Die Zauberschiffe 1 + 2 von Robin Hobb

Buchvorstellungund Rezension

Die Zauberschiffe 1 + 2 von Robin Hobb

Originalausgabe erschienen 1998unter dem Titel „Ship of Magic“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 1024 Seiten.ISBN 3-442-24439-0.Übersetzung ins Deutsche von Wolfgang Thon.

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In Kürze:

Ephron Vestrit hinterlässt seiner Familie das Schiff Viviace. Es ist aus Hexenholz gebaut und kann fühlen und denken. Die Witwe übergibt die Viviace an ihren Schwiegersohn Kyle Haven, obwohl ihre jüngere Tochter Althea nach dem Willen des Vaters das Schiff übernehmen sollte. Althea flieht, während der neue Kapitän bald sein wahres Gesicht zeigt …

Das meint phantastik-couch.de: „Längst überfällige Neuauflage eines der gesuchtesten Fantasy-Zyklen“85

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Die Zauberschiffe, unter dieser Serienbezeichnung legt Blanvalet die entsprechende Trilogie der Amerikanischen Bestseller-Autorin endlich neu auf. Erschienen die drei englischsprachigen Bände bislang in sechs deutschsprachige Titel verteilt, so steht nun die Veröffentlichung im Originalumfang – sprich: in drei Zielgelstein-Wälzern an. Viel Buch fürs Geld also, doch sind die Bände ihr Salair auch wert?

Schaut man sich die einschlägigen Auktionshäuser an, wird man schnell feststellen, dass die Romane um die lebendigen Schiffe Kultstatus besitzen. Fans bezahlten entweder bei Auktionen oder im Book-On-Demand Vertrieb der Titel ohne Coverabbildungen rund 20 Euro pro Band, nur um in den Genuss der etwas anderen Magie Robin Hobbs zu kommen. Bereits mit den bei Bastei-Lübbe erschienen Chroniken um „Fitz den Weitseher“ hat Hobb bewiesen, dass sie abseits der ausgetretenen Pfade mit vielschichtigen Charakteren zu unterhalten weiss.

Ab in den wilden Süden

In den Bänden um die Zauberschiffe entführt uns Hobb weit in den Süden ihrer Welt. Ohne direkten Zusammenhang mit den Fitz-Romanen präsentiert sie uns eine Welt voller absonderlicher Magie, unvergessener Gestalten und einer Handlung, die uns mitreisst und betroffen macht.

An der verwunschen Küste des Regenwalds hat sich eine Kolonie etabliert. Bingtown ist seit Jahrhunderten der Sitz alteingesessener Händlersippen und Handelshäuser, deren teuerster Besitz ihre Schiffe sind. Nicht nur, dass ausschliesslich mit diesen Schiffen ein Handel mit den Bewohnern des Regenwald-Flusses möglich ist, nein, diese Schiffe sind lebendig. Sobald auf ihren Planken drei Familienangehörige des Clans ihr Dasein beendet haben, erwachen die Schiffe zu eigenem, intelligentem Leben. Sie denken, sie fühlen, sie reden und weichen selbstständig Sandbänken und Riffen aus, und sie widerstehen den ätzenden Wasser des Regenwald-Flusses.

Ein Schiff erwacht – und das Unheil nimmt seinen Lauf

Die Sippe der Vestrit steht vor einem epochalen Ereignis. Kapitän Ephron Vestrit liegt im Sterben, das Schiff Viviace steht vor seinem Erwachen. Und die Familie hat ein Zauberschiff dringend nötig. Die Blutpest hat die meisten Familienmitglieder dahingerafft, die Besitztümer wurden verkauft, die Schulden türmen sich. Doch wer wird mit dem Schiff auf grosse Fahrt gehen? Seine beiden verbliebenen Töchter sind zu jung, noch dazu Frauen, so vermacht der sterbende Kapitän das Schiff seinem Schwiegersohn Kyle, und Althea, die jüngere Tochter geht leer aus. Kyle aber hat seine eigenen Pläne reich zu werden. Pläne, die nicht nur die Sicherheit der Besatzung gefährden, sondern Pläne, die das Schiff selbst in den Wahnsinn treiben können. Während Kyles Sohn, ein Priesteradept, Viviace bei Laune halten und unter der Knute seines Vaters zu einem echten Mann reifen soll, flieht Althea, um verkleidet an Bord eines anderen Schiffes zu beweisen, dass sie die geborenen Schiffsfahrerin ist.

