Sternenspiel von Sergej Lukianenko

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 1996unter dem Titel „Zvjozdy - kholodnye igrushki“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 810 Seiten.ISBN 3-453-52411-X.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Nachdem man auf der Erde das Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit entdeckt hat, bricht die Menschheit ins All auf – und trifft auf das sogenannte „Konklave“, eine interstellare Organisation, in der etliche außerirdische Spezies versammelt sind. Diese Organisation wurde geschaffen, um den Völkern der Galaxis ihre jeweilige Rolle zuzuweisen. Dies sind die Abenteuer des Kosmonauten Pjotr Chrumow, der eines Tages in seinem Raumschiff einen blinden Passagier entdeckt, einen Vertreter einer kleinwüchsigen Reptilienrasse, die sich gegen das „Konklave“ verschworen hat. Zunächst glaubt Pjotr, die Angelegenheit still und leise bereinigen zu können. Er ahnt nicht, dass sich sein Leben – und das aller Menschen – für immer verändern wird …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Wodkagetränkte Space Operette“75

Fantasy-Rezension von Holger Schmidt

Wenn Bestsellerautor Sergej Lukianenko ein Buch schreibt, das der Inhaltsangabe nach eine Space Opera zu sein scheint, darf man einiges erwarten – nur eben keinen traditionellen Vertreter des Genres.

Der Frachtercaptain und das liebe Reptil

Pjotr Chrumow staunt nicht schlecht, als er eines Tages an Bord seines Frachtschiffes ein Alien entdeckt. Der 'Zähler’ ist ein reptilienhaftes Wesen, das seinem Namen alle Ehre macht; sein außerirdischer Verstand ist in der Lage, irdische Computer in Sachen Rechenleistung um das Vielfache zu übertreffen. Als Pjotrs Schiff einer zerstörerischen Kollision mit einem anderen Frachter entgegensieht, kommt der Zähler gerade recht. Doch auch nachdem die unglückliche Lage überstanden ist, scheinen die Schicksale der beiden Individuen eng verknüpft.

Ihre mathematischen Fähigkeiten sind für die Zähler mehr Fluch als Segen, denn sie werden von der 'galaktischen Konklave’ unterdrückt und als billige Arbeitskräfte eingesetzt. Die Konklave besteht aus den 'starken Rassen’ des Universums und weist den 'Schwachen’ eine Aufgabe zu. So müssen die Menschen beispielsweise als Frachterpiloten herhalten, da nur sie überlichtschnelle Reisen psychisch gesund überstehen können.

Während ausgewählte menschliche Piloten also Schiffe durchs All fliegen dürfen, stagniert auf ihrer Heimat die technische Entwicklung. Viel hat sich nicht geändert, seit die Menschheit ins All aufgebrochen ist. Noch immer sind die russischen Autobahnen eine Aneinanderreihung von Schlaglöchern und wird im Fernsehen für unnütze Haushaltsgegenstände geworben (wie zum Beispiel einen Korkenzieher, mit dem man zwanzig Korken in der Minute ziehen kann – alle Achtung !). Stellt sich natürlich die Frage, wie lange der Planet diese Unterdrückung noch ertragen kann, bevor die menschliche Rasse endgültig all ihr Potenzial einbüßt und zu hirnlosen interstellaren Spediteuren verkommt.

Eine Frage des „Stils“

Der Roman ist strikt in zwei Hälften eingeteilt; die ersten dreihundert Seiten erzählen in einem thrillerartigen Nonstop-Stil von Pjotrs Erlebnissen, die hauptsächlich auf der Erde stattfinden. Im zweiten Teil begleitet der Leser den menschenähnlichen Außerirdischen 'Nik', der mit geraubten Erinnerungen auf seine Heimatwelt zurückkehrt. Natürlich ist es nicht leicht, sich ohne Probleme in sein altes Leben einzugewöhnen, wenn man alles über die eigene Vergangenheit vergessen hat. Prompt eckt Nik mit dem an den Sozialismus angelehnten politischen System an.

Aus der Ich-Perspektive erzählte Geschichten sind nicht selten – aufgrund der wenig objektiven Sichtweise des Erzählers – eine erfrischende Alternative zur gewohnten Erzählweise. Lukianenko scheint diesen Stil besonders zu mögen, denn auch sein Roman „Weltengänger“ wird auf diese Weise erzählt. Die zynisch-selbstkritische Sichtweise des Erzählers mischt sich hervorragend mit dem Stil des passionierten Alltagsphilosophen Lukianenko.

Sozialismus und Humor

Ein Motiv, das der Autor gerne in seinen Büchern aufgreift, ist die vorbestimmte Aufgabe, die den Romanfiguren von einer höheren Instanz zugewiesen wird. In „Sternenspiel“ taucht dieser Aspekt in der Bevormundung der Menschheit durch die 'Konklave’ im politischen System einer fremden Welt namens 'Die Heimat’ und auch im Lebenslauf Pjotr Chrumows auf. Die Frage, ob eine solche erzwungene Spezialisierung ethisch vertretbar ist, wird ausgiebig bearbeitet.

