Schattenfall von R. Scott Bakker

Buchvorstellungund Rezension

Schattenfall von R. Scott Bakker

Originalausgabe erschienen 2003unter dem Titel „The Darkness That Comes Before“,deutsche Ausgabe erstmals 2006, 655 Seiten.ISBN 3-608-93783-8.Übersetzung ins Deutsche von Andreas Heckmann.

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In Kürze:

Eärwa, einstmals mächtiges Reich am großen Ozean, droht endgültig aus den Fugen zu geraten: Der Heilige Krieg gegen die Heiden im Süden wird ausgerufen, zahlreiche Krieger und Magier folgen diesem Ruf. Doch bald zeichnet sich ab, daß jede Fraktion ihre eigenen Interessen verfolgt. Darin verwickelt: drei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, drei Schicksale, die sich zu einem verhängnisvollen Netz verweben. Anasûrimbor Kellhus, Krieger und Mönch des Ordens der Dûnyain, der junge Erbe eines vor zweitausend Jahren zugrundegegangenen Imperiums – auf der Jagd nach seinem verschollenen Vater. Drusas Achamian, ein mächtiger Magier der gefährlichen Geheimgesellschaft Mandati, als Spion unterwegs in fremden Ländern – auf der Suche nach endgültigen Wahrheiten und der Liebe der Frauen. Und Cnaiür, scheinbar unbesiegbarer Häuptling der nomadischen Scylvendi und heimlicher Adept der Dûnyain – auf Rache am Mörder seines Vaters sinnend.

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Das faszinierende, detailreiche Bild einer düsteren Welt“;90

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Zwei Jahrtausende ist es her, da erschütterte ein Krieg die Welt. Seitdem sind ganze Rassen verschwunden, weite Landstriche, insbesondere im kalten Norden verwüstet. Da ruft der neu bestellte Tempelvorsteher der Inrithi zu einem heiligen Krieg gegen die Fanim auf. Seit Jahrhunderten halten die Fanim die heilige Stadt Shimeh besetzt, jetzt scheint die Zeit gekommen zu sein, die Besatzer zu vertreiben.

Die Truppen der untereinander verfeindeten Mächte sammeln sich in der Stadt Momemn. Jeder will den Ruhm, als erster gegen die verhassten Besatzer gezogen zu sein, für sich reklamieren. So ist es nicht verwunderlich, dass sich ein erster, ungeordneter Haufen aus Kämpfern, Bauern und Söldnern vorab aufmacht, Shimeh anzugreifen. Deren Leichen pflastern die Ebenen rund um die heilige Stadt. Das vorhersehbare Fiasko hindert aber die Kriegsbemühungen der anderen Fraktionen kaum, ja ganz im Gegenteil treibt es weitere Kräfte in den Konflikt. Schnell wird deutlich, dass die einander misstrauenden Fraktionen jeweils ihre eigenen Ziele verfolgen. Niemand traut dem Anderen; Spionage, Verrat, und Attentate sind an der Tagesordnung.

Wir begleiten fünf ganz unterschiedliche Personen auf ihrem Weg in den Krieg, der die Welt neu ordnen soll. Ein Krieg aber auch, der, so zumindest einige Weissagungen, die Welt zu vernichten imstande ist.

Der Magier und Spion Achamian soll im Auftrag seines Ordens die ungewöhnliche Allianz des Tempels der Inrithi mit den eigentlich verfeindeten Hexern auskundschaften. Esmenet, eine alternde Hure die in Achamian verliebt ist, weiss um die Gefahren, die ihrem Geliebten drohen, und sucht ihn zu warnen. Cnaiür, Häuptling eines wilden Steppenvolkes und selbst unter den grausam und brutal verschrienen Reitern für seine Kampfeskraft gerühmt, soll obwohl er erst kürzlich eine Niederlage einstecken musste zum Heerführer ernannt werden. Die Sklavin Serwe, die Cnaiür als Kampftrophäe für sich reklamiert hat und Kellhus, ein Mönch der Dunyain und Abkömmling eines uralten Königsgeschlechts, der als Anführer ausgebildet vielleicht als Einziger ausser Cnaiür in der Lage wäre, die zerstrittene Streitmacht zum gewünschten Erfolg zu führen bieten uns weitere, differenzierte Einsichten.

