Der Monstrumologe und die Insel des Blutes von Rick Yancey

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „The Isle of Blood“,deutsche Ausgabe erstmals 2013, 528 Seiten.ISBN 3-7857-6082-5.Übersetzung ins Deutsche von Axel Franken.

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In Kürze:

Dr. Warthrop ist auf der Jagd nach einem legendären Monster, das die Fachwelt als den „Heiligen Gral“ der Monstrumologie bezeichnet. Er lässt Will Henry in New York zurück und nimmt stattdessen einen neuen Assistenten mit. Für den jungen Will bricht eine friedvolle Zeit an, ganz ohne mitternächtliche Sezierstunden, rasante Fluchten und Monster jedweder Art. Monatelang hört er nichts vom Doktor. Dann kehrt eines Tages der Assistent zurück, mit einer schrecklichen Nachricht: Der Doktor ist tot. Will traut dem Assistenten nicht über den Weg und macht sich selbst auf die Suche nach seinem Lehrmeister. Seine Reise führt ihn nach Socotra. Die Insel des Blutes, wo roter Regen vom Himmel fällt.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die Monstrumologen auf der Jagd nach ihren heiligen Gral“88

Horror-Rezension von Carsten Kuhr

Seit mehreren Jahren, genauer gesagt, seitdem sein Vater umkam, steht Will-Henry nun schon in den Diensten des Monstrumologen. Mit seinen mittlerweile 13 Jahren ist er naseweis, aber auch abgebrüht, hat viel, zu viel Leid, Innereien und Siechtum gesehen, als dass sein Geist davon unberührt geblieben wäre. Um so mehr trifft es ihn, als sein Lehrmeister, der Mann, dem er sein Leben im wahrsten Sinne des Wortes gewidmet hat, ihn abschiebt.

Aus England traf etwas ein, das selbst die alt-ehrwürdige Gilde der Monstrumologen bislang ins Reich der Phantasie verwiesen hatten. Ein hoch-ansteckendes Überbleibsel eines infizierten Menschen. Dass Will-Henry selbst sich infiziert, dass Dr. Warthrop, um seinen Assistenten zu retten, diesem den Zeigefinger amputieren muss, zeigt nur die Gefährlichkeit des Objekts. Und dennoch sind die Monstrumologen in heller Aufregung – beweist das Relikt doch, dass es das Magnificum, den mysteriösen, bislang nur vermuteten heiligen Gral der Monstrumolgen, der allein die gefährliche Infektion auslöst, doch geben könnte. Will-Henry zurücklassend bricht Dr. Warthrop zusammen mit einem brillanten britischen Nachwuchsmonstrumologen auf, das Magnificum zu suchen – und kommt bei der Suche ums Leben.

Will-Henry aber traut der Nachricht vom Ableben seines Lehrmeisters nicht. Zu sehr hat sich sein Nachfolger in Widersprüche verwickelt, als dass unser findiger Will-Henry nicht Verdacht schöpfen würde. Obwohl er Aufnahme in den behüteten Haushalt eines angesehenen Honoratiorenehepaars in New York angeboten bekommt, schlägt er die Chance auf persönliches Glück aus. Er macht sich auf die Suche nach seinem Lehrmeister. Die Expedition führt über eine Irrenanstalt Londons, Aden und Arabien hin zu einer Insel, auf der blutiger Regen niedergeht und ein minotaurisches Monster Jagd auf Menschen macht – auch auf Monstrumologen …

Auch äußerlich außergewöhnliche Bücher

Was sind das für Bücher, die Lübbe hier, bereits optisch etwas anders aufgemacht, vorlegt? Drei Titel sind mittlerweile erschienen, drei Bücher, die sowohl inhaltlich als auch von ihrer handwerklichen Gestlatungung her aus dem monatlichen Allerlei, mit dem die Verlage zu punkten versuchen, herausragen. Prägedruck mit Klappbroschur, kongeniale, extra für die deutsche Ausgabe angefertigte Innenillustrationen und ein Titelbild, das ganz in schwarz-weiß gehalten eine Gestalt mit einem roten Umhang in stürmischer See hervorhebt. Das ist so liebevoll und engagiert gemacht, so ungewöhnlich, dass das Interesse des Lesers geweckt wird.
Auch inhaltlich geht der Autor im dritten von voraussichtlich vier Bänden ganz eigene Wege. Es geht um Monster, im weitesten Sinne um Zombies, das ist von der Anlage her ein Horror-Plot und doch auch wieder nicht.

