Carrie von Stephen King

Buchvorstellungund Rezension

Carrie von Stephen King

Originalausgabe erschienen 1974unter dem Titel „Carrie“,deutsche Ausgabe erstmals 1977, 317 Seiten.ISBN 3-404-13121-5.Übersetzung ins Deutsche von Wolfgang Neuhaus.

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In Kürze:

Als Dreijährige lässt sie einen Steinregen auf ihr Elternhaus niederregnen, weil ihre Mutter ihr in einem Anfall religiösem Wahns nach dem Leben trachtet. Als Sechzehnjährige muss sie einen Augenblick tiefster Demütigung erleben. Schon immer von ihren Mitschülern wegen ihrer scheuen zurückhaltenden Art gehänselt, wird sie auf dem Abschlussball der Schule das Opfer eines bösen Streichs. Schmerz, Enttäuschung, Wut treiben Carrie zum Äußersten, die beseelt und besessen ist von einer unheimlichen Gabe: Mit schierer Kraft ihres Willens entfesselt sie ein Inferno, gegen das die Hölle ein lieblicher Garten Eden ist. Das ist Carrie – beseelt, besessen von einer unheimlichen Gabe mit ungeheurer Tragweite und furchtbaren Folgen.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der Fluch des Blutes“95

Horror-Rezension von Stefan Heidsiek

Wohl kaum ein anderer Autor in der Literaturgeschichte schuldet seiner Frau derart viel Dankbarkeit wie Stephen King, war es doch seine Frau Tabitha, die Anfang der 70er Jahre das Manuskript zu „Carrie“ aus dem Papierkorb fischte und ihren Mann, damals noch ein arbeitsloser Englischlehrer, dazu überredete, es fertig zu schreiben und den Verlagen anzubieten. Der Grundstein für sein späteres literarisches Schaffen war damit gelegt, alles weitere liest sich aus heutiger Sicht wie die perfekte Version der amerikanischen „from rags to riches“-Biographie. Knapp 40 Jahre später ist Stephen King nicht nur der finanziell erfolgreichste Schriftsteller der Welt, sondern gilt auch als unangefochtener „Grand Master of Horror“, der eine ganze Generation folgender Schreiberlinge des Genres inspiriert und beeinflusst hat. Umso interessanter der Blick auf diesen allerersten Erfolgsroman, welcher jedoch mitnichten der erste war, den King geschrieben hat. Einige der frühen vier, die genauen Titel sowie ihre Anzahl sind immer noch umstritten, kamen ein paar Jahre später, überarbeitet, unter dem Pseudonym „Richard Bachman“ heraus, das der zum damaligen Zeitpunkt bereits berühmte King wählte, um zu sehen, ob sich sein Stil möglicherweise auch ohne den zugkräftigen Namen verkaufen würde. (Der Erfolg blieb, so groß er war, weit hinter den „King“-Werken zurück)

Nimmt man „Carrie“ heute in die Hand und schaut sich gleichzeitig die weiteren King-Titel im Regal an, fällt dem Betrachter vor allem der geringe Umfang von knapp dreihundert Seiten ins Auge, der sich im Vergleich zu den späteren epischen Wälzern beinahe mickrig ausnimmt. Bringt man sich dabei noch in Erinnerung, dass das ursprüngliche „Müll“-Manuskript gerade mal 98 Seiten umfasste, wird die bemerkenswerte Entwicklung des Autors King umso deutlicher. Das ein jeder für eine steile Karriere aber unten beginnen muss, kann auch „Carrie“ nicht verhehlen. Auch wenn es in Punkto Qualität und Wirkung sich nicht hinter Meisterwerken wie „Brennen muss Salem“ oder „Es“ verstecken muss, haftet dem Buch doch dieser typische Erstlings-Charakter an. Stark am Zeitgeist der 70er Jahre orientiert, bot es eine Gänsehaut für Puristen, die angesichts moderner Splatter-und-Folter-Werke, oberflächlich gesehen, schrecklich trivial erscheint. Eine Kritik, welche der haarscharfe Beobachter aber bereits nach wenigen gelesenen Seiten relativieren muss, denn „Carrie“ hat weder an Aktualität noch an Intensität verloren.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht das titelgebende junge Mädchen, das, aufgewachsen im Schatten des religiösen Wahns ihrer fanatischen Mutter, als Außenseiterin ihr Leben an der Ewen High School im kleinen Städtchen Chamberlain fristet. Versehen mit der Gabe der Telekinese, lässt sie bereits als Dreijährige einen Steinregen auf ihr Elternhaus prasseln, weil die Mutter ihrer in „Sünde gezeugten“ Tochter nach dem Leben trachtet. Dreizehn Jahre später sieht sich Carrie nicht enden wollendem Spott seitens ihrer Mitschüler ausgesetzt, welche keinerlei Gelegenheit auslassen, um das scheue, zurückhaltende Mädchen für ihren christlichen Glauben und die aus ihrer Erziehung resultierende Unwissenheit zu hänseln. Den Höhepunkt findet das Ganze schließlich im Duschraum der Sporthalle, wo Carrie, vollkommen überrumpelt vom Eintreten ihrer ersten Menstruation, mit Binden und Tampons beworfen und schließlich von der Sportlehrerin nach Hause geschickt wird.

