Wind von Stephen King

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „The Wind Through the Keyhole“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 450 Seiten.ISBN 3-453-26794-X.Übersetzung ins Deutsche von Wulf Bergner.

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In Kürze:

Ein Sturm zieht auf
Roland Deschain, der letzte Revolvermann, und seine Gefährten haben den Grünen Palast hinter sich gelassen. Als sie auf dem Pfad des Balkens ins Land Donnerschlag unterwegs sind, zieht ein heftiger Sturm herauf, und sie finden Schutz in einer verlassenen Hütte. Dort erzählt Roland seinen Begleitern, was in seiner Jugend geschah, nachdem er unbeabsichtigt seine Mutter umgebracht hatte: Sein Vater schickte ihn zu einer entlegenen Ranch, wo grausame Morde stattfanden. Alle Anzeichen deuteten auf einen Gestaltwandler als Täter hin, und es gab nur einen Zeugen – einen kleinen Jungen, der jetzt seines Lebens nicht mehr sicher war.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Schöne Rückkehr nach Mittwelt“86

Horror-Rezension von Carsten Jaehner

Revolvermann Roland Deschain hat mit seinen Freunden aus seinem Ka-tet, Jake, dem Bumbler Oy, Susannah und Eddie den Grünen Palast verlassen und zieht weiter in Richtung des Dunklen Turms. Als ein Sturm aufzieht, suchen sie Schutz in einer verlassen Hütte. Dort erzählt Roland seine Geschichte, was passierte, nachdem er seine Mutter getötet hatte und er voller Schuldgefühle war.

Er wurde von seinem Vater zusammen mit seinem Freund Jamie in die Baronie Neu-Kanaan nach Debaria geschickt, um einen sogenannten „Fellmann“ zu erledigen, der dort grausame Morde begangen hat. Dieser Gestaltenwandler ist jedoch schwer zu finden, und nur der kleine Junge Bill ist Zeuge eines solchen Massakers gewesen. Als die Männer des Dorfes sich dem Jungen gegenüberstellen sollen, ist noch genügend Zeit, dass Roland dem Jungen eine Geschichte erzählen kann, eine Geschichte, die jeder kennt, die Geschichte des kleinen Tim, Held aller Einwohner des Landes, und die Geschichte heißt „Der Wind durchs Schlüsselloch“.

Darin wird der kleine Tim vom neuen Mann seiner Mutter misshandelt und flieht, um sich eines Tages an ihm zu rächen und seine Mutter zu beschützen. Auf seiner abenteuerlichen Reise trifft er neben vielen sonderlichen Gestalten auch auf einen Tiger, mit dem er einen ungeheuren Sturm überstehen muss. Zudem ist er auf der Suche nach dem Zauberer Maerlyn von dem Eld, der ihm helfen soll, seine Mutter zu beschützen und von seinem Stiefvater zu befreien.

Der achte Teil der siebenteiligen Reihe

Stephen King kann es einfach nicht lassen. Er selbst bezeichnet seine siebenteilige Romanreihe „Der dunkle Turm“ um den Revolvermann Roland und seine Gefährten als sein „Opus Magnum“, und es schien, als sei dieses Kapitel abgeschlossen und die Geschichte erzählt. Doch nicht nur erscheinen seit einiger Zeit in schöner Regelmäßigkeit Graphic Novels, die die Geschichte auf ihre Weise neu und weiter erzählen, nun hat der Meister des fiktionalen Romans es nicht lassen können und seinem Opus Magnum einen achten Teil hinzugefügt. Klugerweise ist dies allerdings keine Fortsetzung, sondern eine Ergänzung, wenn man so will. „Wind“ spielt zwischen Teil 4 „Glas“ und Teil 5 „Wolfsmond“ und wird von King selbst als „Dunkler Turm 4.5“ bezeichnet.