Nach dem fulminanten Auftakt und dem actionlastigen zweiten Band geht es zunächst etwas ruhiger zu. Eine Probe wird angeliefert und untersucht, die Wege des Monstrumologen und seines Eleven trennen sich kurzzeitig. Fast scheint es, dass Will-Henry die Chance hätte, in ein normales Leben einzutauchen, bei einer Familie Unterschlupf und Aufnahme zu finden, die ihn umsorgt, ihn liebt und seinen weiteren Lebensweg begleitet. Doch statt des eigentlich so anheimelnden Idylls entscheidet sich Will-Henry dafür, seinem Meister weiter zu folgen.

Im Verlauf der letzten Jahre ist er immer mehr in die Rolle eines – so unwahrscheinlich sich dies zunächst anhört – Beschützers hineingewachsen. Er, der Junge kümmert sich um seinen Meister, kocht, kauft ein, putzt und – ja er rettet diesem das Leben. Verantwortung ist das Wort, das groß über Will-Henry schwebt. Verantwortung, die von Wilthrop nicht direkt eingefordert wird, geschweige denn, dass sie honoriert würde, dass er dem Jungen das geben würde, was dieser am meisten braucht – menschliche Wärme, Anerkennung, Liebe! Doch wie heisst es so treffend – Undank ist der Welten Lohn …

Im Verlauf des Abenteuers wechseln dann die Positionen. Während Dr Wilthrop immer mehr in die Rolle des zwar engagierten, genialen aber auch weltfremden Wissenschaftlers hineingedrängt wird, übernimmt Will-Henry es, für das Wohl des ungewöhnlichen Duos zu sorgen. Er muss schwierige, schwierigste Entscheidungen treffen, verliert dabei seine Unschuld, ja sein Gewissen bis er mitleidlos, seltsam losgelöst von seinen inneren Werten, von Moral und Anspruch das tut, was getan werden muss.

Diese Entwicklung hat der Autor sehr gut nachvollziehbar in seine immer rasanter Fahrt aufnehmende Handlung hineingewebt. Neben den markanten Figuren, mit denen er uns wiederum verwöhnt, den phantastischen Ideen und exotischen Handlungsschauplätzen ist es das Schicksal des unschuldigen Will-Henry, der aus Liebe zu seinem Lehrmeister sein Menschsein aufgibt, das den Roman prägt. Das berührt uns, eben weil es in sich sauber und nachvollziehbar geschildert wird, das packt uns mit der innewohnenden Dramatik und macht uns betroffen um eine unschuldige Seele, die eben jene Unschuld verliert.

(Carsten Kuhr, Januar 2013)

Ihre Meinung zu »Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes«

Alexi1000 zu »Rick Yancey: Der Monstrumologe und die Insel des Blutes«07.03.2015
Hier haben wir nun schon der dritten Teil der Monstrumologen - Reihe.

Über die Handlung will ich gar nicht viele Worte verlieren, interessant ist vor allem die Weiterentwicklung der Charaktere und hierbei kommt das Hauptaugenmerk immer mehr auf die "Symbiose" von Will Henry und seinem "Meister" in den Vordergrund.

Im Laufe des Buches wird die Handlung auch immer rasanter und ich habe es nicht bereut der Reihe bis hierhin treu geblieben zu sein.

Manchmal muss man sich immer noch ein wenig mit der bewusst auf leicht altmodisch gemachten Schreibweise auseinandersetzen, aber das Gesamtpacket mit der tollen Aufmachung ist mal wieder aller Ehren wert: 85°.
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