Drachenpfade von Sergej Lukianenko & Nick Perumov

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 1997unter dem Titel „Ne vremja dlja drakonov“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 600 Seiten.ISBN 3-453-52737-2.Übersetzung ins Deutsche von Anja Freckmann.

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In Kürze:

Als plötzlich ein ihm unbekanntes Mädchen verletzt vor der Tür seiner Moskauer Wohnung liegt, ahnt Viktor, dass sich in seinem Leben einiges ändern wird. Doch wie einschneidend diese Veränderung tatsächlich ist, wird ihm erst bewusst, als ihn das Mädchen in eine magische Welt mitnimmt. Eine Welt, die auf die Ankunft eines Drachen wartet. Und auf einen Mann, der sich diesem Drachen entgegenstellt …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Niemand interessierte sich für ihn, dann ging er auf die andere Seite“70

Fantasy-Rezension von Carl-Olof und Amandara M. Schulzke

Viktor war in Moskau ein unscheinbares graues Pflänzchen, die Welt wollte nichts mit ihm zu tun haben. Als Tel ihn auf einen Pfad im Wald führt, erinnert ihn das an eine Reise, die er als kleines Kind mit seiner Großmutter unternommen hatte. Bald wird ihm klar, dass er die Welt gewechselt hat. Häscher sind ihm von allen Seiten auf den Fersen. Denn der Clan des Wassers und der der Luft wollen ihn töten. Doch schon beim ersten Angriff entdeckt er ungeahnte Fähigkeiten in sich. Er macht sich auf von Gnomen betriebenen Eisenbahnrouten auf den Weg, um die verschwundene Tel wieder zu finden. An seiner Seite Wächter der Grauen Grenze, die ihn beschützen und ihm dienen wollen, nachdem sie ihn vorher überfallen hatten. Legt er sich zum Schlafen, überkommen ihn immer wieder Träume mit dem Fresssack. Er hat das Gefühl, dass dieser ihm in all dem Chaos etwas Wichtiges mitteilen will. Während die Elementarclans Ränke schmieden, fragt sich die Führerin des Katzenclans, auf welche Seite sie sich stellen soll. Doch ein Treffen mit Viktor macht ihr alles klar.

Spannend, aber nicht perfekt

Lukianenko schrieb „Drachenpfade“ vor seinen „Wächter“-Werken. Da diese zu den erfolgreichsten Fantasyromanen gehören, hat sich wohl der Heyne-Verlag entschlossen, uns auch die Initiation eines möglichen Drachentöters in deutscher Sprache zu präsentieren. Eine gute Wahl! Lukianenko ist bekannt dafür, dass oft anfangs irgendwelche Dinge geschehen, bei denen sich niemand denken kann, wieso und warum sie passieren. Er beschert uns immer ein geheimnisvolles, undurchschaubares Entree. Das ist in Drachenpfade genauso wie in anderen seiner Bücher. Dabei kommt ihm sicherlich seine Ausbildung als Psychiater zugute, denn vieles ist erst mal für den gesunden Menschenverstand unlogisch und nicht fassbar. Das belässt den Leser immer in Spannung, überrascht ihn und zwingt ihn zum Nachdenken und Weiterlesen.

Wenn es einen Kritikpunkt gibt, dann genau zu diesem Thema. Lukianenko gibt hier schon für einen routinierten Leser viel zu früh den ersten Hinweis, der ziemlich klar die Auflösung des großen Rätsels vorwegnimmt. Auch die Reaktion Loj Iwers, der Führerin des Clans der Katzen, kann der Leser schon im Voraus vermuten. Trotzdem gestaltet sich das Buch äußerst spannend und wartet mit interessanten Ideen auf.

So hat Lukianenko die Welt sehr einfallsreich ausformuliert, es gibt interessante Orte wie die Hauptstadt des Wasserclans, eine Stadt voller seltsamer Paläste, Springbrunnen und Fallen, die nur darauf warten, Angreifer zu verschlingen. Es gibt Flüsse, die nicht nur stromabwärts, sondern gleichzeitig stromaufwärts fließen. Wir begegnen Gnomen, die ihre Eisenbahnroute bewachen und Verfolgten Obdach gewähren. Der Ballsaal des Katzenclans ermöglicht als neutraler Ort Gespräche. Dank einiger Gefallen vereinigt er die Magie aller Elementarclans. Berge, Höhlen und andere Orte fungieren als Zentren der Elemente. Und das Beste ist, aus diesen Bauteilen besteht eine funktionierende Zivilisation, die auf Macht beruht, der Macht einzelner und der Macht von bestimmten Gruppen.