Noch bevor der eigentliche Kampf beginnt, drohen sich die unterschiedlichen Fraktionen allerdings gegenseitig aufzureiben. Verrückte Fürsten, machtgierige Warlords, undurchsichtige Kleriker, hinterlistige Spione, sie alle treiben hinter der Fassade des gemeinsamen Kreuzzuges ihre eigenen Ambitionen allen Widerständen und Auswirkungen zum Trotz voran. Wird die brüchige Allianz, noch bevor sie überhaupt in Marsch gesetzt wurde, an den internen Machtkämpfen zerbrechen?

In der Rückschau formt sich ein einheitliches Bild

R. Scott Bakkers Debutroman lässt sich inhaltlich kaum zusammenfassen. Der Autor bietet uns in einem kaum fassbaren Detailreichtum Informationen, Gestalten und Bündnisse an, dass es schlicht unmöglich ist, der Handlung in einem Abriss wirklich gerecht zu werden. Verbunden mit einem unglaublich komplexen, dicht gewebten Hintergrund und einer wahren Flut von ungewöhnlichen Charakteren offeriert der Autor uns ein vielschichtiges Bild einer komplizierten, damit aber natürlich auch sehr interessanten Welt.

Der Plot fusst auf der Beschreibung eines gewaltigen Kreuzzuges, der seine realen Vorbilder in Mittelalterlicher Zeit nicht zu leugnen vermag. Dazu aber gesellt sich, peu a peu, mit der Magie einiger der auftretenden Gruppen eine weitere, faszinierende Schicht. Nicht zuletzt beschreibt uns Bakker Biographien von mehr oder minder einflussreichen, jederzeit aber markanten Personen.

Was eher verhalten beginnt, das fügt sich erst in der Rückschau zu einem einheitlichen Ganzen zusammen. Durch die Nutzung der unterschiedlichen Protagonisten gelingt es Bakker uns die verschiedenen Sichtweisen, die Motivation und vor allem auch die kulturellen Unterschiede der Beteiligten Parteien deutlich, ja wahrhaftig zu machen. Dabei lässt er immer wieder, fast unmerklich, philosophische Gedanken in seinen Text einfliessen.

Der Roman ist sicherlich keine einfache Lektüre. Zeitweilig erinnert er in seiner Komplexität an George R. R. Martins „;Song of Fire and Ice“;, dann wieder, bei den Kampfbeschreibungen an Steven Eriksons Saga um „;Das Spiel der Götter“;. Immer wieder fordert er seinen Leser sich auf neue Personen, andere Sicht- und Denkweisen einzustellen, unterbricht der Perspektivenwechsel den gerade beginnenden Lesefluss.

Bakker hat seinen eigenen Weg gefunden

Bakker fordert seinen Leser, erklärt wenig, lässt diesen anhand der Geschehnisse eher selbst entschlüsseln, als ihm alles vorzukauen. Lange, zwar interessante Monologe wechseln sich mit ebenso ausufernden Dialogen ab, durch die der Leser zwar ungewöhnlich viele Details erfährt, die aber den Handlungsfortgang nicht eben unterstützen. Trotz dieser scheinbaren Armut an Action, trotz der zunächst überfrachtend wirkenden Ausgestaltung seiner Welt und der sehr ausführlichen Einführung seiner Personen aber gelingt es dem Autor, seine Leser mit seinem Plot wirklich zu fesseln.

