Space Cadet von Robert A. Heinlein

Buchvorstellungund Rezension

Space Cadet von Robert A. Heinlein

Originalausgabe erschienen 1948unter dem Titel „Space Cadet“,deutsche Ausgabe erstmals 2016, 320 Seiten.ISBN 3945493595.Übersetzung ins Deutsche von Andrea Blendl.

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In Kürze:

Visionärer und genreprägender Science-Fiction-Klassiker in neuer Übersetzunb

Den Frieden zu wahren...
Nur die Besten werden in die Elitetruppe der Weltraumpatrouille aufgenommen. Matt Dodson ist einer der vielen jungen Männer, die der Einheit beitreten wollen. Ihre wichtigste Aufgabe ist den Frieden zwischen den Welten zu wahren und Kriege präventiv – notfalls auch mit atomaren Schlägen – zu verhindern.
Noch befinden sich Matt und seine Kameraden in der Ausbildung, doch schon bald bietet sich ihnen die Gelegenheit, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen …

Ein Klassiker der Military-Science-Fiction vom vierfachen HUGO-Award-Gewinner Robert A. Heinlein

Das meint Phantastik-Couch.de: „Aufbruch in eine Zukunft voller Gefahren & Möglichkeiten“80

Science-Fiction-Rezension von Michael Drewniok

Er möchte ein Mitglied der „Friedenspatrouille“ sein, die Ende des 21. Jahrhunderts zwischen den Planeten des Sonnensystems kreuzt und dort für Recht und Ordnung sorgt: Matthew Dodson, ein hoffnungsvoller junger Mann aus dem schönen US-Staat Iowa, ist bereit, für seinen Traum das dekadente Zivilisten-Leben aufzugeben, die heimische Scholle zu verlassen und Soldat oder besser: Weltraumkadett zu werden!

Mit seinen ebenso idealistischen Gefährten (und Leidensgenossen) aus allen Ländern der Welt übersteht er merkwürdige ‚Eignungstests', lässt sich von wohlmeinenden Vorgesetzten schleifen und lernt fleißig und entsagungsvoll, bis ihm das einhypnotisierte Wissen aus den Ohren quillt. Kameraden hilft man, Quertreiber werden kollektiv gezüchtigt, Versager an die frische Luft gesetzt. Als Matt & Co. auf Patrouillennorm zurechtgebogen sind, gibt’s als Belohnung endlich die schicke Einheitsuniform.

Nun geht es ins All und auf einen richtigen Einsatz! Zum Wasserplaneten Venus (zur Erinnerung: unsere Geschichte entstand im Jahre 1948) fliegt das Raumschiff „Aes Triplex“. Dort haben die amphibischen Ureinwohner, eigentlich ganz friedliche Leute, die sich bisher gern von den Erdlingen kolonisieren und ausbeuten ließen, zum Aufstand geblasen. Niemand sonst ist in der Nähe, der ihnen den Marsch blasen könnte, und so müssen die Kadetten ‚ran. Aber sie haben Pech, verlieren ihr Schiff bei einer missglückten Landung und werden gefangen gesetzt.

Matt und die anderen Kadetten lernen nun die weniger glamouröse Seite der „Friedenspatrouille“ kennen. Sie müssen sich mit ihren Kerkermeistern diplomatisch auseinandersetzen. Mensch und Venusbewohner lernen dabei einander kennen. Das ist mit vielen Missverständnissen verbunden, zumal es auf beiden Seiten schwer belehrbare Hitzköpfe gibt …

Die neue Grenze liegt zwischen den Sternen

Dies ist ein nostalgischer Rückblick in eine Zeit, als es noch außer Frage stand, dass der Mensch das All erobern wird. Dort würde es dann wie auf der Erde aussehen (mit einem Hauch Wilder Westen), wo selbstverständlich nach dem Sieg der „richtigen“, d. h. US-amerikanischen Seite Weltfrieden eingekehrt ist und alle Menschen sich gemeinsam den Herausforderungen einer goldenen Zukunft stellen.

