Ralf Kramp & Manfred Lang: Abendgrauen 3 von Ralf Kramp & Manfred Lang

Buchvorstellungund Rezension

Ralf Kramp & Manfred Lang: Abendgrauen 3 von Ralf Kramp & Manfred Lang

Originalausgabe erschienen 2006, 357 Seiten.ISBN 3937001921.

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In Kürze:

Das Buch ist eine Einladung zu einer fantastischen Lesereise auf die Schattenseite der Eifel. Es versammelt 74 einst mündlich überlieferte Erzählungen um Geister, Untote und Hexenspuk aus dem (Eifel)-Land des Grauens. Die Gebrüder Grimm sind hier ebenso vertreten wie M.R.James, Nanny Lambrecht, Clara Viebig oder Tilman Röhrig und Jacques Berndorf.

Das meint phantastik-couch.de: „;Wohliger Schauer für düstere Winterabende“;50

Horror-Rezension von Peter Kümmel

Zum dritten Mal heißt es bei Ralf Kramp und Manfred Lang wieder „;Abendgrauen“; in der Eifel. Während Manfred Lang als Autor eher regionale Bekanntheit erlangt hat, kennen wir Ralf Kramp vor allem als Verfasser von Kriminalromanen. Für „;Abendgrauen 3“; haben die beiden Schriftsteller nicht nur insgesamt acht eigene Gruselstories beigetragen, sondern fast siebzig weitere Geschichten und Gedichte von über vierzig verschiedenen Autoren zusammengetragen.

Das bunte Sammelsurium reicht von Sagen und Märchen aus alten Zeiten sowie Schauergeschichten über Gespenster, Dämonen oder Werwölfe bis zu Mystery-Stories aus neuerer Zeit. Während die längsten Erzählungen etwa zwanzig Seiten umfassen, gibt es andererseits auch Beiträge, die nicht mal eine Seite lang sind. Doch um dies zu relativieren, muß man anmerken, daß die extrem kleine Schrift mit schmalen Rändern den Seiteninhalt nahezu auf das Doppelte eines normalen Buches bringt.

Unter den Autoren befinden sich neben Klassikern wie Paul Coelestin Ettighofer oder Theodor Seidenfaden sowie zeitgenössischen Größen wie Jacques Berndorf oder Michael Siefener auch Eifeler Dichter, die nur Insidern bekannt sind.

Geister…

Nach einem Vorwort der Herausgeber sowie einem eröffnenden Gedicht darf Michael Siefener mit Abendstimmung mit Burgruine als erster ran: Wer ist der unheimliche Mann, der sich an der Burgruine der Oberburg in Manderscheid zu Georg gesellt? Er ist freundlich, doch auf Georg wirkt er unheimlich. Eigentlich möchte Georg nur alleine sein und die Stimmung genießen. Doch plötzlich wird ihm klar, was passiert ist.

Auch die Herausgeber bieten Stories, die aus der Masse herausragen: In Welche Farbe hat das Grauen von Ralf Kramp ist ein alter Professsor alleine auf seiner Burg. So kann er sich ganz dem Malen seiner Bilder widmen. Da bekommt er Besuch von Vasco Bucerius, einem jungen Mann, mit dem er sich prächtig unterhält. Der junge Ingenieur möchte sich gerne noch das Atelier anschauen, bevor er geht. Am nächsten Morgen wird das Hausmädchen des Professors ermordet und grauenhaft verstümmelt aufgefunden. In den nächsten Tagen stellt sich heraus, daß Bucerius ein wahrer Alleskönner ist: Pianist, Rennfahrer, Mathematiker. Seine Talente scheinen unbegrenzt. Und als der Professor ihn aufsucht, zeigt er sein wahres Gesicht.

Manfred Lang zeigt Verschlafene Dörfer im Enztal. Von diesen gibt es einige. Die jungen Leute ziehen weg, weil sie dort keine Arbeit finden und so bleiben nur die Alten zurück, die keine Nachkommen mehr zeugen, was dazu führt, daß die Dörfer allmählich aussterben. Doch ein Wanderer, der sich verirrt hat, erfährt den wahren Grund, was es mit den verschlafenen Dörfern auf sich hat.

Gegen spukende Geister soll eine „;Spukhaftungsausschlußklausel“; helfen. In Der Vertrag des Herrn Natas von Hans Peter Pracht will der ältere Verkäufer des Hauses unbedingt eine solche in den Kaufvertrag mit aufnehmen. Denn er hat den Käufer gewarnt, daß es in dem Haus spukt, nachdem sich der Vorbesitzer dort auf dem Dachboden aufgehängt hat. Doch der lacht nur und will ihm nicht glauben. Doch das ändert sich, als er in das Haus eingezogen ist.

