Wahn von Stephen King

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „Duma Key“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 928 Seiten.ISBN 3-453-26585-8.Übersetzung ins Deutsche von Wulf Bergner.

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In Kürze:

Edgar Freemantle hat bei einem schweren Unfall den rechten Arm eingebüßt und Knochenbrüche erlitten. Seine Kopfverletzung führt zu Lücken in der Erinnerung, und die Schmerzen treiben ihn in den Wahnsinn. Auf Anraten seines Arztes zieht er sich in ein Strandhaus auf der Florida-Insel Duma Key zurück, um dort Linderung in der Malerei zu finden. Die Insel gehört der alten Dame Elizabeth Eastlake, deren tragische und mysteriöse Familiengeschichte sich Edgar immer mehr erschließt, je mehr er die pittoreske, aber auch unheimliche Szenerie der Insel zeichnet und malt. Seine Bilder entstehen wie im Fieberwahn, und die Insel scheint ein in ihm schlummerndes Talent auf seltsame Weise zu verstärken. Bald wird klar, dass seinen Bildern die unbändige Kraft innewohnt, die Wirklichkeit zu verändern. Als dann auch noch die Geister aus Elizabeths Kindheit ihr Unwesen zu treiben drohen und die Bilder schließlich das Morden anfangen, nimmt der Wahnsinn vollends seinen Lauf …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Kreativer Horror eines Meisters“91

Horror-Rezension von Verena Wolf

Stephen King ist der Horror-Schriftsteller der Gegenwart. Er hat über 40 Romane geschrieben und unzählige Kurzgeschichten und damit das Genre geprägt wie kein anderer. Über 400 Millionen Mal haben sich bis dato seine Bücher verkauft. Durch sein neuestes Werk „;Wahn“ kommen bestimmt noch einige dazu.

Der Bauunternehmer Edgar Freemantle scheffelte bisher Aufträge und Millionen und lebte zufrieden mit Frau und zwei Töchtern. Dann verunglückt er auf einer Baustelle: Er verliert einen Arm und erleidet schwerste Kopfverletzungen. Ab da ist sein Sprachzentrum gestört, er hat unbeherrschbare Wutanfälle, leidet unter Gedächtnislücken und unter schrecklichen Schmerzen. Seine Ehe geht darüber in die Brüche. Sein Psychiater überredet den selbstmordgefährdeten Bauunternehmer auf die Florida-Insel Duma Key zu fahren und sich dort zu erholen. Er solle sich wie zuletzt in seiner Jugend im Malen versuchen, denn er brauche „;einen Schutzwall gegen die Nacht.“ Als seelisches Wrack kommt der Bauunternehmer auf die Insel, mietet ein einsam gelegenes Haus, lernt die alzheimerkranke, 85-jährige Elizabeth Eastlake kennen, der fast die ganze Insel gehört und ihren Pfleger Wireman. Und er malt wie besessen und zu dem Erstaunen aller mit unglaublichen Talent.

Gemälde erwachen zum Leben

Bei den rauschhaften Malanfällen, die oft die ganze Nacht dauern, hat Edgar intensive Phantomschmerzen. Er glaubt seinen fehlenden Arm zu spüren, manchmal bildet er sich ein, ihn sogar zu sehen oder mit ihm Gegenstände berühren zu können. Nach diesen kreativen Schüben hat Edgar Heißhungerattacken und ist bleimüde. Aber trotz – oder gerade wegen dieser Besessenheit – Freemantle heilt wirklich. Das ruhige Leben auf der Insel und seine aufkeimende Freundschaft zu Wireman wirken Wunder.

Aber seine Bilder entwickeln ein dämonisches Eigenleben. Fischerboote, die er malt, werden auf ihnen immer mehr zu einem schwarzen Totenschiff und Motive wie harmlose Muscheln oder Sonnenuntergänge wirken auf jeden Betrachter beklemmend bedrohlich. Edgars Talent – wie auch seine Phantomschmerzen – steigern sich bis zu dem Punkt, an dem Freemantle die Wirklichkeit durch seine Bilder beeinflussen kann. Dann fragt ihn Elizabeth in einem klaren Moment, ob er schon begonnen habe „;das Schiff“ zu malen …

Offensichtlich existiert eine unheimliche Macht auf Duma Key, die ihn als Instrument mißbrauchen will. Zusammen mit Wireman enthüllt Edgar Elizabeths tragische Familiengeschichte, um Hinweise zu finden, was zu tun ist. Die Zeit drängt, denn der schädliche Einfluss, den Edgars Bilder ausüben, wächst ihm über den Kopf.

Das Böse schleicht sich ein

Die Spezialität von King ist, dass das Unheimliche sich langsam anschleicht. So auch hier. Im Original heißt das Buch „;Duma Key“. „;Wahn“ ist nur der deutschte Titel, der aber den Nagel auf den Kopf trifft, denn das Grauen passiert hier vor allem im Kopf, sowohl in dem vom Edgar als auch in dem des Lesers. Edgar hat Visionen, Ängste plagen ihn, er muss seinen Unfall verarbeiten und damit klar kommen, dass sein Leben völlig auf den Kopf gestellt wurde. King erlitt 1999 selbst einen schweren Autounfall. Diese Erfahrung fließt hier mit Sicherheit ein, so authentisch wirken die Beschreibungen.

