Der Herr der Finsternis von Sergej Lukianenko

Buchvorstellungund Rezension

Der Herr der Finsternis von Sergej Lukianenko

Originalausgabe erschienen 1994unter dem Titel „Malchik i Tjma“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 352 Seiten.ISBN 3407810431.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Im Reich der Finsternis bekriegen sich zwei gewaltige Mächte: die Dunkelheit und das Licht. Es ist das Schicksal des 14jährigen Danka, diesen Kampf zu entscheiden und den Herrn der Finsternis zu besiegen.
Fasziniert beobachtet Danka, wie sich ein Sonnenstrahl in eine geheimnisvolle Katze verwandelt – die Sonnenkatze. Sie ist gekommen, um Danka mit einer List in das Reich der Finsternis zu entführen. Dort droht ein erbitterter Kampf zwischen der Dunkelheit und dem Licht, zwischen Freifliegern und Flügelträgern, das Reich in totale Finsternis zu stürzen. Schleichend haben die Freiflieger, die Diener der Dunkelheit, den Bewohnern dieser Welt das Sonnenlicht abgetrotzt und sie unterworfen. Danka ist auserwählt, zusammen mit der Sonnenkatze, einem alten Mann, der seherische Fähigkeiten hat, und dem Flügelträger Lenn, die Sonnensteine zu finden, um der Welt das Sonnenlicht zurückzubringen. Nur so können die Bewohner befreit werden und Danka in seine Welt zurückkehren. Doch die Macht der Dunkelheit, der Herr der Finsternis, ist grausam und zu allem bereit.Wortgewaltig und dicht erzählt entführt Sergej Lukianenko in eine phantastische Welt.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Ein echter Jungentraum“74

Fantasy-Rezension von Anja Helmers

Der dreizehnjährige Danka liegt mit einer Erkältung im Bett, als etwas Seltsames geschieht. Ein Sonnenfleck schwebt in sein Zimmer und verwandelt sich in einen sprechenden Kater, der die Gabe besitzt, verborgene Türen in andere Welten zu finden. Durch eine solche Tür verschwinden Danka und der Sonnenkater in eine nachtschwarze Welt, in der sie kaum ihre Umgebung erkennen können. Als die beiden stundenlang vergeblich auf den Sonnenaufgang warten, gesteht der Kater dem Jungen, dass er Sonnenlicht benötigt, um die Tür wieder öffnen zu können. Da nur er fliegen kann, begibt der Kater sich auf die Suche nach Sonnenlicht.

Alleingelassen in der Dunkelheit, hört Danka die bedrohlichen Stimmen einer Patrouille. Voller Furcht klettert er eine Felswand hoch bis zu einem Absatz, aber das genügt nicht, denn die Männer zünden das Tal mit schwarzem Feuer an und er muss weiter fliehen. Seine waghalsige Kletterpartie endet auf einem Plateau, wo er auf einen Jungen in seinem Alter trifft.

Len ist ein Flügelträger und die Patrouille gehört zu seinen Feinden, den Freifliegern. Seit gewissenlose Händler den Menschen das Sonnenlicht abkauften, bekämpfen sich die Flügelträger und Freiflieger und ringen um die Vormacht. Bald wird klar, dass es Dankas Aufgabe ist, den Herrn der Finsternis zu besiegen und der Welt das Sonnenlicht zurückzubringen.

Lukianenkos Roman „Der Herr der Finsternis“ gehört zu seinen früheren Werken, das Original stammt von 1994. Innerhalb der Gulliver-Reihe bringt der Beltz & Gelberg Verlag diesen Jugendroman nun als Taschenbuchausgabe heraus und leistet sich gleich einen peinlichen Schnitzer auf dem Buchrücken: Dem Autorennamen ist ein Buchstabe abhanden gekommen. Zum Glück steht der korrekte Name auf der Frontseite, sodass niemand auf die Idee kommen sollte, es einem unbekannten russischen Schriftsteller zuzuordnen.

Keine Photonen, Protonen und Magnetfelder …

...gibt es sehr zur Freude des Sonnenkaters in der Geschichte von Danka und Len im Land der Finsternis, sondern wahres Licht, den wahren Blick und ein wahres Schwert. Und natürlich wahre Helden.