Dabei offeriert er seinen Leser eigentlich gewohnte Versatzstücke. Das uralte Böse, die drohende Apokalypse, die Gruppe der ungleichen, einander misstrauisch ja ablehnend gegenüberstehenden Helden, das kennen wir aus vielen modernen Fantasy-Epen. Doch die sprachliche Ausgestaltung, der Detailreichtum, auch und insbesondere in der Ausarbeitung eines komplexen religiösen Hintergrunds einander verfeindet gegenüberstehender Kirchen, macht diesen Roman zu etwas Besonderem.

Ungewöhnlich auch, die Art in der Bakker sich mit der Magie auseinandersetzt. Diese wird als etwas angesehen, das im Widerspruch zur Natur steht, als etwas Unreines, ja Verdammenswürdiges. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen hat Bakker bei der Erschaffung seiner Welt und ihrer Kulturen den Platz für Magie in dieser Welt, ihre Auswirkungen auf die Menschen, die deren nicht mächtig sind, wohl überlegt. Hier wird die Magie nicht angehimmelt, sondern eher verdammt. Die Magier sind keine geachtete, beneidete Elite, sondern werden mit Misstrauen und Verachtung abgestraft. Das wirkt dann auf den Leser plausibel, einfach weil es überzeugend in das Bild der Kulturen eingebettet ist.

Sobald man sich durch die ersten, einführenden Kapitel durchgearbeitet hat, nimmt dieser faszinierende Bilderbogen einer brutalen, ja düsteren mittelalterlichen Welt den Leser gefangen. Bakker hat das erreicht, was viele junge Autoren anstreben, und so wenige wirklich erreichen. Er hat einen eigenen Weg gefunden, und präsentiert dem Leser eine Story, die bei allen Anleihen und Vorbildern allein von ihm geprägt ist.

Ihre Meinung zu »R. Scott Bakker: Schattenfall«

Christian Guenther zu »R. Scott Bakker: Schattenfall«12.06.2015
Das Buch ist teuer, aufwendig anzusehen, und wenn man die Karten betrachtet, so fühlt man sich an Beleriand oder Mittelerde erinnert. Doch der Plot, die Sprache und die Welt mit ihren Zusammenhängen und ihrer Philosophie strafen diese Erwartung Lügen. Bakker entführt nicht in eine mythische Sagenzeit, sondern hält der Wirklichkeit einen seltsamen, aufregenden, lehrreichen und provozierenden Zerrspiegel vor. Die Gestalten wirken mittelalterlich, ja biblisch, zugleich aber modern.
Mag sein, dass sich das englische Original "klassischer" oder getragener anhört als die deutsche Übersetzung, aber auf mich wirkte diese erfrischend ungewohnt und im Hinblick auf das Genre so ballastfrei, dass mir jenseits aller Fantasyklischees ein unmittelbarer Zugang zu den Hauptpersonen möglich wurde.
Bei alledem erzählt Bakker eine spannende und beklemmende Geschichte, seziert das Seelenleben seiner Hauptfiguren, lässt dabei immer neue Facetten hervortreten und reichert seine Welt mit so vielen Details an, bis sich ein grandioses, schillerndes Panorama von Eärwe vor dem geistigen Auge des Lesers entfaltet.

Wer anspruchsvolle Bücher schätzt und sich einmal phantastische Literatur fern von ausgetretenen Fantasypfaden gönnen möchte, wird sicher nicht enttäuscht werden.
Eloderan zu »R. Scott Bakker: Schattenfall«30.01.2007
Der Roman startet sehr stark mit der Reise Kellhus durch den winterlichen Norden, verfolgt von Nicht-Menschlchen Kreaturen im wahrsten Sinne des Wortes.
Zwischendurch zieht es sich etwas in die Länge und auch die Gestalt des Achamian ist eher schwach.
Vor allem einige skurrile Dinge wie die angebliche Homosexualität und übertriebene, deswegen beinahe ins lächerliche gezogene Grausamkeiten zb Erwürgen die Sranc ihre Opfer mit dessen eigenen Gedärm trüben die Stimmigkeit und Atmosphäre

4/5 *
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