Ein weiteres zentrales Thema ist die zweischneidige Macht der Kreativität, schaffend, aber auch zerstörend. „;Wahn“ lebt in den ersten 700 Seiten davon. Alle die im Buch genial sind, sind dies, weil sie nicht „;ganz richtig im Kopf sind.“ Wörtlich, denn durch Unfälle oder Selbstmordversuche haben sie Gehirnverletzungen davongetragen. Sie sind genial, aber werden dadurch erst zum Ventil für die zerstörerische Macht, die auf der Insel lauert. Hautnah vermittelt King diese Atmosphäre, wenn er den besessenen Malprozess beschreibt.

Fast nebenbei baut sich das Grauen in dem Buch auf. King hat keine Scheu davor einen einfachen Spaziergang am Meer oder dschungelhafte Vegetation subtil unheimlich werden zu lassen. Der Leser spürt, riecht, sieht und hört das Böse, das sich ganz langsam entfaltet. Er hofft zwar wie die Edgar, dass alles irgendwie gut wird, aber er weiß auch, die Hoffnung stirbt zuletzt. Happy-Ends sind bei King selten.

Greifbarer Horror als Nachschlag

Erst in den letzten 150 Seiten kommt der reale Horror, handfest und mit klassischer Monster-Besetzung. Freemantle und seine zwei Freunde müssen in einem verlassenen Herrensitz der Quelle des Bösen, Perse, gegenübertreten, die die Form einer Porzellanpuppe hat. Gerade erst ihrem Gefängnis entkommen, will sie sich nicht wieder bannen lassen und hetzt ihre dämonenhaften Diener, Wasserleichen, zombiehafte Kinder und Fabelwesen auf die Eindringlinge. Das Trio muss gewinnen bevor die Sonne untergeht. Wer hat mehr Asse im Ärmel?

Es ist ein packendes Ende voll waschechter Action. Genau das richtige für alle Puristen unter den Horrorfans, die bisher in „;Wahn“ nicht richtig auf die Kosten kamen. Alle anderen werden die Seiten davor packender finden. King hat mit „;Wahn“ keinen Horrorreißer von der Stange geschrieben, sondern einen fesselnden Roman über Freundschaft, Einsamkeit und das stets lauernde Grauen. Aber gleichzeitig schuf er einen intelligenten Roman über Inspiration, Kreativität und den schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn.

Ihre Meinung zu »Stephen King: Wahn«

Hardy Schmidt zu »Stephen King: Wahn«25.09.2013
Hardy Schmidt
Ein tolles Buch meines Lieblingsschriftstellers
STEPHEN KING!
Habe gut 200 Seiten bisher gelesen und freue mich auf den Rest des Buches.
Ich habe fast alle Romane von KING gelesen und kann mir deshalb ein wenig vorstellen, wie das Buch weitergeht und endet.
Bin total gespannt auf den Rest!
Bianca zu »Stephen King: Wahn«05.06.2013
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich erfreut darüber bin wenn sich ein Buch endlich dem Ende widmet, und ich ein neues anfangen kann. Aber bei diesem Buch find ich es eher traurig. Das Buch beeindruckt mich total. Ich könnte immer weiter lesen, wenn ich les veegess ich mein Umfeld und versink ins Buch (was ich wirklich selten bei Büchern hatte). Wirklich sehr spannend, eines der besten Bücher die ich je gelesen hab trotz der vielen Seiten. Empfehlenswert!!!
Peter Griffin zu »Stephen King: Wahn«23.06.2012
Eines seiner schlechtesten bisher, fast so öde wie "Das Spiel". Komisch aber das ist echt einer großer Patzer von SK, das Werk zieht sich unendlich in die Länge, man erkennt keinerlei roten Faden, hat keine Ahnung worauf das ganze eigentlich abzielen soll, die fast 900 Seiten sind nur mit sehr viel Geduld zu ertragen. Quantität nicht gleich Qualität, bei Klassikern, wie Pet Sematary reichen unter 400 Seiten um ein durchgehend eindrucksvoll schauriges und zeitloses Werk zu schaffen, an alle SK Neulinge: Kauft euch lieber ältere Bücher von Stephen King, die neueren werden imho immer schlechter!
Moritz zu »Stephen King: Wahn«22.08.2010
Klasse Buch!!!
Dauert zwar sehr lange um in die Gänge zu kommen, ist dann aber umso besser.
Erinnert sehr an "Es", vor allem das Ende.
Doch obwohl manchmal "Spannungsebbe" herrscht, bleibt das Buch interessant und man möchte weiterhin wissen wie es weitergeht, und sei es um zu wissen, ob Eddy erfolgreich wird.
Ab der Ausstellung nicht mehr aus der Hand zu legen.
Cihad zu »Stephen King: Wahn«02.06.2010
Manchmal können Bücher langweilig sein , wenn das Thema einen z.B: nicht interessiert oder es nicht gut genug vom Autor geschrieben wurde.
Bei Stephen King ist das jedenfalls nicht so.
Sogar Schüler oder Erwachsene die nicht sehr gerne lesen, aber Spannung und Horror lieben sind seine Bücher die Besten.
Wahn steht für mich ganz oben.
Ich habe mich in das Buch verliebet und behandle es mit großer Sorgfalt.
Bestens geignet für ein paar Seiten vorm Schlafen im Bett.
Es ist wie ein perfekter Horror im Fernsehen.
Bei SK Wahn jedoch noch besser.
Kaufen oder ausleihen , aber nicht vergessen.
Aufschlagen, lesen und fühlen,wie man selbst am Geschehen teilnimmt.
Nicht nach den ersten Seiten weglegen, sondern weiterlesen und Albträume kriegen.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Susannah zu »Stephen King: Wahn«14.02.2010
Florida, USA, Gegenwart. Edgar Freemantle, Bauunternehmer, verliert bei einem Unfall auf der Baustelle seinen Arm. Durch eine schwere Kopfverletzung ist sein Sprechzentrum angeschlagen, und die Schmerzen und die eigene Unfähigkeit machen ihn wahnsinnig und aggressiv. Auf psychologischen Rat hin zieht er nach Duma Key, eine kleine Insel vor Florida. Sein Haus, das Big Pink, scheint eine Oase der Schöpfung zu sein: Edgar fängt das Malen wieder an, in einer großartigen Art und Weise: in Rauschanfällen produziert er die beeindrucksten Werke, doch die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn ist dünn ...

