Stolz und Vorurteil und Zombies von Seth Grahame-Smith

Buchvorstellungund Rezension

Stolz und Vorurteil und Zombies von Seth Grahame-Smith

Originalausgabe erschienen 2009unter dem Titel „Pride and Prejudice and Zombies“,, 320 Seiten.ISBN 1594743347.

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In Kürze:

Der gut aussehende Mr. Darcy und ihre eigenen widersprüchlichen Gefühle sind diesmal nur die geringsten Probleme, mit denen sich Elizabeth Bennet herumschlagen muss. Denn aus London ergießt sich eine Horde von Untoten über das Land, und Lizzie sieht sich plötzlich vor eine Entscheidung gestellt: entweder ein Leben zusammen mit Mr. Darcy oder Tod den Zombies. Oder doch beides?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Grundstock für ein neues Subgenre in der phantastischen Literatur“66

Horror-Rezension von Tom Orgel

England, Regency-Zeit. Zombies durchstreifen das Land und gesellen zum typisch englischen Wetter und den sonstigen Unannehmlichkeiten des ländlichen Lebens der vorindustriellen Zeit die reale Gefahr, dass einem von wandelnden Leichen das Hirn weggefressen wird.

In dieser Geschichte, wie in Austens Urversion, dreht sich alles um die fünf Töchter der Bennets. Die Protagonistin Elizabeth Bennet lebt dabei mit ihren vier Schwestern und ihren Eltern auf einem Landsitz und werden von ihrem Vater (unter anderem mittels Reisen in den fernen Osten zur Ausbildung in Shaolin-Klostern) zu geachteten und gefürchteten Kämpferinnen gegen die Zombiehorden ausgebildet. Ihre Mutter hingegen sieht ihre Lebensaufgabe darin, ihre Töchter an möglichst respektable, gut situierte Partien zu verheiraten.

Als der reiche und alleinstehende Mr. Bingley ein Landhaus in unmittelbarer Nachbarschaft erwirbt, sieht Mrs. Bennet daher ihre Chance gekommen und entsendet ihre Töchter auf den Ball, auf dem der potentielle Bräutigam erscheinen wird. Nachdem die fünf Bennet-Schwestern einen Zombie-Angriff auf die Ballgesellschaft abwehren können, scheint Mrs. Bennets Rechnung aufzugehen. Jane, die älteste der Schwestern, zieht die Aufmerksamkeit Bingleys an sich, wenn auch ihre Schwester Elisabeth „Lizzy“ mit Bingleys Freund, dem Zombiejäger Fizwilliam Darcy aneinander gerät.

Es folgen die bekannten, Austen’schen Wirrungen und Irrungen der Hauptcharaktere Lizzy, Darcy, Jane und Bingley, in denen diesmal allerdings nicht nur die lästigen Angewohnheiten „Stolz“, „Vorurteil“ und „englische Prüderie“ für Ärger sorgen, sondern auch noch zahlreiche Untote. So siecht, von den meisten unbemerkt, Lizzys beste Freundin von der „Plage“ infiziert dahin. Zudem muss sie sich gegen Horden von Ninjas (aus dem Dojo von Darcys Tante, der Zombiejäger-Legende Lady Catherine) zur Wehr setzen, es müssen zahlreiche lebende Tote beseitigt werden, blutige Schlachten geschlagen und schließlich noch die Intrige des falschen Freundes Wickham aufgedeckt werden, bis Lizz und Darcy schließlich Stolz, Vorurteile und Zombies überwinden und zusammen finden können.

Amüsant, solide und auch ungewöhnlich

Wenn Jane Austen ob dieses Werkes in ihrem Grab rotieren sollte, dann dürfte Seth Grahame-Smith das mit großer Wahrscheinlichkeit als Kompliment auffassen. Grahame-Smith, versierter Parodist und Humorist, hat hier weniger eine Parodie als ein so genanntes „mash up“ geliefert, das Jane Austens bekannten und mehrfach verfilmten Klassiker „Stolz und Vorurteil“ weitgehend in seiner Originalform belässt, ihn jedoch mit Elementen zeitgenössischer Zombie-Geschichten ergänzt. Was ihm, alles in allem, ordentlich gelungen ist. Er selbst hat die Arbeit, die entsprechenden Szenen mit wandelnden Toten, japanischen Ninjas und chinesischer Shaolin-Kunst in das bestehende Werk zu integrieren, in einem Interview als 'Mikrochirurgie’ bezeichnet. Tatsächlich wirken seine Einfügungen und Änderungen am Text weitgehend homogen und logisch, so dass das auf diese Weise entstandene Parallel-England bemerkenswert real wirkt.

