Fast tot von Ralph Haselberger

Buchvorstellungund Rezension

Fast tot von Ralph Haselberger

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „Fast tot“,, 421 Seiten.ISBN 3942157098.

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In Kürze:

Dies ist die Geschichte von Felix und Veronika, getrieben von ihrer jeweilen Vorstellung von Liebe. Es ist die Geschichte von Gregor und Maik, die inmitten des Chaos vergeblich versuchen, einen Rest Normalität zu bewahren. Es ist die Geschichte von Wissenschaftlern, die am Ende ihres Wissens angelangt sind. Es ist die Geschichte von Menschen, die versuchen zu überleben und an sich selber scheitern. Es ist die Geschichte von Toten, die die Lebenden fressen. Es ist eine der blutigsten Roadstories, die man sich vorstellen kann.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Schlechtes Gras und Retorten-Zombies“29

Horror-Rezension von Jochen König

Wer kennt nicht das geflügelte Wort von der Gefahr des Wünschens? Die liegt nämlich darin, dass Wünsche in Erfüllung gehen können. So erging es mir mit Fast tot, dem Debüt Ralph Haselbergers. Seines Zeichens Angehöriger eines drolligen Literatenzirkels namens „Die Apokalyptischen Schreiber“, in dem er unter dem Alias „Tod“ logiert. Gruselig gemeint. Genau wie sein Buch.

Als Rezensionsexemplar gewünscht, reagierte der Verlag freundlich und schnell und schickte das Buch alsbald dem geneigten Rezensenten. Also mir. Unglücklicherweise hatte ich übersehen, dass die „Geschichte von Toten, die die Lebenden fressen“ 421 Seiten lang ist. Viele Seiten, in denen die Schriftgröße – bis auf den verhunzten Anfang – gleich bleibt, sich Massen von schwarzen Buchstaben auf feinem, weißen Papier zu Worten vervollständigen, zu ganzen Sätzen gar, um am Ende „eine der blutigsten Roadstories“ zu ergeben, „die man sich nur vorstellen kann“. Schon da irrt der Autor fürchterlich. Ich z.B. kann mir weit mehr vorstellen, als eine abgeschmackte Verbalisierung längst gesehener Bilder. Doch gemach – zunächst gibt es einen kurzen Einblick ins Gekröse.

In diesem unserem Lande sind die Zombies los. Nichts neues, wird der aufmerksame Beobachter am Rande der westlichen Zivilisation mutmaßen – und hat vermutlich recht. Aber unsere lebenden Toten sind ein paar der besonders verfressenen Sorte. Sie mampfen sich quer durch die Republik, und nur wenige Horte des Widerstands bleiben weitgehend zombiefrei. Eines dieser wackeren Dörfer, die sich dank Bundeswehr und eilig einberufener Zivilgarde halten können, ist Marburg. Hier hausen unsere Hauptfiguren: Felix, getrennt von Frau und Kind, Fluchtplanung betreibend und eindringlich okkupiert von der leicht psychopathischen Nymphomanin Veronika, die Felix fatalerweise für die Liebe ihres Lebens hält. Dazu gesellen sich die Freunde Maik und Gregor, denen der Genuss illegaler Betäubungsmittel wichtiger ist, als die Auseinandersetzung mit der zunehmenden Zombiefizierung Deutschlands (und dem Rest der Welt?). Maik ist der zivil couragierte Fleischklops von nebenan, Gregor der depperte Jammerlappen, der mitunter versehentlich Leute erschießt, die überhaupt nicht fast tot waren. Weiter finden sich ein: eine Hand voll Wissenschaftler, die gar schreckliche Dinge erforschen, und herum experimentieren bis Hippokrates die Schwarte endgültig kracht. Fanatiker jedweder Couleur, unter denen sich, wie sollte es anders sein, die Religiösen besonders hervortun.

Widrige Umstände und brennende Sehnsüchte führen dazu, dass unsere Viererbande Marburg verlässt, um anderswo ihr Heil zu suchen. Getreu dem Motto „etwas besseres als den Untot finden wir überall“. Leider ist sich das Quartett zwischenmenschlich nicht ganz grün. Animositäten und unerwiderte Liebe ergeben manch argen Konflikt. Dass die Reise nach Gießen führt, statt in den nächst gelegenen Coffeeshop, heitert die Stimmung ebenfalls nicht gerade auf. Wen wundert’s?

