Höllenschlund von Steve Alten

Buchvorstellungund Rezension

Höllenschlund von Steve Alten

Originalausgabe erschienen 1999unter dem Titel „The Trench“,deutsche Ausgabe erstmals 1999, 431 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Bernhard Kleinschmidt.

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In Kürze:

Sein Appetit ist gewaltig, seine Zähne sind messerscharf. Wenn er einmal Blut gerochen hat, ist er nicht mehr zu bremsen …Der prähistorische Monsterhai 'Angel’ bricht aus seiner künstlichen Lagune aus und versetzt die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Wird man Angel stoppen?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Tiefsee-Hai in flacher Story“20

Mystery-Rezension von Michael Drewniok

Vor elf Jahren hatte Tiefseeforscher Jonas Taylor im pazifischen Marianen--Graben eine Begegnung der dritten Art. Dort tauchte plötzlich ein sehr lebendiges Exemplar des seit Jahrmillionen ausgestorben gewähnten „Carcharaodon megalodon“ auf: ein Riesenhai, Zeitgenosse der Dinosaurier, der zwanzig Meter Länge und mehr erreicht und mit entsprechendem Appetit gesegnet ist. Mit Mühe und Not entkam Taylor damals dem Untier. Die folgenden Jahre verbrachte er damit, sich vor der Welt zu rehabilitieren, die ihm seine Entdeckung nicht recht glauben wollte. Sieben Jahre später hatte er Erfolg – mehr, als ihm lieb war, denn dieses Mal folgte ihm das Monster aus dem Graben, richtete im Oberflächenwasser diverser Ozeane allerlei Unheil an und fraß seine Gattin, bevor es unschädlich gemacht werden konnte. (s. „Meg – Die Angst aus der Tiefe“)

Allerdings verließ das Ungetüm diese Welt erst nach der Geburt eines weiblichen Baby-Megalodons, der von Taylor in einer künstlichen Lagune an der kalifornischen Küste gefangen gesetzt wurde. Dort lässt sich Angel, wie der inzwischen auf Eisenbahnwaggon-Größe angeschwollene Gast aus der Tiefsee genannt wird, von dickbäuchigen Touristen beim Vertilgen vollständiger Rinder bestaunen.

Nun wird Angel erwachsen und langsam ein wenig mannstoll. Auf der Suche nach einem Gefährten rammt sie sich den Weg aus ihrem Gehege frei und stürmt hinaus in die See. Angels Fährte folgt Jonas Taylor, ihr persönlicher Ahab, der sich seit Jahren in düsteren Prophezeiungen genau dessen, was sich gerade ereignet hat, erging und dem selbstverständlich – so fordern es die Regeln des B-Thrillers – niemand Glauben schenken wollte.

Angel ist für Taylor zur fixen Idee geworden, die sein Denken bestimmt und seine zweite Ehe zum Scheitern brachte. Terry, Taylors Noch-Gattin, hat sich in die Dienste des mysteriösen Industriemagnaten Benedict Singer begeben, der als moderner Kapitän Nemo von einem Unterwasser-Imperium träumt, in dem er das Sagen hat. Seine neueste Errungenschaft, die Tiefseestation „Benthos“, hat er ausgerechnet im Marianen-Graben verankert, und dort kommt es seit kurzem zu rätselhaften Zwischenfällen …

Blasiges Geblubber statt guter Geschichte

Wie lässt sich ein Roman wie „Höllenschlund“ objektiv bewerten? Dies ließe sich mit einem Satz erledigen – der Doppelsinn dieser Worte ist Absicht -, der mit entsprechenden Worten & Wendungen unserer Muttersprache ausgestaltet und variiert werden könnte, ohne dass sich der Inhalt ändern würde: „Höllenschlund“ ist ein richtig miserables Buch. Was es über das Gros ähnlich schlechter (Mach-) Werke hinaushebt, ist das in jeder Zeile spürbare Bemühen seines Autors um literarische Qualität: Steve Alten möchte ja eine spannende, gut recherchierte Geschichte erzählen und sie mit stimmigen Figuren besetzen – er kann es halt einfach nicht.

