Das Höllenhaus von Richard Matheson

Buchvorstellungund Rezension

Das Höllenhaus von Richard Matheson

Originalausgabe erschienen 1971unter dem Titel „Hell House“,deutsche Ausgabe erstmals 1974, 160 Seiten.ISBN 3-453-00397-7.Übersetzung ins Deutsche von Kurt Spieler.

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In Kürze:

Die Schrecken eines okkulten Todeskommandos

Professor Lionell Barret, Physiker und Parapsychologe, glaubt sicher zu sein, daß es weder Geister noch böse Mächte gibt. Rolf Rudolph Deutsch, 87jähriger, unheilbar kranker Millionär und augenblicklicher Besitzer des „;Höllenhauses“;, will das vor seinem Tode bewiesen haben. Zwischen den beiden Männern kommt es zu einem folgenschweren Vertrag: Für 100 000 Dollar soll Barret mit seiner Frau Edith, dem Medium Florence Tanner und Benjamin Fischer, dem einzigen Überlebenden einer vor 20 Jahren im Geistergebäude abgehaltenen Seance, eine Woche lang in das „;Höllenhaus“; ziehen. Was wie ein guter Handel aussieht, wird rasch zum okkulten Todeskommando. Das „;Höllenhaus“; erweist sich als ein Tummelplatz verruchter Perversionen, abgefeimter Laster und gespenstischer Schwarzer Messen. An den vier Menschen vollzieht sich unabänderlich ein furchtbares Schicksal, das rasch auf den gewaltsamen Höhepunkt zusteuert.

Das meint phantastik-couch.de: „Keine Kompromisse im ´Mount Everest der Spukhäuser´“85

Horror-Rezension von Michael Drewniok

Der Tod holt jeden Menschen; den einen früher, den anderen später. Nach Ruhm und Vermögen fragt er dabei nicht, und das ist für jene, die von beidem mehr als genug angehäuft haben, ein Ärgernis, wenn sie ihre Lebenszeit verrinnen fühlen. Rolf Rudolph Urban – im Original trägt er den Nachnamen „;Deutsch”, aber das hat der Heyne-Verlag aus unerfindlichen Gründen geändert -, Konzernchef und Multimillionär, ist 87 Jahre alt und sterbenskrank aber nicht gewillt, diese Welt so einfach zu verlassen. Bleiben kann er nicht, das weiß er, aber vorbereitet sein auf das, was ihn erwartet, will er: Gibt es ein Weiterleben nach dem Tod, und falls ja, wie sieht es aus?

Die Suche nach seinem Platz ganz nah an der Sonne, auch wenn sie im Jenseits auf ihn herabscheinen wird, lässt Urban sich etwas kosten: 100.000 Dollar pro Nase zahlt er einem einschlägigen Expertenteam, an dessen Spitze der renommierte Physiker und Parapsychologe Professor Lionel Barret steht. Dieser betrachtet die Geisterwelt mit der Skepsis des nüchternen Wissenschaftlers. Schon lange brennt er darauf zu beweisen, dass Spuk nichts als eine exotische Form elektromagnetischer Energie ist, die der Mensch zu Lebzeiten abstrahlt; Energie, die sich manchmal sogar nach dem Tode noch lange entladen und recht handfest in Poltergeisterscheinungen manifestieren kann.

Urban weist Barret den Weg zum Belasco-Haus im US-Staat Maine, dem wohl größten psychokinetischen Dynamo der Welt. Erbaut von Emeric Belasco, einem sadistischen Psychopathen, war es in den 1920er Jahren Schauplatz unerhört perverser Orgien und Ausschweifungen, bei denen sich der Hausherr für eine verschworene Gemeinde willenloser Jünger als Meister über Leben und Tod aufspielte. 27 grausam entstellte Leichen fand man 1929, als das Gesetz schließlich eingriff; Belasco war spurlos verschwunden. Bei späteren Untersuchungen starben acht Menschen durch extrem gewalttätige Spukerscheinungen.

Barret wird von seiner Gattin Edith und den Medien Benjamin Fischer und Florence Tanner begleitet. Mit Gottvertrauen will sie den Spuk bekämpfen, während Barret auf seinen “;Reversor” setzt, eine Maschine, die jene elektromagnetische Strahlung, die der Professor für die Quelle der Phänomene hält, quasi wie ein Blitzableiter ins energetische Nirwana lenken soll. Doch keine geistlose Kraft erwartet die Geisterjäger, als sie das Belasco-Haus betreten, sondern ein grimmiges Phantom, das mit perfider Perfektion die persönlichen Probleme und Schwächen seiner „;Gäste” ausnutzt, um ihnen dann wahrlich die Hölle auf Erden zu bereiten …

Das wirklich Böse ist nicht scheu

Mit nur 160 Seiten, gegliedert nach Datum und Uhrzeit wie ein Protokoll, das sechs Tage im Belasco-Haus zwischen dem 18. und dem 24. Dezember 1970 beschreibt, ist “;Das Höllenhaus” ein teuflisch spannender Roman! Die Geschichte vom Haus, in dem es umgeht, ist nicht gerade neu, aber sie wird hier so schwungvoll wie selten zuvor erzählt, weil ihr Erfinder sie, ihre Figuren und vor allem seine Leser ernst nimmt. Richard Matheson bläst die Spinnweben beiseite, die seine Vorgänger hinterlassen haben, und strickt der Mär vom Spukhaus ein zeitgemäßes Gewand.