Doch zwischen verstreutem Dope, radikalen Predigern, Beinaheamputationen, der Zusammenführung einer Kleinfamilie und einer Flut von ramponierten Zombies, humpelt „Fast tot“ bedröhnt seinem Ende entgegen und macht der eigenen Titelgebung alle Ehre.

Im Prinzip kann man diese Kritik auf zwei Sätze beschränken. Hier hat offensichtlich jemand versucht, seinen filmischen Vorlieben ein Denkmal zu setzen. Flugs wurde George Romeros „Land Of The Dead“ mit der mäßig unterhaltsamen Kifferkomödie „Lammböck“ gekreuzt.

Rausgekommen ist zwar kein komplett ungenießbares Kraut, aber auch nichts, das mehr Spuren hinterlässt, als ein Haufen schlecht geschminkter Statisten in einer minder budgetierten George A. Romero-und-die-Folgen-Kopie. Die Beschränkung auf „Land Of the Dead“ ist möglicherweise ein bisschen ungerecht, denn Haselberger hat so ziemlich alles verwurstet, was an aktuellen und älteren Zombiefilmen über die Leinwände und Bildschirme dieser Welt flimmerte. Größter Ratgeber war jedoch die „Dead“-Reihe Romeros, gemixt mit ein bisschen „Resident Evil“.  Zwar existiert keine „Umbrella Corporation“, aber Fingerzeige in die ungefähre Richtung böser und gewissenloser Wissenschaft, lassen den Schluss zu, dass irgendwelche misslungenen Experimente für das vermehrte Auftreten von Zombies verantwortlich sind.

Wirklich wichtig ist das nicht, denn von kleinen Episoden abgesehen, die in unterirdischen Laboren spielen, stehen die vier Protagonisten (Felix, Maik, Gregor und Veronika – obwohl der Klappentext behauptet: Veronica) und im späteren Verlauf Dr. Rüttgers, samt seiner seltsamen Sekte, im Mittelpunkt.

Doch bleiben die Charaktere blasse Funktionsträger, deren Handlungen und Beziehungen kaum nachvollziehbar gestaltet sind. Die Passagen, in denen Gregor und Maik sich um ihren Marihuananachschub und dessen Verbrennung kümmern, bersten über von pubertärer Euphorie. Das kann man nur belustigt oder mit dezentem Entsetzen hinnehmen. Dass dies in einer sprachlichen Trostlosigkeit geschildert wird, die geradezu zum eiligen und flüchtigen Weiterblättern auffordert, auch.

Obwohl insgesamt marginal lesbarer, als diverse Versuche anderer schreibender Dilettanten, bzw. dilettierender Schreiber, die sich auf der Couch finden lassen, leidet Fast tot unübersehbar an der eigenen sprachlichen Unzulänglichkeit. Das Grauen des apokalyptischen Szenarios, das der Roman so gerne entwerfen möchte, wird nicht einmal ansatzweise erfasst, geschweige denn begriffen.

So begegnen wir gleich auf der ersten Seite einem gepeinigten Mann, dessen Leben äußerst schmerzhaft zu enden droht. Das lautet dann so: „Eine Gestalt zappelte unbeholfen inmitten der mit scharfen Spitzen bestückten Drahtrollen.“  Gehen wir zur Verteidigung des Autor davon aus, dass er den gemeinen Natodraht nicht kennt, der Kasernen, Schwimmbäder und ähnlich schützenswerte Einrichtungen vor Eindringlingen bewahren soll. Der hat nämlich keine Spitzen, sondern scharfkantige Schneiden mit Widerhaken, die sich um so tiefer ins Fleisch bohren, je heftiger man zu entkommen versucht. Ziemlich eklige Sache, dies.

Im nächsten Satz sind aus den „Spitzen“ dann doch „Haken“ geworden, was das Opfer derselben – offensichtlich Sado-Maso-Fan – derart freut, dass „nur noch ein Arm in der Luft wedelte“. Kennt man von Hunden: bei unerträglichen Schmerzen wedeln die auch mit dem Schwanz. So irrt der Autor hilflos durch die Nacht, treibt seine „Helden“ vor sich her, bis es am Ende so ausgeht, wie man es von Beginn an erwartet hat.

