Die dunkle Seite der Nacht von Simon R. Green

Buchvorstellungund Rezension

Die dunkle Seite der Nacht von Simon R. Green

Originalausgabe erschienen 2003unter dem Titel „Something from the Nightside“,deutsche Ausgabe erstmals 2006, 201 Seiten.ISBN 393725594X.Übersetzung ins Deutsche von Oliver Hoffmann.

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In Kürze:

Mein Name ist Taylor, John Taylor. Auf meiner Visitenkarte steht „Privatdetektiv“, aber eigentlich bin ich Experte im Wiederauffinden von Verlorenem. Das ist Teil meiner Gabe, meines Geburtsrechts als Kind der Nightside.
Mir ist es vor langer Zeit mit knapper Not gelungen, mit heiler Haut und einigermaßen intaktem Verstand von dort wegzugehen. Jetzt verdiene ich mein Geld auf den sonnenbeschienenen Straßen Londons.
Aber in letzter Zeit liefen die Geschäfte schlecht, also sagte ich nicht nein, als Joanna Barrett bei mir auftauchte, nach Geld roch und mich bat, ihre ausgerissene Tochter zu finden.Dann fand ich heraus, wohin genau das Mädchen gegangen war.
Nach Nightside. Zweieinhalb Quadratkilometer Hölle mitten in der Stadt, wo es immer drei Uhr morgens ist. Wo man mit Mythen spazierengehen und mit Monstern zechen kann. Wo nichts ist, wie es scheint – aber alles möglich.
Ich hatte geschworen, niemals zurückzukehren. Aber ein Kind ist in Gefahr, und eine Frau setzt auf mich. Ich habe also keine Wahl – ich kehre heim …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Urban Fantasy in der magischen Unterwelt von London – ein Pulp-Krimi mit überraschend phantasievollen Setting. “81

Fantasy-Rezension von Sanja Döttling

John Taylor ist eigentlich ein ganz normaler Privatdetektiv: verpeilt, unterbeschäftigt, spitzzüngig. Doch der Fall des verschwundenen reichen Töchterchens Cathy zwingt ihn, sich in sein altes Revier zu begeben. Und das ist gar nicht normal. Denn John Taylor kommt aus der Nightside, eine Art dunkles London voll von Verbrechen und allerlei zwielichtigen Dienstleistungen für Kunden mit besonders ausgefallenem Geschmack. Die ebenso reiche Mutter im Schlepptau, begibt er sich auf altes Gebiet, und trifft dort sein zurückgelassenes Leben wieder. In seiner Zeit in der Nightside hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Und selbst die sind in der Nightside anders definiert – sie erstechen dich nämlich nur, wenn der Preis hoch genug ist. Dann ist da noch Walker, die oberste Aufsichtsbehörde der Nightside, der sicherstellt, dass alles in seinen mehr oder weniger geregelten Bahnen verläuft. Er macht John nicht das erste Mal einen Strich durch die Rechnung.

Der Auftakt zu Simon R. Greens Serie „Geschichten aus der Nightside“ ist fulminant und bunt – auf eine gefährlich Art und Weise. Natürlich folgt der Autor mit der Kriminalgeschichte einem altbekannten Muster, und auch John Taylor wirkt wie der typische Detektiv in Trenchcoat und geheimnisvoller Vergangenheit. Er hat sogar eine Superkraft: Er kann Sachen aufspüren. Klingt dämlich, verblasst aber neben den Spezialfähigkeiten vieler anderer in der Nightside und ist deshalb relativiert. Doch man spürt, dass sich Autor, Charaktere und Geschichten nicht ganz ernst nehmen, was nicht nur für viel Comic Relief, sondern auch zu einer spritzigen Erzählung führt. Mit der Mischung von abgehalftertem Privatdetektiv und reicher Tussi ist das Hauptgespann einfach genug aufgestellt, um mit allerlei kantigen Dialogen aufzuwarten. Das muss man nicht mögen, kann man aber.

