt diese Rolle vorliegend die Kolonistin Eliza Braun.

Geschickt spielen die Autoren hier mit der Erwartungshaltung des Lesers, verblüffen und überraschen mit lustigen Ideen, spritzigen Dialogen und einer aberwitzigen Handlung. Mit jeder Menge Anspielungen auf erfolgreiche Filme und Bücher gespickt, verfolgen wir amüsiert mit, wie der verknöcherte Aristokrat ein ums andere Mal an der ebenso burschikosen wie energiegeladenen und verführerischen Partnerin verzweifelt. Als sie dann noch mitten im Einsatz an einer Orgie teilnehmen sollen, ist das Maß eigentlich überschritten. Hier wird die Prüderie der Briten ebenso gekonnt und liebevoll auf die Schippe genommen wie ihr Standesdenken, amüsiert sich der Leser prächtig angesichts der Verwicklungen und abenteuerlichen Geschehnisse.

Das hat Tempo und Spannung, bietet jede Menge unerwarteter Wendungen und liest sich flüssig auf einen Rutsch durch.

(Carsten Kuhr, Juni 2012)

Ihre Meinung zu »Pip Ballantine & Tee Morris: Das Zeichen des Phönix«

Camenzind zu »Pip Ballantine & Tee Morris: Das Zeichen des Phönix«24.04.2014
Zwei außerordentlich sympathische Protagonisten mit außerordentlich verschiedenen Einstellungen und Charakteren, ein spannender Plot, Humor und eine gute Prise Erotik. Dies und noch viel mehr machen das Buch aus. Freue mich sehr, das Buch entdeckt zu haben und habe es in wenigen Tagen durchgelesen. Liebe Autoren bitte mehr von Elizabeth und Wellington.
benfi zu »Pip Ballantine & Tee Morris: Das Zeichen des Phönix«07.04.2013
Einen wirklich wunderbaren Lesestoff haben die beiden Autoren Pip Ballantine und Tee Morris mit diesem Buch für die Freunde des Phantastischen geschaffen! Lange Zeit hat mich kein Buch dermaßen gefesselt und begeistert, wie dieses! 'Steampunk' nennt sich der Stoff, wenn phantastische Romane in der Vergangenheit ablaufen und dort mit futuristischen Erfindungen gespielt wird, die es so in der Realität nicht gab! Die beiden eigenwilligen Charaktere Braun und Books leben im auslaufenden 19. Jahrhundert und arbeiten bei einer geheimen Organisation des britischen Empire. Die Strukturen derer sind nachvollziehbar und mystisch zugleich, auch die Kontrahenten, wie das 'Haus Usher' oder die Auftragskillerin Sophia del Morte sind sehr detailverliebt aufgebaut, wobei sich das Autorenduo doch etlicher Anekdoten aus der Welt des Phantastischen bedient hat, welche Leser dessen aber so schätzen. Sie pflegen Atlantis als geheimen Stützpunkt ein, geben der Agentin Braun die Schuld für die Vernichtung der Konstruktionspläne des Unterseebootes 'Nautilus' und packen noch eine kleine Kinderarmee in die Handlung - bei einer ähnlichen Truppe bediente sich ein gewisser Sherlock Holmes ebenfalls gerne. Ich liebe diese kleinen Aufhänger in dem Roman. Die Action kommt alleine dank Brauns Begeisterung für Waffen und Sprengstoff nicht zu kurz, sympathische und abstoßende Charaktere findet jeder Leser in dem Pool an Darstellern; Überraschungseffekte sind auch keinerlei Seltenheit - schockierend wie erfreulich -; Mystisches gibt es ebenfalls genügend und der Schreibstil ist beachtlich leichtfüßig und trotzdem tiefsinnig gehalten - eine wunderbare Arbeit von Übersetzerin Michaela Link! So gelingt es tatsächlich, den Roman wie einen Film im Gehirn zu sehen, schon die erste Explosion dröhnte beim Lesen regelrecht im Schädel. Bei fortlaufender Seitenzahl bemerkt der Leser aber, dass dies kein Einzelroman bleibt (derzeit gibt es schon einen zweiten Band), einige Erwähnungen oder auch Charaktere bieten noch Stoff für weitere Abenteuer mit Agenten Eliza D. Braun und Wellington Thornhill Books, Esquire - ich freue mich sehr drauf! Ansonsten kann man das Buch problemlos wieder bei Seite 1 zu Lesen beginnen ...
95°
tassieteufel zu »Pip Ballantine & Tee Morris: Das Zeichen des Phönix«11.09.2012
Eliza D. Braun, Agentin des Ministeriums für eigenartige Vorkommnisse trägt Hosen und ein kugelsicheres Korsett, sie ist genauso furchtlos wie kampferprobt und sie hat eine spezielle Vorliebe für Schußwaffen und explosive Stoffe. Nach einer nicht ganz nach Plan verlaufenen Befreiungsaktion wird die schlagkräftige Agentin in das Archiv des Ministeriums versetzt und muß nun mit Archivar Wellington Books auskommen, einem recht pedantischen Bücherwurm und Tüftler. Als Eliza jedoch in den Tiefen des Archives auf den letzten Fall ihres alten Partners stößt, der seither in Bedlam sitzt, kann sie gar nicht anders, als heimlich zu ermitteln. Wellington Books sieht sich nun nicht ganz freiwillig dazu genötigt, seiner neuen Partnerin zur Seite zu stehen und schon bald geraten sie in den Fokus eines obskuren Geheimbundes, der ihnen eine Profikillerin auf den Hals schickt.

