Das Regenbogenschwert von Simon R. Green

Buchvorstellungund Rezension

Das Regenbogenschwert von Simon R. Green

Originalausgabe erschienen 1991unter dem Titel „Blue Moon Rising“,deutsche Ausgabe erstmals 2002, 653 Seiten.ISBN 3867621772.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Prinz Rupert wird ausgeschickt, um in den Wäldern einen Drachen zu erlegen. Er soll sich jedoch nicht durch die heldenhafte Tat bewähren. Vielmehr verspricht man sich am Hof von der gefährlichen Mission, den ungeliebten Thronfolger auf elegante Weise loszuwerden. Doch als der Prinz und sein mürrisches sprechendes Einhorn tatsächlich auf einen Drachen treffen, entpuppt sich dieser als altersmüdes Geschöpf, das Schmetterlinge sammelt. Überdies wird das magische Wesen von einer Prinzessin tyrannisiert, die vor ihrem Bräutigam ausgerissen ist. Da erfährt Prinz Rupert, dass das Königreich von einem übermächtigen Feind bedroht wird und er als Einziger seine Heimat retten kann. Gemeinsam mit dem Einhorn, der Prinzessin und dem Drachen bricht er auf, das größte Abenteuer seines Lebens zu bestehen …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Von einem der auszog...“82

Fantasy-Rezension von S.B. Tenz

„;Er war Prinz Rupert vom Waldkönigreich, und er war ausgezogen, einen Drachen zu töten“;

Dies allerdings eher unfreiwillig. Der König selbst hatte seinen Sohn auf diese Mission geschickt, hoffend, dass dieser nicht zurückkehre. Damit wäre der Weg frei für Prinz Ruperts älteren Bruder, den man bei Hofe als Nachfolger des Königs sehen möchte. Prinz Rupert war nicht dumm. Er wußte um dieses Ränkespiel. Trotzdem fügte er sich dem Willen des Vaters und somit seinem Schicksal. Gemeinsam mit seinem melancholischen Einhorn macht er sich auf die Suche nach einem Drachen. Vor ihnen liegt der unheimliche Dunkelwald, den es zu durchqueren gilt. Bevölkert von Dämonen und anderen zwielichtigen Gestalten ist der Dunkelwald ein Ort, aus dem nur wenige wieder zurückgekehrt sind. Rupert ist sich der Gefahr bewußt, aber der Held wider Willen wächst über sich selbst hinaus und geht das Wagnis ein.

Das ist der Auftakt zu einem großen Abenteuer unter dem blauen Mond, dessen gespenstischer Schein viele andere Erzählungen verblassen lässt.

Schräge Dialoge und Figuren

Oh nein, nicht schon wieder Drachen, Kobolde, Einhörner, Zauberschwerter und Magier. So mein erster Gedanke nach den ersten Seiten des Romans. Schnell wurde ich eines Besseren belehrt. Spätestens nach dem ersten Kapitel (von insgesamt 10) wusste ich, hier handelt es sich um ein ganz besonderes und außergewöhnliches Werk. Liebevoll und facettenreich geschrieben. Anfängliche Skepsis wurde durch Begeisterung verdrängt. Allein die herrlich schrägen Figuren des Romans sind eine Klasse für sich. Selbst die Randfiguren überzeugen durch einen ganz besonderen Charakter, der bis ins Detail ausgearbeitet und ungewöhnlich ist. Wo sonst liest man von einen Drachen, der statt Edelsteinen und kostbaren Geschmeiden Schmetterlinge sammelt? Oder einer Prinzessin, die durch ständige Prügeleien ihrem Unmut Luft macht, und bei deren verbalen Ausbrüchen sämtliche Hofdamen nach ihrem Riechsalz schreien? Dann gibt es da noch einen verschrobenen, ständig besoffenen Zauberer auf Freiersfüßen, der die Welt retten soll. Und nicht zuletzt ein melancholisches, fortwährend nörgelndes Einhorn, das durch seine spitzfindigen Kommentare und Bemerkungen den Leser immer wieder zum Lachen bringt. Wobei wir bei den Dialogen wären. Die unkonventionelle Sprache der Protagonisten hebt sich vom üblichen Fantasy-Genre ab, ist zu Anfang zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber anschließend ein Genuss. Sprüche wie: „;Darauf habe ich keinen Bock“;, „;So eine Kacke“; oder „;Das ist ja geil“; sind wohl eher eine Seltenheit in diesem Genre. Dabei übertreibt es der Autor allerdings nie. Green beherrscht das Wandeln auf dem schmalen Grad zwischen intelligentem Humor und simpler Albernheit perfekt, ohne dabei ins Straucheln zu geraten. Seine Figuren sind es dann schließlich auch, die diesen Roman zu etwas Besonderem machen.

Nicht viel Neues

Die Handlung selbst bietet nämlich nicht viel Neues. Den Kampf zwischen Gut und Böse, schwarzer und weißer Magie kennt man ja zur Genüge. Dem aufmerksamen Leser wird es sicher nicht entgehen, dass der Roman viele Parallelen zu anderen bekannten Werken der Fantasy aufweist. Da ist eine verblüffende Ähnlichkeit zwischen Prinz Rupert und Tolkiens Frodo nicht von der Hand zu weisen. Da gibt es eine Burg, deren Räume sich ständig verändern oder einfach verschwinden, um Jahre später wieder aufzutauchen. Das erinnert sehr an James Stoddarts „Das Hohe Haus“ oder „Rückkehr nach Abendsee“. Den Dunkelwald mit seinen unheimlichen Geschöpfen könnte auch "Der kleinen Hobbit" durchstreift haben. Die Höllenschwerter könnten aus Michael Moorcocks Elric-Saga stammen. Aber selbst für den Fall, dass Green in fremden Gewässern gefischt hat, das Lesevergnügen geht auf keiner der 654 Seiten verloren.

Bei so viel Lob soll aber auch ein kleiner Wermutstropfen nicht verschwiegen werden. Und zwar das etwas schwache und vorhersehbare Ende und die zum Teil übertriebenen Gemetzel. Trotzdem bleibt der Roman ein erstklassiges Fantasy-Werk, das in jeden (Fantasy-) Bücherschrank gehört.

Fazit

Jeder Fantasy Autor, der das Wagnis eingeht, einen mit schrägem Humor gespickten Roman zu veröffentlichen, muss immer damit rechnen, dass er an einem Terry Pratchett gemessen wird. Ich möchte diesen Vergleich vermeiden, da Pratchett für mich nicht das Maß aller Dinge ist. Simon R. Green hat einen Roman geschrieben, der auch Fantasy-Einsteigern dieses Genre mehr als schmackhaft macht.

Bei der mittlerweile unüberschaubaren Menge von teilweise überflüssigen Zyklen ist es außerdem eine Freude, endlich mal wieder ein in sich abgeschlossenes Abenteuer zu lesen. Andererseits wäre es auch toll, neue Abenteuer mit Rupert, seinen treuen Gefährten und dem Regenbogenschwert zu erleben. Ich wäre auf jeden Fall dabei.

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