… und Bestien

Aus der Sicht eines Mädchens, das sich von der Mutter vernachlässigt fühlt, schreibt Erika Kroell in Das Kind. Deshalb will es der Mutter helfen, damit sie wieder mehr Zeit für sie hat. Doch die Denkweisen von Kindern und Erwachsenen sind sehr unterschiedlich.

Auch mit ihrer zweiten Story im Buch kann die Autorin positiv auffallen. Nasenbluten ist normalerweise nichts Ernstes, doch wahre Sturzbäche von Blut ergossen sich aus der Nase des Mannes. „;Gott ist tot, aber Jesus liebt dich!“;, lautete seine Botschaft. Als der Mann schließlich zusammenbrach, umstand ihn bereits einen große Zuschauermenge. Nur einer kümmerte sich um den Bewusstlosen. Die Szene ging der Erzählerin nicht mehr aus dem Kopf. Doch was sich am nächsten Tag ereignete, überstieg ihren Verstand.

Harald Bongart schafft es in Das Manual auf wenigen Seiten, dem Leser das Grauen vor Augen zu führen. Welche Ungeheuer beherbergt der mysteriöse Apotheker, die seinem Gehilfen solche Angst einjagen? Dolch welch perfider Plan hinter dem Ganzen steckt, ist für den Leser wirklich eine Überraschung.

Um Bestien geht es auch in weiteren Geschichten: In Alwin Ixfelds Geistermesse hat Hauptkommissar Martin einen grauenvollen Todesfall zu untersuchen. Äußerlich sah der Tote völlig unversehrt aus, doch seine Organe waren gegart, das Blut fest geronnen. Man steht vor einem Rätsel, bis Martins Sohn eigene Erfahrungen macht. In Die Bestie von Traben-Trarbach von Carsten Sebastian Henn war auf der Wanderung ein Hochzeitsantrag geplant. Doch es kommt wie so oft anders. Mit dieser Bestie hat nun wirklich keiner gerechnet. Und das, was sich auf dem Gipfel ereignet, ist nun wirklich nicht so sehr appetitlich.

Daß auch in der Eifel das Leben nicht halt macht vor dem Fortschritt, das erfahren wir in einer weiteren Story von Carsten Sebastian Henn: Der alte Wingert. Ein neues Hotel soll da gebaut werden, wo der alte Weinberg ist. Obwohl die Rebstöcke schon ziemlich morsch sind, wächst dort der beste Wein der ganzen Gegend, und der Bürgermeister sträubt sich dagegen, zu verkaufen. Das Problem löst sich schließlich auf eine sehr unerwartete Art.

Auch ein Teufel ist nur ein Mensch

Daß die Buchausgabe wirklich für jeden etwas zu bieten hat, zeigt Der Rätselfreund von Carola Clasen. Die Story trifft zwar meinen Humor überhaupt nicht, ist aber aus einer sehr interessanten Perspektive geschrieben. Die Erzählerin spricht den Leser direkt an, indem sie beginnt mit: „;Ich weiß nicht, welche Schlüsse Sie ziehen würden, wenn…“; und diesen Stil bis zum Schluß fortsetzt. Sie versetzt den Leser damit in die selbst erlebte Situation.

Auf den Beitrag von Kultautor Berndorf wird man sicherlich am meisten gespannt sein. Er zeigt sich in Tante Hermine von einer etwas anderen Seite und schildert einen makaberen Mord. Doch auch ein perfekt geplantes Verbrechen kann schief gehen. Mit diesen Problemen hat der Täter absolut nicht gerechnet.

Zum gleichen Thema „;Wie wird ein Mörder mit seiner Tat fertig?“; passt auch Aus der Spiegelwelt von Ralf Kramp. Sehr nett geschrieben ist Der arme Teufel von Klaus-Peter Walter, der zeigt, daß so ein Teufel ja auch nur ein Mensch ist. Doch nicht immer können die Pointen zünden, wie in Ein zu hoher Preis von Georg Miesen oder Schwein gehabt! von Andrea Revers.

Von den alten Sagen in Erinnerung geblieben ist mir vor allem P.C. Ettighofers Das Wunderbrot. Für andere der alten Legenden, die meist eine moralische Botschaft übermitteln sollen, muß man dagegen schon ein Faible haben, um ihnen etwas abgewinnen zu können.

Insgesamt gesehen bietet „;Abendgrauen 3“; abwechslungsreiche Kost von leider auch sehr unterschiedlicher Qualität, jedoch ohne wirklich herausragende Geschichten sowohl nach oben als auch nach unten. Nicht unbedingt zum Lesen am Stück geeignet, düfte die Anthologie wohl dosiert aufgrund ihres Umfangs an einigen düsteren Winterabenden für wohligen Schauer sorgen können. Auch die Fotos von Theo Broere sorgen dafür, daß die Eifel ihr mystisches und unheimliches Flair behält.

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