Leidlich spannend wird es auf den letzten 150 Seiten, als unser quirliges Quartett auf Dr. Rüttgers rüde und geschmacksunsichere Sekte trifft. Aber auch hier kommen weder aufsehenerregende Entwicklungen, geschweige denn Überraschungen ans Tageslicht.

Einzig erstaunlich ist die mögliche Lösung, die Haselberger, bzw. seinen Forschern, für das Zombieproblem vorschwebt. Ohne zuviel zu verraten: es soll die Pest mit Cholera ausgetrieben werden. Anstatt sich mit der, zugegeben eigenwilligen, Idee komplett dem Wahnwitz zu ergeben, der Fast tot sowieso schon von der ersten Seite an fest im Griff hat, bleibt die viel zu lange Geschichte die klägliche Vision eines begeisterten Zombiologen, dessen umtriebige Gedankenwelt vor dem Verdauungstrakt der Zombies noch lange nicht halt macht. Wer wollte nicht schon immer wissen, wie und ob Zombies ihre Nahrung wohl verwerten, wenn keines ihrer Organe mehr arbeitet, oder im schlimmeren Fall gar nicht vorhanden ist. Vermutlich ergeht es den lebenden Toten mit ihren blutigen Schnitzeln, wie dem Leser mit Fast tot: Man kann es herunterwürgen, aber es bleibt unverdaulich liegen. Da helfen weder probiotischer Joghurt, noch die mehrfach erwähnten und unverwüstlichen Motörhead zur Anregung.

Lieber zu einem der zahlreichen filmischen Vertreter greifen, die es mittlerweile massenhaft und oft ungeschnitten auf DVD gibt. Von Lucio Fulcis „Woodoo – Screckensinsel der Zombies“ am oberen Spektrum bis Joe D’Amatos Zombie-Porno „In der Gewalt der Zombies“ und unzählbaren Amateurgurken á la „Zombie 90 – Extreme Pestilence“ wird ein ähnliches Maß an Unbedarftheit, Absurdität, Langeweile und hausgemachter blutiger Effekte geboten wie im literarischen Nachzügler Fast tot. Der Riesenvorteil: die Filmchen sind meist nach 80 Minuten ausgestanden.

PS.: „Wieso, gibt es da noch was anderes?“ fragte ein Kollege, dem ich erzählte, ich läse ein Buch über Zombies in Marburg. Davon distanziere ich mich. Fast tot spielt auch in Gießen. 

 

 

 

Ihre Meinung zu »Ralph Haselberger: Fast tot«

Jochen zu »Ralph Haselberger: Fast tot«10.06.2010
Liebe Anke,
ganz off topic: beim Rezensieren von CDs ist es schon möglich, dass man Rezensionen anders gewichten, bzw. von verschiedenen Gesichtspunkten aus angehen kann. Vor allem, da man sie mehrfach hört und sich nach dem zwanzigsten Mal durchaus neue Wertigkeiten ergeben können. Daran ist rein gar nichts seltsam; wenn es NICHT passieren würde, wäre es das.

Und ja, ich habe beim Zweitlesen auch schon mal meine Meinung über ganze Bücher revidiert. Aber vom guten Ersteindruck zum schlechteren Zweiten. Macht mich eher skeptisch, dass dir das anscheinend noch nicht widerfahren ist.

Aber wie's beliebt....
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Anke zu »Ralph Haselberger: Fast tot«10.06.2010
Hallo Jochen,

jetzt irrst du. Solange ich meine Rezension unter meinem Namen veröffentliche, kann ich das an 100 verschiedenen Stellen tun, ohne irgendwelchen Argwohn zu erwecken. Leser, die sich auf mehreren Plattformen informieren, erkennen die Rezension sofort anhand meines Namens und brauchen sie nicht mehrfach lesen. Doch viele User besuchen ja nicht alle Plattformen, genauso wenig, wie sie sich mehrere Fernsehzeitungen kaufen ;-)

Und wo steht geschrieben, dass ich ein Buch mit "ist nicht mein Geschmack" abtue? Wenn du den Roman so "gründlich" gelesen hast wie meine Kommentare hier, dann verstehe ich sogar, dass er dir nicht gefallen hat.

Die kleinen Seitenhiebe, warum auch immer mir das Buch gefiel, sind hier ebenso wenig vonnöten, denn ich habe meine Meinung in meiner Rezension begründet.

