Idoru von Robert Wilson

Buchvorstellungund Rezension

Idoru von Robert Wilson

Originalausgabe erschienen 1996unter dem Titel „Idoru“,deutsche Ausgabe erstmals 1997, 332 Seiten.ISBN 3-453-15636-6.Übersetzung ins Deutsche von Peter Robert.

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In Kürze:

Idoru – das sind virtuelle Wesen, computergenerierte Popstars mit Millionen von Fans rund um die Welt. Die wunderschöne Rei Toei ist das bisher perfekteste dieser Geschöpfe, so perfekt, daß sie alles daran setzt, die Grenzen des Cyberspace zu überwinden.

Das meint phantastik-couch.de: „;Grenzgänger der Realität in Tokio“;80

Science-Fiction-Rezension von Michael Matzer

Der Erfinder des Begriffs „;Cyberspace“; wirft – nach „;Neuromancer“; und „;Virtuelles Licht“; – einen weiteren Blick in die nahe Zukunft: diesmal in die der Medien und Virtuellen Realität.

Während einer Konzerttour durch Japan verliebt sich der US-Rockstar Rez von der Band Lo/Rez („;niedrige Bildauflösung“;) in die schöne, aber virtuelle Kollegin Rei Toei. Sie ist eine Idoru, das ist Japanisch für „;Idol“;. Wie Kyoko Date und Lara Croft führt sie ein „;Leben“; in den Schaltkreisen des Internets. Rez möchte sie unbedingt heiraten.

Dazu braucht er aber offenbar eine nanotechnologische Software – der klassische MacGuffin, hinter dem alle hinterher sind, der selbst aber nie erklärt wird. Jedenfalls hat die russische Mafia, der unter dem Namen „;Das Kombinat“; der russische Staat gehört, ein begehrliches Auge darauf geworfen. Sie heuert den „;Informationsmusterfischer“; Laney an, der in den unwahrscheinlichsten Verbindungen zwischen Info-Bits, den Knoten, noch intuitive Hinweise entdeckt. Und er wird fündig.

Die süße kleine Chia kommt, den allerneuesten Laptop mit VR-Technik auf dem Schoß, von der Westküste über den Teich nach Tokio geflogen und macht die Bekanntschaft einer netten, aber zwielichtigen Lady, die sich mit ihrem Lover in der großen Stadt trifft. Als es zum Streit zwischen beiden kommt, verzieht sich Chia, findet aber bald darauf eines schwarzes Kästchen in ihrer Tasche – genau, das „;Nano-Ding“;. Ihre eigentliche Aufgabe, dem Idol ihres Fanclubs, Rez, nachzuspüren, verwndelt sich bald in eine Art Schnitzeljagd, als der Lover sein Nano-Ding wiederhaben will und Laney und die Russen auf Chia ansetzt.

Mit der Hilfe zahlreicher Grenzgänger zwischen empirischer und virtueller Realität, zwischen den Straßen- und den Datennetzen gelingt es Chia, sich halbwegs lebend aus der Affäre zu ziehen. Ein schönes Bild: Tausende kleiner Mädchen winken ihrem Idol Rez zu, so daß Chia und Anhang den Russen entkommen können, weil die Fans den Verkehr blockieren. Natürlich heiraten Rez und Rei Toei – Happy-end?

Der „;Blade Runner der Neunziger“;

Gibson läßt deutliches Unbehagen in den engen Straßen und winzigen Zimmern der großen Metropole aufkommen. Da kommt die virtuelle Realität daher wie weiland der große weite Westen im Amerika des 19. Jahrhunderts, allerdings mit wesentlich erweiterten Spielregeln. Der Sieger kennt immer das richtige Passwort und zieht sich rechtzeitig vor dem nächsten Virenangriff zurück.

Die seit dem großen Beben zusammengebrochene Skyline Tokios wird mit Hilfe der Nanotechnolgie von den großen Konzernen wiederaufgebaut: Es sieht aus wie eine schmelzende Kerze im Rückwärtsgang.

Unwillkürlich sucht Gibsons Blick die Bruch- und Nahtstellen – darf der Bürger solchen Ausformungen trauen oder liegen sie auf einer Ebene mit „;Virtuellem Licht“;? Dies ist de Anknüpfungspunkt an Gibsons vorherigen Roman, der ja auch ein Bestseller wurde.

Gibsons literarischer Erfolg beruht darauf, daß er dem Leser ein Gefühl der Welt in wenigen jahren vermittelt, faszinierend, unheimlich, aber vor allem bilderreich. Die Bilder werden in der virtuellen Realität noch weit mehr und farbiger beschworen als in der sogenannten primären Realität. Hier lenken neue technische Gimmicks wie durchsichtige Laptops, VR-Brillen und -Handschuhe sowie „;Nano-Dinger“; die Aufmerksamkeit auf sich.

In „;Idoru“;, dem „;Blade Runner der Neunziger“; (John Williams in GQ), wird aber auch das Bild des Menschen gezeigt, wie er sich an den Bruchlinien der Realitäten entlanglaviert. So mancher bleibt dabei auf der Strecke, je nachdem, ob er sich der angemessenen Methoden bedient, um sich durchzuschlagen.

Viel hängt von den richtigen Kontakten ab, in der Szene, in der Wirtschaft, in der sekundären Welt: So etwa in der „;Verborgenen Stadt“;, einer multikulturellen VR-Enklave (manche Leute würden Chatroom dazu sagen), aus der Chia und ihr japanischer Hackerfreund Hilfe erhalten.

Als Thriller funktioniert „;Idoru“; ganz ordentlich, das ist jedoch sicherlich nicht der Hauptzweck seiner Existenz. Dennoch: ein Muss für jeden SF-Leser, der mitreden will (seinerzeit zumindest, anno 1999)

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