Ich hab ein ziemliches Faible für das viktorianische England und seit der Alexia Tarabotti Reihe von Gail Carriger habe ich auch das Genre Steampunk für mich entdeckt, allerdings muß man hier wirklich gut aussuchen, damit man nicht an einen als Steampunk getarnten Schmachtfetzen gerät. Diese Gefahr besteht allerdings bei „Books&Braun“ in keiner Weise. Die Autoren haben hier eine tolle Geschichte voll witziger Ideen, überraschender Wendungen, skurriler Figuren und einer spannenden Handlung geschrieben, die man nur schwer aus der Hand legen kann, hat man einmal mit lesen angefangen. Neben der spannenden, actionreichen Handlung sind die beiden Hauptfiguren die große Stärke des Buches. Books & Braun sind ein Gespann, das gegensätzlicher kaum sein könnte und das man einfach mögen muß! Ihre Verschiedenheit bietet Anlaß für eine ganze Reihe schräger Begebenheiten und komischer Dialoge, so dass auch für reichlich Amüsement gesorgt ist. Aber auch die anderen Charaktere sind von den Autoren sehr gelungen charakterisiert und spiegeln teilweise auch die verbohrten Vorstellungen ihrer Zeit wieder.
Die Atmosphäre des ausgehenden 19. Jahrhunderts bietet jede Menge viktorianisches Flair, das von den Autoren gekonnt mit den Steampunkelementen aufgepeppt wurde. Es gibt eine ganze Reihe von dampfbetriebenen, zischenden und ächzenden Maschinen, angefangen von der großen analytischen Maschine im Archiv, bis hin zu Abhörgeräten, Ortungsgeräten, Panzerhandschuhen und mechanischen Ungeheuern. All diese Geräte verbinden sich mit dem historischen Hintergrund zu einer stimmigen Parallelwelt die plastisch und glaubwürdig rüber kommt. Dazu paßt auch der sprachliche Stil des Buches, einerseits trocken-humorvoll, dann wieder ein wenig gestelzt.
Der Plot ist wendungsreich, spannend und natürlich hochexplosiv! Hier gibt es diverse Handlungsstränge, die zunächst nichts miteinander zu tun zu haben scheinen und tatsächlich wird hier auch nicht alles aufgelöst, sondern vermutlich erst im 2. Teil geklärt. Nachdem sich Eliza und Wellington mehr oder weniger gut zusammen gerauft haben, starten sie dann richtig durch, bis hin zum fulminanten Finale.

Fazit: das grandiose Gespann Books & Braun sorgt für beste Unterhaltung! Viel viktorianisches Flair, dampfende und ächzende Maschinen und ein spannungsgeladener Plot runden das Ganze ab. Hier freue ich mich wirklich auf den 2. Teil der im Dezember erscheint.
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