Mit Feuereifer beginnt er jede Szene seines (nicht von ungefähr an ein Filmdrehbuch erinnernden) Romans, um doch stets nach wenigen Sätzen dramaturgisch ins Stolpern zu geraten. Gute Schriftsteller (und damit schließe ich jene, die sich dem unterhaltenden Thriller verschrieben haben, ausdrücklich mit ein) erzeugen Spannung durch den geschickten Aufbau einer Geschichte. Dafür gibt es durchaus Regeln, die sich bewährt haben und die man tunlichst beherzigen sollte.

Typischer Anfänger, der er auch mit seinem zweiten Roman immer noch ist, glaubt Alten freilich, das Rad neu erfinden zu müssen. Was Ihm tatsächlich ´gelingt´, ist die billige Kopie eines James-Bond-Thrillers – und gemeint sind die Hanswurstiaden, die das Publikum unter Roger Moore ertragen musste. „Der Spion, der mich liebte“ lässt ganz besonders in der Figur des durchgedrehten Unterwasser-Diktators Benedict Singer grüßen. Ein weiterer Irrer greift nach der Weltmacht! Wie wird das wohl ausgehen?

Klischees statt Figuren

Zumindest geahnt hat Alten die Sackgasse, in die er sich selbst manövriert, wohl selbst. Für ihn beispielhaft ist eine ´Lösung´, die ihn voll gegen die Wand laufen lässt: Singers inneren Defekte spiegeln sich in seinem bizarren Äußeren wider, und seine geistige Überlegenheit meint er durch großzügig in die Dialoge eingemischte lateinische Zitate beweisen zu müssen. Aufgrund der Penetranz, mit der Alten sich dieses billigen Tricks bedient, hat der Leser den halbdimensionalen Bösewicht bereits nach wenigen Seiten gründlich satt.

Das trifft auf die übrigen Figuren genauso zu: Pappkameraden wie der unermüdliche, aber unverstandene und von Selbstzweifeln zerfressene Held Jonas (Achtung: Namenssymbolik!), seine schöne, ihm entfremdete, aber treue Gattin, der Kumpel, der zwischen diversen Rettungsaktionen und kollektiven Saufabenden vermutlich im Schrank des Helden gehalten wird, der gütige, alte, herzkranke (Schwieger-) Vater, die wunderschöne aber gemeingefährliche Gefährtin des Schurken, die ihren Opfern lachend die Köpfe abbeißt, sich jedoch prompt in den Helden verliebt und Besserung gelobt (Preisfrage: Welches Ende wird für sie wohl diese Geschichte nehmen?), und für grobe Mord- und Metzel-Einlagen notorisch vertierte Russen, die zwar keine Kommunisten mehr sind, denen der gute Durchschnittsamerikaner aber immer noch misstrauen sollte. Die Liste will kein Ende nehmen.

Vermutlich kann man diese Klischees nur im Kino ertragen, wo bewegte Bilder und laute Musik die Höllenschlunde im Handlungsbogen verdecken. (Allerdings haben große Filmemacher wie Jan de Bont und Guillermo del Toro die Waffen gestreckt; seit mehr als zehn Jahren schmort „Meg“ in Hollywoods berüchtigter Produktionshölle – das Projekt wurde mehrfach verworfen, vegetiert aber weiter, obwohl grausige Billigschocker wie „Shark Attack“ oder – Gipfel des Grauens – „Hai-Alarm auf Mallorca“ – in der Hauptrolle: Ralf Möller – das Megalodon-Motiv bereits aufgegriffen und ad absurdum geführt haben.)