Wer sich in Kings Dunklem-Turm-Universum auskennt, wird vielleicht ein paar Seiten benötigen, um sich wieder in Rolands Welt einzufühlen, aber schnell findet man alte Weggefährten wieder, mit denen man bereits zahlreiche Lesestunden verbracht hat. Sie sind alle wieder da, und irgendwie ist man doch erfreut, sie alle wiederzutreffen. Allerdings ist das Wiedersehen nur von kurzer Dauer, denn King erzählt eine dreifach verschachtelte Geschichte, also eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte, auf drei Erzählebenen. Man kommt aber nie durcheinander, weil die eine den Rahmen für die nächste bildet und die Geschichten sich nicht überschneiden.

Verschachtelte Geschichte

In der zweiten Erzähleben erzählt Roland aus seiner Ich-Perspektive eine Geschichte, die er als Junge mit seinem Freund Jamie zusammen erlebt hat, den Leser der Graphic Novels bereits besser kennen dürften. Sie sind von Rolands Vater nach Debaria geschickt worden, um dort einen „Fellmann“, eine Art Gestaltenwandler, zu erledigen. Nur ein Junge, der kleine Bill, kann die Menschengestalt des Wesens identifizieren, und so wird er geschützt und in einer Gefängniszelle festgehalten. Als es Nacht wird und noch viel Zeit ist, erzählt Roland ihm eine Geschichte, die dritte Erzählebene des Romans und von der Länge her der größte Teil des Buches.

Es ist eine Geschichte, die in dieser Welt jeder kennt, weil sie den Mut eines Jungen aufzeigt, der sich gegen alle Elemente und alle Widernisse durchkämpfen kann und seine Mutter aus dem Joch der Ehe befreien kann. Hier beweist King seine grosse Erzählkunst. Neigt der Meister doch gelegentlich zum ausufernden Schwadronieren über wichtige und unwichtige Dinge, so erschafft er in dieser dritten Ebene eine Fantasy-Welt, wie man sie lange nicht erlebt hat. Magier, kleine blaue Hirsche, undurchsichtige Wesen, ein gefährlicher Tiger (Tyger) – alles ist vorhanden, und man merkt, wie viel Spaß es Stephen King gemacht hat, sich wieder einmal quer durch seine Fantasie auslassen zu können. Hinzu kommen die üblichen Horror-Elemente, und letztlich ist eine gelungene Mix-Stimmung entstanden, die dieses Mal mehr Fantasy-Elemente hat.

„Für Geschichten ist man nie zu alt. Mann und Junge, Mädchen und Frau, man ist niemals zu alt dafür. Wir leben für sie.“

King erschafft neue Charaktere und beschreibt sie, wie man es von ihm gewohnt ist: Nicht mehr als nötig, aber klar und präsent, und er spart charakterlich nichts aus. Irgendwie hat jeder Charakter seine Geheimnisse und Ecken und Kanten, und nicht alle Dinge werden erklärt und aufgelöst, aber das muss auch nicht sein, denn gerade durch diese Kleinigkeiten lebt die Geschichte, leben die Bilder und lassen im Kopf des Lesers einen intensiven Film ablaufen, wie ihn sich der Meister vorgestellt hat.

Gelungene Mischung aus Fantasy, Horror und Endzeit-Stimmung

Ob es letztlich nötig gewesen wäre, diesen Roman zu schreiben, das zu beurteilen bleibt jedem Leser selbst überlassen. Die sieben Bücher des Zyklus haben durch „Wind“ keine entscheidende Wendung genommen, und sie funktionieren auch ohne den achten Teil. Sicher ist es nett, mal wieder etwas aus der anderen Welt zu lesen, aber eine Revolution ist es nicht. Wer die anderen sieben Bücher nicht kennt, wird die eine oder andere Frage zur ersten Rahmenhandlung haben, die anderen beiden jedoch funktionieren auch ohne Vorwissen, und die Geschichten hätten auch Bestand gehabt, wenn sie nicht innerhalb der Dunklen-Turm-Reihe erschienen wären.