Übrigens finde ich es eher seltam, ein Produkt mit teilweise neuen oder veränderten Wertigkeiten, Gesichtspunkten etc. zu rezensieren. Da stehe ich doch lieber an verschiedenen Stellen zu meiner Meinung.

Der gemeinsamen Veröffentlichung von Ralph und mir lag übrigens ein Storywettbewerb zugrunde. Es ist eher unüblich, dass man sich da die Autoren aussuchen kann, mit denen man letztendlich in einem Buch zusammen erscheint.

Damit will ich es gut sein lassen. Du hast deine Meinung, ich habe meine. Und da wir wohl keinen gemeinsamen Nenner finden, wird eine weitere Diskussion sicher nicht viel bringen.
Alles Gute und viele Grüße,
Anke
Jochen zu »Ralph Haselberger: Fast tot«10.06.2010
Liebe Anke,

du irrst. Wenn es um Geschmack geht, halte ich mich ans Essen. Wenn ich Bücher bespreche, lese ich, denke nach, urteile und versuche das Urteil zu begründen. Dieser Begründung muss man beileibe nicht folgen, aber mit einem einfachen „ist nicht mein Geschmack“, ist das nicht abgetan. Weder im Negativen wie Positiven.

Was die Rezensionen angeht; ich glaube dir unbenommen dass dir „Fast tot“ gefällt (warum auch immer); aber wenn man auf Anhieb drei (fast?) gleichlautende Artikel in diversen Medien findet, dann sieht, dass du gleichzeitig mit Ralph veröffentlicht wirst, kommt man schon einmal auf die Idee mit den Krähen, und was sie mit den Augen anderer Krähen nicht machen.
Ich schreibe für zwei Musikmagazine und ganz selten habe ich – mit keinem besonders guten Gefühl – CDs, die mir wichtig waren, und die sonst liegen geblieben wären, in beiden Magazinen besprochen. Aber jede Rezension hat einen eigenen Text bekommen, mit teilweise neuen oder veränderten Wertigkeiten, Gesichtspunkten etc. Richtig glücklich bin ich mit diesen Doppelungen trotzdem nicht.
Ein und dieselbe, eher unkritische Besprechung an diversen Orten zu platzieren, halte ich für noch unglücklicher. Ohne es dir unterstellen zu wollen, kann beim unbefangenen Betrachter unter den gegebenen Bedingungen der Eindruck von Gefälligkeitsbesprechungen nur zu leicht entstehen. Besonders, wenn ein derart schwachbrüstiges Produkt den Rezensionen zugrunde liegt.
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Anke zu »Ralph Haselberger: Fast tot«08.06.2010
Hallo Jochen,
der Autor hat Gefälligkeitsrezensionen genauso wenig nötig zu bekommen, wie ich es nötig habe, welche zu schreiben. Im Gegenteil, einige mir gut bekannte Autoren wissen da ein Lied von zu singen.
Im Zweifelsfall habe ich sogar von Rezensionen abgesehen, wie dir beispielsweise Karli Witzko bestätigen kann. Ich weiß um meinen Ruf als Rezensentin und werde ihn nicht aufs Spiel setzen, auch dann nicht, wenn ich selbst mal etwas veröffentliche, was im gleichen Buch erschien wie das, von welchem Autor ich gerade etwas veröffentliche, oder den ich kenne. Wenn es danach geht, dürfte ich kaum noch einen deutschen Phantastik-Autor rezensieren.
Vielleicht könnten wir uns ja darauf einigen, dass die Geschmäcker nach wie vor verschieden sind und es tatsächlich Leute gibt, denen ein Buch gefällt, welches dir eben nicht gefallen hat ;-)

Sorry, wenn das so nicht hierher passt, aber die Sache mit den "Lobhudeleien" und "Gefälligkeitsrezensionen" wollte ich gern geklärt haben.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Jochen zu »Ralph Haselberger: Fast tot«07.06.2010
Liebe Anke, voreingenommen ist man z.B. wenn man fast unveränderte Besprechungen ein und desselben Schreibers in diversen Medien und Publikationen entdeckt, der (oder die) zufällig im gleichen Verlag, in der gleichen Anthologie wie der bejubelte Autor erschienen ist. Dann ist man froh, dass man diese gleichlautenden Lobhudeleien nicht vorm Schreiben einer Kritik gesehen hat, denn den Ruch, Gefälligkeitsrezensionen nötig zu haben, wird ein Autor schwerlich los. Selbst wenn die Absicht dahinter eine lautere gewesen sein sollte...