Zu den Sternen geht es in dieser Parallelwelt mit raketenbefeuerten U-Booten, die kühne und knorrige Kapitäne mit Rechenschieber, Daumenmaß und ordentlichem Vorhalt an ihre Ziele bringen. Was genau die Menschheit an unwirtliche Orte wie Mars, Venus oder in den Asteroidengürtel treibt, wäre eine Frage für überkritische Spielverderber, die aber nichts zu sagen haben im Universum Heinlein. Die Eroberung des Alls ist möglich und wird deshalb getan – Punkt!

Mit Optimismus und Schwung in die Zukunft: Kaum jemand unter US-Amerikas SF-Autoren konnte (vor allem um 1950) dieses Lied lauter singen als Robert A. Heinlein, der sogar eine ganze Reihe berühmt gewordener Romane „für die Jugend“ darüber schrieb. Diese werden auch heute noch gern gelesen; weniger wegen ihrer ranzig gewordener Holzhammer-Pädagogik als aufgrund ihres unbestreitbaren Unterhaltungswertes. Heinlein war sicherlich ein zwiespältiger Charakter, aber schreiben konnte er, und seine Einfälle sprudelten aus einem scheinbar bodenlosen Brunnen.

Das Fremde ist faszinierend

Nur ein Jahr nach dem furchtbar dummen „Rocket Ship Galileo“ (dt. „Reiseziel: Mond“) kehrte Heinlein mit „Space Cadets“ 1948 zu seiner wahren Form zurück. Meisterhaft setzt er die schwierige Annäherung der Erdmenschen und ihrer venusischen ‚Gastgeber’ in Szene. Diese werden vom oft für seinen rüden Pragmatismus gescholtenen Verfasser (sowie für die Mitte des 20. Jahrhunderts) überraschend differenziert beschrieben. Nicht nur die vordergründigen Unterschiede zwischen Menschen und Venusianern werden unterhaltsam dargestellt. Letztere leben am und unter Wasser, sind klein und haben eigenartig anmutende gesellschaftliche Regeln, von denen das Verbot, in der Öffentlichkeit zu essen, nur eines von vielen ist. Nichtsdestotrotz schildert sie Heinlein als Wesen, die Achtung und das Recht auf ihre Privatsphäre verdienen.

Die Menschen müssen nicht nur mit diesen Fremden, sondern auch mit den eigenen importierten Vorurteilen fertig werden. Schwächlinge sind die Venusianer für den arroganten Burke, was natürlich die Kontaktpflege wenig fördert. Tatsächlich sind sie den Menschen moralisch, kulturell und womöglich wissenschaftlich überlegen. Doch mit seinen Kadetten hat Heinlein zwar auch einige Dummköpfe aber ansonsten die junge Elite der Menschheit ins All geschickt. Die ist stark und anpassungsfähig wie Matt Dodson, zumindest aber anstellig und als Handlanger brauchbar wie „Tex“ Jarman. So liebt Heinlein seine Protagonisten, mit solchen Männern lässt sich allen Schwierigkeiten zum Trotz jede Welt erobern!

Gleiche Chancen für alle!

Heinleins Weltraumkadetten repräsentieren die tüchtige Männlichkeit der gesamten Erde. (Frauen kommen nicht an die Raumfront, sondern bleiben in der Etappe.) So finden wir unter den Kadetten nicht nur die üblichen Granitkinn-US-Boys, sondern Angehörige aller Rassen und Nationen, fremdplanetarische Kolonisten eingeschlossen. Sie müssen nur tüchtig sein und ordentlich lernen, dann haben sie nach Heinlein nicht nur dieselben Pflichten, sondern auch Privilegien.

