Die Zauberschiffe 3 + 4 von Robin Hobb

Buchvorstellungund Rezension

Die Zauberschiffe 3 + 4 von Robin Hobb

Originalausgabe erschienen 1999unter dem Titel „The Mad Ship“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 1024 Seiten.ISBN 3-442-24466-8.Übersetzung ins Deutsche von Wolfgang Thon.

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In Kürze:

Endlich hält Althea, die junge Tochter des Vestrit-Clans, ihr heißbegehrtes Schiffszeugnis in den Händen. Damit steigen die Möglichkeiten, die Viviace, das Hexenholz-Zauberschiff ihrer Familie, den Fängen des Piraten Kennit zu entreißen. Doch es bedeutet auch, dass Althea ihre Heimatstadt Bingtown verlassen muss – gerade als sich dort ein großes Unheil anbahnt …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Anker auf, die Leinen Los, ab ins Abenteuer“70

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Robin Hobb wurde bei uns insbesondere durch Ihre bei Bastei-Lübbe publizierten zwei Trilogien um ";Fitz, den Weitseher” bekannt und beliebt. Mit ihrer ungewöhnlich intensiven und warmherzigen Erzählweise erregte sie damit allerseits Aufsehen und Bewunderung. Schon vor Jahren hat sich der Bertelsmann Verlag unter seinem Signet Blanvalet die Rechte an ihrer Trilogie um die Zauberschiffe gesichert, die die Autorin zwar in derselben Welt wie ihre Fitz Romane angesiedelt hat, uns aber diesmal eine ganz andere Gegend vorstellt.

Behutsamer Aufbau

Es gibt Autoren, die starten ihre Romane mit einer wahren Explosion voller Action und Aufregung. Dann gibt es Autoren, die sich Zeit lassen. Robin Hobb gehört zu letzterer Garde – sie nimmt sich Raum für die Anlage ihrer Erzählung, sie baut ein gar breites, gewichtiges Fundament, auf dem sie ihrer Handlung fussen lässt.

Wir begegnen der jungen Frau Althea Vestrit. Ihr Vater ist einer der angesehensten Händler der Regenwildkolonie Bingown. Der grösste Schatz der Familie ist ihr noch nicht abgezahltes Handelsschiff, die Viviace. Die Besonderheit dieser Segelschiffe ist nicht nur ihre Resistenz gegenüber dem sonst alles zerfressenden Regenwildflusswasser, sondern dass das ganze Schiff personifiziert durch die Gallionsfigur lebendig ist. Als ihr Vater stirbt, hinterlässt er das erwachende Schiff nicht etwa – wie erwartet – Althea sondern ihrem despotischen Schwager. Dieser bootet Althea im wahrsten Sinne des Wortes aus, zwingt seinen Sohn Wintrow, einen angehenden Priester, ins ungeliebte Matrosendasein, und will mit der Viviace, um den drohenden finanziellen Ruin abzuwenden, in den lukrativen Sklavenhandel einsteigen. Wir erleben den wirtschaftlichen Niedergang der Familie Vestrit mit, die Versklavung Wintrows durch seinen Vater, die Kaperung Viviaces durch den Piraten Kennit und die verzweifelnden Versuche Altheas, ihr Schiff wieder in Besitz zu nehmen. Das alles vor dem Hintergrund eines drohenden Krieges zwischen dem Reich und den Aggressoren aus dem Süden, die schon lange ein gieriges Auge auf die prosperierende Kolonie geworfen haben. Auch das Rätsel der Herkunft der lebenden Schiffe aus dem Regenwald gilt es zu lösen, gar nicht zu reden von den Geheimnissen der Seeschlangen, des göttlichen Orakels und der verschwundenen Drachen. …

Ein buntes Sittengemälde voller Exotik erwartet den Leser

Robin Hobb erzählt ein grosses, buntes und facettenreiches Sittengemälde. Durch ihre sorgsame Anlage der Handlung schafft sie es nicht nur, selbige tiefschichtig und spannend aufzubauen, sondern es gelingt ihr auch, für eine Nähe zwischen Leser und Handlung zu sorgen, die selten ist.

Unwillkürlich will der Leser in die Handlung eintauchen und den handelnden Personen zurufen, diesen Fehler nicht zu begehen, den Unsinn zu lassen. Das ist es, was gute Bücher ausmacht, dass wir mit den Protagonisten mitleiden und mitleben. Dabei gelingt es der Autorin, ihre Menschen so vielschichtig aufzubauen, dass wir zwar allzeit deren Handlungen nachvollziehen können, aber auch immer wieder von den Entwicklungen und Wendungen überrascht werden.

Wendungen und Wandlungen

Da ist zum Beispiel Malta, die verzogene, egozentrische Heranwachsende der Familie. plötzlich bereit, ihre Freiheit, ihr Glück und ihre Zukunft für die Rettung des Vaters selbstlos zu opfern – eine Handlung, die alles, was der Leser bis dahin von ihrem Charakter erfahren hat, zuwiderläuft.

Die unterschiedlichen Handlungsstränge, die anfänglich so wenig miteinander gemein hatten, verbinden sich zusehends wie in einem komplizierten Tanz zu einem komplexen, minutiösen Ganzen. Keine der Figuren ist mehr das, was sie zu Beginn repräsentierte – die Wandlungen, die Entwicklungen und auch die Abgründe, die sich uns offenbaren, nehmen uns immer mehr gefangen.

Scheinbar belanglose Begebenheiten zu Anfang der Lektüre offenbaren eine unerwartete Folgewirkung, ohne dass der Autorin und mit ihr dem Leser der Überblick verlorenginge. Das alles erreicht Hobb ohne blutige Kämpfe, Schlachtengetümmel oder den sonst leider so oft üblichen tolkienesken Versatzstücken bzw. Plagiaten.

Das sind Bücher, wie sie sein sollten, Romane in die wir abtauchen können, in denen wir uns vergessen, die uns aber auch für unser wirkliches Leben etwas zu geben vermögen.

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