Nachtlilien von Siri Lindberg

Buchvorstellungund Rezension

Nachtlilien von Siri Lindberg

Originalausgabe erschienen 2010, 591 Seiten.ISBN 3-492-70215-5.

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In Kürze:

Seit Generationen lastet auf der Familie der jungen Jerusha ein schrecklicher Fluch: Alle Frauen sind dazu verdammt, den Menschen zu verraten, den sie am meisten lieben. Jerusha droht das gleiche Schicksal, als sie Kiéran begegnet, einem Krieger, der nach einer schweren Schlacht erblindet ist. Jerusha verliebt sich in ihn, doch sie will ihn auf keinen Fall ins Unglück stürzen. Aber ist es richtig, der wahren Liebe für immer zu entsagen? Oder ist es Zeit, eine Entscheidung zu treffen, auch wenn es die mutigste und gefährlichste ihres Lebens sein wird?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die Bildhauerin, der Krieger und der Fluch“78

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Als wir die Steinmetzin Jerusha kennenlernen scheint ihr Leben im Glück zu erstrahlen. Nicht nur, dass die von ihr just fertiggestellte figürliche Darstellung eines Gottes die Anerkennung all ihrer gestrengen Kollegen und früheren Lehrmeister gefunden hat, auch ihr persönliches Schicksal scheint, positiv versteht sich, vorgezeichnet. In K?rze soll sie den Spiegelmacher Dario, ihren Liebsten, heiraten. Was will sie mehr?

Bis ihr dann eines Tages ihre Großmutter reinen Wein einschenkt. Ein Fluch liegt auf den KiTenaros, ein Fluch, der die Frauen ihrer Familie zwingt, den Mann, den sie am meisten lieben, zu verraten.

Jerusha reagiert zunächst mit Unglauben und Ablehnung auf die Eröffnung, stellt sich dann aber mutig ihrem Schicksal. Wenn es nicht anders geht, muss die Hochzeit eben verschoben werden, bis sie denjenigen, der den Fluch ausgesprochen hat, gefunden und ihn dazu gebracht hat, diesen zurückzunehmen – so einfach ist das. Denkt sie zumindest, als sie sich zunächst voller Elan und Hoffnung auf den Weg macht.

Unterwegs trifft sie auf Kiéran, einen in der Schlacht verwundeten Krieger. Die ihn aufopfernd pflegenden Mönche konnten ihm zwar sein verlorenes Augenlicht nicht ersetzen, haben ihm dafür aber ein Amulett geschenkt, mit dessen Hilfe er magische Wesen sehen kann. Eine Zeitlang reisen die beiden zusammen, bevor sich ihre Wege zunächst wieder trennen. Doch vergessen können sie einander nicht …

Leise Töne, die ob der liebevollen Details faszinieren

Siri Lindberg, die unter einem anderen Pseudonym schon diverse Fantasy-Titel publiziert hat, legt ein beeindruckend intensiv zu lesendes Werk vor. In großen Bildern, dennoch ohne falsches Pathos, vermittelt sie ihrem Leser ihre Botschaft – für das, was einem wichtig ist einzustehen, sich nicht einfach mit Vorgegebenem abzufinden, sondern selbst sein Schicksal aktiv in die Hand zu nehmen.

Dabei baut sie ihre Handlung sorgfältig auf. Zunächst stellt sie uns ihre beiden Hauptfiguren vor, schildert uns deren Leben und Umgebung, so dass wir diese besser einschätzen können. Insbesondere die Darstellung der Bildhauerin und ihrer Kunst wirkt hier unheimlich realistisch und auch in Einzelheiten glaubwürdig. Man merkt dem Text an, dass sich Lindberg intensiv mit dem Thema beschäftigt und ausführlich recherchiert hat.

Dazu gesellt sich nach und nach aufgebaut eine immer faszinierendere magische Welt. Was sich zunächst als eine der üblichen archaischen Kulturen anbot, das wandelt sich im Verlauf der Seiten zu dem Bild einer magischen Welt mit Drachen, Nymphen und dem Schattenspringer Gruisho.

Im Verlauf der Queste bereisen unsere beiden Hauptpersonen die unterschiedlichsten Länder. Dies gibt der Autorin die Gelegenheit, nicht nur verschiedenste Umgebungen vorzustellen, sondern auch immer wieder neue Wesen auftreten zu lassen. Dabei geht der rote Faden der Handlung nie verloren und auch Langeweile kommt nicht auf. Die Welt selbst wirkt durch die vielen verschiedenen Details, die uns vorgestellt werden, sehr intensiv und überzeugend, die Liebesgeschichte ergreifend, ohne dass sie ins Schmalzige abgleitet. Lediglich die in meinen Augen nicht ganz gelungene äußere Gestaltung des Umschlags stört den harmonischen Gesamteindruck des Titels, der einmal mehr beweist, dass es nicht immer großer Schlachtengemälde bedarf, den Leser phantastisch in seinen Bann zu ziehen.

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