Für 1948 ist diese Haltung – zumal für einen angeblich unverbesserlichen Hardliner – ungewöhnlich. Einerseits war Heinlein konservativ, andererseits aber unkonventionell. Zumindest in seinen jüngeren Jahren kannte er zudem die Fehler des von ihm so geschätzten Militärsystems und hielt Freiheit im Denken für unbedingt erforderlich, um den Fortschritt zu gewährleisten. Hier hatte der Zweite Weltkrieg in einigen Köpfen etwas in Bewegung gesetzt: An den Fronten waren zumindest zeitweilig gesellschaftlich Schranken zusammengefallen.

Auch Unangenehmes spricht Heinlein an. Die „Friedenspatrouille“ konserviert den Status Quo, indem sie notfalls unbelehrbare Kriegstreiber aus dem All mit Atombomben bepflastert. Das sorgt auf der Erde für Unruhe, was Heinlein anschaulich macht, indem er einen Konflikt des heimgekehrten Matt mit seiner Familie schildert, die einfach nicht glauben mag, dass er seinem Diensteid gemäß auch seine Heimatstadt attackieren würde. Diese Frage stürzt Matt in einen Konflikt, der sich auch in der Diskussion mit einem der Heinlein-typischen Ich-weiß-alles-Offiziere nicht wirklich lösen lässt. Im noch jungen Zeitalter der Atombombe waren solche Diskussionen nach 1945 nicht ungewöhnlich. Heinlein ehrt es, dass er sie nicht ausklammerte, obwohl er doch ‚nur’ einen Jugendroman schrieb.

Zuviel Drill kann es gar nicht geben

Bei allem Staunen über eine liebevoll ausgemalte Welt der Zukunft muss man sich über einige Aspekte doch arg wundern. Da ist vor allem die Rekrutierung und Ausbildung der Kadetten. Wenn man sieht, wer da mit Matt in der Akademie eintrifft, stellt man sich die Frage, ob der Nachwuchs für den Weltraum rekrutiert wird, indem man an ausgewählten Orten eine „Kadettenparty“ gibt und anschließend die betrunkenen Gäste einsammelt.

Die meisten Tests, die Heinlein ausführlich beschreibt, scheinen primär dazu da zu sein, junge Männer durcheinanderzuwirbeln, zusammenzustauchen oder anderweitig zu malträtieren, bis endlich nur noch zwei oder drei echte Kadettenanwärter übrig bleiben. Wäre es nicht effizienter (und billiger), das Feld schon vorher mit vernünftigen Tests zu prüfen und nur die tatsächlich tauglichen Rekruten einrücken zu lassen? Natürlich wäre Heinlein so um das eindrucksvolle Bild gebracht worden, die hoffnungsvolle Jugend der Erde von allen Seiten chancengleich in die Kadettenakademie strömen zu lassen.

Echte Science Fiction aus der Sicht des zynisch gewordenen 21. Jahrhunderts ist weniger Heinleins „Mondkatapult“ zur kostengünstigen Beförderung großer Lasten, sondern die Schilderung einer Akademie-Ausbildung, die auf Kosten pfeift, um nur die besten Weltraumfahrer hervorzubringen. Vom Flugplatz steigt den lieben langen Tag eine Kadettenrakete nach der anderen auf. Wenn man weiß, dass es realiter aus Kostengründen kaum mehr möglich ist, selbst wichtige Weltraummissionen durchzuführen, kommt einem Heinleins Vision erst recht lächerlich (oder deprimierend) vor. Er schrieb seine Geschichte in einer Zeit, da die Kriegsindustrie seines Landes in der Lage war, notfalls die ganze Welt mit Flugzeugen, Schiffen oder Panzern „made in USA“ in Schach zu halten, und hatte keinen Grund zu glauben, dass sich dies einmal ändern könnte.