Was zu diesem Zeitpunkt keiner weiß: „Der Fluch des Blutes“, wie ihre Mutter später kalt feststellt, führt schließlich zu einer Kette von Ereignissen, welche die zurückhaltende Carrie an ihre Grenzen und darüber hinaus treiben. Während manch einer versucht, die begangenen Gemeinheiten durch gute Taten zu sühnen, bereiten sich andere auf einer allerletzten Streich vor, der Carries Position innerhalb der Gemeinschaft der anderen Schüler und Schülerinnen endgültig vernichten soll. Um ihre erste aufkeimende Liebe gebracht und durch Wut und Verzweiflung zum Äußersten getrieben, entfesselt Carrie schließlich ihre Gabe, um Kraft ihres Willens gnadenlose Rache zu nehmen …

Auch wenn das Motiv des Loser-Teenagers bereits zu Beginn der 70er Jahre kein Neues mehr war – derart emotional auf die Spitze getrieben und in seiner Essenz erfasst, hat es wohl nur Stephen King, der in einem von Vietnam-Krieg, Umweltzerstörung und atomarer Bedrohung geprägten Amerika, die Angst mit „Carrie“ wieder auf ihren Ursprung reduziert. Es ist der alltägliche Horror, der Blick unter die Dächer und damit hinter die Kulissen der sauberen Vorstadtsiedlungen und Kleinstädte, welcher den Autor nicht nur durch seine weiteren Werken begleitet, sondern letztlich auch seine große Popularität begründet hat. Grusel, Schrecken, Spannung – all dies ergibt sich in erster Linie aus den ursprünglichen, menschlichen Gefühlen und nicht aus den durchaus auch immer präsenten übersinnlichen oder fantastischen Elementen. Der Grund warum man die Seiten von „Carrie“ schon direkt nach Beginn der Lektüre immer fester packt, ist die gefühlsmäßige Verbindung zu den Figuren, deren präzise Zeichnung Stephen Kings herausragende Stärke ist. Ob Wut, Hass, Mitleid oder eben Angst – die Gefühle dieser fiktiven Charaktere sind stets nachvollziehbar und vor allem nachfühlbar. So resultiert die Spannung schließlich aus Dingen, welche man in ähnlicher Form selbst bereits erlebt hat.

In „Carrie“ ist dieses Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen Kings zwar erst in Ansätzen vorhanden – im Verbund mit den fiktiven, (pseudo-)wissenschaftlichen Fachartikeln und Verhandlungen der White-Kommission, welche King nachträglich einbaute, um einerseits den Umfang zu strecken und andererseits die Authentizität zu erhöhen, ergibt sich jedoch ein äußerst intimer Einblick in die Schicksale der Figuren. Das dieser so prägend ausfällt, ist auch insofern verwunderlich, da eigentlich niemand der Beteiligten in seinen Handlungen Sympathie erwecken kann. Selbst gut meinende Charaktere wie Miss Desjardin oder Sue Snell können sich ihrer Abscheu für Carrie nicht erwehren, müssen sich von der Falschheit der gegen sie begangenen Taten mit Logik überzeugen, weil ihre Gefühle, wie die aller anderen, gegen die Außenseiterin sprechen. Diese innere Zerrissenheit zieht sich durch das gesamte Buch und sorgt für diese immense Sogkraft, der man sich nur schwer entziehen kann. Und das obwohl durch oben genannte Berichte dem Leser bereits Fakten zukünftiger Ereignisse bekannt gemacht werden und man dadurch eigentlich bereits weiß, wohin das Ganze führt.

Dem Lesevergnügen tut das keinen Abbruch – im Gegenteil: Durch sie wird das Ausmaß der Katastrophe, welches im Kleinen, nämlich im Hause der Whites, seinen Anfang nahm, in seiner vollen Tragweite deutlich. Angesichts heutiger Schulmassaker, nicht nur in Amerika, ist der beinahe deckungsgleiche Verlauf ein zusätzlich unheimlicher und nachdenklich stimmender Nebeneffekt. Dazu passt auch der Ursprung der Figur Carrie, die ein reales Vorbild hat. King, der als Kind in Durham, Maine lebte, wählte den Namen aufgrund eines seltsamen Mädchens, welches mit ihm zusammen zur Schule fuhr und von allen gemieden wurde – im Erwachsenenalter nahm sie sich das Leben.

