Die Lichter der Koboldstadt von Simon Clark

Buchvorstellungund Rezension

Die Lichter der Koboldstadt von Simon Clark

Originalausgabe erschienen 2008, 145 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Martin Weber.

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In Kürze:

Simon Clark, geboren am 20. April 1958 in England, ist der Autor hervorragender Horrorromane wie „Nailed By The Heart“, „Blood Crazy“, „Darker“ und „Vampyrrhic“. Seine Werke wurden in 15 Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet.
Dieser Band enthält die mit dem British Fantasy Award ausgezeichnete Novelle „Die Lichter der Koboldstadt“ sowie zwei weitere Kurzgeschichten.

Inhalt:

  • Auf Schwingen, die so dunkel schlagen ...
    On Wings That So Darkly Beat...
  • Die Hand des Ruhmes
    The Hand Of Glory
  • Die Lichter der Koboldstadt
    Goblin City Lights

Das meint Phantastik-Couch.de: „Urbane Phantastik in Bestform“80

Horror-Rezension von Elmar Huber

„Ich beuge mich nun vor, meine Hand ruht auf dem Monitor, und konzentriere mich auf die beiden Gestalten. Langsam schlängeln sie sich auf ihren Bäuchen über den Rasen. Ihre bloßen Füße sind mit grünen Grasflecken überzogen; sie stöhnen, als würden ihre Leiber vom Scheitel bis zur Sohle schmerzen. Ich halte nach Anzeichen von Gewalt auf ihren bloßen Körpern Ausschau. Es gibt keine. Ich versuche, die gestöhnten Wörter zu verstehen. Sie ergeben keinen Sinn.“
(Die Lichter der Koboldstadt)

Ein Riss in der Wand als Vorbote drohenden Unheils. Mit Anfangs noch leisen Schritten beginnt in „Auf Schwingen, die so dunkel schlagen ...“ das Phantastische in Familie Jedermanns Alltag einzutreten. Im nahen Feld hat sich durch die Erdbewegungen ein rätselhaftes Loch gebildet, durch das plötzlich geflügelte, hundeähnliche Wesen ausgespien werden. Die folgende Nacht wird zum Albtraum.

Eine Legende rankt sich um die „Hand des Ruhmes“. Dabei soll es sich um eine Art Talisman für zwielichtige Gestalten handeln. Braven und vor allem vermögenden Bürgern bringt die Hand einen tiefen Schlaf, so dass Diebe unbehelligt ihrem Handwerk nachgehen können. Doch Nick und Clayton haben noch etwas weit größeres mit der Hand vor.

Ein geheimnisvolles Internet-Video bringt den Reporter Jack Constantine auf die Spur einer verschollenen Gothic-Queen, die vor Jahren mit einem Paukenschlag von der öffentlichen Bühne abgetreten ist. Die Sängerin glaubt an einen kollektiven Geist der Stadt London, der für eine Reihe blutiger Selbstmorde und Selbstverstümmelungen auf Londoner Friedhöfen verantwortlich ist, indem er die Opfer zu ihren Taten drängt. Gefangen zwischen Faszination, Neugier und Abscheu ist es schon bald zu spät für Jack Constantine, sich gegen den Einfluss des Geistes zu wehren.

Der Stoff, aus dem wirkungsvolle Phantastikgeschichten gemacht sind

„Auf Schwingen, die so dunkel schlagen ...“ lebt von der nachvollziehbaren Alltagsschilderung bevor sich im wahrsten Sinne die Hölle auftut. „Pass auf, hier stimmt was nicht“, möchte man dem Erzähler zurufen, als er das erste Mal den Riss in der Küchenwand bemerkt, „wir befinden uns schließlich in einer Horrorgeschichte.“ Doch mal ehrlich. Wer würde denn einen Riss in einer heimischen Wand zunächst nicht mit einem Schulterzucken abtun? Die Kämpfe mit den geflügelten Kreaturen und der Gegenschlag der Menschen wirken gegenüber der gelungenen Einstimmung etwas zu schnell erzählt. Doch so läuft der Autor auch nicht Gefahr, sich zu wiederholen.

Die Personen in „Die Hand des Schicksals“ bieten dagegen nur wenig Identifikationsmöglichkeiten, handelt es sich doch um drogensüchtige, kriminelle Verlierer. Auch die Idee, dass es einen Talismann für Einbrecher geben soll, ist gelinde gesagt, schräg und schwer zu akzeptieren. Sobald aber Clayton seine Idee geäußert hat, wie denn die Hand am besten einzusetzen ist, formt sich eine Ahnung im Kopf des Lesers. Der Schrecken stellt sich ein, sobald die Ahnung zur Gewissheit wird und Simon Clark einen Ausblick auf die Zukunft in dieser neuen Welt gibt. Ein Last-Man-on-Earth-Szenario, wie man es bestimmt noch nie gelesen hat.

Auf der Spur einer verschwundenen Person gerät ein Ermittler – zunächst unbemerkt, dann immer stärker – in den Sog einer unheimlichen Macht. Das ist Stoff, aus dem einige der wirkungsvollsten modernen Phantastikgeschichten gemacht sind (z.B. Dan Simmons „Göttin des Todes“). In „Die Lichter der Koboldstadt“ fungiert ein geheimnisvolles Internet-Video, heutzutage ein Alltagsobjekt, als Startschuß für eine Reise ins Grauen. Und der Leser reist unmittelbar mit Jack Constantine. „Die Lichter der Koboldstadt“ bietet urbane Phantastik in Bestform und wurde nicht umsonst mit dem British Fantasy Award ausgezeichnet.

Zugleich unheilvoll und wunderschön

Simon Clarks Schilderungen sind sehr farbenfroh, doch in jede Farbe scheint ein Tropfen schwarz gemischt zu sein. Wie in einem Hochzustand scheinen alle Sinneseindrücke verstärkt. Der Autor benutzt unerwartete Assoziationen, um bestimmte Stimmungen zu erzeugen und läßt auch gerne mal die Handlung ruhen, einfach um Stimmungsbilder zu malen („Man stelle sich das Folgende mit einem Soundtrack vor: Jim Morrisons ´Riders on the Storm’ würde funktionieren. Aber Joy Divisions ´Love will tear us apart', das zugleich unheivoll und wunderschön ist, würde die Szene mit einem magischen Schimmer überziehen.“). Dabei bleibt die Handlung nie zu lange auf der Strecke, sondern es gelingt Clark immer, den Faden unbemerkt wieder aufzunehmen und weiter zu erzählen, ohne dass der Lesefluss unterbrochen wird. Kompliment auch an die Übersetzung, die dabei in keiner Weise gekünstelt wirkt.

Die Sammlung „Die Lichter der Koboldstadt“ ist in dieser Zusammenstellung nur bei Eloy erschienen. Die einzelnen Geschichten wurden verschiedenen britischen Anthologien entnommen. Der Band ist wohl nicht für eine große Leserschaft gemacht. Dafür ist der Name Simon Clark zu unbekannt bzw. es sind einfach zu wenige Geschichten enthalten. Ich jedenfalls hätte – nach diesen drei Appetithappen – gerne mehr von diesem Autor gelesen.

Für das Coverartwork und die Innenillustrationen zeichnet sich David Magitis verantwortlich, der schon einige weitere Bände der Eloy Edictions verschönert hat. Das Motiv hat zwar nichts mit dem Inhalt zu tun, vermittelt aber gut die gewisse Stimung des Urban Horror. Die bemerkenswerten Farbbilder im Innenteil zeigen Szenen aus den Stories und geben ebenfalls perfekt die düster-farbige Atmosphäre der Geschichten wieder.

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