Naiv mutet der Sieg des Idealismus’ über die Realität an. Diese wird in „Weltraumkadetten“ vom zynischen Gilbert Burke (schon der Name klingt verdächtig) dargestellt. Ihn treibt nicht der Stolz, der Menschheit dienen zu dürfen, sondern der Wunsch, Karriere zu machen und an Geld und Macht zu kommen an. Er repräsentiert den egoistischen, ehrlosen Geschäftsmann und Politiker bzw. den „Kriegsgewinnler“, der aus dem Elend seiner Mitmenschen Profit schlägt. Dafür wird er von den Kadetten mit dem Spitznamen „Stinky“ und vom Leben mit einem ruinösen Schiffbruch auf der Venus gestraft. Freilich mag sogar Heinlein sich nicht völlig im Märchenhaften verlieren; wir erfahren schließlich, dass der schurkische Burke, der beinahe einen Krieg angezettelt hätte, mit einer Bewährungsstrafe davonkommt. Ihn retten das Vermögen und der Status seiner Familie; das hat sich also auch in der Zukunft nicht geändert.

So wird ein Mann ein Mann!

Wie wird ein „Junge“ zum „richtigen“ Mann? Diese Frage liegt dem Jugendroman seit jeher am Herzen. (Inzwischen darf auch die Frau entsprechende Anleitung erwarten.) Matt Dodson ist Repräsentant einer uns heute fremden Epoche; einer Vergangenheit der Zukunft sozusagen. 1948 erregte es noch nicht den Zorn einer kritischer gewordenen Öffentlichkeit, wenn sich ein junger Mann nichts sehnlicher wünschte als hart „rangenommen“ zu werden, bis er ein echter Raumkadett und Held war und der Gesellschaft dienen durfte. Dafür bringt Matt gern auch das größte Opfer und gibt seine Identität weitgehend auf, die allerdings schon vorher weitgehend systemkonform war. Bemerkenswert die Szene, als er in der Kadettenkaserne telefonisch mit seiner Freundin Schluss macht, weil er sich nun auf Wichtigeres – seine Ausbildung – konzentrieren muss. Hätte ihm das nicht schon zu Hause einfallen können?

Die Gruppe, die an einem Strang zieht und sich höchstens in den knappen Feierabendstunden auf ihren Individualismus oder gar private Wünsche besinnt: Das ist die Gemeinschaft, die nach Heinlein etwas bewegt. Die daraus resultierenden Probleme sind ihm durchaus nicht unbekannt: Kann sich ein wirklich frei denkender Mensch in eine militärische Organisation einfügen?

Heinlein löst diesen Widerspruch, indem er ein System kreiert, das (scheinbar) die Fehler der Vergangenheit (Duckmäusertum, Kadavergehorsam, Leerlauf, Diskriminierung etc.) überwunden hat und eine neue Klasse Mensch – die Weltraumkadetten – in die Welt setzt. Sie werden mehr oder weniger sanft so lange von weisen Vorgesetzten geführt, bis sie sich in das System integriert haben und es schließlich selbst tragen. Das wird dem Kritiker immer noch nicht schmecken, aber so funktioniert das Heinlein-Universum. Wer sich darauf einzulassen vermag und ein Werk wie „Space Cadet“ nicht als Anleitung zum Bau totalitärer Militärdiktaturen verteufelt, wird sich sicherlich unterhalten lassen.

Nichtsdestotrotz dürfte diese Neuauflage vor allem dem aktuellen Höhenflug der „Military Science Fiction“ geschuldet sein. Dies ist eine nachträgliche Schubladisierung, die problemlos ignoriert werden kann, zumal zum inhaltlichen, nostalgisch verstärkten Unterhaltungswert eine Neuübersetzung und ein schönes Layout kommen. So wünscht man sich eine Wiederkehr auch anderer, längst vom Buchmarkt verschwundener SF-Altmeister!

Ihre Meinung zu »Robert A. Heinlein: Space Cadet«

Michael Zöllner zu »Robert A. Heinlein: Space Cadet«21.10.2016
so war mal die SF... Eine Literatur über die Mannwerdung in Uniform. Wenn man später die Starshiptrooper liest, findet sich auch ein roter Faden in beiden Werken!

Die Hoffnung das Uniformen und militärische Verantwortung uns besser Machen als wir sind!
Und das unser Urteilsvermögen uns über Zweifel erhaben macht!
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