Sternenschatten von Sergej Lukianenko

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 1997unter dem Titel „Zvjozdnaja Tenj“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 700 Seiten.ISBN 3-453-52553-1.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Dies sind die Abenteuer des Kosmonauten Pjotr Chrumow, der eines Tages in seinem Raumschiff einen blinden Passagier entdeckt: den Vertreter einer Reptilienrasse, die sich gegen die in der Galaxis herrschende Macht – das sogenannte »Konklave« – verschworen hat. Zunächst glaubt Pjotr, die Angelegenheit still und leise bereinigen zu können. Doch sein Passagier hat andere Pläne: Er verlangt ein Treffen mit Andrej Chrumow, Pjotrs 72-jährigem Großvater, der auf der Erde lebt. Doch warum gerade mit ihm? Und wie soll Pjotr unbemerkt zur Erde gelangen?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Teil 2 bringt es auf den Punkt“83

Fantasy-Rezension von Holger Schmidt

Sergej Lukianenko ist hierzulande vor allem durch seine Wächter-Trilogie bekannt geworden. Mit den Romanen „Sternenspiel“ und „Sternenschatten“ wurden nun auch zwei ältere, zusammenhängende Werke der deutschen Leserschaft zugänglich gemacht.

Die Odyssee zum Schatten

Die nicht allzu ferne Zukunft: Auf der Erde stagniert die technologische und soziale Entwicklung der Menschheit seit Jahren. Wenigen ist es vergönnt durchs All zu reisen und das auch nur als Fuhrleute für das galaktische Konklave. Bestehend aus den starken Rassen der Galaxie, weist das Konklave den „schwächeren“ Rassen eine Aufgabe zu. Um der Knechtung zu entfliehen, haben sich Angehörige mehrerer Spezies zusammengetan und einen Plan ersonnen: Der Pilot Pjotr Chrumow wurde dazu ausersehen, mit einer fremden Macht Kontakt aufzunehmen, die dem Konklave Einhalt gebieten könnte.

Als Pjotr schließlich von seiner Mission zurückkehrt, stellt sich schnell Ernüchterung unter den Revolutionären ein. Die menschlichen Geometer leben in einer sozialistischen Gesellschaft, die kaum eine bessere Alternative zum Konklave darstellt. Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit: Bei den Geometern hat Pjotr nämlich von einer weiteren Hochkultur erfahren, die sich im galaktischen Zentrum ausgebreitet hat, dem „Schatten“. Hoffnungsvoll begibt sich Pjotr erneut auf eine abenteuerliche Reise. Unterstützung erfährt er dabei von seinem Großvater, dessen Geliebten, dem menschlichen Offizier Danilow, dem reptilienartigen Zähler und einer symbiotischen Lebensform, die Pjotr übermenschliche Fähigkeiten verleiht.

Sinn und Tiefsinn

Wird man als Leser gefragt, was einem an seinem Lieblingsbuch besonders gefällt, denken viele zuerst an die liebenswerten Charaktere. Oft nicht perfekt dargestellt, haben die Figuren, die uns im Gedächtnis bleiben, außergewöhnliche Eigenarten. „Pjotr Chrumow“ lässt oft individuellen Feinschliff vermissen. Nur die kindlich bedingungslose Zuneigung zu seinem „Großvater“ und der Hang zum ausufernden Philosophieren ist der Hauptfigur des Buches eigen. Leider schimmern hier aber auch die Vorlieben des Autors für tiefsinnige Gedankenspiele hindurch. Die Gruppe, mit der Pjotr seine Abenteuer besteht, glänzt nicht gerade durch loyalen Zusammenhalt. Zwei Punkte, die den Leser nicht vollkommen für die Figuren dieses Buches einnehmen. Auch sind die Ziele der Helden etwas vage. Pjotr begibt sich aufgrund einer Vermutung auf seine neue Mission. Außerdem muss der kritische Leser sich fragen, wofür es sich überhaupt lohnt zu kämpfen. Die Erde und ihre Bewohner werden nicht in bestem Licht dargestellt und sowohl das Konklave, die Geometer und auch der Schatten sind alles andere als erstrebenswerte Gesellschaftsformen. Natürlich sind die Darstellungen der verschiedenen Systeme genauso beabsichtigt und auch dem Stil des Autors entsprechend. Doch gerade nachvollziehbare, persönliche Motive der Figuren sind es, die den Leser fesseln und mitreißen. Ein Grund also, warum vielleicht nicht jeder an diesem Roman Gefallen finden wird.

Gegenüber vielen anderen Space Operas hat Sternenschatten einen entscheidenden Vorteil: Tiefsinn. Wie schon in „Sternenspiel“ beschäftigt sich Lukianenko thematisch mit Gesellschaftsformen, Ideologien und auch Erziehung. Dass sowohl die Geometer als auch später die Bewohner des Schattens humanoide Lebensformen, also Menschen sind, zeigt noch klarer, worum es dem Autor geht. Lukianenko entfremdet seine Protagonisten nicht durch ein exotisches Äußeres. Viele anfangs geheimnisvolle Umstände klären sich im weiteren Verlauf des Buches und fügen sich logisch und sinnvoll in die Geschichte ein. „Sternenschatten“ hängt dabei eng mit dem Vorgänger zusammen und offenbart einen wohl durchdachten Weltentwurf. Wie man anhand der ersten Hälfte des Buches vielleicht vermuten könnte, ist „Sternenschatten“ längst keine sinnlose Aneinanderreihung fantastischer Abenteuer. Dafür wirkt der Roman zeitweise aber auch etwas überladen und allzu bedeutungsschwanger.