Wissenschaft, die Dummheit schafft

Jenseits vordergründiger Spannung und flacher Charaktere sollen (populär-) wissenschaftliche Einsprengsel das Niveau heben. Alten hat sich informiert über das Leben in der Tiefsee, die moderne Unterwasserforschung, das Meeresklima usw., und er ist nicht der Autor, der seinem Publikum solche Mühen vorenthalten würde. Freudig und oft verfällt er ins Dozieren und hört, erst einmal in Schwung gekommen, ungern damit wieder auf. Mit der ihm eigenen Unbeholfenheit strapaziert er den ohnehin überspannten Geduldsfaden seiner Leser fleißig weiter, indem er solche Suaden plump in aufgesetzte Dialoge des Kalibers „Wie funktioniert das?“ – „Das funktioniert so: ...“ verpackt.

Wenn Steven Alten gar nichts mehr einfällt, lässt er seinen Monsterfisch auftauchen. Sein einziger Einfall, auf dem inzwischen vier Romane basieren, war es, den Weißen Hai von 1974 so lange aufzublasen, bis er das Format eines Tyrannosaurus rex erreicht hatte. Ein simpler Hai von acht oder zehn Metern Länge ist heutzutage offensichtlich nicht mehr furchterregend genug. Aber Alten wäre nicht Alten, hielte er nicht einen weiteren überflüssigen Trumpf in der Hinterhand: Im Marianen-Graben treiben außer den Megalodons auch noch mutierte Wassersaurier ihr Unwesen! Dass sie sich verhalten wie die Raptoren in den „Jurassic-Park“-Filmen, ist gewiss nur ein Zufall …

Haben wir nun Ruhe vor dem Grauen aus der Tiefe? Davon ist leider nicht auszugehen. Im Dunkel des Ozeans munkelt gewiss noch allerlei thrillertaugliches Getier. Wer weiß – ist der Megalodon tatsächlich der größte Raubfisch aller Zeiten? Wäre es denn unvorstellbar, dass in der Tiefsee Haie von vierzig, fünfzig oder hundert Metern ihr Unwesen treiben; Bestien, die nicht nur unheilverkündend leuchten, sondern vielleicht sogar fliegen können (übrigens ein Einfall, den Jeffrey Boam für eines der nie verwirklichten „Meg“-Drehbücher ausgearbeitet hat)? Wäre das nicht DIE Attraktion für Teil 3 – der Höllenhai lauert in den Wolken unvorsichtigen Verkehrsflugzeugen auf? So schlimm kam es bisher nicht*, aber zumindest die angelsächsischen Leser blieben von weiteren fischblütigen Als-ob-Thrillern des Steve Alten keineswegs verschont.

(* Dies muss inzwischen relativiert werden: Zumindest in „Mega Shark vs. Giant Octopus“, einem der miserabelsten Trash-´Filme´ nicht nur des Jahres 2009, schnappt sich der sprungstarke „Mega Shark“ einen Jumbo-Jet direkt aus der Luft.)

Ihre Meinung zu »Steve Alten: Höllenschlund«

Dr.Hans Christian Plschek zu »Steve Alten: Höllenschlund«25.07.2015
Ungerechtfertigterweise eine schlechte Kritik eines wohl in intellektueller Hinsicht zu kurz gekommenen "Fachmanns"! Selbstverstaendlich gibt es zum Thema "Seeungeheuer" mittlerweile genuegend Trash-Literatur und -Filme. Man muss dem Autor Steve Alten jedoch unter anderem auch seine intensive Recherche zum Beispiel in IN PUNCTO Palaeontologie -hier seien zum Beispiel nur die Meeressaurier der Gattung "Kronosaurus" erwaehnt, anrechnen. Der Zeitrahmen dieser beiden Tiere stimmt nach palaeontologischen Forschunegen voellig ueberein und man kann sich unschwer vorstellen, dass sich ein Megalodon leicht auch gegen diese Meeresreptilien durchsetzte.
Ihr Kommentar zu Höllenschlund

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