Im Ganzen ist eine Zombiegeschichte entstanden, die ausnahmsweise einen soliden, literarischen Unterbau hat und dabei sicherlich unterhaltsam ist. Grahame-Smiths Buch ist natürlich keine Weltliteratur und durch Austens Englisch nicht unbedingt leichter verdaulich geworden. Aber es ist eine amüsante und intelligente Variation eines bekannten Themas.

Natürlich ist die das Englisch des Romans etwas schwieriger zu lesen als der typische Belletristik-Band, was jedoch daran liegt, dass Grahame-Smith Austens Englisch weitgehend beibehalten hat. Dadurch wirken nicht nur die Umgangsformen der Protagonisten sondern auch die Wortwahl gelegentlich etwas steif. Was aber durchaus zu den Zombiehorden passt, die unentwegt die englische Gartenlandschaft durchstreifen, sobald es das Wetter zulässt.

Ihre Integration in Austens Geschichte ist schlicht der Kernpunkt: So gelangen Botschaften zwischen Häusern nicht an ihren Zielort, weil der Bote unterwegs gefressen wird. Darcy versucht Bingley nicht von Jane Bennet abzubringen, weil er sie für gefühlskalt hält, sondern weil er ihre Infektion mit der Plage vermutet. Die über den Sommer in der Nähe von Hertfordshire stationierte Miliz ist tatsächlich dazu da, Tote zu exhumieren und zu verbrennen, Elisabeths ungewöhnliches Selbstbewusstsein ist auf ihre Fähigkeiten als Zombiebekämpferin zurückzuführen und die finale Konfrontation zwischen Lizz und Lady Catherine wird nicht mit Worten, sondern mit Waffen ausgetragen. Hier liegt aber auch gleichzeitig das Problem von „Pride and Prejudice and Zombies“: Grahame-Smith war mit seinen Einfügungen zu sparsam – zumindest, was die Zombies angeht.

Denn es bleibt die Frage offen, warum es unbedingt notwendig war, auch noch Ninjas und Dojos in das Regency-Setting einzubringen. Vielleicht, um den überzogenen Parodie-Effekt deutlicher zu machen? Das war vollkommen unnötig. Die Geschichte hätte auch ohne die Orient-, Kung-Fu- und Ninja-Referenzen hervorragend funktioniert. Vermutlich hätte schlichtes Weglassen dieser Nebenidee das Ganze sogar noch eine Spur besser, ein wenig dichter und authentischer machen können.

Auf der anderen Seite trägt er die Zombie-Idee nicht weit genug. Bis auf den Erzählstrang um Charlotte spielen die „Unmentionables“ beinahe zu wenig eine Rolle, um ihr Vorkommen im Titel zu rechtfertigen. Eine konsequentere Weiterverfolgung des eigentlichen Ansatzes hätte sicherlich viel gebracht. So ehrlich muss man sein, nach einer furiosen, ersten Hälfte verliert Grahame-Smith merklich an Tempo und ein wenig seine Untoten aus den Augen. Das hätte sich noch wesentlich runder und spannender auflösen können. So bleibt es dabei: amüsant, solide und auch ungewöhnlich – aber nicht so herausragend, wie es hätte sein können.

Immerhin: Nach dem Erfolg dieses 'mash ups’ und der Tatsache, dass Grahame-Smith damit bewiesen hat, dass sich (lizenzrechtlich unproblematische) Klassiker durchaus auch in dieser Weise aufarbeiten lassen, hat er auf jeden Fall den Grundstock für ein neues Subgenre in der phantastischen Literatur gelegt.

Diese Rezension bezieht sich auf die Originalausgabe „Pride and Prejudice and Zombies“

Ihre Meinung zu »Seth Grahame-Smith: Stolz und Vorurteil und Zombies«

Sylvia zu »Seth Grahame-Smith: Stolz und Vorurteil und Zombies«28.09.2010
Ja, ich teile zum Teil Ihre Meinung, denke aber, dass die Zombie- Idee auch nicht überstrapaziert werden darf (Andauernd Angriffe, na ja...). Und nein, ich denke nicht, dass die gute Jane Austen im Grab rotiert- eher steht sie wieder auf, um Mr. Grahame- Smith zu dieser augenzwinkernden Variante zu gratuliern. Um sich dann, von einem gnadenvollen Gentleman natürlich, stilvoll köpfen zu lassen. Mix it up, wir warten jetzt auf Gefühl und Verstand und Vampire, Überredung mit Werwölfen und Emma, die Geisterjägerin.
Wär' doch very delightful.
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