Messias von Ralf Isau

Buchvorstellungund Rezension

Messias von Ralf Isau

Originalausgabe erschienen 2009, 480 Seiten.ISBN 3-492-70142-6.

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In Kürze:

Am Gründonnerstag steigt er vom Kreuz einer Dorfkirche in Irland: ein verwirrter junger Mann, der nur in Bibelzitaten spricht. Aber kann er wirklich der Messias sein? Die vatikanische Kongregation betraut Bruder Hester McAteer damit, dem Wunder nachzugehen. In der alten Heimat trifft Hester auf seine große Liebe, die er einst für die Kirche verlassen hatte, auf Misstrauen, Angst und Intrigen. Bald zweifelt McAteer nicht nur an seinen Vertrauten, sondern auch am eigenen Glauben. Handelt es sich um eine Verschwörung ungeahnten Ausmaßes oder wird er das spektakulärste Geheimnis unserer Geschichte aufdecken?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Wundermacher, die über Leichen gehen“80

Fantasy-Rezension von Eva Bergschneider

Nun ist also mit „Messias“ ein Kirchentrhriller aus der Feder des beliebten deutschen Fantasy- und Mystery Autors Ralf Isau auf dem Buchmarkt erschienen. Seine Leser wissen, dass das nicht sein erster literarischer Ausflug in klerikale Gefilde ist. Doch in „Messias“ thematisiert der Autor das, woran die Christen immer noch glauben, die Wiederkehr Jesu Christi am jüngsten Tag. Ist von dem kirchenkritischen, aber gläubigen Autor eine Abrechnung mit einer der Grundfeste des christlichen Glaubens zu erwarten?

Der Auferstandene und der Kettenhund

Graiguenamanagh, unter den Einheimischen kurz Graig genannt, im County Kilkenny, Irland ist Schauplatz höchst mysteriöser und verstörender Geschehnisse. In der Dorfkirche erscheint vor dem Osterfeiertag aus dem Nichts Jeschua, mit blutenden Kreuzigungsmalen an den Händen, der Dornenkrone auf dem Kopf und in hebräischer Sprache Bibelzitate rezitierend.

Kurz danach kommt es zu grausigen Todesfällen. Wie mit dem Laserschwert geteilte Leichen von angeblichen Sündern werden gefunden: Einem Penner, der sich am Opferstock vergriff und einem Reporter und Womanizer, dessen Schoss zahlreiche Kuckuckskinder im Dorf entsprungen sind. Die Fundplätze der Ermordeten sind kreuzartig um die Kirche angeordnet. Zur Aufklärung dieser Verbrechen und des vermeintlichen Wunders findet sich ein außergewöhnlicher Ermittler in dem kleinem Ort ein, nämlich Monsignore Hester McAteer, Spezialagent des Vatikans zur Entlarvung von Wunderfälschern.

Der „schärfste Kettenhund seiner Heiligkeit“ glaubt nicht an Wunder, nur an Betrüger, die er nicht zu entlarven vermag. Doch in Graiguenamanagh breitet sich, trotz akribischer Suche nach Tricks und Finten, der Glaube an eine Wundererscheinung und an das Nahen des jüngsten Gerichts aus.

Der Geist der grünen Insel

Die Hauptfigur in Ralf Isaus neuestem Mystery-Thriller kennt der geneigte Leser bereits. Hester McAteer trat schon in „Die Dunklen“ als Enttarner von Mysterien auf. Sympathisch bärbeissig kommt der herüber, lässt sich kein X für ein U und noch weniger ein Wunder vormachen.