Der Roman ist auf der einen Seite ein fesselndes Jugendbuch. Die Handlung ist geradlinig, spannend, erfreut durch Witz und Ironie ebenso wie durch düstere und bedrohliche Szenen. Dabei zeigt Lukianenko keine Scheu vor hässlicher Gewaltdarstellung, die allerdings nicht allzu komplex geschildert wird. Die Geschichte ist wie gemacht für Jungen im Alter des Hauptprotagonisten, Danka bietet eine gute Identifikationsmöglichkeit, ein unauffälliger Junge in der normalen Welt. Einer, der sich von seiner berufstätigen Mutter wegen einer harmlosen Erkältung ins Bett stecken lässt und die so gewonnene Auszeit mit dem Lesen eines Buches füllt. In diese Langeweile platzt der selbstherrliche Sonnenkater und entführt den Jungen in eine Märchenwelt, in der er Abenteuer über Abenteuer bestehen muss und natürlich über sich selbst hinauswächst.

Fraglos ratlos

Andererseits habe ich den Eindruck, Lukianenko hat in dieses Werk einfach alles hineingestopft, was den Traum eines jeden phantasiebegabten Jungen ausmacht, ohne allzu viel Rücksicht auf innere Logik zu nehmen. Das Werk schwankt zwischen einem unterhaltsamen Fantasy-Werk mit Standard-Plot und wunderschönen Ansätzen einer Parabel über das Erwachsenwerden. Da werden interessante Ideen angerissen, verlaufen aber im Sande. Es gibt tolle Szenen im Buch, über die man sich fragt, warum der Autor sie eingefügt hat.

Danka schlägt sich mit den typischen Problemen eines Jugendlichen herum, Angst vorm Erwachsenwerden, dem schmerzhaften Prozess der Ablösung von Mutter und Vater, dem Wunsch nach Freundschaft, Anerkennung und Sex, und dem Kampf um Eigenständigkeit. Als Lösung schickt der Autor seinen Helden durch fantastische Abenteuer, wie sie den meisten Jungen gefallen würden. Im Land der Finsternis ist Danka überwiegend furchtlos, er wird zum Krieger des Lichts, gewinnt einen treuen Freund, besitzt mächtige Fähigkeiten und er wird sogar von einer Frau in die Liebe eingeführt.

Jugendliche Leser werden sich nur wenig dran stören, wie problemlos Danka sich in die fremde Welt einfindet oder wie locker er Gefahren meistert oder sogar übelste Grausamkeiten wegsteckt. Aber als erwachsener Leser stolpert man schon darüber, wie leicht er mit ungewöhnlichen Situationen fertig wird. Das passt nicht zu seiner Aussage, er wäre eine Heulsuse. Die Diskrepanz zwischen dem von Lukianenko im ersten Kapitel so nuanciert entwickelten Bild von Danka und seinem selbstbewusstem und ´coolem’ Verhalten in der Welt der Finsternis ist mir zu groß. Auch durchschaut Danka wie von selbst die Schachzüge des Sonnenkaters, der ständig versucht, den Jungen zu manipulieren, und erkennt Lösungen, die nicht seiner Erfahrung entsprechen. Es fällt ihm einfach zu viel in den Schoß, ohne dass das logisch aus dem Text abzuleiten wäre. Nur als Beispiel: plötzlich heißt es, er wäre bewandert in Aikido, als er den wesentlich stärkeren Jungen im Seniorclub der Flügelträger vor das Kamingitter knallt. Das wirkt ziemlich aufgepfropft.

Licht, Dunkelheit, Dämmerung

Glücklicherweise lässt Lukianenko keine klare Einteilung von Licht als gutes und Dunkelheit als böses Element zu. Der Kater nennt als dritte Macht die Dämmerung. Leider kommt die Dämmerung ein wenig zu kurz, wie so einiges nur bruchstückhaft erscheint im Aufbau der Welt. Die Händler sind nicht nur schamlose Ausbeuter, ebensowenig wie die Freiflieger simple Bösewichte sind, die man ohne Skrupel abschlachten darf und auch Danka verhält sich moralisch nicht unbedingt einwandfrei. Das schafft genug Raum zu ernsthaftem Nachdenken und hebt den Roman vom Klischeehaften ab.

Insgesamt ein Buch, dass sicherlich mehr Jungen anspricht als Mädchen und an dem man auch als erwachsener Leser, trotz der aufgeführten Kritik, Freude haben kann.

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