Die Nightside selbst ist dagegen mal etwas anderes. Die lustig-dunkle Welt aus suizidgefährdeten Touristen und alteigesessenen Verrückten ist anziehend. Da gibt es Auftragsmörder, die Halbgötter mit Rasierklinge sind, schlecht gelaunte Barkeeper und skrupellose Mörderinnen mit perfekten Modelmaßen. Überhaupt ist der Tod in der Nightside näher – was die meisten Charaktere nicht von ihren schlecht-witzigen Sprüchen abhält. Mit Liebe ist eine absurde, gefährliche und schöne Welt beschrieben, in der alles ein bisschen extremer ist als im normalen London. Kein Wunder, dass Hauptcharakter John Taylor eine Art Hassliebe zu seiner Heimat entwickelt hat. Da ist der Verkehr in der Nightside, der nie anhält (wohl im Gegensatz zum Dauerstau in London entworfen), und der Strassenüberquerungen zum geplanten Selbstmord macht. Vor allem, weil manche Fahrzeuge gar keine sind, und manche auch auf Menschenfleisch stehen. Da gibt es Zeit- und Raumanomalien in Seitengassen, die dich in ferne und gefährliche Zukünfte werfen. Und das alles nur eine U-Bahnhaltestelle vom normalen London entfernt.

Fazit:

„Geschichten aus der Nightside“ sind sicher das Gegenteil von hoher Literatur, es ist eher ein literarischer Snack für zwischendurch, der nicht übermäßig belastet. Klischees gibt es unzählige, aber der locker-leichte Umgang damit macht sie nicht so prominent und nervig. Außerdem hat die Nightside immer wieder lustige Überraschungen zu bieten, die den Leser bei Laune halten. Und wenn nicht mehr geht, wartet hinter der nächsten Ecke sicher eine Droschke mit sprechendem Pferd.

Sanja Döttling im August 2013

 

Ihre Meinung zu »Simon R. Green: Die dunkle Seite der Nacht«

tassieteufel zu »Simon R. Green: Die dunkle Seite der Nacht«19.04.2011
Privatdetektiv John Taylor hat eine besondere Gabe, er kann so ziemlich alles finden und als eines Nachts die attraktive Joanna Barrett bei ihm auftaucht und ihn beauftragt, ihre ausgerissene Tochter zu finden, sagt er nicht nein, auch als sich herausstellt, daß das Mädchen in der Nightsight ist, einer Parallelwelt zum realen London, einer Art Hölle in der es immer
3 Uhr morgens ist und die von allerlei skurilen und brutalen Typen bevölkert ist. Vor Jahren entkam Taylor diesem Ort und wollte eigentlich nie zurückkehren, doch die Geschäfte laufen schlecht und Taylor kehrt mit Joanna Barrett im Schlepptau an den Ort seiner Kindheit zurück.

Die Idee eines Privatdetektives, der in einer Art Parallelwelt ermittelt, erschien mir zunächst ganz interessant und zunächst begann das Buch auch ganz ordentlich, John Taylor umgibt die Aura des Geheimnisvollen, weil seine Herkunft nicht ganz klar ist, die kurzen knappen Sätze passen gut zu der Geschichte und als Taylor und Joanna in die Nightsight eintreten, begegnen sie zunächst einer ganzen Reihe von skurilen und schrägen Typen. Wirklich warm wurde ich aber mit dem Buch nicht und kann nichtmal genau sagen, woran es letztendlich lag, vermutlich zuviel Horror und Fantasyelemente. Ich bin eben doch mehr der Krimifan.
Zudem wurde die Geschichte mit dem weiteren Fortschreiten zunehmend vorhersehbar, zwar wird die Nightsight von vielen interessanten und skurilen Figuren bevölkert, aber so richtig spannend wird es eigentlich nie, viele Charaktere werden nur oberflächlich beschrieben und auf diverse Ereignisse hätten doch etwas ausführlicher eingegangen werden müssen,so bleibt eine ganze Reihe von Dingen unklar und offen und die Beweggründe einiger Figuren sind auch nicht so ganz klar. Eine wirklich düstere Atmosphäre, wie ich eigentlich erwartet hatte, kommt auch nicht zustande, die Figuren hetzten von einer lebensbedrohlichen Situaition zur
nächsten ohne das ihnen das wirklich viel anhaben könnte und so wirkte das alles auf mich mehr wie eine Aneinandereihung als wie eine komplexe Geschichte. Einen weiteren Teil werde ich wohl vorerst nicht lesen.

Fazit: Ein Dreamteam werden John Taylor und ich wohl nicht werden. Von der Grundidee ist das Buch nicht schlecht, aber ich hatte doch etwas ganz anderes erwartet und für nur knapp 200 Seiten ist das Buch mit 10,95 auch noch ganz schön teuer.
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