Bei aller Schläue und logischer Kombinationsgabe, hat McAteer auch so seine kleinen Schwächen. Und die betreffen vor allem seine Jugendliebe Fiona, die er mit der gemeinsamen Tochter Anny sitzen ließ. Und ebenso sind zwischen Vater Seamus Whelan und seinem Sohn einige Differenzen zu kitten. Nun ist der mehr als hundert Jahre alte Mann auch noch Zeuge dieser Christuserscheinung. Die unterhaltsamen, mit Sturheit und viel Witz geführten Gespräche zwischen dem „Kettenhund“ und dem „Moses von Graig“ gehören zu den amüsantesten Passagen in „Messias“

Skurrile Gestalten gibt es einige, wie z.B Ian MacDougall, der falsche Hahn oder auch Pater O’ Bannon, mit seinem verrutschten Toupet. Etwas geschmälert wird ihre Glaubwürdigkeit durch Klischees, derer sich Isau leider im Übermaß bedient. Seine Iren sind fast alle rothaarig, obwohl auch in Irland die Feuerköpfe mit 4% Anteil eine Minderheit darstellen. Vorrangiges Berufsziel der männlichen Iren ist offensichtlich die Priesterlaufbahn und sie alle brechen ihr Zölibat oder sind schwul. Andere Details allerdings, wie das B&B im Natursteinhaus mit dem Weihnwasserbecken im Flur oder der Angelzubehörshop, der sich zum Pub wandelt, vermitteln das irische Lebensgefühl.

Wieder Kirchenmystery – bei Isau anders

Außer dem Flair der grünen Insel, hat „Messias“ auch jede Menge Spannung zu bieten. Isau setzt nicht auf Quantität, sondern darauf, die Morde bizarr und vor einem absonderlich erscheinenden Hintergrund in Szene zu setzen. Ein Racheengel ist hier am Werk, der den Verfehlungen entsprechend straft. Dazu gesellen sich kuriose Vorkommnisse, wie die buchstäbliche Fleischwerdung der Hostien und natürlich der auferstandene Christus. Jeschua kündigt das Gottesgericht am Ende der Zeit an, das die Böcke von den Schafen trennt und untermauert seine Legitimation als Gottes Sohn durch wundersame Taten.

Allein dieses Mysterium, das die fundamentalen Glaubensgrundsätze der Christen betrifft, ist genial erdacht. Dazu hat es Isau einmal mehr geschafft, das perfekte Setting, nämlich ein Land, das schon historisch bedingt streng am Katholizismus festhält, auszusuchen und der Story auch noch eine mystische, historische Rahmenhandlung zu verleihen. Bezeichnend sind nicht allein eine authentische Darstellung der landestypischen Charakteristik, sondern die Einbettung der Story in den aktuellen Zeitgeist, in dem die Sehnsucht nach höheren Mächten stark präsent ist. Einmal mehr schleicht sich eine moderate, aber deutlich wahrnehmbare Kritik an der katholischen Kirche ein. McAteer scheint ein Kirchenmann zu sein, wie Isau sich ihn wünscht, während der publicityhungrige Bischof Begg unglaubwürdig, dekadent und von den eigentlichen christlichen Werten als weit entfernt dargestellt wird. Auch dem Zölibat, der Heiligensprechung und der Ausrufung publikumswirksamer Wunder, kann der Autor offenbar wenig abgewinnen.

Etwas zu ausführlich fallen Abrisse über tatsächliche Gegebenheiten und Gepflogenheiten der Kirche aus, obwohl die sicherlich alle stimmen und Isaus Fachkenntnis unter Beweis stellen. Sie bremsen sowohl den Fluss Geschichte, als auch die Spannung oft aus, fabulieren liegt dem Autor mehr, als dozieren. Das Finale ist spektakulär, aber vielleicht etwas dick aufgetragen, ein weniger dramatisches Wunder hätte den erwünschten Zweck vielleicht sogar besser erfüllt. Die Rückkehr der Wundermusikerin Sarah D’Albis ist eine nette Idee, aber für Leser, die „Die Dunklen“ nicht kennen, schwer nachzuvollziehen,

Sicherlich hat der Mysterythriller „Messias“ einige Schwächen, vielleicht sogar gravierendere, als andere Werke des Autors. Unterm Strich sorgen jedoch eine originelle und aufregende Geschichte, urige Charaktere und die beinahe greifbare Atmosphäre für vergnügliche Lesestunden, die in angenehmer Erinnerung bleiben.