Sicher, Lukianenko hat einen sehr eigenen Stil mit hohem Widererkennungsfaktor, leider ist dieser aber auch vorhersehbar. Nachdem man sich damit einmal vertraut gemacht hat, wirkt längst nicht mehr jede zynische Randbemerkung überraschend. Trotzdem schafft der Autor es immer wieder, den Leser zum Lachen zu bringen – Humor ist Geschmackssache, jedoch kann man nicht vielen Romanautoren wirklichen Sinn für Humor bescheinigen. Trotz Überstrapazierung also ein eindeutiges Plus, das für dieses Buch spricht.

Unterm Strich

Es fällt jedoch negativ auf, dass man über weite Strecken meint, der Autor habe für seine Erzählung nicht ganz die richtige Form gewählt. Die erste Hälfte des Buches langweilt schnell mit Beschreibungen vieler Nebensächlichkeiten und Alltagssituationen. Ein paar zeitliche Sprünge wären sicher angebracht gewesen, um die Story interessanter zu halten. Hälfte Zwei des Buches hat nicht besonders viel mit der ersten zu tun und ist ebenfalls über weite Strecken etwas eintönig. Das Buch endet offen, auf der letzten Seite erwartet den Leser lediglich die Ankündigung des zweiten Bandes für August 2009.

„Sternenspiel“ ist kein Meisterwerk Lukianenkos, keine „echte“ Space Opera und kann auch mit seinen lyrisch-philosophischen Eskapaden nicht wirklich überzeugen. Eine flüssig lesbares, durchaus unterhaltsames und unkonventionelles Buch mit einer gehörigen Brise Humor ist es allemal.

Ihre Meinung zu »Sergej Lukianenko: Sternenspiel«

Michael Zöllner zu »Sergej Lukianenko: Sternenspiel«27.10.2014
Lukianenko trifft Leibnitz.

Der Roman ist eine große Erwägung über eine im umbruchbefindliche Gesellschaft. Er ist somit ein Teil der Gegenwartsliteratur aus Russland. Das er sein Thema im zweiten Teil künstlerisch überhöht und eine ganze Gruppe von galaktischen Kulturen im Umbruch schildert ist eine gigantische Paraphrase.

Er bedient Klisches, welche von seinen russischen Lesern eher als Parodie angesehen werden dürften, denn als Festschreibung von Vorurteilen. Die Einfälle sind Fantastisch und der Bezug der beiden Teile des Romans erschließen sich beim Aufmerksamen lesen.

Die Galaxis beherbergt gesellschaftliche Systeme, die denen der Erde ähneln. Aber es gibt eine Gesellschaft die den Rahmen sprengt. Neben einer Super Erziehungsdiktatur und einem Kastensystem, gibt es eine Variante des Zusammenlebens, welche mit der Bereitschaft zur Entscheidung und der tatsächlichen Disposition des Menschen zu und in seiner Umwelt interagiert.

SF - Romane fragen oft nach dem Woher, dem Wohin und dem Wert des Lebens. Dieser Roman fragt: Wie sähe die Gesellschaft aus, die uns das Leben gibt welches uns entspricht? Nicht was wir verdienen, nicht was wir fürchten, sondern wofür wir bereit sind.

Er findet beeindruckende Bilder und Szenen für die Konfrontation mit dem, was uns entspricht. Diese Eskalieren im Verlauf einer Reise mit vielen Stationen. ... Bis an einen Punkt an dem eine Art Stakkato des freien individuellen Willens eintritt.

Diese Situation setzt eine neue Entwicklung in Gang die viele Betrifft. Und es kommt eine spannende Erkenntnis hinzu. Eine Gesellschaft zu befreien, bedeutet mit den Folgen leben zu müssen.

Das bedeutet für die einen: Es gibt kein zurück!
Es bedeutet für die anderen: Mit dem zu leben was Sie gewollt haben.

Am Ende hatte ich das Gefühl ein Buch über Russland, ein Buch über die Freiheit und einen Diskurs über die beste allermöglichen Welten gelesen zu haben.

Wer dies auch will, der sollte zu diesem Buch greifen.
geronimo zu »Sergej Lukianenko: Sternenspiel«17.06.2010
Vorsicht! Als ich dieses Buch gelesen habe, wusste ich noch nicht, dass es nur der erste Part eines Zweiteilers ist, der später mit dem Roman »Sternenschatten« fortgeführt werden soll.

Am Ende des 600 Seiten starken Romans hängt der Leser völlig in der Luft, alle wichtigen Handlungsstränge brechen einfach ab. Meine Empfehlung wäre also, beide Teile am Stück zu lesen.

Allerdings... so ein großer Wurf ist der vorliegende Roman auch nicht.

Der Roman zerfällt wieder im Lukianenko-Typischen Episoden-Stil in mehrere Abschnitte. (Wer die »Wächter« Romane gelesen hat, die ebenfalls eine Aneinanderreihung von Lichte-gegen-Dunkle Episoden darstellen, weiss Bescheid)

Richtig spannend finde ich den Roman nicht. Erheiternd ist jedoch, dass Lukianenko Beispiele russischer Mangelwirtschaft 1:1 auf zukünftige Raumfahrttechnik überträgt. Wasche sdorowje!

Dann warte ich mal die Veröffentlichung des zweiten Teils ab und hoffe, dass dieser noch mal richtig anzieht...
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