Wächter der Menschheit von Simon R. Green

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2007unter dem Titel „The Man With The Golden Torc“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 512 Seiten.ISBN 3-404-20615-0.Übersetzung ins Deutsche von Axel Franken.

»Wächter der Menschheit« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Wisst ihr was? Es ist alles wahr. Alles, wovor ihr euch immer gefürchtet habt, angefangen bei Verschwörungstheorien bis hin zu Monstern unter dem Bett und Geistern und Ghoulen. Der einzige Grund, warum sie noch nicht die Welt beherrschen, ist, dass meine Familie schon immer da war und sich ihnen in den Weg gestellt hat. Wir bewachen die Tür, bewahren euch vor dem bösen Wolf, und dabei kennt ihr noch nicht mal unsere Namen. Mein Name ist Bond. Shaman Bond. Na ja. Eigentlich ist das nur mein Deckname. Wenn du ständig mit den Geschöpfen der Nacht zu tun hast, kannst du jedes Bisschen Humor gut brauchen. Mein echter Name lautet Eddie Drood. Und ich habe die Lizenz, dem Übernatürlichen in den Arsch zu treten. Ich habe meinen Job immer geliebt. Bis er mir eines Tages um die Ohren flog.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Wo die wilden Dämonen wohnen“70

Fantasy-Rezension von Tim König

Der nicht eben taufrische 007-Gag ließ sich wohl kaum vermeiden und kennzeichnet gleichzeitig die Art von Humor, der in Simon Greens Roman vorherrscht: „Mein Name ist Bond, Shaman Bond“. So stellt sich Eddie Drood jedenfalls vor. Angeblich ein schlichter Reporter, gehört er tatsächlich der Sippe der Droods an, die als Wächter der Menschheit fungieren. Vor wem muss die Menschheit denn nun beschützt werden – außer vor Politikern, Terroristen, Serienkillern, bösen Banken und Heuschreckenkapitalismus? Die Antwort ist simpel: vor Dämonen, Geistern und weiterer bösartiger, übernatürlicher Brut. Denn die Welt des Paranormalen existiert wirklich. Deshalb zieht Eddie hauptamtlich in seiner goldenen, unzerstörbaren Rüstung los, um Dämonen zu killen.

In seiner Freizeit hingegen besucht er gerne die Szenekneipe „Wolfskopf“. Dort treiben sich keine trinkfreudigen Saufkumpane herum, sondern Dämonentöter, Seelenfresser und bisweilen depressive Golems. Hier darf Eddie der lautere Shaman Bond sein, bleibt aber immer eine Mischung aus 00-Agent (mit der Lizenz zum Monstertöten) und Schamane. Als dieser fühlt er sich ganz wohl, bis seine einflussreiche Familie ihn, das schwarze Schaf, verstößt. Zudem erweist sich seine Rüstung als nicht ganz so unzerstörbar, wie er angenommen hat, denn sie wird von einem Pfeil aus „fremder Materie“ durchschlagen.
Das war’s mit der goldenen Herrlichkeit, und wenn es ganz dumm läuft, hat Eddie nur noch wenige Tage zu leben. Immerhin Zeit genug, sich an seinen ungnädigen Verwandten zu rächen.

Simon R. Green macht es sich beim Erschaffen einer neuen Welt relativ leicht: In seinem Roman ist jede Legende und jedes Märchen, das Reich der Geister und Monster – eigentlich alles, was wir als Fiktiv erachten, real …Doch können dies nur die wenigsten Menschen sehen, denn die allbekannten übernatürlichen Wesen agieren versteckt und getarnt im Dunkel, um die Menschheit besser ausnutzen zu können. Der Leser hingegen muss seine Vorstellungskraft nicht großartig unter Beweis stellen: die Mitglieder infamer Sekten tragen rote Kutten, Dämonen haben lange Reihen von Nadelzähnen, Zauberer tragen spitze Hüte u.s.w..

Gleichzeitig reiht sich Superlativ an Superlativ, die goldene Rüstung der Wächter der Menschheit ist nicht nur (scheinbar) unzerstörbar und schützt so ihren Träger, sie kann auch unsichtbar machen, verleiht gottähnliche Stärke und einen Röntgenblick. Dadurch geraten die Droods zu einer Mixtur diverser Superhelden á la Iron Man, Superman, Hulk und Captain America. Bloß ohne negative Begleiterscheinungen – nicht eben die spannendste Angelegenheit der Welt für den neugierigen Betrachter.
Eddie Drood, unser Erzähler, sieht das natürlich anders: er hält sich für den coolsten, stärksten und klügsten Helden überhaupt, was er gerne und viel zu häufig betont.