Immerhin verschachtelt King die Geschichten wie ein Schlüsselloch, wo man beim Durchschauen das nächste erkennt, und der Wind ist jeweils der Auslöser für die nächste Geschichte und letztlich Ziel der dritten Erzählung. „The Wind through the Keyhole“, „Der Wind durchs Schlüsselloch“ heisst denn auch der Originaltitel des Romans, der wiederum von Wulf Bergner übersetzt wurde, in dessen Händen auch die Teile 5 bis 7 lagen. Somit ist auch daher ein sprachlicher Zusammenhang gewährleistet.

Letztlich ist „Wind“ eine schöne Ergänzung zum Dunklen-Turm-Zyklus von Stephen King, den man gut und flüssig weglesen kann, den es aber für das Verständnis des Zyklus nicht gebraucht hätte. Das Cover ist nur auf den ersten Blick unpassend, denn der Schutzumschlag des Hardcovers ist abnehmbar und zeigt schon durch das Loch (kein Schlüsselloch) im Papier den graphischen Stil der anderen sieben Bände. Allerdings fragt sich, warum der Roman nicht gleich als Taschenbuch erschienen ist, denn die anderen sind auch nur noch als Taschenbuch zu bekommen, und King-Sammler wird dies sicherlich ärgern. Ein kurzes Vorwort (wie man das ja schon von King gewohnt ist) und ein Nachwort ergänzen den Roman. Es wäre nicht verwunderlich, wenn dies nicht der letzte Ausflug nach Mittwelt gewesen wäre. Bei Stephen King muss ja man bekanntlich immer mit allem rechnen.

(Carsten Jaehner, Januar 2013)

Ihre Meinung zu »Stephen King: Wind«

Hardy Schmidt zu »Stephen King: Wind«12.05.2016
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Zu "Wind" von Stephen KIng

Auch der 8. Teil der Saga um den Revolvermann Roland und seien Gefährten Eddie, Susannah, Jake und dem Bumbler Oy hat mich überzeugt.
Hoffentlich gibt es noch einen 9. Teil!
Auch die Geschichte um Tim war hochinteressant.
Stephen KING ist und bleibt mein Lieblingsschriftsteller.
Bitte weiter so!!!
Alexi1000 zu »Stephen King: Wind«10.06.2013
wähnte man die Geschichte um den Turm zu Ende, zumal sich der Kreis mit dem letzten Buch genial geschlossen hatte, so schiebt S. King nach geraumer Zeit mit Wind nun ein kleines "Schmankerl" nach.

Letztlich haben wir eine Geschichte in Händen, die zum weiteren Verständnis des "Turmuniversums" nichts neues beiträgt...allerdings halte ich es da scheinbar wie der "Meister" selbst: man kehrt in gewissen abständen immer mal wieder gerne nach Mittwelt zurück, und somit ist es ein wohliges zurückkehren in eine "gewohnte" Umgebung.

Kurz und knackig erzählt, gibt sich die Story keinen unnötigen Längen hin, ist spannend bis hin zu leichtem "Gruselfaktor"...für alle Leser die den Turmzyklus komplettieren ein MUSS!

vergebe ruhigen Gewissens richtig gute 80°.
StevenGoodman zu »Stephen King: Wind«23.01.2013
Es ist mittlerweile ein Jahr her dass ich "Wind" gelesen habe.
Soweit ich mich erinnere setzt es nahtlos an Band vier der Turm Reihe an und bildet so das Bindeglied zu Teil fünf.
Man muss "Wind" nicht gelesen haben um die Dunkle Turm Reihe zu verstehen, es passiert nichts wirklich relevantes. Und dennoch ist die in jenem Buch erzählte Geschichte so liebevoll verfasst, dass es eine Schande wäre sie nicht gelesen zu haben.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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