Ihre Meinung zu »Ralf Isau: Messias«

Nati zu »Ralf Isau: Messias«04.12.2009
Wunder oder nicht?
In einer irischen Zisterzienserkirche in dem kleinen Ort Graiguenamanagh geschieht am Gründonnerstag etwas Ungeheuerliches, es grenzt an ein Wunder. Im Inneren der Kirche setzt ein Rauschen ein und strahlendes Licht erhellt den Raum. Vor dem hundertdreijährigen Hausmeister Seamus Whelan und dem Gemeindepfarrer Pater Joseph O’Bannon liegt plötzlich ein Mann unter dem silbernen Kruzifix, dessen Jesusfigur verschwunden ist. Neben den Kopf befindet sich eine Dornenkrone und an seinen Füßen und Händen sind blutende Wundmale zu sehen. Als der Mann langsam zu sich kommt, bittet er auf Hebräisch um Hilfe. Er wird ins Krankenhaus gebracht und erhält von den Ärzten den Namen Mr. X. Selbst gibt er seinen Namen mit Jeschua an.

Ist es der Messias, der wieder zurückgekehrt ist? Da die katholische Kirche sehr misstrauisch mit Wundermeldungen umgeht, wird Hester McAteer, Sonderbeauftragter des Vatikans für Wunder und Glaubensfragen, nach Irland geschickt.

Zu Beginn war ich sehr skeptisch, da ich kein Freund von Fantasy-Romanen bin, doch dann hat mich das Buch in seinen Bann gezogen.

Der Einstieg in den Kirchenthriller fiel leicht. Die Protagonisten werden lebendig beschrieben, dass man sie sich bildhaft vorstellen kann. Ihre verwickelten Beziehungen werden detailliert dargestellt und so kann man der Geschichte problemlos folgen. Der Schreibstil von Ralf Isau ist flüssig und packend geschrieben, gewürzt mit einer Prise Humor und die kritische Haltung des Autors zur katholischen Kirche ist spürbar.
Am Ende des Buches regten mich die folgenden Sätze zum Nachdenken an: „Wer Wunder nicht wahrhaben will, wird immer eine vernünftige Erklärung finden und sie anzweifeln. Das ist ja das Wesen des Glaubens: Man muss sich auf ihn einlassen.“
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
stjerneskud zu »Ralf Isau: Messias«18.10.2009
Trifft den Zahn der Zeit

Rechtzeitig vor dem Osterfest, am Gründonnerstag wird dem irischen Städtchen Graiguenamanagh ein Wunder beschert. In der einst größten Zisterzienserkirche Irlands der Duiske Abbey steigt Jesus vom Kreuz herab. Das Ereignis ist Anlaß dafür, dass die Menschen wie Bienen vom Honig angezogen werden und in Scharen dorthin pilgern. Zwei Männer kommen zu Tode und weitere mysteriöse Vorfälle geschehen. Der aus dem Vatikan entsandte Sonderermittler, Hester McAteer, bekommt einiges zu tun, bis er Licht ins Dunkel bringen kann.

Es war der erste Roman, den ich von Ralf Isau gelesen habe, aber mit Sicherheit wird es nicht der letzte gewesen sein.

Anfangs hatte ich mich nicht richtig auf die Geschichte konzentrieren können, weil mir vieles andere im Kopf herum ging und es um mich herum unruhig war, und es mir schwer fiel die vielen verschiedenen Personen auseinander halten zu können, aber dies legte sich mit der Zeit und zu einem späteren Zeitpunkt werde ich das Buch bestimmt noch einmal lesen, wenn ich eine ruhigere und entspanntere Atmosphäre habe.

Der Schreibstil ist grandios und es fehlt nichts an der Geschichte, weder bleiben Fragen offen noch wünscht man sich weiteres zu erfahren. Vorallem die Mischung macht's - spannend, so daß man den Atem anhält und mitfiebert und fantastisch, so daß man sich fragt, was man wirklich glauben soll.

Die Geschichte trifft wunderbar den Zahn der Zeit - die Hysterie, die Geldmacherei um einen Gewinn zu erzielen, alles was im Namen der Religion geschieht und die Falschheit der Medien, nur um eine gute Quote zu machen.

