Glühender Stahl von Richard Morgan

Buchvorstellungund Rezension

Glühender Stahl von Richard Morgan

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „The Steel Remains“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 500 Seiten.ISBN 3-453-52591-4.Übersetzung ins Deutsche von Alfons Winkelmann.

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In Kürze:

Der Krieger betritt das Wirtshaus – die Menge empfängt ihn jubelnd. Er zieht sein Schwert – die Menge reißt es von den Bänken. Seine Waffe schwingt funkelnd durch die Luft – die Menge tobt ...
Eigentlich hat Ringil alles, was er braucht: ein Schwert, einen Ruf als der beste Kämpfer weit und breit und ein gesichertes Einkommen. Doch als plötzlich seine Mutter, die Königin, auftaucht, bleibt dem Krieger keine Wahl. Er muss wieder kämpfen – aber diesmal nicht für Geld, sondern um ein ganzes Königreich …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die etwas andere Fantasy des Richard Morgan“85

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Mögen Sie Fantasy-Romane? Gehen Sie auch gerne an der Seite der jungen, gutaussehenden und schlagkräftigen Helden auf die Questen gegen das Böse? Nun, dann wird Sie der erste Fantasy-Roman aus der Feder eines der eigenwilligsten SF-Autoren der letzten Jahre überraschen.

Erzählt wird, einmal mehr, die Geschichte einer dunklen Bedrohung einer archaischen Welt. Die Dwenda, gottähnliche Wesen, die vor Urzeiten von den Kiriather vertrieben wurden, sind zurück. Und sie wollen die Macht über die Welt an sich reißen, die Menschen leiden sehen. Soweit so gut. das kennen wir ja, ist nichts wirklich umwerfend Neues. Doch die Auseinandersetzung wird uns aus mehreren wirklich ungewöhnlichen Blickwinkeln erzählt. 'Vorhang auf für unsere drei Protagonisten.

Da ist zunächst einmal Ringil. Er ist der Held. Dass seine beste Zeit lange vorüber ist, dass er von den Wunden, die der Krieg ihm geschlagen hat, ja mehr noch von denen, die die Zeit ihm mitgab, geprägt wurde, trifft es nicht annähernd. Ein alter, seltsamer, zynischer Dickkopf ist er und schwul noch dazu.

Dann gibt es da Archeth, eine etwas launische, manche würden sie – allerdings mit eingezogenem Kopf und hinter vorgehaltener Hand – auch als aufbrausende, alternde Zicke bezeichnen, Kriegerin.

Hinzu gesellt sich Egar, der Drachentöter. Ein Barbar, mittlerweile Klanherr, der aus der Zivilisation nach Hause zurückgekehrt, sich einen Dreck um überkommene Sitten und Gebräuche, gar nicht zu reden von dem örtlichen Schamanen schert.

Diese drei wurden vom Schicksal, na sagen wir mal lieber, von einem etwas merkwürdigen Autor, der offensichtlich nicht weiß, wie man einen Fantasy-Roman richtig schreibt, dazu ausersehen, uns von dem Konflikt zu berichten. Dabei geht es gar merkwürdig zu. Nicht etwa große Schlachtengemälde erwarten den Leser, wilde Verfolgungsjagden oder dunkle Magie sucht man vergebens. Statt dessen berichtet uns der Autor vom Leben seiner drei Protagonisten. In ihrem chaotischen Alltag stoßen sie auf erste Hinweise darauf, dass die Dwenda nach ihrer vernichtenden Niederlage erneut versuchen, die Herrschaft über ihre alte Welt zurückzuerobern. Zeitlos wie sie sind, voller unbegreiflicher Gaben und Kräfte, haben die Menschen kaum eine Chance. Zudem wird der Angriff der wenigen noch überlebenden Dwenda heimtückisch und verborgen vorgetragen …

Understatement für einen beeindruckenden Roman

Während andere Verlage ihre Bücher mit Klappbroschur oder Prägedruck edeln, bietet Heyne derartige Gimmicks kaum an. Nun kann man dies so auslegen, dass der Verlag sein Geld spart, oder aber, dass man die Mittel lieber in den Ankauf hochwertiger Manuskripte steckt. Vorliegender Roman braucht solche verkaufsfördernden Beigaben auch nicht, zu versiert und gleichsam zu innovativ führt Morgan gängige Fantasy-Klischees zu neuen Ufern.

Da sind zunächst seine drei Protagonisten zu nennen. Sie alle weisen für einen Fantasy-Roman eher untypische Wesenszüge aus. Alle sind deutlich älter als sonstiges Heldenmaterial, dazu noch ungewöhnlich ausgestaltet. Der Barbar, der den Segnungen der Zivilisation nachtrauert, die Kriegerin, die ungewohnt diplomatisch zu agieren weiß – keine Angst, sie kann auch zuschlagen und Augen ausstechen -, zudem noch lesbische Neigungen offenbart, und nicht zuletzt unser gefeierter Kriegsheld, der fremden Schwänzen hinterhersteigt.

