Weltendämmerung von Ralf Isau

Buchvorstellungund Rezension

Weltendämmerung von Ralf Isau

Originalausgabe erschienen 2012, 480 Seiten.ISBN 3-492-70235-X.

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In Kürze:

Ralf Isau ist einer der vielseitigsten deutschen Fantasy-Autoren. In seiner Trilogie um »Die zerbrochene Welt«kehrt er zu dem Genre zurück, das er am besten kennt: die High Fantasy. Mit »Weltendämmerung« bringt er die Saga nun zu einem grandiosen Ende. Eine nachtschwarze Wolke breitet sich undurchdringlich über die zerbrochene Welt Berith aus. Ein düsteres Omen für das friedliche Land. Als auch Taramis’ Erzfeind, der Dagonisier Gaal, von den Toten aufersteht und den Nebelwächter im »Garten der Seelen« erneut angreift, muss dieser handeln. Denn Gaal bedroht alles, was Taramis heilig ist: sein Leben, seine Familie und ganz Berith. Erst wenn Gaal endgültig vernichtet ist, wird der Nebelwächter Frieden finden. Doch der Weg dahin ist weit und führt die Kontrahenten auf einer atemberaubenden Reise durch die gefährlichen Welteninseln …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Nur gemeinsam sind wir stark“77

Fantasy-Rezension von Eva Bergschneider

Nach den dramatischen Ereignissen um den drohenden Opfertod für den finsteren Gott Dagon hoffen Taramis und seine Familie ein friedliches Landleben auf Barnea führen zu können. Dort hat Taramis Ehefrau Shúria gerade die gemeinsame Tochter Aïschah zur Welt gebracht, als sich die Ereignisse erneut überschlagen. Veridas, der Seher, berichtet Taramis kurz bevor er auf mysteriöse Weise stirbt, dass jemand die Seelenbäume, an die die Lebenskraft jedes vernunftbegabten Bewohners der Scherbenwelt gebunden ist, tötet. Zugleich fallen die Kesalonier (Drachenvolk genannt) über den Landsitz her. Taramis muss mit Ehefrau, Sohn, Säugling und seinen Gefolgsleuten fliehen und es ist schnell klar, auf wessen Konto der Überfall geht. Der König von Dagonis Gaal schickt sich erneut an, die Scherbenwelt zu erobern und er hat sich dafür einen genial perfiden Plan ausgedacht. Wieder geraten Shúria und Ari in die Gefangenschaft des Feindes und ein scheinbar aussichtloser Kampf gegen gezüchtete Hybridwesen, die Früchte der Saat des Bösen, beginnt. Es besteht nur eine hauchdünne Chance zu überleben, wenn die „Kinder des Lichts“ zusammenhalten.

Das Ende einer wahrhaftig phantastischen Reise

Ausgiebig gelobt wurde der schier unerschöpfliche Erfindungsreichtum, den Ralf Isau mit der Kreation dieser Scherbenwelt unter Beweis gestellt hat. Da bereits hinlänglich über Rassen, Kreaturen, Welten und Fortbewegungsmittel im luftarmen Äther geschrieben wurde, soll hier darauf verzichtet werden. Aber der Hinweis auf diese besondere Qualität der Trilogie sei mir erlaubt, denn allein diese immense Vielfalt der Welten und ihrer Bewohner macht die ganze Serie um „Die zerbrochene Welt“ zu einem Leseerlebnis.

Allerdings hat der Finalband „Weltendämmerung“ noch einiges mehr zu bieten. Den Kennern der Serie dürften einige der in den ersten beiden Bänden („Die zerbrochene Welt“, „Feueropfer“) etablierten Charaktere ans Herz gewachsen sein. Es macht immer noch Spaß, über die schlagfertigen Sprüche des zwergenähnlichen Kirrie Jagur zu schmunzeln. Doch auch neu eingeführte Figuren wie die Kesalonierin Yula oder die Eisschnitzerin Kaya hat der Autor liebevoll gezeichnet, sie bringen ihre besonderen Fähigkeiten in den Konflikt ein. Überhaupt kommt den Frauen in dieser Geschichte die eigentliche Heldenrolle zu. Selten sind mir in der High-Fantasy so viele magiebegabte, kampferprobte und kluge Ladies begegnet, die betont weibliche Akzente in der Handlung setzen. „Geht doch!“ mochte die LeserIn denjenigen entgegnen, die argumentieren, dass Krieg und Kampf eben eine Männerdomäne sei.

Kampf und Krieg dominieren klar das Geschehen. Es geht von einer Schlacht zur nächsten und vielleicht hätte man sich etwas mehr Storyentwicklung ´darum herum´ gewünscht. Dennoch legt Ralf Isau Wert darauf, immer wieder die Interaktionen der Charaktere in den Mittelpunkt zu stellen. Wir erfahren stets, welche Vergangenheit die verschiedenen Personen miteinander verbindet und meistens auch, warum sie so handeln, wie sie es tun. Geschehnisse wie die Rückkehr Laurins aus einem Leben als raubtierhafter Jäger, Begegnungen wie die von Shúria und Kaya, oder die Kehrtwende des Khan-Sohns Timur sorgen für Abwechslung und Tiefgang zwischen den Schlachten. Das Kriegsgeschehen kann den Leser schon aufgrund der Fülle der Kampfhandlungen nicht mehr in Staunen versetzen, obschon sich der Autor einige spektakuläre Wendungen hat einfallen lassen. Vielleicht hätten ein paar magische Kniffe weniger mehr Spielraum für Argwohn gelassen. Was aber nicht bedeuten soll, dass das Finale nicht auch Überraschungen zu bieten hätte.

Insgesamt bildet „Weltendämmerung“ einen auch in sprachlicher Hinsicht gewohnt souveränen Abschluss des abenteuerlichen High-Fantasy Epos „Die zerbrochene Welt“. Der Geschichte liegt zwar ein offensichtliches „Gut“ und „Böse“ Schema zugrunde, sie begeistert aber umso mehr mit außerordentlicher Gestaltungsvielfalt und ausgereiften, originellen Charakteren.

(Eva Bergschneider, März 2013)

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