Ein Buch für alle, die über den Wahnwitz des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts nur den Kopf schütteln können. Ich kann es uneingeschränkt weiterempfehlen.
campsy zu »Ralf Isau: Messias«15.09.2009
Das Buch beginnt mit dem Auftauchen des Messias sehr spannend. Willig gab ich mich dem Mystery-Feeling um den wieder auferstandenen und in unsere moderne Welt geworfenen Jeschua hin, auch wenn mein lesegeübtes Auge über so manches irische und italienische Wort stolperte (die Anleitung zur richtigen Aussprache des Ortsnamen Graiguenamanagh irgendwo am Anfang des Buches ist nett gemeint aber ändert nicht viel daran) und so manch trockenen Dialog zwischen langweiligen Charakteren überwinden musste. Doch leider wird der Spannung schon nach ca. einem Viertel des Buches der Wind aus den Segeln genommen. Der mysteriöse Jeschua taucht kaum noch auf, ist nur noch ein Statist im Krankenhausbett, ebenso einige andere Charaktere, von denen ich mir mehr versprochen hatte. Die Tochter des Helden beispielsweise, Anny: entgegen ihres Berufes als Journalistin entschließt sie sich, die meiste Zeit der Handlung über an Jeschuas Seite zu sitzen und sein Händchen zu halten, was unerklärterweise wohl tief romantische Gefühle in ihr auslöst (wohlgemerkt sprechen sie nicht mal die selbe Sprache) ... Auch die Hauptfigur Hester bleibt relativ blass und oberflächlich. Für einen kirchlichen Würdenträger verhält er sich auch ziemlich untypisch weltlich (zumal gerade Ostern ist).

Sehr an den Haaren herbei gezogen werden die Erklärungen für die Wunder, die in ganz großem Stil mit viel Aufwand betrieben werden und sehr unrealistisch wirken, einige Fragen bleiben leider auch offen. Wirklich haarsträubend fand ich den seltsamen Einschub mit der Pianistin, einer Nachfahrin von Liszt, die es allein mit ihrem Klavierspiel vermag ... (ich will nicht zuviel verraten). Wie ich im Nachhinein erfahren habe, ist sie die Hauptfigur aus Isaus Roman „Die Dunklen“. Ob er sich mit diesem Cameo-Auftritt eine Werbewirkung für seine anderen Bücher erhofft hat? Jedenfalls fand ich diese Szene ohne dieses Wissen sehr befremdlich. Spätestens hier sank meine Meinung von „Messias“ rapide ab.

Der einzige Lichtblick sind die wenigen skurrilen Figuren wie die sauertöpfische Witwe, die sich jeden Tag auf dem Friedhof am Grab ihres verstorbenen Mannes ausjammert bevor sie dann im nächsten Pub ihren Schlummertrunk zu sich nimmt, oder der pflichtbewusste Nachbar, der seit dem Tod seines Hahns dessen allmorgendliche Aufgabe des Weckrufs übernommen hat. Sympathisch war mir auch die Figur des 103-jährigen Seamus, dem schnoddrigen Wundertäter, der als Hesters Vater zum Glück eine größere Rolle in der Handlung einnimmt, sonst hätte ich die Lektüre womöglich nicht durchgehalten.

Ralf Isau hat es mit den Wunder für meinen Geschmack viel zu sehr übertrieben. Dazu kommen langweilige Dialoge, zu wenig Spannung, blasse Charaktere und eindeutige, sehr platte Kritik an der katholischen Kirche. Wer aufgrund der Inhaltsangabe und der blutigen Covergestaltung einen spannenden, unterhaltsamen Thriller erwartet, dürfte enttäuscht werden. Das war mein erstes und bleibt mein letztes Buch von Ralf Isau.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Antje Schmalzbauer zu »Ralf Isau: Messias«07.09.2009
Ein Blitz erhellt die Duiske Abbey in Irland. Auf dem Boden vor dem Altar liegt ein nackter Mann und die Jesusfigur am Kruzifix fehlt. Der Mann nennt sich Jeschua und spricht nur hebräisch. Das ist das "Wunder von Graiguenamanagh" und versetzt das Städtchen und den Vatikan in Aufregung. Ein immenser Pilgerstrom macht sich auf zum Ort der vermeintlichen Wiederkunft Christi. In der Nacht folgt ein schweres Gewitter und ein Landstreicher und ein Journalist finden auf mysteriöse Arte und Weise den Tod. Der Beginn des Jüngsten Gerichts? Die katholische Kirche muss handeln, denn Jeschua verkündet Unangenehmes und die Menschen hören ihm zu und glauben an ihn. Aus dem Vatikan wird Sonderermittler Hester McAteer, der "schärfste Kettenhund seiner Heiligkeit" entsandt, er soll aufklären: Wunder oder Effekthascherei? Hester McAteer kehrt in seine Heimat Graiguenamanagh zurück und trifft dort nicht nur auf Misstrauen, Angst und Intrigen, sondern auch auf seine große Liebe, die er für die Kirche verlassen hat. Aufgrund der sich ereignenden Vorfälle gerät das Weltbild des Skeptikers Hester McAteer ins Wanken.