Was du meinst, ist nicht "Voreingenommenheit", sondern "Wissen", bzw. Kenntnis von einem oder mehreren Sachverhalten. Muss man nicht haben, ist manchmal aber ganz nützlich.

Ralph ist bestimmt ein netter Kerl, und unserem virtuellen Kontakt nach, ein sympathischer Zeitgenosse; zum Autoren, dessen wortreicher, aber wenig literarischer Output mehr ist, als das begeisterte (und kaum begeisternde) Erzeugnis eines Fans, fehlt doch einiges. Mag sein, dass das Buch gefällt, wenn man wenig anderes kennt. Was letztlich ein ziemlich traurig stimmendes Argument ist.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Anke zu »Ralph Haselberger: Fast tot«07.06.2010
Hallo,
ich habe "Fast tot" auch gelesen, kann mich der Meinung von Jochen König aber nicht anschließen. Im Gegenteil, mir hat der Roman ausgesprochen gut gefallen. Warum? Vielleicht, weil ich keine Zombiefilme kenne und erst wenig zum Thema gelesen habe, also fehlt mir da der Vergleich. Für die Handlung an sich könnte das der Grund sein.
Was ich an dieser Rezension nicht nachvollziehen kann, ist die Kritik an den Protagonisten. Meiner Meinung nach sind insbesondere Maik und Gregor besonders gut charakterisiert, in meinen Augen sogar nachvollziehbar, denn durch ihre Kifferei glauben sie ja erst, sich ein Stück Normalität zu bewahren. Und eigentlich kann doch kein Mensch wissen, wie Menschen in einer solchen Situation reagieren.
Vielleicht hilft es ja anderen Lesern, wenn sie wissen, dass ein vom Thema unvoreingenommener Leser durchaus Gefallen an "Fast tot" finden kann.
Le_Tartar zu »Ralph Haselberger: Fast tot«24.05.2010
Zombies im Film und auch in der Literatur. Der Genrefreund weiß, was ihm erwartet: Kurzweilige, zuweilen trashige Splatterkost. Die Grenzen sind gesetzt. Auf der einen Seite WIR (die Menschen) auf der anderen Seite DIE(Zombies, die wandelnden Toten).
So lesen sich auch die ersten Seiten von Fast tot. Plötzlich wird ganz Deutschland von einer Zombiewelle überschwemmt. Bei einigen Szenen wurde ich sehr stark an die Klassiker von George A. Romero erinnert. (Von Night of the Living Dead bis zu Land of the Dead, Ralph Haselberger beweist mit seinem Buch, das er ein Fan ist). Ein sehr großer Teil des Buches spielt in dem Örtchen Marburg. Und hier werden auch die Hauptpersonen vorgestellt: das Militär(mit einem führendem Offizier, der bei jeder Gelegenheit Valium schluckt), die Wiossenschaftler (wenn die nicht gerade Leichen aufschneiden, wird geraucht), Felix (will unbedingt seine Verlobte wiedersehen), Veronika ( ist nicht die Verlobte,will aber unbedingt mit Felix zusammen sein), Maik und Gregor (zwei Kiffer, die für ihr Hobby schon mal das eigene Leben riskieren). Und ein Koffer mit Gras spielt auch eine wichtige Rolle.
Ach ja - zwischendurch werden die \"Helden\" von Zombies gestört. die Drogen-, Valium- und Raucheridylle ist doch nicht perfekt.
Also, ich habe schon einige grottige Charakterbeschreibungen erlebt, aber das hier ist die Krönung. Von Menschen, die sich in einer Extremsituation befinden, erwartet man eigentlich auch ein sinnvolles Handeln und agieren. In Fast tot reiht sich eine Belanglosigkeit an die andere. Von Dramatik, Spannung keine Spur. Ich konnte mich kein bisschen in die Charaktere hineinversetzen, ein mitfiebern war unmöglich. Und als die Geschichte in den letzten 100 Seiten endlich in die Gänge kam, war mir alles egal.
Fast tot ist ein gut gemeinter Genrebeitrag, der an den Charakteren scheitert.
Ich vergebe gut gemeinte 35°
2 von 5 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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