Die Meisterschaft, die er dabei an den Tag legt, weiß man erst richtig zu würdigen, wenn man sich vor Augen führt, dass das „;Höllenhaus” ziemlich nahe dem Kino-Klassikers “;The Haunting of Hill House” (dt. „;Bis das Blut gefriert”) 'nachempfunden’ ist. Da gibt es kaum eine Szene aus diesem vielleicht großartigsten aller Spukhaus-Filme, von der sich Matheson nicht 'inspirieren’ ließ. Das schließt sogar die Figurenzeichnung ein: Mit Lionel Barret steht dem Forscherteam erneut ein gleichzeitig intelligenter und beschränkter Mann vor, der zwar von der Existenz des Spuks überzeugt ist, ihn jedoch ausschließlich vom akademischen Standpunkt betrachtet und weder glauben kann noch will, dass “Belasco„ kein abstraktes Phänomen, sondern ein (Un-) Wesen mit Intelligenz und zielgerichtetem Willen ist. Barret begreift zu spät und beschwört den Untergang der Gruppe herauf.

Natürlich ermöglichte die Zeit einige Neuerungen: Explizite Sexszenen musste sich Regisseur Robert Wise 1963 noch verkneifen (nicht, dass man sie vermissen würde!). Matheson kann dies zehn Jahre später zusammen mit einigen Gewalt- und Ekelsequenzen nachholen. Noch einmal vier Jahrzehnte später muss man ihm allerdings zugestehen, dass er nicht nur vergleichsweise dezent bleibt, sondern wiederum höchst effektiv arbeitet!

“Höllenhaus„ und die Folgen

Was verdankt die unheimliche Unterhaltung dem “;Höllenhaus”? An dieser Stelle können nur einige Auswirkungen skizziert werden. Nur ein wenig später betrat William Peter Blatty mit „;Der Exorzist” die Bühne; es fällt auf, dass eine ganze Reihe der Novitäten, die er ins bis dato leicht angestaubte Horror-Genre einbrachte, bereits bei Matheson zu finden sind. In erster Linie betrifft es die Idee, den Grusel ernst zu nehmen und ihn in die Welt der Gegenwart zu stellen. Bis in die späten 1960er Jahre musste die Phantastik eher ein Schattendasein fristen. Besonders in Hollywood wurde primär die infantile Fraktion des Publikums bedient. Das sollte sich nach 1970 ändern.

Pech für Richard Matheson, dass er ein wenig zu früh auf der Bildfläche erschien. Erst der erwähnte “;Exorzist” (sowie die immens erfolgreichen „Omen“-Filme) machten den Horror gesellschaftsfähig. „;The Legend of Hell House” (dt. “;Tanz der Totenköpfe” – ja, tatsächlich!) war 1972 jedenfalls ein billiges B-Movie alten Stils, inszeniert ohne Sinn und Verstand, das nicht einmal Genre-Star Roddy McDowall vor und Drehbuchautor Matheson hinter der Kamera erträglicher gestalten konnten.

Interessant wäre es nachzuforschen, ob und in welchem Maße Mathesons Belasco-Villa für das berühmt-berüchtigte Amityville-Haus Pate stand: 1974 ging es als angeblich echtes Spukhaus durch die Medien, das eine brave amerikanische Durchschnittsfamilie aus ihrer Behausung vertrieb, die sich als angeblicher Schauplatz eines grässlichen Massenmordes entpuppte. Auch nachdem dieser Schwindel aufgedeckt wurde, hatte Matheson wieder das Nachsehen: Die Amityville-Story wurde verfilmt (und viel zu oft fortgesetzt), während seine „;Höllenhaus”-Story nur immer wieder ausgeschlachtet wurde; zuletzt z. B. im Jan-de-Bont-Filmdesaster “;Das Geisterschloss” von 1999, das beileibe kein reines Remake des Wise-Klassikers darstellt!

Geblieben ist der Roman, dessen Lesbarkeit ungeachtet seines Alters von der Qualität kündet, für die Matheson seit über einem halben Jahrhundert als Meister der phantastischen Unterhaltung bekannt ist. 2007 steht erneut ein großer Kinofilm an, der nach einem seiner Werke gedreht wird: „I Am Legend“ ist bereits die dritte Verfilmung des gleichnamigen Romans, der anlässlich seines Starts sicherlich auch hierzulande neu aufgelegt wird. „Das Höllenhaus“ wird diese Gunst sehr wahrscheinlich nicht erfahren, so dass dem jetzt hoffentlich neugierig gewordenen Leser nur die Suche per Antiquariat bleibt – es lohnt sich!

Ihre Meinung zu »Richard Matheson: Das Höllenhaus«

MickyWinter zu »Richard Matheson: Das Höllenhaus«17.04.2013
Sprachlich ist das Buch ein Reinfall. Gegen eine an sich rein beschreibende, rein sachliche Erzählung ist noch nicht einmal groß etwas einzuwenden, sieht man einmal davon ab, daß es Matheson eben nicht schafft, eine notwendige Atmosphäre zu erzeugen. Das haben andere (vor allem frühere) Klassiker besser gemacht. Ambroce Bierce, Algernon Blackwood, Le Fanu, um nur einige zu nennen. Betrachtet man obige Rezension, dann ist zu sagen, daß Filmklassiker wie Exorzist oder Amityville wesentlich stimmiger wirken als dieses Buch, das eben nicht als Vorlage diente. Das Buch ist in der Versenkung verschwunden. Diesmal ist es gut so und hat seine Gründe.
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