Menschliche Grundbedürfnisse

Diese Zivilisation zeigt sich wesentlich urtümlicher als unsere eigene, so werden Kriege im Bett begonnen oder beendet. Komplexere Maschinen als Eisenbahnen sind kaum denkbar, es hat keine industrielle Zivilisation gegeben. So veranstalten Fürsten Gelage, Ritter voller Ehre stehen auf der Seite der offensichtlichen Gerechtigkeit, Betrunkene haben Glück. In diesem Buch geht es viel um archaische Bedürfnisse wie Sex, Essen und Macht, die dem Überleben dient. Lukianenko baut die Helden von unten auf, macht sie dadurch nachvollziehbar und sie wachsen einem ans Herz.

Ihre Meinung zu »Sergej Lukianenko & Nick Perumov: Drachenpfade«

SySchmi zu »Sergej Lukianenko & Nick Perumov: Drachenpfade«18.07.2014
Hi, die Geschichte war fesselnd, aber auch in der eigenen Welt des Schriftstellers ...irgendwie... kaum zu erfassen, undurchdringbar... Ich konnte das Ende kaum abwarten, aber das war genauso wie das ganze vorher... Kann es kaum beschreiben... Werde mir mal den ersten Teil der Wächter vornehmen... Ich schätze, der Lukianenko hat ein ganz eigenartigen Stil... Ich will dahinter kommen...😛
Xardram zu »Sergej Lukianenko & Nick Perumov: Drachenpfade«08.06.2010
Ein absolut lesenswertes Buch!
Wie auch in einigen anderen Werken erschafft Lukianenko hier eine Welt, die "neben" der unseren liegt und nur für manche erreichbar ist. Trotz ihrer Andersartigkeit stellt sich eine innere Logik her, wenn man erfährt, dass zusätzlich zu dieser "Mittelwelt" und unserer magiefreien "Anderen Seite" noch die ausschließlich von Magie beherrschte Welt der "Angeborenen" existiert. Anders als in anderen Büchern, in denen plötzlich die Gesetze der Physik "unserer" Welt auf übertrieben gezwungene Art über den Haufen geworfen werden, entsteht somit ein zwar fiktiver, aber annehmbarer und "erklärbarer" Rahmen für die Abenteuer des Protagonisten Viktor, der sich dann auch damit abfindet, dass elektrisches Licht und Magie vereinbar sind, so lange Computer und magische Allmacht außen vor bleiben.
Schwächen des Buches sehe ich nur in einigen Passagen zum Ende hin, in denen die Vorstellungskraft des Lesers durch überbordende Schilderungen von Geschehnissen und Sinneseindrücken etwas überfordert wird - aber vielleicht ist das auch nur meiner nicht im Lesen innehaltenden Ungeduld zu verdanken gewesen.
Ein weiteres Manko: es gierte mir bei diesem Buch nach mehr - nach mehr Beschreibungen (obwohl schon zahlreiche ausführliche, z.B. der Städte, vorhanden waren), nach mehr Emotionen (wie entwickelt sich das eventuell aufkeimende Pflänzchen der Liebe - ist es überhaupt existent?), vor allem aber nach mehr Buchseiten, als es langsam, aber sicher dem Ende zuging... Leider wird mein Wunsch nach einem Nachfolger wohl nicht in Erfüllung gehen, aber trotzdem war ich bis zur letzten Seite so gefesselt, dass die Geschichte in meiner Phantasie ihre Fortsetzung gefunden hat.
Bitte lesen!
- Xardram -
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
blanca2033 zu »Sergej Lukianenko & Nick Perumov: Drachenpfade«16.05.2010
Ich habe dieses Buch gerade gelesen, und bin endlich fertig.
Ich habe mir sehr viel davon versprochen und bin leider enttäuscht worden. Die Geschichte an sich ist gut gedacht, aber sehr langatmig geschrieben und nicht wirklich fesselnd.
Ich denke, dass es eine Geschmackfrage ist. Mir hat es auf jeden Fall nicht gefallen und ich würde es nicht weiterempfehlen.
Da habe ich in letzter Zeit wirklich bessere Bücher gelesen.
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