Hat man dies einmal akzeptiert, und sich mit den Erzählern arrangiert, wartet man auf den großen Aha-Effekt. Wann nur kommt endlich der gordische Knoten, den es zu durchschlagen gilt, wann wird die Queste, die unsere Drei zu überstehen haben, benannt? Man wartet und wartet, lernt derweil die Welt und ihre Zivilisationen, ihre Geschichte und die Angreifer kennen, doch die Tat, die zur Rettung der Menschen vollbracht werden muss, sie will einfach nicht auftauchen. Das ist gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig für uns so uniformen Fantasy-Leser.

Im überraschend und martialisch ausgestalteten Finale bekommen wir dann endlich das lang ersehnte Schlachtengetümmel. Auch hier aber überrascht uns Morgan. Statt ganze Heerscharen aufeinander zu hetzen, stehen zwanzig Krieger dem Ansturm der Dwenda gegenüber. Geschickt spielt der Autor hier wie schon zuvor im Buch mit der Erwartungshaltung des Lesers, überrascht uns nicht nur mit seinen Personen, sondern auch mit dem Handlungsaufzug und fasziniert mit einem spannend aufgezogenen Plot.

Ihre Meinung zu »Richard Morgan: Glühender Stahl«

Alexi1000 zu »Richard Morgan: Glühender Stahl«14.03.2010
Ich habe mich lange nicht mehr an Fantasy - Romane herangetraut (evtl. auch, weil vieles wie die Couch-Rezension schon besagt doch sehr im Einheitsbrei versinkt...).
Dann wurde ich aufmerksam, als die ersten Stimmen zu THE STEEL REMAINS laut wurden, und besagten da kommt ein Roman auf uns zu, der mit vielen Konventionen bricht und das Fantasy - Genre aufrollt.
Auf jeden Fall ist es dem Autoren gelungen, mich zu überraschen!
Die sogenannten "Helden" sind fast wie im wahren Leben Charaktere mit all Ihren Stärken und Schwächen. Es kann halt nich immer nur Schwarz und Weiß geben...
Es fällt dadurch natürlich eingefleischten Fantasy-Fans sicher nicht leicht, sich mit den "Helden" zu identifizieren: Ringil hat in rasender Wut schon mal einem Kind den Kopf zerschmettert...da schluckt man schon mal trocken.
Hinzu kommt angesprochene Homosexualität eines/mehrer der Protagonisten; möchte aber mal festhalten, das es in keinem Fall wirklich so explizit geschildert wird, wie durch einige Vorrezensenten evtl. der Eindruck entstehen könnte!
Die Schauplätze sind dann auch nicht wirklich "groß" (man braucht KEINE Karte für die Landschaft Morgans *lach*).
Der Gewaltanteil, macht es dann endgültig zur Erwachsenen-Fantasy: Da spritzen Blut und Knochen, Leiber werden geteilt etc.

Tja, alles in allem sicher nicht jedermanns Geschmack. Mir hat es aber gerade deswegen so gefallen, weil Morgan so mutig war, mir als Leser so einen Batzen hinzuwerfen, und Sinnbildlich sagt: Sieh zu, wie Du damit fertig wirst!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Grifter zu »Richard Morgan: Glühender Stahl«09.03.2010
Ich habe das Buch vor einer Weile in Englisch gelesen und fand es insgesamt sehr erfrischend, da es eine Abwechslung zum üblichen Fantasy-Einerlei darstellt.

Allerdings ist es nichts für schwache Gemüter und man muss wirklich sagen, dass Morgan es mit den Sexszenen (egal ob schwul oder hetero) ein wenig übertreibt. Es hätte dem Buch sicher nicht geschadet wenn er an den Stellen etwas bei den Details gespart hätte.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Adryen zu »Richard Morgan: Glühender Stahl«06.03.2010
Ich las dieses Buch bis heute mit grosser Spannung und, gerade wegen den jeweils ungewöhnlichen Situationen der Protagonisten, auch mit Amusement. Ich bin nun etwa bei 2/3 des Buches und habe noch vor nicht allzu langer Zeit erst richtigen den Zugang gefunden.

Nun muss ich aber sagen, dass es eine Szene in diesem Buch gibt, die mir den Lesespass total verdorben hat.. Ich bin absolut tolerant und habe auch nichts dagegen, mal ein wenig Schwules zu lesen, aber diese Szene ist für mich einfach nur dummer Gay-Porno, der absolut unnötig und viel zu ausführlich beschrieben wird, noch dazu mit einem Partner, der damit direkt alles Geheimnisvolle verliert. Ich überreagiere jetzt vielleicht, aber ich habe dieses Buch im Fantasy-Sortiment eines Buchladens entdeckt, gleich neben Trudy Canavan und Licia Troisi und änlich Harmlosem. Würde dieser Roman in der Gay-Ficition-Abteilung geführt werden, dann wäre der Schreibstil in Ordnung, aber so liest man mal die ersten 400 Seiten, nichts ahnend, dass man stellenweise echt einen Schwulenporno in der Hand hat.

Habe das Buch jetzt weggelegt - schade, hat vielversprechend angefangen.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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