Der Weg nach Altamura von Stephan M. Rother

Buchvorstellungund Rezension

Der Weg nach Altamura von Stephan M. Rother

Originalausgabe erschienen 2005, 400 Seiten.ISBN 3938922028.

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In Kürze:

Im Jahre des Herrn 1293. Magister Wasmod von dem Knesebeck reist durch ein Italien, das in banger Erwartung dem Kaiser der Endzeit entgegensieht. Auf seiner Mission, die ihn über Sirmione und Mantua auch in Dantes Florenz führt, häufen sich beunruhigende Vorkommnisse. Unter mysteriösen Umständen trifft ein junger Besucher aus Deutschland ein. Ein finsterer Fluch, den der Magister gebannt glaubte, ist zu neuem Leben erwacht. Doch auf wen beziehen sich die Prophezeiungen? Und auf welcher Seite steht die undurchschaubare Botin Oda? Bald geraten nicht nur Wasmods geheime Pläne, sondern auch sein Leben in tödliche Gefahr.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der Legat des Papstes auf dem Weg über die Alpen“75

Mystery-Rezension von Carsten Kuhr

Wir schreiben das Jahr des Herrn 1293. Seit mehr als einem Jahr ist der Stuhl Petri verwaist, die Konklave kann sich auf keinen der Kurienkardinäle als neues Oberhaupt der Kirche einigen. Wie im Vatikan sind sich auch die weltlichen Herrscher uneins. Man munkelt von Nachkommen des gemeuchelten Hohenstaufen-Geschlechts – ein Kaiser der Endzeit, der die Kirche reformiert und das Heilige Land von Ungläubigen befreit, ist prophezeit worden. In dieser explosiven Stimmung reist der pästliche Legat, der deutsche Wasmod von dem Knesebeck, Magister der Universität von Bologna, in Richtung Rom. Sein Weg führt ihn über die Alpen zunächst in den Sündenpfuhl Florenz, wo er einen alten Bekannten treffen will. Doch Dante Alighieri ist dem Absinth verfallen. Unterwegs trifft er auf einen Verwandten: Adrian von Bodenteich, jüngster Spross einer Adelsfamilie, hat die Alpen in geheimer Mission überquert. Nur das Wiederaufleben eines alten Fluchs, den Magister Wasmod längst besiegt glaubte, kommt als Grund für die geheime Mission des Jünglings in Betracht. Ist der Schatten wirklich wieder auf der Pirsch, und wie passt die Botin Ode, die offensichtlich über magische Kräfte verfügt, ins Bild? In dem im Bau befindlichen Dom von Florenz schliesst der Schatten zu den Verfolgten auf. Dann überstürzen sich die Ereignisse – ein Wasserspeier wird lebendig, die Grenze zum Todesreich öffnet sich und das Grab Theoderichs, des Goten wird geplündert …

Fundierte Geschichte einmal ganz anders

Warum ich Ihnen einen historischen Roman vorstelle, möchten Sie wissen. Nun, der „Weg nach Altamura“ berichtet zunächst von einer fiktiven Handlung. Es treten erdachte Personen ebenso auf wie geschichtlich verbürgte Gestalten, es geht um politische Ränkespiele, um Mord und Verfolgung, aber es geht eben auch um einen Fluch, um Zauberei und Engel, Dämonen und Geister.

Zu Beginn zeigt sich die Handlung recht verwirrend. Der Autor erschlägt seinen Leser förmlich mit Personen, deren Bedeutung sowohl im Machtgefüge der damaligen Welt als auch für die Handlung zunächst noch unklar bleibt. Wer sind die mächtigen Männer, was wollen sie erreichen, was sind ihre Pläne und warum überhaupt reisen sie zusammen durch die Toskana? Fragen, die erst nach und nach beantwortet werden, wobei der Autor seinen Leser fordert. Satt diesem alles vorzukauen gibt er dezente Hinweise und lässt seine Leser selbst Schlüsse ziehen, legt falsche Spuren und sorgt so für ein gerüttelt Maß an Aufmerksamkeit.

Mächtige Männer und ein Engel – ein Plot zum Mitdenken

Man kann diesen Auftaktband einer projektierten Trilogie nicht einfach herunterlesen wie so viele aktuelle Romane. Zu viel passiert, dessen Bedeutung erst Kapitel später klar wird, zu verwickelt, ja verzwickt ist die Handlung aufgebaut. Dabei kommt dem Autor natürlich zugute, dass er als studierter Historiker weiß, über was er schreibt. Vor den Augen des Rezipienten wird so die Vergangenheit lebendig, nimmt uns eine Welt gefangen, die anders ist, als uns der Geschichtsunterricht glauben machte. So wird die Sodomie und die Homosexualität, die gerade in der ungewöhnlich liberalen Stadt Florenz trotz der Knute der Dominikaner blüht. ebenso thematisiert wie die Machtbesessenheit der Inquisition, die Ränkespiele des verarmten Adels und die Intrigen des Klerus.

Auffallend, dass mit Ausnahme der Botin Oda keine starke Frauengestalt im Plot auftaucht. Frauen, so scheint es, sind entweder behütete Geschöpfe, die an Heim und Herd für den Nachwuchs sorgen, oder Gespielinnen, die der Lust der Mächtigen zu dienen haben.

Mit zunehmender Dauer verlässt die Handlung zunächst unmerklich, dann immer rasanter die Pseudo-Realität, nehmen die phantastischen Sequenzen einen immer breiteren Raum ein. Dabei gelingt es Rother, sprachlich versiert, die innere Überzeugungskraft aufrechtzuerhalten und den Spannungsbogen durchgängig zu gestalten.

Wer also ein wenig Sitzfleisch mitbringt und wer Interesse an einer historisch fundierten, intelligenten und fordernden, gleichzeitig aber phantastischen Handlung hat, der greife zu diesem Buch.

Ihre Meinung zu »Stephan M. Rother: Der Weg nach Altamura«

Tanja zu »Stephan M. Rother: Der Weg nach Altamura«15.08.2007
Klar, das Buch verlangt dem Leser einiges ab - es ist eben keine Dutzendware. Einige der Figuren wirken recht distanziert, doch dafür umso "mittelalterlicher". Das Buch hat echtes Kultpotenzial.

Michael hätte ein paar Erläuterungen geben können für so eine harsche Ablehnung.
Michael zu »Stephan M. Rother: Der Weg nach Altamura«07.08.2007
Vor mir wurde keine Welt lebendig. "Intelligent und fordernd sowie sprachlich versiert" erscheinen mir wie blanker Hohn für dieses Machwerk, ich kann mich hier dem Rezensenten in keinster Weise anschließen.
Ihr Kommentar zu Der Weg nach Altamura

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