„Sternenschatten“ hebt sich deutlich von der Masse konventioneller Space Operas ab. Leser mit einem Sinn für trockenen Humor, die teilweise subtilen Anspielungen auf politische Systeme und ein Faible fürs Philosophieren finden hier gutes Lesefutter. Sehr fantasievoll führt Lukianenko durch eine bunte, aber nicht actionüberladene Odyssee. Gegenüber dem ersten Band verfügt dieses Buch in erster Linie über eine gradlinigere Entwicklung hin zum Finale und kann deutlich mehr überzeugen als der streckenweise orientierungslose Vorgänger. Der Leser findet in diesem Buch eine gute Alternative zum Space-Opera-Einheitsbrei von einem schriftstellerisch begnadeten Autoren.

Ihre Meinung zu »Sergej Lukianenko: Sternenschatten«

Michael Zöllner zu »Sergej Lukianenko: Sternenschatten«27.10.2014
Lukianenko trifft Leibnitz.

Dieser Text gilt für beide Bücher!

Der Roman ist eine große Erwägung über eine im umbruchbefindliche Gesellschaft. Er ist somit ein Teil der Gegenwartsliteratur aus Russland. Das er sein Thema im zweiten Teil künstlerisch überhöht und eine ganze Gruppe von galaktischen Kulturen im Umbruch schildert ist eine gigantische Paraphrase.

Er bedient Klisches, welche von seinen russischen Lesern eher als Parodie angesehen werden dürften, denn als Festschreibung von Vorurteilen. Die Einfälle sind Fantastisch und der Bezug der beiden Teile des Romans erschließen sich beim Aufmerksamen lesen.

Die Galaxis beherbergt gesellschaftliche Systeme, die denen der Erde ähneln. Aber es gibt eine Gesellschaft die den Rahmen sprengt. Neben einer Super Erziehungsdiktatur und einem Kastensystem, gibt es eine Variante des Zusammenlebens, welche mit der Bereitschaft zur Entscheidung und der tatsächlichen Disposition des Menschen zu und in seiner Umwelt interagiert.

SF - Romane fragen oft nach dem Woher, dem Wohin und dem Wert des Lebens. Dieser Roman fragt: Wie sähe die Gesellschaft aus, die uns das Leben gibt welches uns entspricht? Nicht was wir verdienen, nicht was wir fürchten, sondern wofür wir bereit sind.

Er findet beeindruckende Bilder und Szenen für die Konfrontation mit dem, was uns entspricht. Diese Eskalieren im Verlauf einer Reise mit vielen Stationen. ... Bis an einen Punkt an dem eine Art Stakkato des freien individuellen Willens eintritt.

Diese Situation setzt eine neue Entwicklung in Gang die viele Betrifft. Und es kommt eine spannende Erkenntnis hinzu. Eine Gesellschaft zu befreien, bedeutet mit den Folgen leben zu müssen.

Das bedeutet für die einen: Es gibt kein zurück!
Es bedeutet für die anderen: Mit dem zu leben was Sie gewollt haben.

Am Ende hatte ich das Gefühl ein Buch über Russland, ein Buch über die Freiheit und einen Diskurs über die beste allermöglichen Welten gelesen zu haben.

Wer dies auch will, der sollte zu diesem Buch greifen.
Sandie zu »Sergej Lukianenko: Sternenschatten«08.12.2009
Ich liebe beide Bücher, sie sind spanned, intelligent und mit viel Liebe zum Detail geschrieben. Schade, dass es keinen 3.Teil gibt.
Die Reise auf die sich Pjotr begeben hat und das Nachfragen über den Sinn seiner Reisen sowie das Erwachsenwerden und die Gedanken über Leben und Tod sind toll beschrieben und regen zum Nachdenken an. Ich findes es auch bemerkenswert wie der Author es schafft die Ausserirdischen so liebenswert und doch an manchen Stellen fast brutal darstellen zu können. Ich werde das Buch evtl. noch einmal lesen, so gut ist es.
Quintil zu »Sergej Lukianenko: Sternenschatten«26.08.2009
Ich habe das Buch gerade zu Ende gelesen und es hat mir, genau wieder erste Teil, sehr gut gefallen. Ich finde den Stil von Laukianenko immernoch sehr erfrischend, er schreibt halt anders, als seine amerikanischen Kollegen.
Da ich inzwischen alles, was von ihm in deutsch erschienen ist, gelesen habe, glaube ich zumindest, merke ich jedoch, dass gerade in seinen Erwachsenenbüchern doch relativ viele Parallelen vorhanden sind.
Am Ende verzichtet der "russische" Held immer auf irgendetwas, wie bei Spektrum die Absolute Macht. Es gibt fast immer eine väterlichen, in diesem Fall großväterlichen Mentor, über den der Held dann herauswachsen muss. Und auch andere Figuren ähneln sich immer wieder. Insbesonders weibliche Charaktäre sind häufig nicht allzu differenziert dargestellt.
Jetzt habe ich aber fast zuviel kritisiert. Ich habe das Buch zügig durchgelesen und es hat mich an keiner Stelle gelangweilt, insofern: Sehr empfehlenswert!

Der In-Kürze-Text oben bezieht sich übrigens auf das erste Buch, Sternenspiel.
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