Trotz durchaus vorhandener und kritikwürdiger Schwächen – Stephen Kings Frühwerk „Carrie“ ist, immer noch, ein in allen Belangen überzeugender Horror-Roman. Ein perfekter Einstieg in das Kingsche Universum, der mich persönlich tief beeindruckt und endgültig zum „Jünger“ dieses fantastischen Schriftstellers gemacht hat.

(Stefan Heidsiek, März 2013)

Ihre Meinung zu »Stephen King: Carrie«

benfi zu »Stephen King: Carrie«19.07.2016
Das erneute Lesen des Erstlings von dem Autor Stephen King kam mir bei der Lektüre seiner jüngeren Bücher, deren Qualität sich meiner Meinung nach in den letzten Jahren doch wieder sehr gesteigert hatte. Ich fragte mich - aufgrund der Tatsache, dass in meinem Kopf seine Klassiker allesamt als hochwertig angesehen werden - ob ich dies heutzutage ebenso sehe, wenn ich die Romane erneut lesen würde. Gesagt, getan, der Debütroman 'Carrie' kam auf den Tisch; dazu holte ich mir sogar die jüngere Ausgabe des Bastei-Lübbe Verlags. Bis auf den Anhang, der nun ein Nachwort mit einem Vergleich zu den Verfilmungen statt eines kurzem Interviews mit dem Autor beinhaltet, ist der Text identisch. Und was erlebte ich? Erneut fesselte mich der Roman schnell. Das relativ dünne Werk ist spannend geschrieben und recht einfach strukturiert aufgebaut. Die Absätze aus diversen Fachbüchern und Biographien fand ich beim Lesen diesmal allerdings störend, nahmen sie zudem doch einiges der Handlung vorweg. Der Vorteil derer ist natürlich schon, dass die Geschehnisse recht real und aufgrund ihrem im wahrsten Sinne explosiven Ende auch öffentliches Aufsehen erregte. Unter dem Strich legte King mit seinem Erstling eher eine Novelle mit einem übernatürlichen Touch hin. Der Horror kann maximal in den schwerwiegenden Ausmaßen von Carries Handlungen angesehen werden. Die Neuübersetzung von Wolfgang Neuhaus denke ich ebenfalls als sehr gelungen zu nennen. Es hat rückblickend nochmal Spaß gemacht, auf Kings Wurzeln zu schauen und animierte mich, dies nun regelmäßig fortzusetzen. Kings Bücher sind nun mal schlicht wirklich lesenswert - auch ein zweites oder gar drittes Mal...
78°
steve006 zu »Stephen King: Carrie«27.04.2014
Das Problem bei Stephen King ist, dass man ihn mögen muss!
Ohne einen gewissen Hang zu Nekrophilie und Horror sind seine Bücher nicht ganz einfach zu lesen.
Das Buch ist sehr flüssig geschrieben, der Leser leidet mit der Hauptperson und sieht das düstere Ende voraus.
Typisch ging eben, ein sehr unterhaltsames Buch, das man allerdings nicht jeden Tag lesen kann.
Mäßig, aber regelmäßig lässt sich Stephen King genießen, dafür ist er allerdings auch einzigartig!
meni77 zu »Stephen King: Carrie«28.02.2014
Für ein Debüt natürlich ein starker Start:) Sehr spannend und flüssig geschrieben, man empfindet viel Mitgefühl mit Carrie und feuert sie förmlich an in der Schlussszene;) Seine nächsten Werke steigern dann meiner Meinung die Messlatte, Cujo finde ich nach wie vor, eines seiner besten Werke mit Es und natürlich Green Mile, seinem Meisterwerk wenn ich danach gefragt werde. Zurück zu Carrie, auf jeden Fall weiter zu empfehlen und für einen wahren Stephen King Fan, sollte man sein Erstwerk natürlich gelesen, wenn auch Brennen muss Salem schon deutlich mehr Horror hatte;) Carrie bekommt 77 Prozent
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Daxter zu »Stephen King: Carrie«03.11.2011
Was ist über das Buch "Carrie" von Stephen King zu sagen?
Es ist auf jeden Fall ein sehr gelungenes Werk, dass spannend und unterhaltsam zu lesen ist, wenngleich es sicherlich nicht zu den besten Büchern Kings zu zählen ist, meiner Meinung nach. Doch trotz allem hat es meines Erachtens nach einen gewissen Ehrenplatz verdient, nicht nur, weil dieses erste Werk Stephen Kings dessen Erfolgsgeschichte eingeleitet hat, sondern vor allem darum, weil es eine gut gelungene, wenn auch nicht perfekte, moderne phantastische Geschichte erzählt, welche nicht nur auf dem Schrecken und dem Übernatürlichen aufgebaut ist, sondern, meiner Meinung nach vor allem auf den verworrenen und komplizierten schweren Beziehungen zwischen Menschen in extremen Lebenssituationen, was dieses Buch wiederum sehr authentisch erscheinen lässt.