Endlich einmal kein plumper „Herr der Ringe“-Abklatsch

Wer nun meint, hier die typische Handlung eines modernen Fantasy-Plots Marke „Herr der Ringe“ vorgesetzt zu bekommen, der sieht sich getäuscht. Vergessen Sie alles, was Sie bisher von Elfen, Zwergen, Göttern und Drachen gehört haben, lassen Sie die üblichen, so manches Mal sterbenslangweiligen Questen hinter sich, und lassen Sie sich ein auf ein Abenteuer voller Magie, Faszination und Innovation. Gerade auch im Vergleich zu ihren Fitz-Romanen bietet die Autorin dem Leser einen ganz anderen Stoff an. Der Wechsel in die vor Leben überbrodelnde Gegend des Regenwaldflusses, die alteingesessenen Händlerclans, die magischen Schiffe selbst, Windjammerromantik komplett mit Piraten, das sorgt für ein ganz anderes Ambiente, in dem Hobb ihre diversen Figuren platziert.

Eine schillernd, vielschichtige Welt voller packender Charaktere

Stellte sie in den beiden Weitseher-Chroniken den Ich-Erzähler Fitz ganz ins Zentrum ihrer Aufmerksamkeit, so beleuchtet sie diesmal ihre Handlung aus einer Vielzahl von Richtungen. Sie nutzt immer wieder neue Erzähler, die sie überzeugend in ihrem jeweiligen Umfeld aufbaut und agieren lässt. Dabei lernen wir ein ums andere Mal Gestalten kennen, deren Motivation uns verständlich gemacht wird, deren Sehnsüchte und Träume wir teilen, mit denen zusammen wir uns engagieren, und so manches Mal auch scheitern.

Die Stärke der Romane um die Zauberschiffe liegt unzweifelhaft in der immensen Fülle von logisch ineinander greifenden Informationen, die wir über eine uns fremde, aber gerade deshalb so faszinierende Welt erhalten. Im Verlauf der Handlung drehen sich Protagonisten, begleiten wir Entwicklungen, die so gut sie gemeint sind, oft ins Unglück führen, erleben wir mit, wie unsere Helden an Körper und Seele verletzt werden, wie sie aber an eben diesen Auseinandersetzungen zu bunt schillernden Charakteren reifen, die unsere Sympathie erregen. Dazu gesellt sich eine ganz eigene Welt der Magie, eine Zauberei einer lange vergessenen Zeit, deren Überreste selbst nach Jahrhunderten noch ihre Wirkung zeigen.

Den Leser erwartet eine komplexe Handlung mit vielen verschiedenen Helden, die seinem Leser einiges abverlangt, aber gerade deshalb auch sehr viel bietet.

Ihre Meinung zu »Robin Hobb: Die Zauberschiffe 1 + 2«

Christina zu »Robin Hobb: Die Zauberschiffe 1 + 2«22.01.2013
Vielen Dank für diese phantastische Rezension! Treffender kann man diese Trilogie nicht beschreiben und bewerten. Ich habe sie bereits dreimal gelesen (wer sich zutraut, sie im Original zu lesen, sollte es tun. Sie sind noch zauberhafter und entwickeln einen Sog, dem man sich einfach nicht entziehen kann.)
Das Lesen dieser Rezension hat dazu geführt, dass ich jetzt wieder unbändige Lust drauf bekommen habe. Das Buch, was ich zur Zeit am Wickel habe, habe ich bald durch. Und dann weiß ich, was ich als nächstes lese werde - zum vierten Mal :-)!
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