... er kann's doch noch! King hat es nicht verlernt, auf großspurige, unappetitliche Szenen zu verzichten. Er hat den subtilen, schleichenden Horror, den ich immer als eine Art Markenzeichen gesehen habe, wieder entdeckt. Und das auf gewohnt gute Weise. DIe Charaktere sind herrlich verquert wie immer, und ewig lässt der Autor einen im Dunkeln tappen. Wir spüren die Anwesenheit von etwas Übernatürlichem, etwas Bösem - doch erst spät nimmt dieses Böse Gestalt an und führt nicht ur zu einem grandiosen Finale, sondern auch zu einer tragischen Familientragödie in Vergangenheit und Gegenwart. Alte King-Fans können sich wieder freuen! Und ich auch.
Ralf zu »Stephen King: Wahn«25.10.2009
Komme gerade aus dem Urlaub zurück und habe WAHN in drei Tagen regelrecht verschlungen. Bin ja sonst mehr der klassisch-übernatürliche King-Freund (Shining, Thommyknockers und dergleichen) und war auf den ersten Seiten skeptisch, aber ... WOW, ein Meisterwerk, gerade weil die Schocks sparsam dosiert sind und er sich sehr viel Zeit nimmt (und als die Zwillinge unten auf der Treppe standen konnte ich dann ja doch noch ordnungsgemäß schreien, harhar.. )
Edgar und Wireman fehlen mir jedenfalls unheimlich ;-)
Martyna L. zu »Stephen King: Wahn«25.10.2009
ich hab es gelesen und ich muss sagen, dass der gute Mann insofern talentiert ist, dass es spannend ist, wenn eigentlich garnichts passiert.
gesterm hab ich das buch durchgekriegt und- ich glaube ich bin sehr empfindlich- meine Alpträume hörten auf.
Stephen King kann uns hypnotisieren und wieder befreien.
echt empfehelnswert!
Rubintiger zu »Stephen King: Wahn«16.10.2009
Ich habe King lange zur Seite gelegt, weil ich ihn irgendwann eher anstrengend als unterhaltend fand - und habe mich nach Jahren mal wieder für eine lange Autofahrt auf das ungekürzte Hörbuch "Wahn" eingelassen.

Unterhaltend? Ja! Anstrengend? Nur insofern, dass man Pausen machen muss - ärgerlich, weil man nicht lolassen möchte, obwohl es eigentlich lange Zeit ein stilles Buch im Inneren ist.

Absolut empfehlenswerte Lektüre - nicht nur für lange Autofahrten (das Buch war länger als die Fahrt - ich habe wie besessen danach weitergehört - im "Wahn" halt)
Alexi1000 zu »Stephen King: Wahn«10.07.2009
Wahn ist wirklich mal wieder ein guter King! Die Atmosphäre auf Duma Key wird eindrücklich und gut beschrieben. King läßt sich Zeit für die Charakterisierung. Der Hauptprotagonist Freemantle wird uns als ein von einem schweren Unfall gezeichneter Mann nahegebracht, sehr eindringlich wie King Ihn beschreibt.
Als Freemantle sich auf besagte Insel zurückzieht, um etwas zu regenerieren, hält schleichend das Grauen Einzug in die Realität.
Das konnte King schon immer gut schildern, und das hat er trotz vieler gegenseitiger Behauptungen auch noch nicht verlernt!

Sehr zu empfehlen; gute 85°.

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