Ralf Isau zeichnet seine Charaktere zum Teil skurril, aber sehr sympathisch und entwickelt die Figuren im Laufe der Geschichte weiter. Er greift das Thema Wunder in der katholischen Kirche auf. Seit Jahrhunderten versuchen die Menschen Wunder zu finden oder zu inszenieren, um die Existenz Gottes zu belegen oder Geld zu verdienen. Er versteht es Spannung zu erzeugen, leider kann er den Spannungsbogen nicht über den ganzen Krimi halten, da doch einige Längen vorhanden sind. Die Inszenierungen sind detailgenau geschildert und zum Teil überzeichnet. Was ich positiv fand, denn ich denke, dass es zum Teil schon der Wahrheit entspricht, wie die Kirche mit diesen Situationen umgeht, aber eben nicht so ausgeprägt. Als Nebenhandlung wird die Familiengeschichte von Hester McAteer "entwirrt", was sich gut in das ganze Geschehen einfügt. Es kommen viele kirchenspezifische Begriffe vor, was anstrengend sein kann, wenn man in der katholischen Kirche nicht so zu Hause ist. Allerdings veranlasst es auch den Leser ein bisschen zu recherchieren. Isau hat einen schönen, flüssigen Schreibstil und würzt seine Geschichte mit einem sehr angenehmen Humor.

Was mich am Anfang etwas gestört hat waren die Rechtschreib- oder Druckfehler und das der Name Lefebvre anfangs immer falsch geschrieben wurde. Das Cover passt super zum Inhalt und gefällt mir sehr gut.

Das Buch ist auf jeden Fall empfehlenswert. Es ist spannend und gibt einen Einblick in die "wundersame" Welt der Katholiken. Es ist kritisch, aber nicht oberlehrerhaft. Der Spaß kommt beim Lesen wahrlich nicht zu kurz. Ich würde es aber eher als Krimi einordnen und nicht als Thriller.
Marius zu »Ralf Isau: Messias«31.08.2009
Zwischen Glaube und Vernunft ...

