Tunnel. Das Licht der Finsternis von Roderick Gordon & Brian Williams

Buchvorstellungund Rezension

Tunnel. Das Licht der Finsternis von Roderick Gordon & Brian Williams

Originalausgabe erschienen 2005unter dem Titel „Tunnels“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 504 Seiten.ISBN 3401062743.Übersetzung ins Deutsche von Franca Fritz und Heinrich Koop.

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In Kürze:

Eine Stadt tief unter der Erde. Eine dunkle Welt, bevölkert von geheimnisvollen Wesen und Menschen, die seit über hundert Jahren in der Finsternis leben – unter der Herrschaft der skrupellosen Styx. Als Will und sein Freund Chester, auf der Suche nach seinem verschollenen Vater, in diese Welt geraten, ahnen sie nicht, dass niemand die Kolonie jemals wieder verlassen darf. Und dass die Häscher der Styx sie längst erwarten …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Leben im Untergrund – oder mit Höhlenforschern auf Expedition“60

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Will ist ein ganz normaler Junge – oberflächlich betrachtet. Er lebt in der Großstadt London. Nach der Schule verbringt er seine Freizeit damit, zusammen mit seinem Vater ihrem gemeinsamen Hobby nachzugehen. Sie graben Tunnel und suchen tief im Inneren der Erde nach Überbleibseln aus vergangenen Zeiten. Wie immer, wenn Archäologen unterwegs sind, geben die Müllplätze das meiste an Fundstücken her. Alte Flaschen, Messer und Lampen, die Sammlung unserer beiden füllt den halben Keller. Als Kurator des örtlichen Heimatmuseums und studiertem Archäologen weiss Dr. Burroughs Banales von wirklich Bedeutendem zu unterscheiden.

Dann aber verschwindet Wills Vater spurlos. Zusammen mit seinem Freund Chester macht Will sich auf die Suche. Hat sein Vater Feinde, Neider oder ist er gar verunglückt? Im heimischen Keller stoßen die beiden Spürnasen auf einen hinter einem Regal verborgenen Stollen, der offensichtlich von der Gegenseite aus aufgefüllt wurde. Tagelang arbeiten sie, bis es den beiden gelingt, den Verschluss freizuräumen und dem Gang tief ins Innere der Erde zu folgen.

Hier, weit unter dem Stadtteil Highfield, glauben sie ihren Augen nicht zu trauen, als sie statt Stalagmiten und Stalaktiten auf eine aus dem Fels gemeißelte Stadt stoßen. Mehr noch. Dank künstlicher Beleuchtung ist ein Leben hier möglich. Noch bevor sie aber die Bewohner der gigantischen Höhlensysteme näher auskundschaften können, werden sie von diesen entdeckt und gefangen genommen.

Während Chester auf Geheiß der Styx, einer fremden Rasse unterirdischer Menschen, gefangen gesetzt wird, kann Will der Inhaftierung entgehen. Ihm soll vor rund 14 Jahren zusammen mit seiner Mutter als Erstem und Einzigem die erfolgreiche Flucht vor den Styx aus der hermetisch abgeschotteten Stadt gelungen sein. Nun soll er seinen Platz in der unterirdischen Gesellschaft wieder einnehmen. Sein vorgeblicher Vater erweist sich als angepasster Mitläufer, sein Bruder als naseweiser, aber letztlich sympathischer Kerl. Dennoch, Wills Ziele sind klar – Befreiung von Chester und Flucht aus der Tunnelwelt. Doch da haben die Styx gewaltig etwas dagegen . …

Eine neuer Potter?

Geschichten über Städte und Gesellschaften, die verborgen von unseren Augen neben unserer Alltagswelt existieren, haben insbesondere bei Autoren von der britischen Insel Hochkonjunktur.
Sei es der Bahnsteig 9 ¾ oder das Feen- und Dämonenreich, gerne nehmen die Autoren sich derartig verborgener Reiche an und nutzen die technischen wie gesellschaftlichen Unterschiede, um hier ihre mehr oder minder interessanten Spiele mit der Frage „;Was wäre wenn“ zu spielen.

Die beiden hier vertretenen Autoren, beides Amateure auf dem Gebiet des Schreibens, verfassten den Roman zunächst nur aus Spaß am fabulieren. In einer Miniauflage im Eigenverlag publiziert, erwies sich das Manuskript schon bald als Geheimtipp der Verlagsszene. Das könnte, so die selbsternannten Experten der Londoner Verlags City, der Nachfolger Rowling´scher Erzählkunst werden.

Nun, zumindest am Anfang tat sich der Roman doch schwer, mich in seinen Bann zu ziehen. Unzusammenhängende Berichte aus Entdeckungen des Vater-Sohn-Teams, dann wieder Schilderungen über das harte Los, als Außenseiter von seinen Schulkameraden gehänselt zu werden, verbunden mit der Schilderung einer vierköpfigen Familie, die sich offensichtlich nichts zu sagen hat, das las sich gelinde gesagt verwirrend und langatmig. Jede Menge Figuren wurden eingeführt, doch deren Bedeutung für die Handlung blieb unklar.

Erst als sich unsere beiden Spürnasen dann in den Untergrund begeben und die verlorene Stadt entdecken, kommt Fahrt auf, wird der Plot packender und temporeicher. Zwar blieb ich weiterhin mehr distanzierter Zuschauer als mitfiebernder Held, doch erwiesen sich die Schilderungen der unbekannten Welt als durchaus fesselnd, überraschten mich unerwartete Wendungen und Offenbarungen.

Das Grundgerüst, die verborgene Stadt tief unter der Erde, die wiederum auf den Überbleibseln weit älterer Vorbilder errichtet wurde, die unbekannte, altertümliche Technik, die zum Einsatz kommt, skurrile Figuren und Landschaften, sie laden ein, sich vom Phantasie- und Einfallsreichtum der beiden Autoren einfangen zu lassen.

Dennoch, es bleiben viele, letztlich zu viele offene Fragen und Handlungsansätze, die auf die bereits in Arbeit befindlichen Fortsetzungen neugierig machen, die aber auch dazu führen, dass Mrs Rowling vor diesem Konkurrenten zumindest wohl keine große Angst haben muss.

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