Die erste Hälfte des Buches versprüht eine ähnliche Stimmung wie ein Power Rangers-Film. Trash erster Güte, ohne Bedenken und Rücksicht auf Verluste. Jede Seite eine neue Sensation, ein anderes übernatürliches Wesen, das abgefeiert wird. Dazu Witze zwischen pubertärer Pickligkeit und schelmischer Scharlatanerie. Green schöpft mit der groben Kelle aus dem Vollen – und bei weitem nicht alles ist genießbar. Erst ab der zweiten Hälfte mehren sich die gelungenen Ideen und Aktionen.

Denn auf der Suche nach dem Grund der Verbannung, und der Vorbereitung der Rache an der Familie, wird Eddie von der Hawkwind liebenden Anarcho-Hexe Molly Metcalf unterstützt, einer ehemaligen Erzfeindin. Ab diesem Zeitpunkt gewinnen die Einfälle Greens an Esprit und Elan, und sein Personal bekommt endlich individuellere Noten. Man trifft auf Alkoholiker-Halbelfen, sexistische Eichhörnchen und ein belustigtes Confusulum. Trotzdem bleibt der Trash-Faktor erhalten; so tauchen gelegentlich schurkische Agenten in modisch schwarzen Overalls auf, die nebenbei einem seltsamen Meister dienen, der sich Inbusschlüssel ins Hirn steckt, um sein „Potential“ zu nutzen. Auch Geister in Bermuda-Shorts dürfen herumspuken.

Zur Auflockerung darf unser Held Eddie auch mal leiden und als Rebell einer untadeligen Familie fungieren. Trotz einiger logischer Ungereimtheiten weiß es wohl zu gefallen, wie Molly und Eddie mit den Droods abrechnen. Positiv dabei: nicht nur physische Stärke ist ausschlaggebend, sondern Querdenken (und fiese Tricks) nutzen dem ungleichen Paar, sich zielgerichtet ihren Weg, auch durch scheinbare Hindernisse, zu bahnen.

Neben allen amüsanten Einfällen, egal ob unfreiwillig komisch oder bewusst gewählt, überzeugt der Roman letztlich durch den Plot, der aus einem Helden in goldener Rüstung ein körperliches Wrack macht, das mit einem übergroßen Stock und einem Confusulum im Anhang, die großkotzigen Wächter der Menschheit bekämpft. Menschwerdung als der wahre Weg zum Heldentum. Nicht die schlechteste aller Lehren.
Und am Rande erfahren wir auch, dass der zweite Weltkrieg nur deshalb ausgebrochen ist, weil ein Dämon Hitler seinen zweiten Hoden geklaut hat.

Wer das witzig findet, sollte den Wächter[n] der Menschheit den ein oder anderen vergnüglichen Blick widmen.

 

 

Ihre Meinung zu »Simon R. Green: Wächter der Menschheit«

zugroaster zu »Simon R. Green: Wächter der Menschheit«27.06.2010
In der Rezension wurde eigentlich schon alles gesagt. Mich wundert aber das die absolut grauenhafte Übersetzung nicht erwähnt wird. Der Übersetzer muß ein absoluter Anfänger sein. Man hat beim lesen andauernd das Gefühl das er den Originaltext in ein Übersetzungsprogram eingegeben hat. Ein gramatikalischer Fehler jagt den anderen. Dementsprechend kann hier von Lesefluß keine Rede sein. Ich verstehe auch nicht wie dies dem Lektor nicht aufgefallen sein kann. Normalerweise würde ich 90% geben aber so sind es nur 35% geworden.
deta zu »Simon R. Green: Wächter der Menschheit«21.04.2010
Ein unerwartet gutes Buch!
Ich weiß eigentlich nicht was ich erwartet habe, wurde aber sehr positiv Überrascht!
Obwohl das Buch durchgehend nur aus der Perspektive des Hauptprotagonisten erzählt ist, ist die Geschichte ungeheuer spannend und Rasant. Man folgt dem Helden in jedes Fettnäpfchen und Abenteuer und wird neugieriger auf das was kommt. Die Spirale der Ereignisse dreht sich dabei immer schneller um zu einem doch etwas unerwarteten Ende zu kommen. Die ganze Geschichte ist gut mit schwarzem Humor und „coolen Sprüchen“ gewürzt, die nicht aufgesetzt wirken. Es gehört glaube ich zur der Gattung der Urban Fantasy.
Ich freue mich auf jeden Fall auf die Fortsetzung!
Ihr Kommentar zu Wächter der Menschheit

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.