Alles in allem ist zu sagen, dass es ein gutes Buch ist, bei Weitem nicht Kings bestes, doch ist es überaus lesenswert und ich habe es sicherlich nicht zum letzten Mal gelesen.
Alexi1000 zu »Stephen King: Carrie«26.09.2010
Was wäre aus King ohne CARRIE geworden???
Müßige Frage; Tabitha hat das Skript aus dem Ascheimer geklaubt, der Rest ist nur die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte eines der gößten Horror/Phantastik - Autoren unserer Zeit...

täuscht aber nicht darüber hinweg, das CARRIE eigentlich kein besonders gutes Buch ist, und sich sicher aus heutiger zeit auch etwas antiquiert liest.

aber bei einer Gesamtwertung von über 80° bei immerhin 50 Stimmen steh ich da wohl ziemlich allein.
sahlmann zu »Stephen King: Carrie«12.03.2010
Als alter King Fan habe ich natürlich auch Carrie gelesen... und es ist das einzige Buch des Meisters, dass ich wirklich für schlecht halte. Wobei schlecht hier im Vergleich zu seinen anderen Werken gilt. Würde ich es heute als Werk eines unbekannten Autors lesen, wäre es ok. Im Vergleich zu King's nächsten Büchern wie Brennen muß Salem, Shining, Das letzte Gefecht etc. ist es wirklich schlecht.
das macht aber nichts, da es von Herrn King inzwischen dutzende von sehr guten Romanen gibt. Nichts desto trotz ist Carrie wichtig - denn es ermöglichte dem Autor, dank eines riesigen Vorschusses für die Taschenbuchausgabe (wenn ich mich recht erinnere 400.000 Dollar, Mitte der 70er ein Vermögen), sich nun ganz dem Schreiben zu widmen... was ihn stinkreich machte, und mir ungezählte Stunden Lesevergnügen bescherte.
Danke, Stephen
Asmodi zu »Stephen King: Carrie«02.04.2009
King´s erstes Buch...und für den Anfang nicht schlecht. So schnell man es gelesen hat, so schnell ist es allerdings auch im Regal verschwunden und gilt als Zierde.
Nimmt man Carrie zum Vergleich mit King´s späteren Werken, kann man vor der Leistung später den Hut ziehen. Wären seine Geschichten weiterhin so wie bei Carrie geblieben, hätte er bei weitem nicht den Erfolg, den er jetzt hat.
Zumindest ist Carrie als Lückenfüller ab und an zu gebrauchen.
Pantoffeltierchen zu »Stephen King: Carrie«29.03.2009
Ich habe dieses Buch als zweites gelesen und es hat mir sehr gefallen!
Obwohl es manchmal verwirrend geschrieben ist, weil es enthällt zwischendurch immer wieder textstellen aus einem Artikel, der um die Taten von Carrie geht. Man bekommt immer so ein Mitgefühl mit Carrie und man kann sich richtig in ihre dreckige Situation hineinversetzen...
Ich empfehle diese Buch auf jeden Fall weiter!
Suzie zu »Stephen King: Carrie«03.03.2009
Eigentlich würde ich Carrie nicht als ein gutes Buch bezeichnen, denn, so leid es mir tut, es ist trotz der Seitenanzahl von 300 langatmig.
Die eigentliche Idee ist großartig, allerdings an der Ausführung hat es dem jungen Stephen King an Erfahrung gefehlt.

Wenn er sogar selbst sagt, dass der Film besser ist als sein Buch.
Heaven23 zu »Stephen King: Carrie«05.03.2008
Carrie ist eins der besten Bücher von SK. Es hat mich gepackt. Eine Geschichte um ein Mädchen, das Einzelgängerin ist, verstoßen wird, ausgelacht und beschimpft. Auf dem Ball eskaliert das Ganze. Niemand kennt die unheimliche Begabung vor Carrie und niemand hat mit diesesn Folgen gerechnet !
Spannend, wirklich sensationell

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