„Es gibt keine echten Wunder, sondern nur unerklärte Phänomene“ Dies ist das Motto von Hester McAteer, dem „schärfsten Kettenhund seiner Majestät“, einem ausgewiesenen Wunderskeptiker (Ralf Isau Fans dürften ihn noch von seinem Kurzauftritt in „Die Dunklen“ her kennen), der für den Vatikan weltweit Wunder untersucht. Und mit einem solchen hat er schon bald in seiner alten irischen Heimat, nämlichen in seiner Geburtsstadt mit dem unaussprechbaren Namen Graiguenamanagh zu tun. Dort ist nämlich ein Mann, der sich selbst Jeschua nennt und Hebräisch spricht, vom Kreuz gestiegen und wirkt Wunder.
Für Hester kann es solch ein Wunder natürlich nicht geben und deshalb macht er sich vom Vatikan in seine Heimat auf, um das Wunder rational zu erklären und dem Schwindler das Handwerk zu legen. Doch je länger der Wundermacher in seiner Heimat verweilt, desto häufiger treten unerklärbare Mirakel auf und er scheint schon bald am Ende seines rationalen Verstandes. Handelt es sich vom Jeschua vom Kreuz tatsächlich um den wiedergeborenen Jesus oder liegt die Welt nur einem gigantischen Schwindel auf?
Kann ich glauben was ich sehe oder kann ich sehen, was ich glauben will? Mit dieser philosophischen Fragestellung hat sich der vatikanische Sonderermittler herumzuschlagen und muss sich nun zwischen dem Glauben an echte Wunder oder der vernünftigen Erklärung des Schwindels entscheiden. Für Hester steht seine Wahl fest und so muss er sich durch Intrigen und Gefühle für längst verloren Geglaubte kämpfen, um die Wahrheit herauszufinden.
Das Thema mag viele einen Dan-Brown artigen Thriller vermuten lassen, doch wer Ralf Isau kennt, der weiß, dass man von ihm einen mainstreamigen Kirchenverschwörungsthriller nicht zu erwarten braucht! Fernab von tausendmal gelesenen Thrillern entspinnt Isau eine spannende Geschichte, die bei mir zu keiner Zeit Langweile aufkommen ließ und sehr originell war. Der Zweifel des Paters war gut nachzuvollziehen und Isau beschreibt seine Charaktere glaubhaft und auch ihre geistigen Entwicklungen sind psychologisch glaubhaft gestaltet. Somit ist seine Geschichte höchst lebendig und spannend und bietet dem geneigten Leser jede Menge Platz für eigene Gedanken, da er auch aktuelle Ereignisse, z.B. die Wirren um die Wiedereingliederung der Piusbrüder und den Bischof Richard Williamson, mit seiner Geschichte verknüpft und diese so auch hochaktuell ist.
Gut gefiel mir zudem noch, wie Ralf Isau seine Bücher untereinander verknüpft. Seine Leser dürften die Pianistin Sarah d’Albis noch aus „Die Dunklen“ gut im Gedächtnis haben, die nun im „Messias“ wieder einen wichtigen Kurzauftritt hat. So ist für die Gestalten der jeweiligen Romane ihr literarisches Leben über das Romanende hinaus noch nicht zu Ende und es macht großen Spaß, dem literarischen Kosmos Isaus zu erkunden.
Insgesamt ein schlauer Kirchenthriller, der fernab des Mainstreams wandelt und den Leser fordert!
Frank zu »Ralf Isau: Messias«31.08.2009
In der Duiske Abbey in Irland geschieht "Wunderbares". Während der 103 (!) jährige Kirchendiener Reperaturarbeiten vornimmt erscheint wie aus heiterem Himmel ein nackter Mann mit Wundmalen in der Kirche, der auf hebräisch um Hilfe bittet. Es scheint Jeschua (Jesus), der Sohn Gottes zu sein.
Das beschauliche irische Dörfchen mutiert zum Wallfahrtsort - die katholische Kirche hingegen ist besorgt. Zumal der vermeintliche Sohn Gottes nicht unbedingt gut auf sie zu sprechen ist.
Sie schicken Hester McAtteer den vatikaischen Sonderermittler zur Aufklärung nach Irland. Genau in den Ort, den er damals verließ um der Kirche zu dienen. Dort trifft er nach vielen Jahren seinen Vater, seine große Liebe und seine Tochter wieder.
Derweil werden in dem Ort "Sünder" von Blitzen in zwei Hälften geteilt, die Medienmaschine rollt und es geht drunter und drüber.
Bis circa 100 Seiten vor dem Ende haben wir es eigentlich mit einem reinen Vatikan/Kirchen/Verschwörungssthriller zu tun. Mir wurde immer schleierhafter was das ganze eigentlich auf der PC zu suchen hat. Dann zum Showdown hin, bekommt der Autor dann doch "die Kurve" und es wird recht mystisch - aber weiterhin auch sehr actionlastig und zu einem großen Teil auch für Freunde des nicht--mystischen Thrillers (dieser Begriff finder sich auch auf dem Cover wieder) goutierbar.
Isau schreibt routiniert, Langeweile kommt nicht auf - auch wenn einige der Hintergründe schnell klar werden. Auch ohne die zum Ende hin auftretenden mystischen Aspekte hätte der Roman funktioniert - wirklich störend fand ich sie allerdings auch nicht. Etwas Kitsch gegen Ende darf dann auch nicht fehlen...aber was soll`s.
Ich fühlte mich gut unterhalten.
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